Die originalgetreuste Dracula-Verfilmung

James Rolfe alias The Angry Video Game Nerd beschäftigt sich in einem aktuellen Video mit einem meiner Lieblingsbücher; oder besser gesagt dessen Verfilmungen. Er beantwortet die Frage, welcher Film wohl die originalgetreuste Umsetzung von Bram Stokers Dracula ist. Das Ganze kommt aus naheliegenden Gründen nicht ohne subjektive Vorauswahl aus. Aus der Vielzahl der Dracula-Filme hat sich James zwölf der aussichtsreichsten Kandidaten ausgesucht – und ich würde behaupten, die Auswahl ist gelungen – und prüft diese Filme anhand einer Checkliste auf die wichtigsten Figuren, Elemente und Handlungsdetails des Buches.

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Rein instinktiv hätte ich vermutet, dass Francis Ford Coppolas Verfilmung von 1992 ziemlich weit vorne rangieren müsste. Und in der Tat ist es auch so. Coppolas Version liefert sich bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der BBC-Verfilmung von 1977, die letztlich knapp gewinnt. Nicht nur, weil die BBC-Version die meisten Übereinstimmungen mit dem Buch hat, sondern auch weil Coppolas Version deutlich mehr Elemente hinzudichtet, die im Buch gar nicht vorkommen. Immerhin ist der Coppola-Film der einzige von den zwölf Filmen, der die Briefkorrespondenz mit in die Handlung integriert. Stokers Roman besteht bekanntlich ausschließlich aus Briefen, Tagebucheinträgen und Zeitungsausschnitten. Auf Platz 3 landet ein Film, den ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: Jess Francos Nachts, wenn Dracula erwacht von 1970.

Serien 2018

Weils so schön ist, gleich noch eine Liste. Die Serienneustarts 2018, die mich besonders begeistert haben, sind diese fünf:

Killing Eve

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Eine durchgeknallte Auftragsmörderin namens Villanelle mordet sich durch Europa. Die MI5-Ermittlerin Eve Polastri erkennt die Zusammenhänge, wird aber wegen eines Dienstvergehens gefeuert. Daraufhin erhält sie von der Auslandssektion des MI6 die Chance eine inoffizielle Sondereinheit zu gründen, um die Killerin aufzuspüren. Villanelle bekommt unterdessen Wind von der Sache und entwickelt eine stalker-artige Leidenschaft für Eve. Obwohl zuerst in Todesangst, fühlt sich auch Eve bald zu der unberechenbaren Psychopathin hingezogen. Von da an beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Rollen von Jägerin und Gejagter ständig wechseln.

Dem positiven Medien- und Zuschauerecho kann ich mich nur anschließen. Killing Eve ist sowohl Thriller als auch schwarze Komödie mit wohldosiertem Humor und trotz Blut und Brutalität voller überraschender Leichtigkeit und mit Verve inszeniert – und gespielt. Sandra Oh als zielstrebige Ermittlerin und Jodie Comer als völlig Wahnsinnige, die in sexuelle Erregung gerät, wenn sie ihren Opfern beim Sterben zusieht, bieten hier eine große Show. Warum die Serie noch keinen deutschen Starttermin hat, ist mir ein Rätsel. Nachtrag: Die Serie ist mittlerweile über Amazon Prime auf dem Starzplay Channel und als DVD verfügbar.

 

The Haunting of Hill House

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Die famose Netflix-Horrorserie habe ich bereits hier vorgestellt.

 

The Terror

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Ein echter Downer. Wer was für die gute Laune sucht, muss woanders schauen. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons, der die gescheiterte Arktis-Expedition von John Franklin thematisiert und mit Elementen des fantastischen und realen Horrors kombiniert. Ironischerweise hätte es das Monster gar nicht gebraucht, denn das wahre Monster ist in dieser Geschichte mal wieder der Mensch selbst.

Die Serie strahlt zu jeder Sekunde die pure Hoffnungslosigkeit aus und der Zuschauer weiß, dass dieses düstere Abenteuer kein gutes Ende nehmen wird. Der Kontrast zwischen der gedrängten Enge in den Schiffen und der weiten arktischen Unwirtlichkeit außerhalb ist gut in Szene gesetzt. Dazu eine feine Schauspielerriege und ein die Atmosphäre unterstreichender minimalistischer Soundtrack. Die erste Staffel steht auf Amazon Prime Video zum Abruf. Eine zweite Staffel ist für 2019 angekündigt, was mich überrascht, denn die Geschichte ist eigentlich auserzählt. Ich hoffe auf eine sehenswerte Weiterführung.

 

Strange Angel

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Strange Angel erzählt die Geschichte des Raketenwissenschaftlers Jack Parsons, der in den 1930er Jahren die erste Rakete mit heterogenem Festtreibstoff erfand und so maßgeblich die Raumfahrt beeinflusste. Einen kuriosen Twist erhält Parsons Biografie dadurch, dass er ein Anhänger von Aleister Crowleys okkulter Thelema-Bewegung war. Das prädestiniert die Figur Parsons geradezu für eine spannende Serienumsetzung. Auf der einen Seite Wissenschaftler, auf der anderen Seite Mitglied eines verschrobenen Kults mit sexualmagischen Ritualen. Die erste Staffel von Strange Angel spielt mit diesem Gegensatz auf anschauliche Weise und zeigt, wie und warum Parsons in den Bann der örtlichen Loge gerät, während er gleichzeitig versucht, die Wissenschaft zu revolutionieren.

Die Serie überzeugt visuell und hat eine tolle Besetzung. Zugegebenermaßen könnte die Serie etwas mehr Tempo gebrauchen. Man könnte auch sagen, die Erzählweise korrespondiert mit der Karriere von Parsons, die anfangs mehr als einmal ins Stocken gerät und das nicht nur, weil seine Raketen nicht zünden. Vielleicht befasst sich die Serie tatsächlich etwas zu ausführlich mit den Eheproblemen von Parsons und seinem Nachbarn. Da mich die Geschichte aber so begeistert, kann ich über diese Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Die Serie ist bisher leider nur über den Streaming-Dienst CBS All Access zu sehen.

 

The End of the f***ing World

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Der 17-jährige Außenseiter James hält sich selbst für einen Psychopathen und fantasiert von einem Mord, als die neu an die Schule gekommene Alyssa ihn überzeugt sie bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater zu begleiten. James willigt ein, weil er sie für sein perfektes erstes Mordopfer hält. Mit einem geklauten Auto begeben sich die Beiden auf einen Roadtrip, der nicht nur die Suche nach Alyssas Vater ist, sondern sich auch als Suche nach Sinn und Bedeutung in einer düsteren Welt entpuppt.

Trotz nihilistischer Weltsicht und rabenschwarzem Humor handelt es sich hierbei um eine romantische Komödie mit Feinsinn. Die Serie hat nicht nur einen originellen Plot, sondern ist außerdem außergewöhnlich gut inszeniert und in 8 mal 25 Minuten schön kompakt erzählt. Staffel 1 steht auf Netflix, eine zweite Staffel ist angekündigt.

 

Honorable Mention

Folgende Serien haben es letztlich nicht ganz in meine Top 5 geschafft, bedürfen aber durchaus besonderer Erwähnung.

Altered Carbon

Viel eye candy, viel Action, solide Story mit etlichen tollen Ideen. Läuft nicht ganz rund, macht aber tierisch Spaß. Freue mich auf die zweite Staffel, auch wenn Joel Kinnaman nicht mehr dabei sein wird.

Lost in Space

Wie Altered Carbon, aber für die ganze Familie. Ein richtig schönes Remake der Serie aus den 1960ern. Irgendwie ist es der Serie gelungen, dass ich über die ganzen Klischees und Logiklöcher und nervenden Figuren hinwegsehen konnte. Erweckte eine kindliche Freude in mir.

Maniac

Äußerst bizarre Mini-Serie, die in einer retro-futuristischen Welt im 1980er-Jahre-Look spielt. Wenig ergibt Sinn, bis zur finalen Folge. Und bis dahin ist es eine irre Reise durch die Gedanken zweier Menschen, die auf seltsame Weise miteinander verbunden sind.

Future Man

Rasante Zeitreisekomödie mit vielen popkulturellen Anspielungen und mit wenig Tabus. Es geht mal wieder um nichts Geringeres als die Welt zu retten, aber die Drehbuchautoren schöpfen aus dem Vollen und schrecken vor nichts zurück. Verdammt lustig.

Impulse

Aus dem mittelmäßigen Science-Fiction-Action-Film Jumper von 2008 hat Youtube eine überraschend gute Coming-of-Age- und Traumabewältigungs-Geschichte gemacht, die weniger auf hektische Rumspringerei und mehr auf Teenage-Angst und Familientragödie setzt. Das ist alles recht schlüssig geschrieben und die Autoren wissen, wann es Zeit ist, die Nebenschauplätze zu verlassen und die Jumper-Haupthandlung weiterzuspinnen.

Star Trek: Discovery

Das ist schon lustig, wie sich die Fanboys über diese Serie empören. Mir haben schon die Kinofilme von J.J. Abrams gefallen und da die Serie eine ähnliche Richtung einschlägt, habe ich auch hier meinen Spaß. Wer Old-School-Star-Trek haben möchte, kann ja The Orville schauen und für die, die ernsthafte Science-Fiction suchen, für die gibt es The Expanse.

Deutschland 86

Nicht so temporeich wie Deutschland 83, dennoch eine sehenswerte Fortsetzung. Behandelt ein sonst eher vernachlässigtes Thema, nämlich die dubiosen Waffengeschäfte der DDR mit dem Apartheid-Regime in Südafrika. Allerdings verliert sich die Serie auch ein wenig in etlichen Nebenplots.

 

Podcast: NostalGeeks!

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Oh je, ein weiterer Podcast, den ich zukünftig hören muss. Dia Westerteicher von Evil Ed und der Wortvogel Torsten Dewi haben einen neuen Podcast names NostalGeeks! ins Leben gerufen. Die zwei, laut Eigenwerbung, alten Männer reden im vierzehntäglichen Rhythmus über Filme und Serien und anderen Nerdkram (oder muss man sagen Geekkram?) und sparen nicht mit eigenen Anekdoten.

Wer den schon seit einiger Zeit pausierenden Evil-Ed-Podcast vermisst, findet hier gleichwertigen Ersatz. Und diejenigen, die Evil Ed nicht kennen, sollten hier natürlich trotzdem mal reinhören. Obwohl erst eine Folge raus ist, kann ich NostalGeeks schon jetzt getrost empfehlen. Der Podcast ist informativ wie unterhaltsam.

La femme la plus assassinée du monde

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Die Angst ist für den Geist, was der Schmerz für den Körper ist. Einige Menschen mögen es zu leiden, andere haben gerne Angst. Ich mag beides.

-Paula Maxa (im Film)

The Most Assassinated Woman in the World (auf Netflix) ist ein ambivalenter Film. Als Horrorfilm bietet der Film wenig Neues. Auf der anderen Seiten beglückt uns der Film mit der akkuratesten Darstellung des französischen Théâtre du Grand Guignol, die bisher zu sehen war. In dieser Hinsicht überzeugt er mit Atmosphäre und Detailverliebtheit.

Das Grand Guignol hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Horrorfilm, insbesondere das Slasher-Genre. Aus diesem Grund hatte ich mich vor geraumer Zeit auch mal intensiv mit dem Theater beschäftigt, sämtliche Bücher und Schriften besorgt, etliche der Original-Stücke gelesen. Das Thema hat mich auf besondere Weise fasziniert, obwohl ich mit Theater ansonsten wenig zu tun habe. Die Filmemacher scheinen die gleiche Leidenschaft gefühlt und die gleichen Quellen verwendet zu haben. Das wirkt alles sehr authentisch, zumindest gemessen an dem, was die Fachliteratur sagt. Der Film zeigt eingebunden in die Handlung wie Effekte, Licht und Klänge backstage produziert und für den Schockeffekt auf der Theaterbühne genutzt werden und vergisst auch Details nicht wie die Kotztüten für das Publikum, die VIP-Logen, in denen gutbetuchte Herren sich während den Vorstellungen mit Prostituierten vergnügen und den Türsteher, der draußen den Wartenden, die keinen Platz im Theater mehr ergattert haben, in marktschreierischer Weise schildert, was drinnen auf der Bühne vor sich geht. Darüber hinaus wird in einer Szene ziemlich überzeugend das Stück Un Crime dans une Maison de Fous (Ein Verbrechen im Irrenhaus) angespielt.

Ja, so könnte das tatsächlich alles gewesen sein, damals im Grand Guignol.

Der Filmtitel, La femme la plus assassinée du monde, bezieht sich auf die Bezeichnung, die die Presse damals der Schauspielerin Paula Maxa gab. Maxa war der große Star, sozusagen die Sarah Bernhardt des Grand Guignol, wie sie auch oft beschrieben wird. Auf der Bühne starb sie tausende Tode und wurde so zur “meistumgebrachten Frau der Welt”.

Der Film setzt sie als geheimnisvolle und tiefgründige Femme Fatale in Szene, womit die Authentizität des Films auch endet. Neben Maxa erscheinen im Film noch andere historische Figuren wie die Grand-Guignol-Autoren André de Lorde und Alfred Binet und der Mann für die Spezieleffekte, Paul Ratineau; aber all diese Figuren haben wenig bis nichts mit den realen Personen gemein. Die Bezeichnung “Bio-Pic”, wie sie in manchen Medien für den Film verwendet wird, ist daher etwas irreführend.

Paula Maxa wird von Anna Mouglalis gespielt, die in ihrer Karriere schon einige berühmte Persönlichkeiten darstellte, von Coco Chanel über Juliette Gréco bis Simone de Beauvoir. Mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz passt sie außerordentlich gut in die Rolle einer Schauspielerin in einem Horrortheater der 30er Jahre. Zudem hat sie eine sensationelle Stimme, die sich auch gesanglich sehr gut macht, wie im tollen Soundtrack zu hören ist. Daher mein Rat: im französischen Original mit Untertiteln schauen.

Der Film verquickt eine weitgehend genaue Darstellung des Theateralltags und eine dramatische in surrealen Rückblenden erzählte fiktive Hintergrundgeschichte über Paula Maxa mit einem Serienkiller, der Paris heimsucht und es auf Paula abgesehen hat. Hierbei bewegt sich der Film zwischen klassischem Horror (Erinnerungen an Das Phantom der Oper und Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts werden wach), Spät-Giallo und Arthouse. Das Ganze läuft mitunter etwas holprig und die Genre-Mischung überzeugt nicht immer. Aber die einzigartige Atmosphäre, die Sets und Locations, die trotz doch offensichtlich kleinem Budget einfach fantastisch aussehen, Kamera und Ton, Anna Mouglalis in der Hauptrolle, die historische Relevanz und letztlich die Leidenschaft der Filmemacher, die sich zu jeder Sekunde offenbart, machen den Film zu einem tollen Gesamtpaket. Für mich ist der Film eine der positiven Überraschungen des Jahres. Zuschauer mit geringem Interesse am Grand Guignol werden womöglich weniger begeistert sein.

Die echte Paula Maxa, die eigentlich Marie-Thérèse Beau hieß, starb übrigens 1970 ohne Familie oder Freunde zu hinterlassen und wurde in einem öffentlichen Sammelgrab in Paris beigesetzt.

Apostle (2018)

Apostle (Netflix)

Ein garstiger, niederschmetternder Film, der den eleganten Zynismus eines Wickerman mit der Räudigkeit eines Backwood-Schockers kreuzt. Der Regisseur Gareth Evans kann nicht nur entfesselte Martial-Arts-Action (siehe The Raid), sondern auch diese Art von kultischem Sekten-Horror.

Visuell beeindruckend und mit einigen hochunangenehmen Szenen versehen, kann mich der Film aber nicht vollends überzeugen. In einigen Szenen fehlt ihm das letzte Quentchen Orginalität und er ist mit 130 Minuten ein bischen lang geraten. Dennoch sehenswert.

Englischer Trailer:

The Haunting of Hill House

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The Haunting of Hill House (Netflix)

Eine packende Modernisierung und Neuinterpretation des 1959 erschienen Romans von Shirley Jackson und der Verfilmung von 1963, die in Deutschland unter dem Titel Bis das Blut gefriert bekannt ist. In dem Netflix-„Remake“ vereinen sich tiefenpsychologische Motive mit visuellem Horror und beschwören eine ausgesprochen schaurige und bedrückende Atmosphäre.

Extrem aufwändig gefilmt, ist die Serie atemberaubend anzusehen und überzeugt mit einem ausgeklügelten Sounddesign. Die Musik ist zurückhaltend und die Serie verzichtet meist auf billige Jump-Scares mit schrillem Schockton. Stattdessen wird viel öfter mit großer Wirkung auf die Unbehaglichkeit der Stille vertraut.

Auch schauspielerisch bietet die Serie großes Kino. Das ist nicht unwichtig, denn die Story ist zu einem erheblichen Teil ein Familiendrama, das mit der Spukhaus-Handlung verschmilzt. Die sozialen Interaktionen und Dialoge sind ebenso wichtig wie der Horror.

The Haunting of Hill House, das ist intelligenter Horror. Modern, aber nicht seine klassische Spukhaus-Herkunft verleugnend. Während die Serie im Mittelteil sich von der Romanvorlage entfernt, leitet Folge 8 mit einer großartigen, unfassbar emotionalen Szene den Schwenk ein zurück zur romantischen Schauermär. Am Ende der Serie, wenn sich alles auflöst, bleibt nur eines übrig: Pure Poesie.

Englischer Trailer

 

Deutscher Trailer

Hinab in die Gruft: Infra Arcana

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Vor einer Weile habe ich das Roguelike-Spiel Infra Arcana entdeckt. Infra Arcana ist in erster Linie von den Geschichten von H. P. Lovecraft inspiriert, enthält aber auch Verweise auf B-Horrorfilme und das PC-Spiel Blood von 1997. Diese Mischung ist einzigartig im Roguelike-Genre – und ausgesprochen spannend umgesetzt.

In der Gestalt von Ghoul, Occultist, Rogue oder War Veteran, begibt sich der Spieler in die Katakomben einer alten Kirche, die der gefürchteten Sekte The Church of Starry Wisdom als Unterschlupf dient. Tief unten in den Katakomben soll ein Artefakt versteckt sein, das nichts geringeres verspricht, als die Geheimnisse des Universums lüften zu können.

Die vier verschiedenen Charakterklassen unterscheiden sich in den Werten und Eigenschaften deutlich, und spielen sich dementsprechend unterschiedlich. Für den Anfänger ist der Rogue eine gute Wahl. Der ist relativ ausbalanciert und kommt mit einigen praktischen Startfähigkeiten daher. Zum einen besitzt er die Fähigkeit, die Gedanken der Gegner zu vernebeln, woraufhin diese die Anwesenheit des Spielers kurzfristig vergessen, was dem Spieler in brenzligen Situationen eine gute Möglichkeit zur Flucht verschafft. Außerdem startet der Rogue mit den Eigenschaften observant und stealthy. Erstere lässt den Spieler leichter versteckte Fallen, Türen, Objekte und Monster erkennen; zweitere hilft dabei, eher unentdeckt durch die Gänge schleichen zu können.

Für welchen Charakter man sich auch entscheidet, nach dem Spielstart erlebt der Anfänger beim Blick ins Inventar eine positive Überraschung. Im Gegensatz zu vielen anderen Roguelikes, startet man in Infra Arcana mit einer soliden Ausrüstung. Im Falle des Rogue sind das: ein Dolch, ein M1911 Colt mit 14 Patronen, 12 Wurfmesser, 8 Eisenspikes zum Werfen und Türenblockieren, 2 Dynamitstangen, 2 Molotovcocktails, Lederjacke, elektrische Laterne und eine Medizintasche um Wunden und Infektionen zu behandeln.

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Nach dem Erreichen der Kirche, die inmitten eines von Wölfen bevölkerten Waldes liegt, geht es direkt hinab in die Katakomben und es ist an der Zeit, sich mit einer Besonderheit von Infra Arcana vertraut zu machen. Dem Insanity-Meter. Während in anderen Roguelikes das Attribut Hunger dazu genutzt wird, den Spieler einer gewissen latenten Gefahr auszusetzen, gibt es in Infra Arcana statt des Hungers das Risiko dem Wahnsinn zu verfallen. Ganz in der Tradition eines der großen Themen in Lovecrafts Werk. Der Aufenthalt in den Katakomben versetzt den Spieler in einen Schockzustand, der sich stetig verschlimmert. Jedes Monster, jede dunkle Ecke, jede Ungewöhnlichkeit und jede Überraschung addiert Schockpunkte hinzu. Erreicht der Schockzustand 100%, erhöht sich das Attribut Wahnsinn um einen gewissen Prozentsatz. Überschreitet der Wahnsinn die 100%, ist der Spieler dem Wahnsinn völlig verfallen und das Spiel ist verloren. Das Gute ist, dass der Schockzustand jedes mal auf 0% zurückgesetzt wird, wenn man die nächste Ebene erreicht. Zusätzlich existieren einige Objekte und Zaubersprüche, die den Schockzustand ebenfalls senken können.

Das oberste Gebot lautet also, sich nicht allzu lange in einem Level aufzuhalten und sich nicht zu vielen offensichtlichen Schocks auszusetzen. Dazu ist es hilfreich, dass der Spieler Erfahrungspunkte nicht nur durch das Töten von Monstern erlangt, es reicht bereits der bloße Anblick eines Monsters, um die halben Erfahrungspunkte einzustreichen.

Der physische Zustand des Spielers wird durch Hitpoints (HP) und Wunden (Wounds) bestimmt. Während kleinere Verletzungen die HP reduzieren, sorgen größere Schäden für Wunden, die sich unter Umständen auch infizieren können. Solche Wunden wirken sich besonders stark auf die Konstitution und Kampfkraft aus, zudem hindern sie die Regeneration der HP. Dies bedarf einer schnellen Behandlung mit der Medizintasche.

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Der Kampf in Infra Arcana läuft unkompliziert ab, ist aber alles andere als einfach. Die Monster streben stets danach, den Spieler zu umzingeln und sich nicht gegenseitig im Weg zu stehen. Das Ausnutzen der Umgebung ist daher unerlässlich. Schleicht man sich an Monster heran und bleibt unentdeckt, erhält man einen massiven Schadensbonus beim Angriff. Sowohl Waffen als auch Rüstungen verursachen Geräusche, die wiederum Monster von weither anlocken können. Zu der genauen Anzahl unterschiedlicher Monstertypen, werden keine Informationen gemacht. Aber es sind unzählige, sowohl aus dem Lovecraft-Kosmos als auch aus anderen Horrorbereichen. Das ist überhaupt ein großer Pluspunkt des Spiels, es überrascht den Spieler immer wieder mit neuen Entdeckungen und originellen Begebenheiten. Das ist ja eigentlich auch das, was ein Roguelike auszeichnen sollte.

Infra Arcana enthält ebenfalls ein Magiesystem, das im Vergleich zu anderen Spielen aber deutlich reduziert ist. Der Occultist ist in der Lage, Zaubersprüche durch das Lesen von Manuskripten zu erlernen und unabhängig zu nutzen. Die anderen Charaktere sind dagegen auf Manuskripte oder magische Objekte angewiesen. Das Nutzen von Magie reduziert die Spiritpoints, die nicht auf 0 fallen dürfen. Bestimmte Monster wiederum können ebenfalls Magie nutzen.

Grafisch überzeugt das Spiel mit einem einfachen und übersichtlichen Tile-Set. Der folgende Screenshot zeigt ungefähr in der Mitte, lilafarben, die Leng-Spinne, die der Lovecraft-Leser aus The Dream-Quest of Unknown Kadath kennt (dt.: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath). Kurz zuvor habe ich hier eine Scroll of summon Creature benutzt, die mir die kleinen grünen Spinnen als Helfer beschert hat. Diese greifen autonom alle Feinde in Reichweite an. Wie hier zu erkennen, ist immer nur der Teil der Katakomben sichtbar, der sich in Sichtweite befindet. Karten gibt es in Infra Arcana nicht. Die sind allerdings auch nicht nötig, da der Algorithmus das Level-Layout nicht allzu komplex generiert.

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Erwähnenswert ist die minimalistische, aber sehr effektive Audiountermalung. Neben Ambientsounds, die hin und wieder das Geschehen bereichern, sorgen Effekte wie Poltern, Monsterkreischen und ähnliches für Grusel. Die gesamte Atmosphäre des Spiels wird dem Horroranspruch mehr als gerecht. Wer der immer gleichen Fantasy- und Dungeon-Settings im Roguelike-Genre überdrüssig ist, der findet in Infra Arcana eine wunderbare Abwechslung.

Zum Abschluss beschreibe ich folgend eine typische Spielszene.

Ich betrete eine Gruft und sofort steigt mein Schockzustand um 30%. Kein gutes Zeichen.

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Aber Grabmäler enthalten oftmals interessante Objekte. Also öffne ich wider besseren Wissens den Deckel des Grabes.

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Eine Mumie entsteigt dem Grab und murmelt Unverständliches.

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Angesichts der Mumie bin ich so verängstigt, dass meine Nahkampffähigkeiten versagen.

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Mir bleibt also nichts anderes übrig, als Abstand zwischen mir und der Mumie zu gewinnen. Zum Glück ist sie weitaus langsamer als ich. Ich locke sie aus der Gruft heraus, woraufhin sich mein Schockzustand sofort verringert. Ich schaue ins Inventar: Molotovcocktail! Die Mumie mit Feuer bekämpfen, klingt gut.

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Treffer, die Mumie brennt. Und die ganze Umgebung gleich mit. Glücklicherweise war mein Abstand groß genug. Die Mumie wankt auf mich zu. Einige Kugeln aus dem guten alten Colt später und die Mumie ist besiegt.

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Die Überreste der Mumie.

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