Archiv der Kategorie: Tee

Eine alte Tee-Anzeige

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In einer Ausgabe des britischen Punch-Magazins von 1915 habe ich diese Anzeige der Londoner Formosa-Oolong Tea Rooms für taiwanesischen Oolong entdeckt. „Empfohlen von Kennern für seinen erfrischenden Duft und Reinheit, sehr bekömmlich auch für die Empfindlichsten“.

Die Preisangabe steht für Shilling/Pence. 2/7 bedeutet beispielsweise, dass der billigste Blend 2 Shilling und 7 Pence pro Pfund (= 0,454 kg) kostete. Frachtkosten inklusive. Benutzt man den Kaufkraft-Rechner von nationalarchives.gov.uk entspricht dies ungefähr einem heutigen Wert von 7,60 Pfund Sterling, was aktuell etwa 8,80 Euro sind. 2/10 für den billigsten puren Oolong entspricht £8,30 (€9,60). Die teuersten Tees entsprechen £12,70 (€14,70) respektive £11,30 (€13,10). Aus heutiger Sicht wirkt das sehr günstig, wenn man sich vor Augen führt, dass man heute auch mal €50 oder mehr für 100 Gramm zahlen kann. Allerdings gehe ich davon aus, dass heutige Tees qualitativ ungleich besser sind.

Wie man der Illustration auf archiseek.com entnehmen kann, befand sich an der selben Adresse des Teeladens im Jahre 1872 der Buchhändler und Verleger Sotharan, der bis heute offenbar an der gleichen Stelle existiert (Google Maps). Oder zumindest irgendwo da ungefähr. Das Stadtbild hat sich in 150 Jahren so geändert, dass ich die alte Illustration nicht mehr eindeutig zuordnen kann. 36 Piccadilly gehört heute jedenfalls zu einem ganzen Block mit den Nummern 36 bis 38. Und die Lloyds Bank sitzt mit der Nummer 39 noch vorne dran.

Über die Formosa-Oolong Tea Rooms finde ich wenig. Neben der Anzeige, ist die einzige Referenz eine Erwähnung in More London Inns and Taverns von Leopold Wagner, erschienen 1925, also zehn Jahre nach der Anzeige:

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In der Gegend reihte sich demnach Teehaus an Teehaus und Formosa-Oolong Tea Rooms existierten nacheinander an zwei verschiedenen Orten. Der dort erwähnte Club Swallow Street Rooms, der offenbar direkt an die Formosa-Oolong Tea Rooms anschloss, könnte irgendwo da gewesen sein, wo sich heute Bentley’s befindet (Google Maps). In der Tat haben die heute noch einen mietbaren Private-Dining-Room namens Swallow Street Rooms.

Das Tee-Magazin eighty°

Es gibt ein neues englischsprachiges Tee-Magazin namens eighty°. Ich habe das Magazin direkt ungesehen abonniert, um das Engagement zu unterstützen. Am Markt existieren ja kaum gedruckte Magazine, die sich ausschließlich mit Tee beschäftigen und daher sehe ich neue Projekte diese Art immer gerne.

Trotz des Titels, der sich auf die Aufgusstemperatur von chinesischem grünen Tee bezieht, beschäftigt sich das Magazin mit allen Arten von echtem Tee und allem, was zum Teetrinken dazu gehört. Nicht umsonst prangt auf dem Cover der Untertitel: The Culture of Tea.

In der ersten Ausgabe werden einige Basisthemen abgehandelt wie Teearten, Teegeschichte, Aufgusstemperaturen, Wasserwahl, die Teepflanze Camellia sinensis, usw. Passionierte Teetrinker werden hierbei zwar wenig Neues lernen, aber jeder Artikel ist mit viel Liebe zum Detail geschrieben und aufgemacht. Wie das ganze Magazin übrigens. Es ist durchgehend mit hochwertigen Fotos und Illustrationen geschmückt. Neben den Basisthemen finden sich Artikel über die Teefarmerin Li Xiaoping aus Hangzhou, Shunan Teng, die einen  Teeladen in New York betreibt sowie Interviews mit Fotograf und Autor Michael Freeman, der einige tolle Bücher über Tee veröffentlicht hat, und mit Jonah und Coomi von Bitterleaf.

Insgesamt ein schöner Start des Magazins. Mein Abo lasse ich auf jeden Fall weiterlaufen, um zu sehen, wie sich das entwickelt. eighty° erscheint vier Mal im Jahr und kosten 15€ pro Ausgabe. Es hat 146 Seiten und die Maße 18×24 cm. Das Magazin ist gebunden und auf dickem Papier gedruckt, so dass es eher einem Buch ähnelt. Erstellt wird das Magazin in Portugal, gedruckt und versendet von einem deutschen Print-on-Demand-Anbieter.

Celadon (Ru Yao)

Dieses schöne Celadon-Set (oder Ru Yao nach dem berühmten Ru-Brennofen) habe ich vor einigen Jahren gekauft. Die Bezeichnung ist Tao Feng Gu Qi. Exzellente Qualität, aber relativ massiv und schwer, so dass man mit der Kanne kaum einhändig einschenken kann. Das ist auch der Grund, warum ich es eher selten nutze. Dafür haben diese dickwandigen Keramikwaren den Vorteil, dass sie die Hitze gut halten. Die Kanne hat ein Volumen von ca. 220 ml, die Schalen um die 40 ml.

Neben dem Set gefällt mir auch die Verpackung außerordentlich. Die stabile Kiste hat zwei Etagen, wobei die obere Etage nur locker in der unteren sitzt.

Golden Monkey

Golden Monkey von Teavivre. Sehr süffiger schwarzer Tee mit golden tips aus Fujian. Gute Qualität zum guten Preis. Der Tee hat eine leichte, nicht übertriebene blumige Note. Ich schmecke Malz, Brot, Gewürz und ein bischen Honig. In späteren Aufgüssen kommt eine fruchtige Note durch.

Teevivre gibt 7 Aufgüsse an, aber da ist deutlich mehr drin. Ich habe den Tee durchaus 10, 11, 12 mal aufgegossen nach Gong Fu. Aber nicht zu heiß aufgießen. Im Bereich 90 bis 92° C ergibt sich eine gute Balance. Bei höherer Temperatur verschwinden die feinen Aromen.

Neues Teegeschirr

Nachdem ich meine erste Kyusu gekauft habe, ist mein Interesse an Teegeschirr deutlich gestiegen. Hier sind einige neue Stücke, die ich in den letzten Wochen bekommen habe.

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Eine rote Tokoname-yaki von Sekiryu Kamimura, 300ml. Für Sencha und Shincha. Der Ton ist deutlich poröser als der meiner schwarzen Tokoname oder der violetten Banko. Durch die gerade Tonnenform lässt sich diese Kyusu allerdings einfacher reinigen.

 

Meine erste Hagi-yaki, ca. 250 ml. Hagi gehört zu den legendärsten japanischen Keramiken. Der Ursprung geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Wer sich für die Geschichte interessiert, der findet hier ein schöne Einführung in das Thema. Diese Hagi werde ich wahrscheinlich für Sannenbancha nutzen. Mangels Japanischkenntnis kann ich leider nicht sagen, aus welcher Töpferei dieses Stück stammt.

 

Teetasse aus edlem Imari-Porzellan, ca. 200 ml. Habe ich in erster Linie wegen dem schönen Landschaftsmotiv gekauft. Die Tassenform ist etwas gewöhnungsbedürftig, könnte auch ein Zahnputzbecher sein. Benutze ich meistens morgens für Gyokuro.

 

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Niedliches Teeset, das mir viel mehr Freude bereitet, als ich je für möglich gehalten hätte. Seit ich es habe, kommt es fast täglich zum Einsatz. Das Set besteht aus einem schön gearbeiteten Teetisch aus Bambus, einer Teekanne und einer Servierkanne (je 200 ml) und zwei Teeschalen (50 ml). Die Teekanne besitzt einen dieser simplen, aber unglaublich praktischen Edelstahlfilter, die direkt in der Tülle sitzen. Geeignet quasi für alle Blatttees.

Hier in Aktion mit einem feinen Schwarztee aus Yunnan.

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Meine ersten beiden Kyusus

Das ist häufig die Frage, die sich Trinker japanischer Tees stellen: sollte man seine Tees in einer Kyusu brühen oder sollte man auf den teuren Schnickschnack lieber verzichten? Echte Kyusus sind aus hochwertigem Ton gebrannt, der nur lokal in Japan vorkommt, und bleiben unglasiert, so dass die Mineralien im Ton mit dem Tee reagieren und den Tee zu einem edleren Geschmack verhelfen sollen. Gleichzeitig nimmt der Ton die Aromen des Tees auf und kann sie an den Tee wieder abgeben. Ein gewisser Atmungseffekt tritt ein. Dafür bedarf es allerdings einer langen Nutzung der Kyusu.

Seit einigen Wochen besitze ich eine violette Banko-yaki von Meister Masaki Tachi und eine schwarze Tokoname-yaki aus der Gyokko-Töpferei. Die Banko benutze ich für Gyokuru und Kabusecha, die Tokoname für Sencha und Bancha. Allerdings bin ich mittlerweile so von den Kyusus überzeugt, dass ich plane, eigene Kannen für alle Teesorten, die ich regelmäßig trinke, zu kaufen.

Zuvor habe ich alle Tees in einem Teeglas mit großem Edelstahlfilter gebrüht. Ich bilde mir ein, der Tee aus der Kyusu schmeckt runder und feiner. Was man außerdem nicht unterschätzen sollte, ist eine gewisse emotionale Wirkung im Umgang mit den handgetöpferten Tonkännchen. Eine Kyusu hat etwas angenehm altertümliches und wirkt viel wärmer als so ein Glas mit Edelstahlfilter. Ich bin jedenfalls begeistert und schaue schon meiner nächsten Kyusu freudig entgegen.

Bonus-Foto: Ich habe den ersten Shincha des Jahres gebrüht. Kuritawase aus Tanegashima. Sehr gut.

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