Hörspiel-Tipps

Es ist mal wieder Zeit für einen Hinweis auf einige Hörspiele, die aktuell kostenlos zum Download zur Verfügung stehen.

 

Caiman Club – Staffel 1 und 2 (WDR, 2018 – 2019)
Erfrischende und äußerst unterhaltsame Hörspielserie über einen manipulativen Lobbyisten, der in Berlin die Fäden zieht. Das hat ein bischen was von House of Cards. Die große Besetzungsliste enthält etliche bekannte Namen aus Film und Fernsehen.

Das Bildnis des Dorian Gray (HR, 1955)
Oscar Wildes Roman kann man hier in einer Adaption aus der Anfangszeit des Hessischen Rundfunks hören. Regie führte Theodor Steiner, der in den 40ern, 50ern und 60ern viele Hörspiele für den HR inszenierte.

Der Abgrund (Hörverlag, 2019)
Recht spannender „Fiction Podcast“ mit sehr guten Dialogen und Sprechern. Die Auflösung hat mich allerdings nicht ganz so überzeugt. Als Stream auf verschiedenen Plattformen verfügbar.

Der weiße Rabe (WDR, 2012)
Hier geht es um den Gestapo-Ermittler Paul Opitz, genannt Der Weiße Rabe, und Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg, die Schwägerin des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die aufgrund ihrer Verwandschaft nach dem gescheiterten Attentat zunächst verhaftet, später aber wegen ihrer wichtigen Tätigkeit als Ingenieurin und Testpilotin wieder freigelassen wird. Interessante Geschichte, die mir bisher nicht bekannt war.

Märchen und Verbrechen – Staffel 1 und 2 (HR, 2018-2019)
Die Kriminalakten der Brüder Grimm gehen in die zweite Runde. Eine weitere Staffel mit fünf neuen Hörspielen wurde veröffentlicht. In dieser werden die Märchen Brüderchen und Schwesterchen, Die Bremer Stadtmusikanten, Dornröschen, Rapunzel und Der goldene Schlüssel zerlegt und zu Kriminalgeschichten umgebaut und mit historisch-politischen Begebenheiten ausgeschmückt. Das ist tatsächlich ziemlich originell. Mit den Originalmärchen haben die Fälle nur noch eine abstrakte Verbindung.

Moby Dick (BR, 2002)
Kein kleiner Brocken. Das literarische Meisterwerk von Melville in einer 10-stündigen Hörspielversion des BR mit einer ganz feinen Besetzungsriege (u.a. Rufus Beck, Felix von Manteuffel, Ulrich Matthes und Charly Hübner).

True Crime Hörspielreihe (BR, 2007 – 2018)
Der BR sendet zurzeit eine True-Crime-Reihe mit verschiedenen Hörspielen, die sich mit wahren Verbrechen auseinandersetzen. Darunter sind Jörg Buttgereits Summer of Hate über Charles Manson, der Fall Vera Brühne, der aus drei Teilen besteht und zu dem zusätzlich noch 9 Stunden Tonbandprotokolle angeboten werden, und Die Gottesanbeterin, das einen „mörderischen Sex-Skandal im scheinheiligen Konvent der Nonnen von Sant’ Ambrogio della Massima im Jahr 1859“ behandelt.

Zutiefst da drüben – Teil 1Teil 2 (BR, 2018)
Adaption des Romans Là-Bas von Joris-Karl Huysmans, der in Deutschland unter dem Titel „Tief unten“ veröffentlicht wurde. Von diesem dunklen Buch der Dekadenz bin ich ziemlich fasziniert. Die Hörspielversion ist absolut hörenswert, eine starke Umsetzung, die aber atmosphärisch nicht ganz an die Buchlektüre heranreicht. Das Hörspiel ist deutlich komprimierter. Dennoch, dass Huysmans Roman als Hörspiel inszeniert wurde, freut mich ungemein. Wer Interesse an Kunst und Literatur des Fin de Siècle hat, wer Interesse an Dekadenz und Satanismus hat, der sollte sich das hier nicht entgehen lassen.

Englische Hörspiele

Forest 404 (BBC, 2019)
Ein Blick lohnt sich auch immer mal nach England zur BBC. In dieser Hörspielserie geht es um eine Datenanalystin im 24. Jahrhundert, die alte Sounddateien aus dem 21. Jahrhundert entdeckt, die für sie unbekannte Geräusche enthalten. Es sind Klänge aus den Regenwäldern, die nicht mehr existieren. Neben der Öko-Message legt diese Serie den Fokus auf Klänge und Musik. Zu jeder Episode gibt es ein separates Soundscape und einen begleitenten Vortrag. Die Titelmusik stammt von Bonobo.

The Case of Charles Dexter Ward (BBC, 2018)
Dieses Hörspiel versetzt die alte Horrorgeschichte von H.P. Lovecraft auf eine neue Meta-Ebene ins 21. Jahrhundert. Eine Gruppe von Journalisten recherchiert hier das Verschwinden von Charles Dexter Ward aus seiner Zelle in der psychatrischen Anstalt für einen True-Crime-Podcast.

Tales from the Crypt (Seeing Ear Theater, 2000)
Erfreut habe ich festgestellt, dass alle sieben Staffeln der alten Fernsehserie „Tales from the Crypt“ mittlerweile bei Amazon Prime enthalten sind. Leider nur in der deutschen Synchronisation, was für mich als O-Ton-Snob suboptimal ist. Zum Mal-wieder-Reinschauen reicht es aber. Ich habe einige Folgen mit den Schnittberichten verglichen und es handelt sich trotz der FSK16-Freigaben tatsächlich um die ungekürzten Episoden.

In diesem Zusammenhang ist mir eingefallen, dass es vor ewig langer Zeit auch mal eine kurzlebige Hörspielserie gab, die damals auf der Webseite des Fernsehsenders Sci-Fi Channel zu finden war. Genau wie die Episoden der Fernsehserie, basieren auch die Hörspiele direkt auf den Geschichten aus den EC-Comics, in diesem Fall aus „Tales from the Crypt“ und „Vault of Horror“. Hier eine Youtube-Playlist mit allen 8 Folgen.

 

Seeing Ear Theater
Unter dem Bezeichnung Seeing Ear Theater wurde auf der Webseite des Sci-Fi Channel eine ganze Reihe von verschiedenen Horror- und Science-Fiction-Hörspielen veröffentlicht, darunter Geschichten von namhaften Autoren.

Auf archive.org steht eine Sammlung dieser Hörspiele zur Verfügung. Leider nicht ganz komplett. Ich erinnere mich nämlich noch an Hörspiele, die hier fehlen. Zum Beispiel Dracula und Donovan’s Brain von Curt Siodmak.

 

Eine Filmanzeigen-Sammlung

Auf archive.org habe ich eine schöne Sammlung von Anzeigenvorlagen für alte Horror- und Science-Fiction-Streifen entdeckt. Es handelt sich dabei um Seiten mit jeweils 10 Anzeigen in verschiedenen Formen und Größen für über 150 Filme. Diese schwarzweißen grobkörnigen Zeitungsanzeigen besitzen eine ganz eigene Ästhetik im Vergleich zu farbigen Postern und Cover-Artworks. Es freut mich immer, solches altes Filmmaterial zu entdecken.

Ich habe mal eine Downloadcontainer-Datei für den JDownloader erstellt. Einfach die DLC-Datei im JDownloader öffnen und schon kann man mit einem Klick die ganze Sammlung runterladen.

Hier eine kleine Auswahl.

 

Serien

Ein paar der Serien, die ich mir letztens angesehen habe und die zurzeit allesamt bei Netflix oder Amazon Prime zur Verfügung stehen.

Batman and Robin (IMDb, Amazon Prime)

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Ein 15-teiliges Columbia-Serial von 1949. Historisch nicht ganz unbedeutend. Es handelt sich hierbei um die Fortsetzung des Serials von 1943 (das komplett auf archive.org verfügbar ist) und somit den zweiten Filmauftritt von Batman überhaupt. Rein formal betrachtet überwiegt aus heutiger Sicht unfreiwillige Komik. Dass der Produktion kein großes Budget zur Verfügung stand, wird in jeder Szene deutlich. Es hat nicht mal für ein ordentliches Batmobil gereicht. Batman und Robin cruisen in einem zeitgenössischen Mercury vom Fließband durch die Gegend. Ein Cabriolet wohlgemerkt, dessen Dach geschlossen wird, wenn Bruce Wayne sich hinten auf der Rückbank sein Batman-Kostüm überzieht. Großartig.

Während im 1943er-Serial als Hauptfiguren Batman, Robin und Butler Alfred auftraten, erscheinen in der Fortsetzung außerdem als bekannte Figuren Commissioner Gordon und Reporterin Vicki Vale. Es gibt die Bat-Höhle und das Bat-Signal und Batman nutzt diverse Gadgets. Die Story ist vernachlässigbar. Batman und Robin wollen einem Bösewicht mit dem einfallsreichen Namen The Wizard das Handwerk legen. The Wizard befindet sich im Besitz einer Maschine, mit der er im Umkreis von 50 Meilen jegliches motorisiertes Gefährt fernsteuern kann. Blöderweise wird die Maschine durch Diamanten angetrieben, die er erst noch stehlen muss. Wie da der Kostennutzenfaktor der Maschine aussieht, wird nicht thematisiert.

Wer ein Herz für solche alten Klamotten hat und Batman-Fan ist, sollte sich dieses Serial nicht entgehen lassen. Ich fände es begrüßenswert, wenn Amazon noch weitere Serials ins Programm näme. Ich kenne bisher nur einen Bruchteil und da gibt es noch jede Menge Gold zu heben.

 

Nos4a2 (IMDb, Amazon Prime)

Nos4a2

Ich habe mich durch die ersten vier Folgen gequält. Die Serie basiert auf einem Roman von Stephen Kings Sohn Joe Hill, der eigentlich eine ganz ordentliche Karriere als Schriftsteller gemacht hat, ohne auf den Namen seines großen Vaters reduziert werden zu müssen. Aber hier komme ich nicht umhin, festzustellen, dass das Ganze wie eine mittelmäßige Stephen-King-Verfilmung der 90er Jahre wirkt. Kein Pep, kein Grusel, keine Originalität. Zachary Quinto, den ich sonst mag, überzeugt mich hier auch nicht wirklich in der Rolle eines Kinderfängers. Die meiste Zeit agiert er hinter einer merkwürdigen Maske eines alten Mannes. Diese Figur ist eher komisch als angsteinflössend.

Das gefällt mir alles leider ganz und gar nicht und ich weiß nicht, ob ich mir das weiter antue. Der Titel Nos4a2 soll übrigens für „Nosferatu“ stehen. Äh, ja. Die Erfahrung zeigt, dass solche Titelspielereien selten etwas Gutes bedeuten. Disclaimer: Ich weiß, dass der Roman ziemlich erfolgreich war und relativ gute Kritiken bekommen hat. Ich beziehe mich nur auf die Serie.

 

The Widow (IMDb, Amazon Prime)

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Gesehen und fast schon wieder vergessen. Die Serie hat durchaus ein paar starke Szenen und die Thrillerelemente erzeugen zumindest anfangs eine spannende Ausgangslage. Kate Beckinsale begibt sich hier auf die Suche nach ihrem im Kongo verschollenen Ehemann. Leider versucht die Serie ein bischen zu viel in die Handlung zu packen und bedient sich billiger Plotdevices. Eheprobleme, ein auf tragische Weise verlorenes Baby, Rebellen, Aufstände, Spionage, Kindersoldaten und vieles mehr. Die Unglaubwürdigkeit der Geschichte steigt proportional zur Episodennummer. Die Auflösung des ganzen Debakels kann dann letztlich nur noch als lachhaft bezeichnet werden. Hier wurde leider Potential verschenkt.

 

Black Summer (IMDb, Netflix)

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Obwohl ich von Zombies übersättigt bin, hat es Black Summer geschafft, mich wirklich positiv zu überraschen. Die Serie hat mich von der ersten Sekunde an durch den ungewöhnlichen Stil und die exzellente Kameraarbeit gefesselt. Black Summer erzählt die frühe Phase einer Zombievirus-Epidemie und wirkt dabei wie eine Kriegsdokumentation, in der den Charakteren kommentar- und schnörkellos gefolgt wird. Als Zuschauer ist man von Anfang an direkt mitten drin – und bleibt bis zum Ende mittendrin. Das scheint, als wäre das alles mal ebenso gonzo-mäßig aus der Hüfte geschossen, aber ich bin sicher, dass da tatsächlich Regietalent und eine ausführliche Absprache zwischen Schauspieler und Kameramann nötig ist.

Ohne Kritikpunkte geht es leider nicht. Wie bei jeder Zombiegeschichte gibt es auch hier Typen, die dumme Entscheidungen treffen. Es gibt eine Füller-Episode, die wenig zur Handlung oder Stimmung beiträgt. Und die finale Episode mit endlosem Geballer hat mich nicht begeistert. Diese Folge steht im krassen Gegensatz zu den vorherigen Folgen, in denen kaum Schusswaffen gebraucht werden. Das ist eigentlich eine interessante, weil originelle Herangehensweise an eine Zombiegeschichte. Ich kann auch die Intention erkennen, die dahinter steht. Man wollte die Serie dann mit einem Actionfeuerwerk auflösen. Leider gelingt das nur bedingt. Trotzalledem ist Black Summer eine Serie, die man empfehlen kann. Aufgrund des hohen Erzähltempos und einer Lauflänge von nur 8 mal 20 bis 40 Minuten, kann man Black Summer schön wegbingen.

 

Dead To Me (IMDb, Netflix)

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Jen und Judy lernen sich bei einer Trauerselbsthilfegruppe kennen. Jen, gespielt von Christina Applegate, hat ihren Ehemann bei einem Autounfall mit Fahrerflucht verloren, Judy ihren Mann durch einen Herzinfarkt. Die beiden werden nach anfänglicher Ablehnung schnell ziemlich gute Freundinnen, teilen ihre Gedanken und versuchen vorwärts zu blicken. Schon bald aber deutet sich an, dass Judy irgend etwas verheimlicht.

Man sollte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Dead to me kann fast in jeder Folge mit einem Twist oder Reveal aufwarten und hangelt sich von Cliffhanger zu Cliffhanger, ohne zu konstruiert zu wirken. Das hier ist eine originelle Geschichte, die als schwarze Komödie beworben wird. Das ist die Serie irgendwie. Aber sie ist auch Drama und Murder Mystery mit abgemilderten Thrillerelementen. Wir sehen außerdem eine beeindruckende Performance von Christina Applegate. Wer die Gute, wie ich, immer noch in erster Linie mit Kelly Bundy assoziiert, sollte sich das hier mal anschauen. Dead to me ist eine erfrischende Serie mit viel Esprit, liebenswerten Figuren und überraschenden Wendungen. Eine zweite Staffel ist erfreulicherweise schon angekündigt.

 

How to sell Drugs online (fast) (IMDb, Netflix)

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Der Titel ist auch schon die Inhaltsangabe. Zwei Schulfreunde bauen einen Drogenshop im Darknet auf. Der eine, weil er seine Ex-Freundin beeindrucken will, der andere, weil er Geld braucht.

Die dritte deutsche Netflix-Produktion ist ein Knaller, der mich in allen Belangen überzeugt. Drehbuch, realistische Dialoge, Besetzung, Schauspiel, Tempo, guter Humor, Inszenierung, Musik, visuelle Effekte, das ist alles perfekt auf den Punkt gebracht. Ich bin auch davon angetan, wie glaubhaft hier die Erfahrungswelt der heutigen Teenager mit dem ganzen Social-Media-Kram umgesetzt wird. Zudem werden die Erwachsenen als völlig Ahnungslose dargestellt, was vermutlich auch der Wahrnehmung der Jugend entspricht. Dennoch ist How to sell Drugs online (fast) nicht unbedingt eine Serie, die sich dem jungen Publikum anbiedert. Man kann hier auch als Erwachsener viel Spaß haben. Außerdem ganz groß: Bjarne Mädel als schmieriger Drogendealer. 6 mal 30 kurzweilige Minuten. Binge it, Baby!

 

Dark (IMDb, Netflix)

Dark

Die deutsche Serie, die mit einem IMDb-Rating von 8,7 und einem Rotten-Tomatoes-Score von 94% (Tomatometer) bzw. 93% (Audience Score) aufwarten kann. Verrückt, aber auch einigermaßen verdient. Der ersten Staffel ist es gut gelungen, mich regelrecht in die Geschichte reinzuziehen. Zugegebenermaßen bin ich ohnehin ein Fan von Zeitreisegeschichten und Dark erzählt eine Geschichte, die es in dieser Form und Komplexität noch nicht gab. Gleichzeitig werden Paradoxe elegant umschifft. Die Serie sieht zudem optisch verdammt gut aus und hält sich nicht mit Firlefanz auf. Alles, was man sieht, ist relevant für die Geschichte. Und als Zuschauer tut man gut daran, sich Dark konzentriert und ablenkungsfrei anzuschauen. Wer nicht aufpasst, der ist in dieser Geschichte von vier Familien, deren Mitglieder über verschiedene Zeitebenen miteinder verbunden sind, hoffungslos verloren. Wir reden hier von etwa 30 Figuren, die in verschiedenen Lebensabschnitten von verschiedenen Schauspielern verkörpert werden. Was auf dem Papier nach einer Schnapsidee klingt, funktioniert in der Serie verblüffend gut. Aber ich gebe es zu. Es ist durchaus hilfreich, sich einen Familienstammbaum zu ergooglen und diesen während des Schauens als Referenz parat zu halten.

Die kürzlich veröffentlichte zweite Staffel führt den eingeschlagenen Weg konsequent fort, löst einige verzwickte Knoten der ersten Staffel und knüpft gleichzeitig neue. Die zweite Staffel ist erzählerisch nochmals besser als die erste. Man merkt, dass hier ein Epos aufgebaut wird, von dem die Macher genau wissen, wie es ausgehen wird. Auch das ist das Schöne an Dark: von Anfang an war klar; es gibt drei Staffeln und dann ist Schluss.

Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt. Alle Figuren, einschließlich der Kinder, reden in diesem unheilvollen bedeutungschwangeren Ton. Damit kommt man in einem Roman vielleicht noch ganz gut weg, aber in einer filmischen Darstellung wirkt es bemüht und künstlich. Dabei hätte die Serie es gar nicht nötig, auf diese Art Größe und Tragweite suggerien zu müssen. Die Geschichte selbst ist schon groß genug. Es fehlen mir hier einfach ein paar mehr echte, wahrhaftige Dialoge aus dem Leben. Diese Momente sind zu selten.

Aber da mich alles andere überzeugt, kann ich damit leben. Dark ist eine richtig gute und fordernde Serie. Und ich will gar nicht mit der Floskel kommen „für eine deutsche Serie“. Nein, das muss man sich langsam abgewöhnen.

Love Death + Robots – Meine Top 5

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Bei der Netflix-Serie Love Death + Robots handelt es sich um eine Anthologie von 18 animierten Kurzfilmen kreiert und produziert von Tim Miller and David Fincher. Das Projekt geht auf eine über zehn Jahre alte Idee der beiden zurück, das Anthologie-Konzept des einflussreichen Comic-Magazins Heavy Metal (ursprünglich in Frankreich als Métal Hurlant und in Deutschland als Schwermetall erschienen) und speziell der Verfilmung von 1981 wieder aufleben zu lassen; nämlich sehr unterschiedliche Geschichten aus den verschiedensten Genres in mannigfaltiger stilistischer Vielfalt zu präsentieren. Aus der Heavy-Metal-Adaption ist nie etwas geworden, weil sich schlicht keine Geldgeber gefunden haben. Zwischenzeitlich wurden die Filmrechte von Robert Rodriguez erworben, der damit bis heute allerdings auch nichts Produktives realisiert hat. [*]

Unter neuem Titel und dank der gut gefüllten Geldspeicher von Netflix, haben Miller und Fincher nun mit Love Death + Robots ihre Vision eines modernen Heavy Metal verwirklichen können. Und nicht zuletzt auch die Vision der zahlreichen beteiligten kreativen Köpfe, die hinter der Serie stehen, von den Autoren bis zu den Beschäftigten in den Animationsstudios.

Nur zwei der 18 Geschichten wurden für die Serie geschrieben. Die anderen sind allesamt Adaptionen von schon existierenden Kurzgeschichten von namhaften Autoren wie Peter F. Hamilton, John Scalzi, Alastair Reynolds und Joe Landsdale. Love Death + Robots spannt den Bogen von Science Fiction über Horror und Fantasy bis zu Comedy.  Ähnlich divers präsentieren sich die Kurzfilme in stilistischer Hinsicht. Von handgezeichnet bis computeranimiert mit Motion- und Performance-Capturing, von cartoonartig bis hyperrealistisch. Das alles macht den großen Reiz der Serie aus.

 

Meine Top 5 (ohne Spoiler)

l_d_+_robots_helping_handPlatz 5. Helping Hand (Helfende Hand)

Eine Astronautin wird während Reparaturarbeiten in den Weltraum geschleudert, ihr Raumschiff in Sicht-, aber außer Reichweite. Dort driftet sie langsam umher, völlig auf sich allein gestellt und der Sauerstoffvorrat neigt sich dem Ende entgegen. Nur durch eine radikale und schmerzliche Entscheidung kann sie sich retten.

Der logischste und technischste Film der Serie und der einzige, der gänzlich ohne phantastisches Element auskommt. Das hier ist Hard-Science-Fiction mit einer Problemlösung, die auf echter Physik basiert. Gleichzeitig gelingt es dem Film auch emotional zu bewegen. Wie die Protagonistin die verschiedenen Phasen von Ärger über Verzweiflung bis hin zu Hoffung durchmacht, ist gut inszeniert. Deshalb funktioniert der Film auch beim zweiten Mal Anschauen, obwohl man das Ende schon kennt. In gerade mal 10 Minuten bringt der Film seine Story perfekt auf den Punkt.

 

l_d_+_robots_good_huntingPlatz 4. Good Hunting (Gute Jagdgründe)

Liang, der kleine Sohn eines Geisterjägers, freundet sich mit der jungen Yan an, eine Hulijing – eine Fuchsfee, die ihre Gestalt änden kann. Jahre später treffen sich die Beiden in Hongkong wieder, wo Liang als Mechaniker arbeitet und ein tiefgehendes Interesse am Bau von komplexen Maschinen und Geräten entwickelt hat. Mittlerweile ist die Magie aus der Welt verschwunden und Yan ist in ihrer menschlichen Gestalt gefangen. Als der Bürgermeister ihr körperlich zusetzt, bittet sie Liang um Hilfe.

Von der hübschen klassischen Zeichentrickoptik sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Geschichte ist bizarr, bisweilen gar verstörend, und macht dies durch grafische Details deutlich. Die erste Hälfte des 17-minütigen Films ist ein traditionelles chinesisches Geistermärchen, das in der zweiten Hälfte in eine Steampunk-Rachegeschichte übergeht. Verwandlung ist also ein großes Thema hier. Nicht nur machen beide Figuren eine Verwandlung auf unterschiedlichen Ebenen durch, auch wandelt sich der Film mit dem Wechsel der Genres. Diese Verquickung von Steampunk und asiatischen Motiven, habe ich gelernt, nennt sich Silkpunk. Gefällt mir.

 

l_d_+_robots_aquila_riftPlatz 3. Beyond the Aquila Rift (Jenseits des Aquila-Rifts)

Das Raumschiff Blue Goose kommt vom Kurs ab und dockt an einer unbekannten Raumstation an. Dort treffen Thom und seine Crew überraschenderweise auf dessen Ex-Freundin Greta, die ihnen offenbart, dass sie sich hunderttausende von Lichtjahren von der Erde entfernt befänden, was technisch und zeitlich eigentlich unmöglich ist. Nachdem Thom weitere Seltsamkeiten auffallen, beginnt er langsam daran zu zweifeln, dass Greta tatsächlich Greta ist.

Die gute alte Story vom Raumschiff, das vom Kurs abkommt. Hier allerdings mit schönem Twist. Aquila Rift gehört zu den visuell eindrucksvollsten Filmen von Love Death + Robots. Die Charaktere sind von echten Schauspielern fast nicht mehr zu unterscheiden. Weltraum-Mystery, Sex und ein Schocker-Ende. Diese Geschichte atmet pure Heavy-Metal-Atmosphäre, wie kaum ein anderer Film der Serie. Wenn ich manche Kritik hierzu lese, in der sich über zu viel unnötige Nacktheit echauffiert wird, platzt mir der Kragen. Das muss so sein. Wer das in Abrede stellt, hat das Konzept nicht verstanden. Zumal es ja genug andere Filme in der Serie gibt, die diese Klischees nicht bedienen.

 

l_d_+_robots_the_witnessPlatz 2. The Witness (Die Augenzeugin)

Eine Frau wird von ihrem Hotelzimmer aus Zeuge eines brutalen Mordes gegenüber in einem Apartment. Sie flüchtet panisch aus dem Hotel in ein Taxi, der Mörder ihr dicht auf den Fersen. Sie schafft es in den Stripclub, in dem sie arbeitet, glaubt, dort den Mörder abschütteln zu können. Der ist jedoch hartnäckig und nach einer weiteren Verfolgung treffen beide schließlich in dem Mord-Apartment aufeinander.

Obwohl The Witness mit einer schönen Auflösung endet, die die Erwartungen des Zuschauers völlig umdreht, hat es mir dieser Film vor allem wegen seines außergewöhnlichen Stils angetan. Hier schreit einem alles ins Gesicht. Die grellen Farben, die stroboskopischen Effekte, die entfesselte Kamera, die dreht, zoomt, verschwimmt, wackelt und den Fokus verliert, der hämmernde Soundtrack, die Geräusche. Der ganze Film ist ein irrwitziger audiovisueller Trip. Spektakulär!

 

l_d_+_robots_zima_bluePlatz 1. Zima Blue (Zima Blue)

Die Journalistin Claire erhält überraschend eine Einladung des mysteriösen und öffentlichkeitsscheuen Künstlers Zima Blue, der seine Geschichte erzählen möchte, bevor er sein finales Kunstwerk offenbart. Zima Blue ist durch seine bahnbrechenden Kunstinstallationen berühmt geworden, einzelne geometrische Formen in blau, in zimablau, deren Größe stetig wuchs. Leinwände, die die Pyramiden überragten, bis in die Stratosphäre reichten und schließlich färbte Zima Blue einen ganzen Asteroidengürtel blau. Mit welchem finalen Kunstwerk könnte er dies noch übertreffen?

Zima Blue ist mit Abstand der tiefgründigste Film der Serie. In betörender Weise bricht er die große existentielle Frage des Seins auf eine einfache Prämisse herunter. Da ist der Künstler, der mit seiner Kunst versucht, die wahre Natur der Dinge zu ergründen und seinen Platz im Kosmos sucht. Aber die jahrzehntelange Suche durch immer größere Leinwände und die technische und körperliche Vervollkommnung des eigenen Selbst mittels kybernetischer Modifikationen, bringen Zima Blue nicht die Erkenntnis. Letztlich findet er die Wahrheit nur, indem er dorthin zurückkehrt, wo er herkommen ist.

Zima Blue ist ein faszinierender kleiner Film, der durch seine philosophischen Aspekte, denen eigentlich zutiefst buddhistische Motive zugrunde liegen, inspirierend wirkt und der mit seinen satten Farben und den Charakteren, die mit dickem schwarzem Pinselstrich umrandet sind, auch optisch einiges hermacht. Fast ist Zima Blue zu schade dafür, ihn nur im Kontext von Love Death + Robots zu sehen.

 

Abschließend sei noch angemerkt, dass ich alle 18 Filme sehenswert finde. Wenn nicht immer inhaltlich, dann doch zumindest stets visuell und aufgrund der Vielfalt. Mein größter Kritikpunkt ist, dass manche Filme eher wie ein langer Trailer wirken oder schlicht nicht auserzählt sind. Ein Beispiel ist Fish Night (Nacht der Fische), der eine interessante Vater-und-Sohn-Geschichte erzählt und mit seinen schönen Bildern zunächst vielversprechend erscheint. Aber das Ende bleibt leider unbefriedigend. Ein weiteres Beispiel ist Ice Age (Eiszeit), die mit Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace die einzige Episode mit echten Schauspielern ist. Die Mini-Zivilisation im Eisschrank ist eine tolle Idee, aber es wird nichts daraus gemacht. Im Prinzip wird nicht mal eine Geschichte erzählt. Sehr schade, Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace sind hier leider verschwendetes Talent.

Filme, die ich außerdem noch recht gut finde, die es aber nicht in meine Top 5 geschafft haben: der traditionell animierte 80er Jahre Macho-Horror Sucker of Souls (Seelenfänger), der cartoonige Monsterspaß Suits (Schutzanzüge) und die moderne Twilight-Zone-Reminiszenz Lucky 13 (Raumschiff Nr. 13).

Ich warte gespannt auf die 2. Staffel…

Ein originelles Zeitreisekonzept

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In Amazing Stories von Oktober 1951 bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die ein interessantes Zeitreisekonzept aufweist, das mir bisher noch nicht begegnet ist. Es geht um The Perfect Hideout von Gerald Vance. Bei diesem Namen handelt es sich um das Pseudonym des Autors William P. McGivern , auf dessen Konto zahlreiche Science-Fiction-Geschichten und Drehbücher für TV-Serien gehen.

The Perfect Hideout in Kurzfassung: eine Ganovenbande finanziert einem Wissenschaftler den Bau einer Zeitmaschine, um den großen Coup zu landen und dann in die Zukunft, genauer gesagt 100 Jahre in die Zukunft in das Jahr 2051, zu flüchten. Das Ganze ist recht naiv zusammengewurschtelt und wird noch durch einen unnötigen Nebenplot gestreckt; literarisch ist das wirklich kein großer Wurf. Aber McGivern alias Vance hat sich einen interessanten Twist ausgedacht.

Spoiler: Am Ende der Geschichte begeben  sich die Ganoven in die Zeitmaschine und just in dem Moment, als die Polizei durch die Tür des Labors bricht, rauschen sie davon ins Jahr 2051. Flucht geglückt? Der Professor öffnet von außen die Luke der Zeitmaschine, die daraufhin von einem Polizisten mit gezückter Pistole betreten wird. Im Inneren findet der jedoch nur die skelettierten Leichen der Ganoven. Der Professor erkennt sofort, was passiert ist. Da er die Maschine nicht ausreichend testen konnte, stellt sich erst jetzt heraus, dass man mit der Zeitmaschine zwar in die Zukunft reisen kann, aber die Reise für die Personen in der Zeitmaschine genauso lange dauert, wie der Zeitraum, den man überbrücken will, während für die Außenstehenden überhaupt keine Zeit vergeht. Die Ganoven waren also schlicht 100 Jahre lang unterwegs, was sie natürlich nicht überlebt haben.

Autor Vance hat hier aus der Relativität der Zeit eine schöne Wendung gestrickt. Simpel, aber originell und effektiv. Die tolle Illustration, die mich überhaupt erst auf die Geschichte aufmerksam gemacht hat, stammt von Ed Valigursky. Das bestätigt mal wieder die Theorie, dass die Illustrationen (und natürlich das Cover) von Pulp-Heften extrem wichtig waren, um die Geschichten an den Mann zu bringen. Was mir gut gefällt, ist, wie die Illustration die Auflösung vorweg nimmt. Ohne Kenntnis der Geschichte sieht man eine Maschine, in die am einen Ende Leute reingehen und am anderen Ende als Skelette wegfliegen. Erst nachdem man die Geschiche gelesen hat, erkennt man, dass es sich hier um eine abstrakte Darstellung des Endes handelt.

 

Film: Predestination (2014)

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Die meisten Zeitreisegeschichten haben in einer Form mit Logikproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt weil die kausalen Zusammenhänge von Zeitreisen den alltäglichen menschlichen Erfahrungen widersprechen. Der Film Predestination widmet sich ganz einem Zeitreiseparadoxon in einer Zeitschleife und versucht erst gar nicht, dieses irgendwie logisch aufzulösen. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die den Ablauf einer Zeitschleife immer wieder neu erzählen, schildert Predestination eine einzige Instanz einer Zeitschleife, die verschiedene Zeitebenen überbrückt, von den 1940er bis in die 90er Jahre hinein.

Ethan Hawke spielt einen namenlosen, nur als „The Barkeep“ bezeichneten, Temporal Agent; einen Zeitreiseagenten, der für eine geheime Organisation durch die Zeit reist, um Straftaten zu verhindern. Bevor er sich zur Ruhe setzen will, erhält er noch einen letzten Auftrag. Er soll den berüchtigten Fizzle Bomber aufhalten, der im Verlauf der Jahrzehnte verherrende Bombenanschläge verursacht. Dazu rekrutiert er im Jahre 1970 einen neuen Agenten namens John, der eine bemerkenswerte Vergangenheit hat, und dessen Existenz direkt mit der von Agent Barkeep verknüpft ist. Der neue Rekrut ahnt davon jedoch noch nichts. Haut für Haut, wie das Schälen einer Zwiebel, enthüllt der Film die Zusammenhänge und fügt am Ende alles zu einem Ganzen zusammen.

Predestination basiert auf der Kurzgeschichte All you Zombies von Robert A. Heinlein. Der Film hält sich eng an die Vorlage, einige Dialoge wurden direkt aus Heinleins Geschichte übernommen, erweitert die Geschichte aber um eine akribische Studie der menschlichen Identitätssuche, der im Film großen Platz eingeräumt wird, während die Kurzgeschichte das Thema nur vage anschneidet. In der ersten Hälfte erzählt der Film die Vergangenheit des Rekruten John, der eigentlich als Mädchen geboren wurde, der stets mit sich selbst haderte und der sich stets auf einer Suche nach dem eigenen Ich befand, als Mädchen genauso wie später als Mann. Agent Barkeep scheint diese Suche beenden und John eine Bestimmung geben zu können.

Diese faszinierend erzählte Identitätssuche wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem Diskurs über Vorbestimmung und freier Wille. Erst hier kommt die eigentliche Zeitreisethematik auf. Was ist vorbestimmt und inwiefern haben wir einen freien Willen? Welche Ereignisse sind unausweichlich? Können bestimmte Ereignisse rückwirkend verändert werden, und vor allem: ist der Mensch willens diese Ereignisse, und letztlich auch sich selbst, zu ändern?

Predestination ist ein Science-Fiction-Film, das sehr wohl. Aber die Science-Fiction-Elemente werden spärlich eingesetzt und sind nicht die Essenz des Films. Wer Filme wie Timecrimes und Triangle gesehen hat, Filme, die Zeitreisen spielerisch und hochkomplex thematisieren, der wird schnell darauf kommen, was hinter Predestination steckt. Die Auflösung des Films, die Konfrontation mit dem Fizzle Bomber, erfolgt dann auch eher unspektakulär. Predestination liefert im Verlauf der Handlung einfach zu viele Hinweise auf den Ausgang. Der Film ist damit eigentlich wenig überraschend; für diejenigen, die Heinleins Kurzgeschichte kennen ohnehin nicht.

Trotzdem ist Predestination ein lohnenswerter Film. Ein Film, der schmerzhaft schön erzählt von Idendität, Vorbestimmung und freiem Willen, und der mit Ethan Hawke und Sarah Snook, die hier der eigentliche Schauspielstar ist, ganz wunderbar besetzt ist. Ein Film, der mehr zu bieten hat, als die äußere Science-Fiction-Hülle.

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