Love Death + Robots – Meine Top 5

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Bei der Netflix-Serie Love Death + Robots handelt es sich um eine Anthologie von 18 animierten Kurzfilmen kreiert und produziert von Tim Miller and David Fincher. Das Projekt geht auf eine über zehn Jahre alte Idee der beiden zurück, das Anthologie-Konzept des einflussreichen Comic-Magazins Heavy Metal (ursprünglich in Frankreich als Métal Hurlant und in Deutschland als Schwermetall erschienen) und speziell der Verfilmung von 1981 wieder aufleben zu lassen; nämlich sehr unterschiedliche Geschichten aus den verschiedensten Genres in mannigfaltiger stilistischer Vielfalt zu präsentieren. Aus der Heavy-Metal-Adaption ist nie etwas geworden, weil sich schlicht keine Geldgeber gefunden haben. Zwischenzeitlich wurden die Filmrechte von Robert Rodriguez erworben, der damit bis heute allerdings auch nichts Produktives realisiert hat. [*]

Unter neuem Titel und dank der gut gefüllten Geldspeicher von Netflix, haben Miller und Fincher nun mit Love Death + Robots ihre Vision eines modernen Heavy Metal verwirklichen können. Und nicht zuletzt auch die Vision der zahlreichen beteiligten kreativen Köpfe, die hinter der Serie stehen, von den Autoren bis zu den Beschäftigten in den Animationsstudios.

Nur zwei der 18 Geschichten wurden für die Serie geschrieben. Die anderen sind allesamt Adaptionen von schon existierenden Kurzgeschichten von namhaften Autoren wie Peter F. Hamilton, John Scalzi, Alastair Reynolds und Joe Landsdale. Love Death + Robots spannt den Bogen von Science Fiction über Horror und Fantasy bis zu Comedy.  Ähnlich divers präsentieren sich die Kurzfilme in stilistischer Hinsicht. Von handgezeichnet bis computeranimiert mit Motion- und Performance-Capturing, von cartoonartig bis hyperrealistisch. Das alles macht den großen Reiz der Serie aus.

 

Meine Top 5 (ohne Spoiler)

l_d_+_robots_helping_handPlatz 5. Helping Hand (Helfende Hand)

Eine Astronautin wird während Reparaturarbeiten in den Weltraum geschleudert, ihr Raumschiff in Sicht-, aber außer Reichweite. Dort driftet sie langsam umher, völlig auf sich allein gestellt und der Sauerstoffvorrat neigt sich dem Ende entgegen. Nur durch eine radikale und schmerzliche Entscheidung kann sie sich retten.

Der logischste und technischste Film der Serie und der einzige, der gänzlich ohne phantastisches Element auskommt. Das hier ist Hard-Science-Fiction mit einer Problemlösung, die auf echter Physik basiert. Gleichzeitig gelingt es dem Film auch emotional zu bewegen. Wie die Protagonistin die verschiedenen Phasen von Ärger über Verzweiflung bis hin zu Hoffung durchmacht, ist gut inszeniert. Deshalb funktioniert der Film auch beim zweiten Mal Anschauen, obwohl man das Ende schon kennt. In gerade mal 10 Minuten bringt der Film seine Story perfekt auf den Punkt.

 

l_d_+_robots_good_huntingPlatz 4. Good Hunting (Gute Jagdgründe)

Liang, der kleine Sohn eines Geisterjägers, freundet sich mit der jungen Yan an, eine Hulijing – eine Fuchsfee, die ihre Gestalt änden kann. Jahre später treffen sich die Beiden in Hongkong wieder, wo Liang als Mechaniker arbeitet und ein tiefgehendes Interesse am Bau von komplexen Maschinen und Geräten entwickelt hat. Mittlerweile ist die Magie aus der Welt verschwunden und Yan ist in ihrer menschlichen Gestalt gefangen. Als der Bürgermeister ihr körperlich zusetzt, bittet sie Liang um Hilfe.

Von der hübschen klassischen Zeichentrickoptik sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Geschichte ist bizarr, bisweilen gar verstörend, und macht dies durch grafische Details deutlich. Die erste Hälfte des 17-minütigen Films ist ein traditionelles chinesisches Geistermärchen, das in der zweiten Hälfte in eine Steampunk-Rachegeschichte übergeht. Verwandlung ist also ein großes Thema hier. Nicht nur machen beide Figuren eine Verwandlung auf unterschiedlichen Ebenen durch, auch wandelt sich der Film mit dem Wechsel der Genres. Diese Verquickung von Steampunk und asiatischen Motiven, habe ich gelernt, nennt sich Silkpunk. Gefällt mir.

 

l_d_+_robots_aquila_riftPlatz 3. Beyond the Aquila Rift (Jenseits des Aquila-Rifts)

Das Raumschiff Blue Goose kommt vom Kurs ab und dockt an einer unbekannten Raumstation an. Dort treffen Thom und seine Crew überraschenderweise auf dessen Ex-Freundin Greta, die ihnen offenbart, dass sie sich hunderttausende von Lichtjahren von der Erde entfernt befänden, was technisch und zeitlich eigentlich unmöglich ist. Nachdem Thom weitere Seltsamkeiten auffallen, beginnt er langsam daran zu zweifeln, dass Greta tatsächlich Greta ist.

Die gute alte Story vom Raumschiff, das vom Kurs abkommt. Hier allerdings mit schönem Twist. Aquila Rift gehört zu den visuell eindrucksvollsten Filmen von Love Death + Robots. Die Charaktere sind von echten Schauspielern fast nicht mehr zu unterscheiden. Weltraum-Mystery, Sex und ein Schocker-Ende. Diese Geschichte atmet pure Heavy-Metal-Atmosphäre, wie kaum ein anderer Film der Serie. Wenn ich manche Kritik hierzu lese, in der sich über zu viel unnötige Nacktheit echauffiert wird, platzt mir der Kragen. Das muss so sein. Wer das in Abrede stellt, hat das Konzept nicht verstanden. Zumal es ja genug andere Filme in der Serie gibt, die diese Klischees nicht bedienen.

 

l_d_+_robots_the_witnessPlatz 2. The Witness (Die Augenzeugin)

Eine Frau wird von ihrem Hotelzimmer aus Zeuge eines brutalen Mordes gegenüber in einem Apartment. Sie flüchtet panisch aus dem Hotel in ein Taxi, der Mörder ihr dicht auf den Fersen. Sie schafft es in den Stripclub, in dem sie arbeitet, glaubt, dort den Mörder abschütteln zu können. Der ist jedoch hartnäckig und nach einer weiteren Verfolgung treffen beide schließlich in dem Mord-Apartment aufeinander.

Obwohl The Witness mit einer schönen Auflösung endet, die die Erwartungen des Zuschauers völlig umdreht, hat es mir dieser Film vor allem wegen seines außergewöhnlichen Stils angetan. Hier schreit einem alles ins Gesicht. Die grellen Farben, die stroboskopischen Effekte, die entfesselte Kamera, die dreht, zoomt, verschwimmt, wackelt und den Fokus verliert, der hämmernde Soundtrack, die Geräusche. Der ganze Film ist ein irrwitziger audiovisueller Trip. Spektakulär!

 

l_d_+_robots_zima_bluePlatz 1. Zima Blue (Zima Blue)

Die Journalistin Claire erhält überraschend eine Einladung des mysteriösen und öffentlichkeitsscheuen Künstlers Zima Blue, der seine Geschichte erzählen möchte, bevor er sein finales Kunstwerk offenbart. Zima Blue ist durch seine bahnbrechenden Kunstinstallationen berühmt geworden, einzelne geometrische Formen in blau, in zimablau, deren Größe stetig wuchs. Leinwände, die die Pyramiden überragten, bis in die Stratosphäre reichten und schließlich färbte Zima Blue einen ganzen Asteroidengürtel blau. Mit welchem finalen Kunstwerk könnte er dies noch übertreffen?

Zima Blue ist mit Abstand der tiefgründigste Film der Serie. In betörender Weise bricht er die große existentielle Frage des Seins auf eine einfache Prämisse herunter. Da ist der Künstler, der mit seiner Kunst versucht, die wahre Natur der Dinge zu ergründen und seinen Platz im Kosmos sucht. Aber die jahrzehntelange Suche durch immer größere Leinwände und die technische und körperliche Vervollkommnung des eigenen Selbst mittels kybernetischer Modifikationen, bringen Zima Blue nicht die Erkenntnis. Letztlich findet er die Wahrheit nur, indem er dorthin zurückkehrt, wo er herkommen ist.

Zima Blue ist ein faszinierender kleiner Film, der durch seine philosophischen Aspekte, denen eigentlich zutiefst buddhistische Motive zugrunde liegen, inspirierend wirkt und der mit seinen satten Farben und den Charakteren, die mit dickem schwarzem Pinselstrich umrandet sind, auch optisch einiges hermacht. Fast ist Zima Blue zu schade dafür, ihn nur im Kontext von Love Death + Robots zu sehen.

 

Abschließend sei noch angemerkt, dass ich alle 18 Filme sehenswert finde. Wenn nicht immer inhaltlich, dann doch zumindest stets visuell und aufgrund der Vielfalt. Mein größter Kritikpunkt ist, dass manche Filme eher wie ein langer Trailer wirken oder schlicht nicht auserzählt sind. Ein Beispiel ist Fish Night (Nacht der Fische), der eine interessante Vater-und-Sohn-Geschichte erzählt und mit seinen schönen Bildern zunächst vielversprechend erscheint. Aber das Ende bleibt leider unbefriedigend. Ein weiteres Beispiel ist Ice Age (Eiszeit), die mit Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace die einzige Episode mit echten Schauspielern ist. Die Mini-Zivilisation im Eisschrank ist eine tolle Idee, aber es wird nichts daraus gemacht. Im Prinzip wird nicht mal eine Geschichte erzählt. Sehr schade, Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace sind hier leider verschwendetes Talent.

Filme, die ich außerdem noch recht gut finde, die es aber nicht in meine Top 5 geschafft haben: der traditionell animierte 80er Jahre Macho-Horror Sucker of Souls (Seelenfänger), der cartoonige Monsterspaß Suits (Schutzanzüge) und die moderne Twilight-Zone-Reminiszenz Lucky 13 (Raumschiff Nr. 13).

Ich warte gespannt auf die 2. Staffel…

Ein originelles Zeitreisekonzept

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In Amazing Stories von Oktober 1951 bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die ein interessantes Zeitreisekonzept aufweist, das mir bisher noch nicht begegnet ist. Es geht um The Perfect Hideout von Gerald Vance. Bei diesem Namen handelt es sich um das Pseudonym des Autors William P. McGivern , auf dessen Konto zahlreiche Science-Fiction-Geschichten und Drehbücher für TV-Serien gehen.

The Perfect Hideout in Kurzfassung: eine Ganovenbande finanziert einem Wissenschaftler den Bau einer Zeitmaschine, um den großen Coup zu landen und dann in die Zukunft, genauer gesagt 100 Jahre in die Zukunft in das Jahr 2051, zu flüchten. Das Ganze ist recht naiv zusammengewurschtelt und wird noch durch einen unnötigen Nebenplot gestreckt; literarisch ist das wirklich kein großer Wurf. Aber McGivern alias Vance hat sich einen interessanten Twist ausgedacht.

Spoiler: Am Ende der Geschichte begeben  sich die Ganoven in die Zeitmaschine und just in dem Moment, als die Polizei durch die Tür des Labors bricht, rauschen sie davon ins Jahr 2051. Flucht geglückt? Der Professor öffnet von außen die Luke der Zeitmaschine, die daraufhin von einem Polizisten mit gezückter Pistole betreten wird. Im Inneren findet der jedoch nur die skelettierten Leichen der Ganoven. Der Professor erkennt sofort, was passiert ist. Da er die Maschine nicht ausreichend testen konnte, stellt sich erst jetzt heraus, dass man mit der Zeitmaschine zwar in die Zukunft reisen kann, aber die Reise für die Personen in der Zeitmaschine genauso lange dauert, wie der Zeitraum, den man überbrücken will, während für die Außenstehenden überhaupt keine Zeit vergeht. Die Ganoven waren also schlicht 100 Jahre lang unterwegs, was sie natürlich nicht überlebt haben.

Autor Vance hat hier aus der Relativität der Zeit eine schöne Wendung gestrickt. Simpel, aber originell und effektiv. Die tolle Illustration, die mich überhaupt erst auf die Geschichte aufmerksam gemacht hat, stammt von Ed Valigursky. Das bestätigt mal wieder die Theorie, dass die Illustrationen (und natürlich das Cover) von Pulp-Heften extrem wichtig waren, um die Geschichten an den Mann zu bringen. Was mir gut gefällt, ist, wie die Illustration die Auflösung vorweg nimmt. Ohne Kenntnis der Geschichte sieht man eine Maschine, in die am einen Ende Leute reingehen und am anderen Ende als Skelette wegfliegen. Erst nachdem man die Geschiche gelesen hat, erkennt man, dass es sich hier um eine abstrakte Darstellung des Endes handelt.

 

Film: Predestination (2014)

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Die meisten Zeitreisegeschichten haben in einer Form mit Logikproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt weil die kausalen Zusammenhänge von Zeitreisen den alltäglichen menschlichen Erfahrungen widersprechen. Der Film Predestination widmet sich ganz einem Zeitreiseparadoxon in einer Zeitschleife und versucht erst gar nicht, dieses irgendwie logisch aufzulösen. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die den Ablauf einer Zeitschleife immer wieder neu erzählen, schildert Predestination eine einzige Instanz einer Zeitschleife, die verschiedene Zeitebenen überbrückt, von den 1940er bis in die 90er Jahre hinein.

Ethan Hawke spielt einen namenlosen, nur als „The Barkeep“ bezeichneten, Temporal Agent; einen Zeitreiseagenten, der für eine geheime Organisation durch die Zeit reist, um Straftaten zu verhindern. Bevor er sich zur Ruhe setzen will, erhält er noch einen letzten Auftrag. Er soll den berüchtigten Fizzle Bomber aufhalten, der im Verlauf der Jahrzehnte verherrende Bombenanschläge verursacht. Dazu rekrutiert er im Jahre 1970 einen neuen Agenten namens John, der eine bemerkenswerte Vergangenheit hat, und dessen Existenz direkt mit der von Agent Barkeep verknüpft ist. Der neue Rekrut ahnt davon jedoch noch nichts. Haut für Haut, wie das Schälen einer Zwiebel, enthüllt der Film die Zusammenhänge und fügt am Ende alles zu einem Ganzen zusammen.

Predestination basiert auf der Kurzgeschichte All you Zombies von Robert A. Heinlein. Der Film hält sich eng an die Vorlage, einige Dialoge wurden direkt aus Heinleins Geschichte übernommen, erweitert die Geschichte aber um eine akribische Studie der menschlichen Identitätssuche, der im Film großen Platz eingeräumt wird, während die Kurzgeschichte das Thema nur vage anschneidet. In der ersten Hälfte erzählt der Film die Vergangenheit des Rekruten John, der eigentlich als Mädchen geboren wurde, der stets mit sich selbst haderte und der sich stets auf einer Suche nach dem eigenen Ich befand, als Mädchen genauso wie später als Mann. Agent Barkeep scheint diese Suche beenden und John eine Bestimmung geben zu können.

Diese faszinierend erzählte Identitätssuche wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem Diskurs über Vorbestimmung und freier Wille. Erst hier kommt die eigentliche Zeitreisethematik auf. Was ist vorbestimmt und inwiefern haben wir einen freien Willen? Welche Ereignisse sind unausweichlich? Können bestimmte Ereignisse rückwirkend verändert werden, und vor allem: ist der Mensch willens diese Ereignisse, und letztlich auch sich selbst, zu ändern?

Predestination ist ein Science-Fiction-Film, das sehr wohl. Aber die Science-Fiction-Elemente werden spärlich eingesetzt und sind nicht die Essenz des Films. Wer Filme wie Timecrimes und Triangle gesehen hat, Filme, die Zeitreisen spielerisch und hochkomplex thematisieren, der wird schnell darauf kommen, was hinter Predestination steckt. Die Auflösung des Films, die Konfrontation mit dem Fizzle Bomber, erfolgt dann auch eher unspektakulär. Predestination liefert im Verlauf der Handlung einfach zu viele Hinweise auf den Ausgang. Der Film ist damit eigentlich wenig überraschend; für diejenigen, die Heinleins Kurzgeschichte kennen ohnehin nicht.

Trotzdem ist Predestination ein lohnenswerter Film. Ein Film, der schmerzhaft schön erzählt von Idendität, Vorbestimmung und freiem Willen, und der mit Ethan Hawke und Sarah Snook, die hier der eigentliche Schauspielstar ist, ganz wunderbar besetzt ist. Ein Film, der mehr zu bieten hat, als die äußere Science-Fiction-Hülle.

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Film: The Maze Runner (2014)

mazerunnerThe Maze Runner ist einer dieser dystopischen Teenagerfilme, die seit einiger Zeit die Kinos überschwemmen. Wie die meisten dieser Filme, basiert auch The Maze Runner auf einem Roman, genauer: auf einer Roman-Trilogie.

Zwei Dinge sind mir sogleich in den Sinn gekommen:

1. Das Lieblingsbrettspiel aus meiner Kindheit, Das Verrückte Labyrinth. In diesem  Spiel erkunden die Spieler ein Labyrinth, dessen Layout sich ständig verändert.

2. Den wegweisenden Indie-Film Cube von 1997, in dem sich eine Gruppe von Personen in einem gigantischen Würfel wiederfindet. Die vielen kubusförmigen Räume sind nicht nur mit tödlichen Fallen gespickt, sondern ändern ihre Position innerhalb des Würfels.

The Maze Runner verbindet diese Konzepte auf mehr oder weniger auffällige Weise. In einem schier unermesslichen Labyrinth lebt eine Gruppe von Jugendlichen, die in regelmäßigen Abständen mit Proviant versorgt wird. Mit jeder Proviantlieferung erscheint zugleich ein neuer Labyrinthinsasse. Die Ankömmlinge können sich an nichts erinneren, nicht an ihre eigene Identität geschweige denn daran, wie und wieso sie in dem Labyrinth gelandet sind. Im Zentrum des Labyrinths befindet sich die grüne Oase namens The Glade, in dem die Gruppe lebt und eine Art Gesellschaft mit eigenen Regeln geschaffen hat. Tagsüber machen sich die Besten und Stärksten auf, das Labyrinth zu erkunden. Diese Burschen tragen den Titel Runner. Die Runner tun allerdings gut daran, vor Einbruch der Nacht wieder zurück zu kehren, da pünklich bei Sonnenuntergang die Tore zum Glade schließen und so genannte Grievers das Labyrinth patroulieren, tödliche biomechanische Wesen.

Aus dieser ungewissen Lage schöpft der Film zunächst seine Spannung. Als Zuschauer habe ich mich ein wenig hingehalten gefühlt, da der Film ausgiebig Wert darauf legt, die sozialen Strukturen in der Gruppe darzustellen, dabei aber das Labyrinth über die Maßen hinaus mystifziert. Zumal der Konfliktstoff innerhalb der Gruppe auch eher banaler Natur ist und nichts bringt, was man in anderen Filmen nicht schon gesehen hätte. Im Gegensatz zu Cube, bietet The Maze Runner leider auch keinen philosophisch-existenziellen Denkanstoß.

Geht die Labyrinth-Action erst einmal los, kommt man durchaus auf seine Kosten. Das Labyrinth ist visuell toll umgesetzt und wirkt real und bedrohlich.  Am Ende überrascht der Film mit einem interessanten Twist; zumindest Zuschauer wie mich, die die Bücher nicht kennen. Gleichzeitig nervt der Film aber auch mit einem dicken Handlungsloch. Das ist überhaupt ein Manko: das Filmkonzept bietet jede Menge Angriffspunkte für nachdenkende Zuschauer und der Film tut nichts dafür, offensichtliche logische Argumente zu entkräften.

Ein Wort sollte man auch auch noch über die weiblichen Rollen verlieren. Es gibt nur zwei. Diejenige, die man wohl als Hauptrolle bezeichnen kann, wird irgendwann in der Mitte des Films eingeführt und trägt quasi nichts zur Handlung bei. Es ist natürlich gut möglich, dass diese Figur in den Sequels noch an Bedeutung gewinnt. In diesem Film aber, ist es eine reine Alibi-Figur.

The Maze Runner ist kein wirklich schlechter Film. Aber auch kein besonders herausragender. Selbst als reiner Unterhaltungsfilm krankt The Maze Runner einfach an ein paar Stellen zu viel.  Die ganze Geschichte ist dann immerhin doch so interessant, dass ich mir Teil 2 und 3 vermutlich trotzdem anschauen werde. Ich will ja wissen, wie die Story weitergeht.

Hörspiel: Angriff der Terror-Zombies

Das neue WDR/1Live-Hörspiel Angriff der Terror-Zombies ist für einige Zeit als kostenloser Download im Hörspielspeicher verfügbar. Bei dem Hörspiel handelt es sich um eine knallige B-Film-Hommage über den italienischen Regisseur Georgio Stellatore, alias George Steel, der verzweifelt versucht, in Hollywood sein Drehbuch zu Angriff der Terror-Zombies an den Mann zu bringen. Das Ganze ist gespickt mit Anspielungen an die Trash-Filme der 80er Jahre inklusive aller gängigen Klischees, Goblin-artigem Synthie-Soundtrack und glorreichen Sätzen wie: „Die Moto Guzzi fraß die Straße wie Spaghetti“.

Kurzfilm: Similo

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2065. The entire planet is hit by the effects of climate change. One of the few places that remain habitable is Antarctica, where corporations have built private cities. Hebe and Ciro get back together again. She is looking for love. He is searching for his own identity.

Das Film-Duo Bruno Zacarias und Miguel de Olaso, alias Zac&Mac, produziert schon seit einiger Zeit wunderbare Kurzfilme, bei denen es sich meist um eine Art intimes Beziehungsdrama handelt. Mal distanziert wie in 18 Seconds, mal verstörend wie in Uyuni.

Im neuen Werk, Similo, steht ein Paar im Mittelpunkt, das nach einem Unfall versucht, wieder emotionale Nähe aufzubauen. Eingebettet ist die Handlung in eine Science-Fiction-Welt aus hellen, sauberen Wohn- und Arbeitskomplexen und karger, unwirtlicher Landschaft. Magisch schön gefilmt und anzusehen, entwickelt der langsam und voller Melancholie erzählte Film eine fesselnde Wirkung bis zum bittersüßen Finale.

Auf der Webseite der Filmemacher, blackmilk.eu, finden sich einige Infos über die Produktion und die Konzeptgestaltung des Films.