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Serien 2018

Weils so schön ist, gleich noch eine Liste. Die Serienneustarts 2018, die mich besonders begeistert haben, sind diese fünf:

Killing Eve

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Eine durchgeknallte Auftragsmörderin namens Villanelle mordet sich durch Europa. Die MI5-Ermittlerin Eve Polastri erkennt die Zusammenhänge, wird aber wegen eines Dienstvergehens gefeuert. Daraufhin erhält sie von der Auslandssektion des MI6 die Chance eine inoffizielle Sondereinheit zu gründen, um die Killerin aufzuspüren. Villanelle bekommt unterdessen Wind von der Sache und entwickelt eine stalker-artige Leidenschaft für Eve. Obwohl zuerst in Todesangst, fühlt sich auch Eve bald zu der unberechenbaren Psychopathin hingezogen. Von da an beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Rollen von Jägerin und Gejagter ständig wechseln.

Dem positiven Medien- und Zuschauerecho kann ich mich nur anschließen. Killing Eve ist sowohl Thriller als auch schwarze Komödie mit wohldosiertem Humor und trotz Blut und Brutalität voller überraschender Leichtigkeit und mit Verve inszeniert – und gespielt. Sandra Oh als zielstrebige Ermittlerin und Jodie Comer als völlig Wahnsinnige, die in sexuelle Erregung gerät, wenn sie ihren Opfern beim Sterben zusieht, bieten hier eine große Show. Warum die Serie noch keinen deutschen Starttermin hat, ist mir ein Rätsel. Staffel 1 ist aber immerhin als britische DVD erhältlich. Eine zweite Staffel ist für 2019 angekündigt.

 

The Haunting of Hill House

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Die famose Netflix-Horrorserie habe ich bereits hier vorgestellt.

 

The Terror

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Ein echter Downer. Wer was für die gute Laune sucht, muss woanders schauen. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons, der die gescheiterte Arktis-Expedition von John Franklin thematisiert und mit Elementen des fantastischen und realen Horrors kombiniert. Ironischerweise hätte es das Monster gar nicht gebraucht, denn das wahre Monster ist in dieser Geschichte mal wieder der Mensch selbst.

Die Serie strahlt zu jeder Sekunde die pure Hoffnungslosigkeit aus und der Zuschauer weiß, dass dieses düstere Abenteuer kein gutes Ende nehmen wird. Der Kontrast zwischen der gedrängten Enge in den Schiffen und der weiten arktischen Unwirtlichkeit außerhalb ist gut in Szene gesetzt. Dazu eine feine Schauspielerriege und ein die Atmosphäre unterstreichender minimalistischer Soundtrack. Die erste Staffel steht auf Amazon Prime Video zum Abruf. Eine zweite Staffel ist für 2019 angekündigt, was mich überrascht, denn die Geschichte ist eigentlich auserzählt. Ich hoffe auf eine sehenswerte Weiterführung.

 

Strange Angel

Augurs of Spring

Strange Angel erzählt die Geschichte des Raketenwissenschaftlers Jack Parsons, der in den 1930er Jahren die erste Rakete mit heterogenem Festtreibstoff erfand und so maßgeblich die Raumfahrt beeinflusste. Einen kuriosen Twist erhält Parsons Biografie dadurch, dass er ein Anhänger von Aleister Crowleys okkulter Thelema-Bewegung war. Das prädestiniert die Figur Parsons geradezu für eine spannende Serienumsetzung. Auf der einen Seite Wissenschaftler, auf der anderen Seite Mitglied eines verschrobenen Kults mit sexualmagischen Ritualen. Die erste Staffel von Strange Angel spielt mit diesem Gegensatz auf anschauliche Weise und zeigt, wie und warum Parsons in den Bann der örtlichen Loge gerät, während er gleichzeitig versucht, die Wissenschaft zu revolutionieren.

Die Serie überzeugt visuell und hat eine tolle Besetzung. Zugegebenermaßen könnte die Serie etwas mehr Tempo gebrauchen. Man könnte auch sagen, die Erzählweise korrespondiert mit der Karriere von Parsons, die anfangs mehr als einmal ins Stocken gerät und das nicht nur, weil seine Raketen nicht zünden. Vielleicht befasst sich die Serie tatsächlich etwas zu ausführlich mit den Eheproblemen von Parsons und seinem Nachbarn. Da mich die Geschichte aber so begeistert, kann ich über diese Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Die Serie ist bisher leider nur über den Streaming-Dienst CBS All Access zu sehen.

 

The End of the f***ing World

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Der 17-jährige Außenseiter James hält sich selbst für einen Psychopathen und fantasiert von einem Mord, als die neu an die Schule gekommene Alyssa ihn überzeugt sie bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater zu begleiten. James willigt ein, weil er sie für sein perfektes erstes Mordopfer hält. Mit einem geklauten Auto begeben sich die Beiden auf einen Roadtrip, der nicht nur die Suche nach Alyssas Vater ist, sondern sich auch als Suche nach Sinn und Bedeutung in einer düsteren Welt entpuppt.

Trotz nihilistischer Weltsicht und rabenschwarzem Humor handelt es sich hierbei um eine romantische Komödie mit Feinsinn. Die Serie hat nicht nur einen originellen Plot, sondern ist außerdem außergewöhnlich gut inszeniert und in 8 mal 25 Minuten schön kompakt erzählt. Staffel 1 steht auf Netflix, eine zweite Staffel ist angekündigt.

 

Honorable Mention

Folgende Serien haben es letztlich nicht ganz in meine Top 5 geschafft, bedürfen aber durchaus besonderer Erwähnung.

Altered Carbon

Viel eye candy, viel Action, solide Story mit etlichen tollen Ideen. Läuft nicht ganz rund, macht aber tierisch Spaß. Freue mich auf die zweite Staffel, auch wenn Joel Kinnaman nicht mehr dabei sein wird.

Lost in Space

Wie Altered Carbon, aber für die ganze Familie. Ein richtig schönes Remake der Serie aus den 1960ern. Irgendwie ist es der Serie gelungen, dass ich über die ganzen Klischees und Logiklöcher und nervenden Figuren hinwegsehen konnte. Erweckte eine kindliche Freude in mir.

Maniac

Äußerst bizarre Mini-Serie, die in einer retro-futuristischen Welt im 1980er-Jahre-Look spielt. Wenig ergibt Sinn, bis zur finalen Folge. Und bis dahin ist es eine irre Reise durch die Gedanken zweier Menschen, die auf seltsame Weise miteinander verbunden sind.

Future Man

Rasante Zeitreisekomödie mit vielen popkulturellen Anspielungen und mit wenig Tabus. Es geht mal wieder um nichts Geringeres als die Welt zu retten, aber die Drehbuchautoren schöpfen aus dem Vollen und schrecken vor nichts zurück. Verdammt lustig.

Impulse

Aus dem mittelmäßigen Science-Fiction-Action-Film Jumper von 2008 hat Youtube eine überraschend gute Coming-of-Age- und Traumabewältigungs-Geschichte gemacht, die weniger auf hektische Rumspringerei und mehr auf Teenage-Angst und Familientragödie setzt. Das ist alles recht schlüssig geschrieben und die Autoren wissen, wann es Zeit ist, die Nebenschauplätze zu verlassen und die Jumper-Haupthandlung weiterzuspinnen.

Star Trek: Discovery

Das ist schon lustig, wie sich die Fanboys über diese Serie empören. Mir haben schon die Kinofilme von J.J. Abrams gefallen und da die Serie eine ähnliche Richtung einschlägt, habe ich auch hier meinen Spaß. Wer Old-School-Star-Trek haben möchte, kann ja The Orville schauen und für die, die ernsthafte Science-Fiction suchen, für die gibt es The Expanse.

Deutschland 86

Nicht so temporeich wie Deutschland 83, dennoch eine sehenswerte Fortsetzung. Behandelt ein sonst eher vernachlässigtes Thema, nämlich die dubiosen Waffengeschäfte der DDR mit dem Apartheid-Regime in Südafrika. Allerdings verliert sich die Serie auch ein wenig in etlichen Nebenplots.

 

Film: Predestination (2014)

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Die meisten Zeitreisegeschichten haben in einer Form mit Logikproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt weil die kausalen Zusammenhänge von Zeitreisen den alltäglichen menschlichen Erfahrungen widersprechen. Der Film Predestination widmet sich ganz einem Zeitreiseparadoxon in einer Zeitschleife und versucht erst gar nicht, dieses irgendwie logisch aufzulösen. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die den Ablauf einer Zeitschleife immer wieder neu erzählen, schildert Predestination eine einzige Instanz einer Zeitschleife, die verschiedene Zeitebenen überbrückt, von den 1940er bis in die 90er Jahre hinein.

Ethan Hawke spielt einen namenlosen, nur als „The Barkeep“ bezeichneten, Temporal Agent; einen Zeitreiseagenten, der für eine geheime Organisation durch die Zeit reist, um Straftaten zu verhindern. Bevor er sich zur Ruhe setzen will, erhält er noch einen letzten Auftrag. Er soll den berüchtigten Fizzle Bomber aufhalten, der im Verlauf der Jahrzehnte verherrende Bombenanschläge verursacht. Dazu rekrutiert er im Jahre 1970 einen neuen Agenten namens John, der eine bemerkenswerte Vergangenheit hat, und dessen Existenz direkt mit der von Agent Barkeep verknüpft ist. Der neue Rekrut ahnt davon jedoch noch nichts. Haut für Haut, wie das Schälen einer Zwiebel, enthüllt der Film die Zusammenhänge und fügt am Ende alles zu einem Ganzen zusammen.

Predestination basiert auf der Kurzgeschichte All you Zombies von Robert A. Heinlein. Der Film hält sich eng an die Vorlage, einige Dialoge wurden direkt aus Heinleins Geschichte übernommen, erweitert die Geschichte aber um eine akribische Studie der menschlichen Identitätssuche, der im Film großen Platz eingeräumt wird, während die Kurzgeschichte das Thema nur vage anschneidet. In der ersten Hälfte erzählt der Film die Vergangenheit des Rekruten John, der eigentlich als Mädchen geboren wurde, der stets mit sich selbst haderte und der sich stets auf einer Suche nach dem eigenen Ich befand, als Mädchen genauso wie später als Mann. Agent Barkeep scheint diese Suche beenden und John eine Bestimmung geben zu können.

Diese faszinierend erzählte Identitätssuche wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem Diskurs über Vorbestimmung und freier Wille. Erst hier kommt die eigentliche Zeitreisethematik auf. Was ist vorbestimmt und inwiefern haben wir einen freien Willen? Welche Ereignisse sind unausweichlich? Können bestimmte Ereignisse rückwirkend verändert werden, und vor allem: ist der Mensch willens diese Ereignisse, und letztlich auch sich selbst, zu ändern?

Predestination ist ein Science-Fiction-Film, das sehr wohl. Aber die Science-Fiction-Elemente werden spärlich eingesetzt und sind nicht die Essenz des Films. Wer Filme wie Timecrimes und Triangle gesehen hat, Filme, die Zeitreisen spielerisch und hochkomplex thematisieren, der wird schnell darauf kommen, was hinter Predestination steckt. Die Auflösung des Films, die Konfrontation mit dem Fizzle Bomber, erfolgt dann auch eher unspektakulär. Predestination liefert im Verlauf der Handlung einfach zu viele Hinweise auf den Ausgang. Der Film ist damit eigentlich wenig überraschend; für diejenigen, die Heinleins Kurzgeschichte kennen ohnehin nicht.

Trotzdem ist Predestination ein lohnenswerter Film. Ein Film, der schmerzhaft schön erzählt von Idendität, Vorbestimmung und freiem Willen, und der mit Ethan Hawke und Sarah Snook, die hier der eigentliche Schauspielstar ist, ganz wunderbar besetzt ist. Ein Film, der mehr zu bieten hat, als die äußere Science-Fiction-Hülle.

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Film: The Maze Runner (2014)

mazerunnerThe Maze Runner ist einer dieser dystopischen Teenagerfilme, die seit einiger Zeit die Kinos überschwemmen. Wie die meisten dieser Filme, basiert auch The Maze Runner auf einem Roman, genauer: auf einer Roman-Trilogie.

Zwei Dinge sind mir sogleich in den Sinn gekommen:

1. Das Lieblingsbrettspiel aus meiner Kindheit, Das Verrückte Labyrinth. In diesem  Spiel erkunden die Spieler ein Labyrinth, dessen Layout sich ständig verändert.

2. Den wegweisenden Indie-Film Cube von 1997, in dem sich eine Gruppe von Personen in einem gigantischen Würfel wiederfindet. Die vielen kubusförmigen Räume sind nicht nur mit tödlichen Fallen gespickt, sondern ändern ihre Position innerhalb des Würfels.

The Maze Runner verbindet diese Konzepte auf mehr oder weniger auffällige Weise. In einem schier unermesslichen Labyrinth lebt eine Gruppe von Jugendlichen, die in regelmäßigen Abständen mit Proviant versorgt wird. Mit jeder Proviantlieferung erscheint zugleich ein neuer Labyrinthinsasse. Die Ankömmlinge können sich an nichts erinneren, nicht an ihre eigene Identität geschweige denn daran, wie und wieso sie in dem Labyrinth gelandet sind. Im Zentrum des Labyrinths befindet sich die grüne Oase namens The Glade, in dem die Gruppe lebt und eine Art Gesellschaft mit eigenen Regeln geschaffen hat. Tagsüber machen sich die Besten und Stärksten auf, das Labyrinth zu erkunden. Diese Burschen tragen den Titel Runner. Die Runner tun allerdings gut daran, vor Einbruch der Nacht wieder zurück zu kehren, da pünklich bei Sonnenuntergang die Tore zum Glade schließen und so genannte Grievers das Labyrinth patroulieren, tödliche biomechanische Wesen.

Aus dieser ungewissen Lage schöpft der Film zunächst seine Spannung. Als Zuschauer habe ich mich ein wenig hingehalten gefühlt, da der Film ausgiebig Wert darauf legt, die sozialen Strukturen in der Gruppe darzustellen, dabei aber das Labyrinth über die Maßen hinaus mystifziert. Zumal der Konfliktstoff innerhalb der Gruppe auch eher banaler Natur ist und nichts bringt, was man in anderen Filmen nicht schon gesehen hätte. Im Gegensatz zu Cube, bietet The Maze Runner leider auch keinen philosophisch-existenziellen Denkanstoß.

Geht die Labyrinth-Action erst einmal los, kommt man durchaus auf seine Kosten. Das Labyrinth ist visuell toll umgesetzt und wirkt real und bedrohlich.  Am Ende überrascht der Film mit einem interessanten Twist; zumindest Zuschauer wie mich, die die Bücher nicht kennen. Gleichzeitig nervt der Film aber auch mit einem dicken Handlungsloch. Das ist überhaupt ein Manko: das Filmkonzept bietet jede Menge Angriffspunkte für nachdenkende Zuschauer und der Film tut nichts dafür, offensichtliche logische Argumente zu entkräften.

Ein Wort sollte man auch auch noch über die weiblichen Rollen verlieren. Es gibt nur zwei. Diejenige, die man wohl als Hauptrolle bezeichnen kann, wird irgendwann in der Mitte des Films eingeführt und trägt quasi nichts zur Handlung bei. Es ist natürlich gut möglich, dass diese Figur in den Sequels noch an Bedeutung gewinnt. In diesem Film aber, ist es eine reine Alibi-Figur.

The Maze Runner ist kein wirklich schlechter Film. Aber auch kein besonders herausragender. Selbst als reiner Unterhaltungsfilm krankt The Maze Runner einfach an ein paar Stellen zu viel.  Die ganze Geschichte ist dann immerhin doch so interessant, dass ich mir Teil 2 und 3 vermutlich trotzdem anschauen werde. Ich will ja wissen, wie die Story weitergeht.

Kurzfilm: Similo

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2065. The entire planet is hit by the effects of climate change. One of the few places that remain habitable is Antarctica, where corporations have built private cities. Hebe and Ciro get back together again. She is looking for love. He is searching for his own identity.

Das Film-Duo Bruno Zacarias und Miguel de Olaso, alias Zac&Mac, produziert schon seit einiger Zeit wunderbare Kurzfilme, bei denen es sich meist um eine Art intimes Beziehungsdrama handelt. Mal distanziert wie in 18 Seconds, mal verstörend wie in Uyuni.

Im neuen Werk, Similo, steht ein Paar im Mittelpunkt, das nach einem Unfall versucht, wieder emotionale Nähe aufzubauen. Eingebettet ist die Handlung in eine Science-Fiction-Welt aus hellen, sauberen Wohn- und Arbeitskomplexen und karger, unwirtlicher Landschaft. Magisch schön gefilmt und anzusehen, entwickelt der langsam und voller Melancholie erzählte Film eine fesselnde Wirkung bis zum bittersüßen Finale.

Auf der Webseite der Filmemacher, blackmilk.eu, finden sich einige Infos über die Produktion und die Konzeptgestaltung des Films.