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La femme la plus assassinée du monde

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Die Angst ist für den Geist, was der Schmerz für den Körper ist. Einige Menschen mögen es zu leiden, andere haben gerne Angst. Ich mag beides.

-Paula Maxa (im Film)

The Most Assassinated Woman in the World (auf Netflix) ist ein ambivalenter Film. Als Horrorfilm bietet der Film wenig Neues. Auf der anderen Seiten beglückt uns der Film mit der akkuratesten Darstellung des französischen Théâtre du Grand Guignol, die bisher zu sehen war. In dieser Hinsicht überzeugt er mit Atmosphäre und Detailverliebtheit.

Das Grand Guignol hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Horrorfilm, insbesondere das Slasher-Genre. Aus diesem Grund hatte ich mich vor geraumer Zeit auch mal intensiv mit dem Theater beschäftigt, sämtliche Bücher und Schriften besorgt, etliche der Original-Stücke gelesen. Das Thema hat mich auf besondere Weise fasziniert, obwohl ich mit Theater ansonsten wenig zu tun habe. Die Filmemacher scheinen die gleiche Leidenschaft gefühlt und die gleichen Quellen verwendet zu haben. Das wirkt alles sehr authentisch, zumindest gemessen an dem, was die Fachliteratur sagt. Der Film zeigt eingebunden in die Handlung wie Effekte, Licht und Klänge backstage produziert und für den Schockeffekt auf der Theaterbühne genutzt werden und vergisst auch Details nicht wie die Kotztüten für das Publikum, die VIP-Logen, in denen gutbetuchte Herren sich während den Vorstellungen mit Prostituierten vergnügen und den Türsteher, der draußen den Wartenden, die keinen Platz im Theater mehr ergattert haben, in marktschreierischer Weise schildert, was drinnen auf der Bühne vor sich geht. Darüber hinaus wird in einer Szene ziemlich überzeugend das Stück Un Crime dans une Maison de Fous (Ein Verbrechen im Irrenhaus) angespielt.

Ja, so könnte das tatsächlich alles gewesen sein, damals im Grand Guignol.

Der Filmtitel, La femme la plus assassinée du monde, bezieht sich auf die Bezeichnung, die die Presse damals der Schauspielerin Paula Maxa gab. Maxa war der große Star, sozusagen die Sarah Bernhardt des Grand Guignol, wie sie auch oft beschrieben wird. Auf der Bühne starb sie tausende Tode und wurde so zur “meistumgebrachten Frau der Welt”.

Der Film setzt sie als geheimnisvolle und tiefgründige Femme Fatale in Szene, womit die Authentizität des Films auch endet. Neben Maxa erscheinen im Film noch andere historische Figuren wie die Grand-Guignol-Autoren André de Lorde und Alfred Binet und der Mann für die Spezieleffekte, Paul Ratineau; aber all diese Figuren haben wenig bis nichts mit den realen Personen gemein. Die Bezeichnung “Bio-Pic”, wie sie in manchen Medien für den Film verwendet wird, ist daher etwas irreführend.

Paula Maxa wird von Anna Mouglalis gespielt, die in ihrer Karriere schon einige berühmte Persönlichkeiten darstellte, von Coco Chanel über Juliette Gréco bis Simone de Beauvoir. Mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz passt sie außerordentlich gut in die Rolle einer Schauspielerin in einem Horrortheater der 30er Jahre. Zudem hat sie eine sensationelle Stimme, die sich auch gesanglich sehr gut macht, wie im tollen Soundtrack zu hören ist. Daher mein Rat: im französischen Original mit Untertiteln schauen.

Der Film verquickt eine weitgehend genaue Darstellung des Theateralltags und eine dramatische in surrealen Rückblenden erzählte fiktive Hintergrundgeschichte über Paula Maxa mit einem Serienkiller, der Paris heimsucht und es auf Paula abgesehen hat. Hierbei bewegt sich der Film zwischen klassischem Horror (Erinnerungen an Das Phantom der Oper und Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts werden wach), Spät-Giallo und Arthouse. Das Ganze läuft mitunter etwas holprig und die Genre-Mischung überzeugt nicht immer. Aber die einzigartige Atmosphäre, die Sets und Locations, die trotz doch offensichtlich kleinem Budget einfach fantastisch aussehen, Kamera und Ton, Anna Mouglalis in der Hauptrolle, die historische Relevanz und letztlich die Leidenschaft der Filmemacher, die sich zu jeder Sekunde offenbart, machen den Film zu einem tollen Gesamtpaket. Für mich ist der Film eine der positiven Überraschungen des Jahres. Zuschauer mit geringem Interesse am Grand Guignol werden womöglich weniger begeistert sein.

Die echte Paula Maxa, die eigentlich Marie-Thérèse Beau hieß, starb übrigens 1970 ohne Familie oder Freunde zu hinterlassen und wurde in einem öffentlichen Sammelgrab in Paris beigesetzt.

Apostle (2018)

Apostle (Netflix)

Ein garstiger, niederschmetternder Film, der den eleganten Zynismus eines Wickerman mit der Räudigkeit eines Backwood-Schockers kreuzt. Der Regisseur Gareth Evans kann nicht nur entfesselte Martial-Arts-Action (siehe The Raid), sondern auch diese Art von kultischem Sekten-Horror.

Visuell beeindruckend und mit einigen hochunangenehmen Szenen versehen, kann mich der Film aber nicht vollends überzeugen. In einigen Szenen fehlt ihm das letzte Quentchen Orginalität und er ist mit 130 Minuten ein bischen lang geraten. Dennoch sehenswert.

Englischer Trailer:

The Haunting of Hill House

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The Haunting of Hill House (Netflix)

Eine packende Modernisierung und Neuinterpretation des 1959 erschienen Romans von Shirley Jackson und der Verfilmung von 1963, die in Deutschland unter dem Titel Bis das Blut gefriert bekannt ist. In dem Netflix-„Remake“ vereinen sich tiefenpsychologische Motive mit visuellem Horror und beschwören eine ausgesprochen schaurige und bedrückende Atmosphäre.

Extrem aufwändig gefilmt, ist die Serie atemberaubend anzusehen und überzeugt mit einem ausgeklügelten Sounddesign. Die Musik ist zurückhaltend und die Serie verzichtet meist auf billige Jump-Scares mit schrillem Schockton. Stattdessen wird viel öfter mit großer Wirkung auf die Unbehaglichkeit der Stille vertraut.

Auch schauspielerisch bietet die Serie großes Kino. Das ist nicht unwichtig, denn die Story ist zu einem erheblichen Teil ein Familiendrama, das mit der Spukhaus-Handlung verschmilzt. Die sozialen Interaktionen und Dialoge sind ebenso wichtig wie der Horror.

The Haunting of Hill House, das ist intelligenter Horror. Modern, aber nicht seine klassische Spukhaus-Herkunft verleugnend. Während die Serie im Mittelteil sich von der Romanvorlage entfernt, leitet Folge 8 mit einer großartigen, unfassbar emotionalen Szene den Schwenk ein zurück zur romantischen Schauermär. Am Ende der Serie, wenn sich alles auflöst, bleibt nur eines übrig: Pure Poesie.

Englischer Trailer

 

Deutscher Trailer

Serien in Überbreite

Vor einigen Wochen habe ich auf den Tatort im Cinemascope-Format hingewiesen. Der kommende Schweiger-Tatort Off Duty, der im Februar im Kino laufen wird, ist ebenfalls im Format 2.35:1 gedreht, was für einen Kinofilm nicht ungewöhnlich ist.

Die Streamingdienste Netflix und Amazon allerdings, setzen auch bei ihren Serien vermehrt auf ein extrabreites Bildformat. Hier einige Beispiele:

Häufig taucht das Format 2,0:1 auf, das einen guten Kompromiss darstellt zwischen dem Standard-16:9 und dem Scope-Format 2,20:1 oder breiter. Genaugenommen ist es das mathematische Mittelmaß.

Der Kameramann Vittorio Storaro hatte dieses Format bereits 1998 als Idealformat für alle zukünftigen Film- und TV-Produktionen postuliert, um das Seherlebnis auf der Leinwand und dem Fernseher anzugleichen. Er entwickelte eigene Filmstreifen und eine Kameraapertur, und nannte das Ganze Univisium.  Außer ihm selbst hatte aber kein Filmemacher so richtig Lust auf diese Sache.

Heute, in der Zeit von digitalen Filmproduktionen und Streamingdiensten, und einem Kino, dessen Stellenwert innerhalb der Unterhaltungsbranche doch zumindest diskutiert wird, scheint dieses Format wieder attraktiv geworden zu sein. 2,0:1 erzeugt auf einem 16:9-Fernseher nicht zu hohe schwarze Balken, bietet aber im Vergleich zu 16:9-Produktionen mehr Breite für einen ausgefeilteren Bildaufbau.

Erwähnt werden muss auch die neue Netflix-Serie Master of None, die direkt im Kinoformat von 2,35:1 daherkommt. Das ist für eine Fernseh-/Streamingserie schon ungewöhnlich, aber für eine Comedyserie umso mehr. In der Tat sieht die Serie auch ganz fantastisch aus und wirkt technisch betrachtet sehr „kinohaft“.

Dazu gibt es einen Kommentar von Produzent Alan Yang auf reddit:

From the beginning, we wanted it to feel less like most of the single camera comedies that are out there and more like a loose, personal, realistic comedy from the 70’s. A big part of that was the look of the show […]

We pushed really hard for the anamorphic aspect ratio. We did a camera test where it was Aziz’s stand-in Danny looking through some papers. With the regular aspect ratio, it looked pretty boring. But then with the anamorphic ratio, we were like, „What’s Danny looking at? That shit looks interesting as hell!“

Demnach wollte man sich also unbedingt von dem Single-Camera-Look der üblichen Comedyserien absetzen, und orientierte sich stattdessen mehr an den realistischen Komödien der 70er Jahre.

Nicht nur inhaltlich setzen die Streamingdienste Akzente, sondern auch filmtechnisch. Gefällt mir. Ich werde weiterhin ein Auge auf die Bildformate haben und berichten, was sich so tut.

VU+ SOLO², Fire TV, Amazon Instant Video, Netflix

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Als erste Maßnahme auf dem Weg zur neuen Heimkino-Einrichtung habe ich mir einen neuen Sat-Receiver und Mediaplayer sowie eine Fire-TV-Box zugelegt. Daher hier ein paar Eindrücke dazu sowie zu Amazon Prime Instant Video und Netflix.

Im Falle des Receivers ist die Wahl auf die VU+ SOLO² gefallen. Die SOLO² kann alles, was für mich wichtig ist. Problemloser Empfang der Satelliten Astra 19,2°, 28,2° und Hotbird 13,0°, komfortable Sendereditierung am PC, Filmdateien direkt vom Netzwerkspeicher abspielen und Internet-Inhalte darstellen. Zusätzlich kann ich das Fernsehprogramm auf den PC oder Smartphone/Tablet streamen, über Transcoding sogar außerhalb des heimischen Netzwerks, und natürlich auch das Fernsehprogramm auf interne Festplatte oder externe Medien aufnehmen.

Die SOLO² ist dabei mit einem 1300-MHz-Prozessor und 1 GB RAM verdammt schnell. Zuvor hatte ich einen Billig-Receiver von Xoro, gar kein Vergleich. Die Fernbedienung ist kein Design-Highlight, aber gut nutzbar. Zudem übernimmt sie auch die Bedienung des Fernsehgeräts. Es gibt aber auch ein potentielles Problem für Besitzer von Plasma- und älteren LCD-Geräten. Die Strahlung dieser Geräte kann den Infrarotempfänger in der SOLO² stören. In meinem Fall hat die Fernbedienung komplett den Dienst verweigert, solange der Receiver im Umkreis von zwei Metern des Fernsehers stand. Abhilfe: Receiver aufschreiben und den Infrarotempfänger mit einer doppelt gefalteten Antistatikfolie abkleben. Danach funktioniert die Fernbedienung, als hätte es nie ein Problem gegeben. Dennoch ärgerlich, dass man sich bei einem 270-Euro-Receiver mit einem solchen Problem rumärgern muss.

Wer zum ersten Mal einen Linux-basierten (Enigma2) Receiver nutzt, der muss sich zwangsläufig ein wenig einlesen. So eine VU+ ist nicht gerade ein Gerät, das man aus dem Karton nimmt, anschließt und damit loslegt. Schon für die Konfiguration der zwei Tuner sollte man mal ins Handbuch schauen. Hat man sich aber erst mal eingelesen, funktioniert das alles gut und zuverlässig. Das Schöne an einem solchen Receiver, ist das offene System. Neben dem schon ziemlich guten Original-Image lassen sich Community-Images wie VTi, Black Hole, OpenATV, usw. installieren. Ich habe bisher allerdings noch keinen guten Grund dafür entdeckt, da das Original-Image im Prinzip schon alles bietet und über Plugins erweitert werden kann.

Neben einem guten Receiver/Mediaplayer brauche ich auch Zugriff auf Netflix und Amazon Prime Instant Video. Leider sind die ganzen Streaming-Dienste inkompatibel mit der VU+. Als Alternative kommt hier eine Amazon Fire TV zum Einsatz. Fire TV ist eine kleine Box, schön schnell und mit guter Fernbedienung, die eine komfortable Spracherkennung bietet (diese allerdings nur für Amazon-Content). Fire TV ist leider nicht ganz so offen, wie man sich das wünschen würde. Über Sideloading lassen sich allerdings prinzipiell alle möglichen Programme installieren, inklusive Kodi/XBMC, womit Fire TV zum kompletten Mediaplayer wird.

Prime Instant Video und Netflix habe ich in erster Linie wegen dem Eigen-Content der Anbieter. Amazon Prime ist ziemlich günstig und beinhaltet ja neben dem Videoangebot auch den Premiumversand und ein paar andere Features. Das Videoangebot über Prime ist okay, aber für jemanden, der überhaupt keine synchronisierten Filme schaut, ist das O-Ton-Angebot etwas enttäuschend. Ich hoffe, das wird ausgebaut. Immerhin steht für die Amazon-eigenen Serien stets der O-Ton zur Verfügung, was die Hauptsache ist.

Netflix bietet grundsätzlich immer mehrere Sprach- und Untertitel-Versionen an. Anders als bei Amazon, wo verschiedene Sprachfassungen als separate Filmversionen auftauchen, lassen sich bei Netflix die Sprachen direkt umschalten während der Film läuft. Sehr praktisch. Das breitgefächerte Angebot von Netflix gefällt mir ziemlich gut. Aber im Vergleich zum US-Netflix darf hier auch noch gerne etwas nachgelegt werden. Besonders schade, dass manches, wie zum Beispiel House of Cards, nur mit Verspätung hier erscheint, weil es zunächst auf Sky läuft. Negativ ist auch, dass einige Blockbuster offenbar nur in Stereo vorliegen.

Technisch und qualitativ nehmen sich beide Dienste nicht viel. Sowohl Netflix als auch Amazon streamen in 1080p und das kann sich sehen lassen. Das Bild sieht sogar besser aus als bei vielen HD-TV-Sendern. Verbindungsprobleme sind mir noch nicht begegnet, allerdings fängt mein Fernsehtag auch nicht vor 22 oder 23 Uhr an.

Insgesamt bin ich mit diesem Setup aus VU+ SOLO², Fire TV, Amazon Instant Video und Netflix sehr zufrieden. Als nächstes steht erst mal der Innenausbau des Heimkinos an, sprich Wand- und Deckenverkleidung.