Verspätete Post aus Jakarta

Am 24.10.2015 wurde für mich ein Paket in Jakarta aufgegeben, welches drei Tage später den Zollausgang verließ und sich auf dem Weg in den Flieger befand. Danach jedoch verlor sich jede Spur.

Ich hatte das Paket bereits völlig abgeschrieben, als mich vor einigen Tagen der Postbote mit besagtem Paket überrascht. Ein Blick in die Tracking-Historie zeigt, dass das Paket am 10.08.2016 erneut im Zollbereich in Jakarta registriert wurde. Das Paket lag also fast 10 Monate unbemerkt in irgendeiner Ecke am Flughafen. Irre. Ein neuer persönlicher Rekord.

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Danach geht alles fix. Nach dem Abflug in Jakarta landet das Paket nach nur 5 Tagen in Deutschland. Nach weiteren 10 Tagen beim Zoll ist es mein. Und nun zum Inhalt.

Links: Aus einer Wurzel gefertigte Schnitzerei der Asmat aus Neuguinea, die kletternde Ahnen zeigt. Asmat bedeutet Volk des Baumes. Die Asmat glauben, dass die Seelen der Verstorbenen in den Bäumen wohnen.

Rechts: Ein kleiner Korwar, ebenfalls aus Neuguinea. Die küsten- und inselbewohnenden Völker fertigten diese Figuren als Repräsentation der verstorbenen Ahnen.

Versteckter Trash bei Amazon Video

Kürzlich ist mir zufällig aufgefallen, dass man auf Amazon Video Prime eine nicht unerhebliche Anzahl von Action-, Horror- und Eastern-Trash entdecken kann, der nur im englischen Original-Ton verfügbar ist. Scheinbar hat Amazon ein größeres Lizenzpaket von der Resterampe erworben. Darunter befinden sich obskure Kung-Fu-Klopper wie Fearleass Fighters von 1971, Troma-Filme und moderner Lowest-Budget-Horrorkäse.

Ich finde das sehr begrüßenswert, denn sich da durch zu klicken, kann sehr unterhaltsam sein. Leider gibt es auch zwei Haken:

1. Diese Filme zu finden, erweist sich als Geduldsspiel, da keine eigenen Rubriken für diese Art von Filmen existieren. Die asiatischen Martial-Arts- und Action-Streifen sind beispielsweise einfach unter Action & Abenteuer abgelegt. Man kann also nicht einfach mal eben so durchzappen.

2. Die Qualität schwankt und ist teilweise unansehnlich schlecht. So etwas Verwaschenes und Unscharfes wie Iron Angels 3, hätte ich mir nicht mal zu VHS-Zeiten angetan.

 

Bei meinem Trip durch den Amazon-Untergrund bin ich auch auf vier Dokumentationen gestoßen, die ich noch erwähnen will.

VHS Massacre: Cult Films and the Decline of Physical Media

Ein Blick auf das Verschwinden der physischen Medien, hier speziell VHS, und die Auswirkungen auf Indie- und Kultfilme.

 

Monster Madness: The Gothic Revival of Horror

Eine Doku über die Horrorfilme der Hammer-Filmstudios. Neben den obligatorischen Trailern und Clips, enthält die Doku interessante Interviews aus den 1990er Jahren.

 

Christopher Lee – A Legacy of Horror and Terror

Passend zur Hammer-Dokumentation. Hierbei handelt es sich um einen Mitschnitt von Christopher Lees Auftritt auf der Monster Rally convention in Crystal City, 1999.

 

Pulp Fiction: The Golden Age of Storytelling

Eine Dokumentation über Pulp Fiction. Nein, nicht Tarantinos Film, sondern die guten alten Romanhefte sind gemeint. Mit 50 Minuten etwas kurz, aber insgesamt ein guter Überblick mit Statements von Veteranen einschließlich Ray Bradbury, der ebenfalls als Pulp-Autor seine Karriere begann.

Jambinai 잠비나이

Die fantastische Band Jambinai aus Südkorea hat kürzlich ein neues Album veröffentlicht:
A Heritage, erhältlich als CD, Schallplatte und Download.

Die Band fabriziert einen einzigartigen Klang, der Schlagzeug und E-Gitarre mit traditionellen folkloristischen Instrumenten verschmelzen lässt und dabei stets zwischen Lieblichkeit und Chaos pendelt. Eine perfekte Symbiose.

Hinab in die Gruft: Infra Arcana

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Vor einer Weile habe ich das Roguelike-Spiel Infra Arcana entdeckt. Infra Arcana ist in erster Linie von den Geschichten von H. P. Lovecraft inspiriert, enthält aber auch Verweise auf B-Horrorfilme und das PC-Spiel Blood von 1997. Diese Mischung ist einzigartig im Roguelike-Genre – und ausgesprochen spannend umgesetzt.

In der Gestalt von Ghoul, Occultist, Rogue oder War Veteran, begibt sich der Spieler in die Katakomben einer alten Kirche, die der gefürchteten Sekte The Church of Starry Wisdom als Unterschlupf dient. Tief unten in den Katakomben soll ein Artifakt versteckt sein, das nichts geringeres verspricht, als die Geheimnisse des Universums lüften zu können.

Die vier verschiedenen Charakterklassen unterscheiden sich in den Werten und Eigenschaften deutlich, und spielen sich dementsprechend unterschiedlich. Für den Anfänger ist der Rogue eine gute Wahl. Der ist relativ ausbalanciert und kommt mit einigen praktischen Startfähigkeiten daher. Zum einen besitzt er die Fähigkeit, die Gedanken der Gegner zu vernebeln, woraufhin diese die Anwesenheit des Spielers kurzfristig vergessen, was dem Spieler in brenzligen Situationen eine gute Möglichkeit zur Flucht verschafft. Außerdem startet der Rogue mit den Eigenschaften observant und stealthy. Erstere lässt den Spieler leichter versteckte Fallen, Türen, Objekte und Monster erkennen; zweitere hilft dabei, eher unentdeckt durch die Gänge schleichen zu können.

Für welchen Charakter man sich auch entscheidet, nach dem Spielstart erlebt der Anfänger beim Blick ins Inventar eine positive Überraschung. Im Gegensatz zu vielen anderen Roguelikes, startet man in Infra Arcana mit einer soliden Ausrüstung. Im Falle des Rogue sind das: ein Dolch, ein M1911 Colt mit 14 Patronen, 12 Wurfmesser, 8 Eisenspikes zum Werfen und Türenblockieren, 2 Dynamitstangen, 2 Molotovcocktails, Lederjacke, elektrische Laterne und eine Medizintasche um Wunden und Infektionen zu behandeln.

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Nach dem Erreichen der Kirche, die inmitten eines von Wölfen bevölkerten Waldes liegt, geht es direkt hinab in die Katakomben und es ist an der Zeit, sich mit einer Besonderheit von Infra Arcana vertraut zu machen. Dem Insanity-Meter. Während in anderen Roguelikes das Attribut Hunger dazu genutzt wird, den Spieler einer gewissen latenten Gefahr auszusetzen, gibt es in Infra Arcana statt des Hungers das Risiko dem Wahnsinn zu verfallen. Ganz in der Tradition eines der großen Themen in Lovecrafts Werk. Der Aufenthalt in den Katakomben versetzt den Spieler in einen Schockzustand, der sich stetig verschlimmert. Jedes Monster, jede dunkle Ecke, jede Ungewöhnlichkeit und jede Überraschung addiert Schockpunkte hinzu. Erreicht der Schockzustand 100%, erhöht sich das Attribut Wahnsinn um einen gewissen Prozentsatz. Überschreitet der Wahnsinn die 100%, ist der Spieler dem Wahnsinn völlig verfallen und das Spiel ist verloren. Das Gute ist, dass der Schockzustand jedes mal auf 0% zurückgesetzt wird, wenn man die nächste Ebene erreicht. Zusätzlich existieren einige Objekte und Zaubersprüche, die den Schockzustand ebenfalls senken können.

Das oberste Gebot lautet also, sich nicht allzu lange in einem Level aufzuhalten und sich nicht zu vielen offensichtlichen Schocks auszusetzen. Dazu ist es hilfreich, dass der Spieler Erfahrungspunkte nicht nur durch das Töten von Monstern erlangt, es reicht bereits der bloße Anblick eines Monsters, um die halben Erfahrungspunkte einzustreichen.

Der physische Zustand des Spielers wird durch Hitpoints (HP) und Wunden (Wounds) bestimmt. Während kleinere Verletzungen die HP reduzieren, sorgen größere Schäden für Wunden, die sich unter Umständen auch infizieren können. Solche Wunden wirken sich besonders stark auf die Konstitution und Kampfkraft aus, zudem hindern sie die Regeneration der HP. Dies bedarf einer schnellen Behandlung mit der Medizintasche.

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Der Kampf in Infra Arcana läuft unkompliziert ab, ist aber alles andere als einfach. Die Monster streben stets danach, den Spieler zu umzingeln und sich nicht gegenseitig im Weg zu stehen. Das Ausnutzen der Umgebung ist daher unerlässlich. Schleicht man sich an Monster heran und bleibt unentdeckt, erhält man einen massiven Schadensbonus beim Angriff. Sowohl Waffen als auch Rüstungen verursachen Geräusche, die wiederum Monster von weither anlocken können. Zu der genauen Anzahl unterschiedlicher Monstertypen, werden keine Informationen gemacht. Aber es sind unzählige, sowohl aus dem Lovecraft-Kosmos als auch aus anderen Horrorbereichen. Das ist überhaupt ein großer Pluspunkt des Spiels, es überrascht den Spieler immer wieder mit neuen Entdeckungen und originellen Begebenheiten. Das ist ja eigentlich auch das, was ein Roguelike auszeichnen sollte.

Infra Arcana enthält ebenfalls ein Magiesystem, das im Vergleich zu anderen Spielen aber deutlich reduziert ist. Der Occultist ist in der Lage, Zaubersprüche durch das Lesen von Manuskripten zu erlernen und unabhängig zu nutzen. Die anderen Charaktere sind dagegen auf Manuskripte oder magische Objekte angewiesen. Das Nutzen von Magie reduziert die Spiritpoints, die nicht auf 0 fallen dürfen. Bestimmte Monster wiederum können ebenfalls Magie nutzen.

Grafisch überzeugt das Spiel mit einem einfachen und übersichtlichen Tile-Set. Der folgende Screenshot zeigt ungefähr in der Mitte, lilafarben, die Leng-Spinne, die der Lovecraft-Leser aus The Dream-Quest of Unknown Kadath kennt (dt.: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath). Kurz zuvor habe ich hier eine Scroll of summon Creature benutzt, die mir die kleinen grünen Spinnen als Helfer beschert hat. Diese greifen autonom alle Feinde in Reichweite an. Wie hier zu erkennen, ist immer nur der Teil der Katakomben sichtbar, der sich in Sichtweite befindet. Karten gibt es in Infra Arcana nicht. Die sind allerdings auch nicht nötig, da der Algorithmus das Level-Layout nicht allzu komplex generiert.

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Erwähnenswert ist die minimalistische, aber sehr effektive Audiountermalung. Neben Ambientsounds, die hin und wieder das Geschehen bereichern, sorgen Effekte wie Poltern, Monsterkreischen und ähnliches für Grusel. Die gesamte Atmosphäre des Spiels wird dem Horroranspruch mehr als gerecht. Wer der immer gleichen Fantasy- und Dungeon-Settings im Roguelike-Genre überdrüssig ist, der findet in Infra Arcana eine wunderbare Abwechslung.

Zum Abschluss beschreibe ich folgend eine typische Spielszene.

Ich betrete eine Gruft und sofort steigt mein Schockzustand um 30%. Kein gutes Zeichen.

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Aber Grabmäler enthalten oftmals interessante Objekte. Also öffne ich wider besseren Wissens den Deckel des Grabes.

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Eine Mumie entsteigt dem Grab und murmelt Unverständliches.

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Angesichts der Mumie bin ich so verängstigt, dass meine Nahkampffähigkeiten versagen.

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Mir bleibt also nichts anderes übrig, als Abstand zwischen mir und der Mumie zu gewinnen. Zum Glück ist sie weitaus langsamer als ich. Ich locke sie aus der Gruft heraus, woraufhin sich mein Schockzustand sofort verringert. Ich schaue ins Inventar: Molotovcocktail! Die Mumie mit Feuer bekämpfen, klingt gut.

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Treffer, die Mumie brennt. Und die ganze Umgebung gleich mit. Glücklicherweise war mein Abstand groß genug. Die Mumie wankt auf mich zu. Einige Kugeln aus dem guten alten Colt später und die Mumie ist besiegt.

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Die Überreste der Mumie.

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Neues Teegeschirr

Nachdem ich meine erste Kyusu gekauft habe, ist mein Interesse an Teegeschirr deutlich gestiegen. Hier sind einige neue Stücke, die ich in den letzten Wochen bekommen habe.

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Eine rote Tokoname-yaki von Sekiryu Kamimura, 300ml. Für Sencha und Shincha. Der Ton ist deutlich poröser als der meiner schwarzen Tokoname oder der violetten Banko. Durch die gerade Tonnenform lässt sich diese Kyusu allerdings einfacher reinigen.

 

Meine erste Hagi-yaki, ca. 250 ml. Hagi gehört zu den legendärsten japanischen Keramiken. Der Ursprung geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Wer sich für die Geschichte interessiert, der findet hier ein schöne Einführung in das Thema. Diese Hagi werde ich wahrscheinlich für Sannenbancha nutzen. Mangels Japanischkenntnis kann ich leider nicht sagen, aus welcher Töpferei dieses Stück stammt.

 

Teetasse aus edlem Imari-Porzellan, ca. 200 ml. Habe ich in erster Linie wegen dem schönen Landschaftsmotiv gekauft. Die Tassenform ist etwas gewöhnungsbedürftig, könnte auch ein Zahnputzbecher sein. Benutze ich meistens morgens für Gyokuro.

 

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Niedliches Teeset, das mir viel mehr Freude bereitet, als ich je für möglich gehalten hätte. Seit ich es habe, kommt es fast täglich zum Einsatz. Das Set besteht aus einem schön gearbeiteten Teetisch aus Bambus, einer Teekanne und einer Servierkanne (je 200 ml) und zwei Teeschalen (50 ml). Die Teekanne besitzt einen dieser simplen, aber unglaublich praktischen Edelstahlfilter, die direkt in der Tülle sitzen. Geeignet quasi für alle Blatttees.

Hier in Aktion mit einem feinen Schwarztee aus Yunnan.

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Schöne Langeweile bei James Bond

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Kürzlich ist mir aufgefallen, dass Spectre bereits via Heimvideo erhältlich ist und ich nicht einmal den Vorgänger Skyfall gesehen habe. Ja, James Bond steht schon länger nicht mehr auf meiner Prioritätenliste. Und dabei war ich einmal ein großer James-Bond-Fan. Ich bin quasi mit James Bond aufgewachsen. Wie konnte es soweit kommen?

Der Lack ist ab

Mein Bruch mit Bond ereignete sich beim Darsteller-Wechsel von Pierce Brosnan zu Daniel Craig. Zu dieser Zeit, und speziell während der ersten beiden Craig-Bonds Casino Royale und Quantum of Solace, ist mir bewusst geworden, dass sich das Bond-Konzept überholt hat – oder ich dem Konzept einfach entwachsen bin, wie immer man es auch sehen möchte.

Während der Pause zwischen der Brosnan- und Craig-Phase startete die Jason-Bourne-Reihe mit Matt Damon. Nicht zu vergessen, dass bereits zehn Jahre vor Casino Royale, also noch während Brosnan als Bond aktiv war, Tom Cruise mit Mission: Impossible auf der Leinwand erschien. Diese beiden Filmreihen haben dazu beigetragen, dass James Bond bei mir in Wichtigkeit und Ansehen gesunken ist. Die Filme mit Jason Bourne und Ethan Hunt haben all das, was Bond auch hat: Geheimdienstkonflikte, Verschwörungen, Superschurken, brachiale Action, Gimmicks, schöne Frauen, exotische Locations, setzen aber in allen Belangen noch ein Extra oben drauf. Sie sind zeitgemäß und speziell Jason Bourne überzeugt durch bonduntypische Rohheit.

Das Fernsehen soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Im extremen Klima von 9/11 startete und gedieh die Serie 24, die in vielen Aspekten Standards setzte. Später kamen exzellente Geheimdienstserien wie Rubicon und Homeland hinzu, die mit packender Spannung, komplexen Geschichten und mit – zumindest in Teilen – erschreckendem Realismus glänzen. Im Angesicht dieser frischen Ideen, hat es ein 50 jahre altes Franchise verdammt schwer, vor allem dann, wenn es wie James Bond zwar regelmäßig die Hauptdarsteller auswechselt, im Kern aber stets die gleichen Geschichten erzählt – und diese auch noch nach Blaupause abarbeitet.

Auftritt Daniel Craig

Im Vorfeld war verheißungsvoll von einem Reboot die Rede und es wurde ein James Bond so hart wie nie zuvor versprochen. Ja, Craig hat tatsächlich einen völlig anderen Auftritt hingelegt als Brosnan. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Bond-Darsteller anders aussieht und sich anders darstellt als der vorherige. Inhaltlich und filmisch ändert sich hingegen wenig.

Nach dem nicht schlechten, aber auch nicht besonders beeindruckenden Casino Royale, kam es mit Quantum of Solace sehr viel ärger. Der Film war für mich solch ein Desaster, dass ich den Film mittlerweile vergessen habe. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde versucht, die Action mit schnellen Schnitten, Gewackel und Close-Ups dynamischer zu gestalten, was aber mit totaler Unkenntlichkeit der Szenen einherging. Eine belanglose Story und ein besonders blasser Bösewicht gaben dem Film den Rest.

Skyfall und Spectre

Nun habe ich das Wochenende genutzt, um mich auf den neusten Stand in Sachen James Bond zu bringen. Skyfall und Spectre standen an – und keiner der beiden Filme hat mich wirklich begeistert. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie bedeutend besser sind als die beiden Vorgänger. Die Geschichten sind zumindest marginal unterhaltsamer, auch wenn man geteilter Meinung sein kann über die Idee, die gesamte Historie der Figur James Bond auf den Oberschurken Blofeld zu reduzieren, wie es in Spectre getan wird.

Auffällig ist, dass alle Figuren einschließlich Bond, M, Q und Bösewichte – immerhin gespielt von Jarvier Bardem und Christoph Waltz – Charisma vermissen lassen. Sie agieren vor schöner Kulisse wie seelenlose Marionetten. Speziell Daniel Craig, der nun schon seit einiger Zeit öffentlich verlauten lässt, dass er eigentlich gar keine Lust mehr auf Bond hat, sieht man den Verfall über den Zeitraum der Filme erschreckend deutlich an. Dass er älter geworden ist, ist nur natürlich, aber er scheint von Film zu Film immer weniger Interesse an dem zu haben, was er da eigentlich macht. Wieso bin ich bloß hier? Ach ja, ich kassiere 50 Millionen Euro für den Scheiß. Augen zu und durch.

Bardem und Waltz spielen ihre Rollen überdreht, was nicht unüblich für Bond-Schurken ist, aber eine echte Tiefe lassen sie auch nicht erkennen. Zumal wird Beiden ein unspektakuläres Ende zuteil, und man fragt sich, ob es das nun gewesen sein soll mit diesen Verbrecher-Genies.

Was die Bond-Girls betrifft, gibt es sowohl in Skyfall als auch in Spectre eine Neuigkeit. Moneypenny, gespielt von Naomie Harris, darf in Skyfall zusammen mit Bond an einer Mission teilnehmen. Allerdings dauert ihr Einsatz genauso lange wie der Teaser. Dann schießt sie versehentlich Bond an und kehrt an den Schreibtisch zurück. Irgendwie sinnlos. In Spectre spielt mit Monica Bellucci erstmals ein Bond-Girl mit, das älter als der Bond-Darsteller ist. Ihr kurzer Auftritt wird immerhin damit gerechtfertigt, dass Bond von ihr eine wichtige Information erhält. Aber nach der obligatorisch zusammen verbrachten Nacht (dank ab-12-Freigabe nur minimal angedeutet) ward sie nicht mehr gesehen. Dann ist da auch noch Léa Seydoux, die Bond doch tatsächlich einmal das Leben retten darf, darüber hinaus aber auch nur als schöne Stichwortgeberin dient. Diese belanglosen Frauenrollen kann man den Filmen nicht einmal übel nehmen, da, wie erwähnt, alle Figuren irgendwie flach wirken.

Bei den Actionszenen gibt es Licht und Schatten. Spectre überrascht noch mit einer gut gemachten Teasersequenz (lange Kamerfahrt ohne Schnitt Bond folgend), die allerdings in einer wenig überzeugenden Helikopter-Eskapade vor Greenscreen endet. Warum ein 250-Millionen-Dollar-Film nur mittelmäßige CGI hinbekommt, ist ein Rätsel. Später im Film sehen wir eine Flugzeug-Auto-Verfolgungsjagd mit realen Effekten, die bedeutend authentischer wirkt. In Skyfall hingegen wird eine altbackene Vefolgungsjagd aufgetischt, bei der Autos in Obststände krachen. Das war schon in den 1980er Jahren nicht mehr originell. Es ist ohnehin auffällig, dass große Standard setztende Actionszenen, etwas, für das James Bond eigentlich einmal stand, nicht mehr so wirklich vorkommen. Insbesondere im Vergleich zu anderen Filmen des modernen Actionkinos wirken Bond-Filme mittlerweile etwas behäbig. Die Theorie, dass das auch mit dem Regisseur zu tun haben könnte – Sam Mendes sei ein fantastischer Dramaregisseur, der vom Theater kommt, könne aber keine Action –  trifft es nicht wirklich, denn die Bond-Filme werden mit der Unterstützung von etlichen Second, Third und Assistant Unit Directors gedreht. Ein Regisseur alleine, kann einen solchen Film gar nicht stemmen. Das Problem scheint mir eher schon in den Drehbüchern begründet.

Eines muss man beiden Filmen lassen: Sie sehen unglaublich gut aus, Kamerabilder, Sets, Locations, alles schwelgt in opulentem Hochglanz. In der Welt von Bond scheint es gar keinen Dreck, Müll oder Staub zu geben. Selbst das explodierte MI6-Gebäude erinnert eher an hippe Sichtbeton-Ästhetik als an eine entkernte Ruine. Wie das Durchblättern eines Werbekatalogs, wird aber auch diese dauerschöne Optik irgendwann langweilig.

Ausblick

Ich werde mir auch den nächsten Bond-Film anschauen, allerdings bin ich nicht sonderlich gespannt auf ihn. Interessant finde ich die Frage, ob Craig sich noch einmal bewegen lässt, die Doppelnull zu spielen. Winkt erneut ein 50-Millionen-Scheck, dann stehen die Chancen nicht schlecht. Ich würde allerdings begrüßen, wenn er die Rolle endgültig abgibt anstatt sich durch einen weiteren Film des Geldes wegen zu quälen.

Hinter den Kulissen läuft angeblich schon mal vorsichthalber die Suche nach einem neuen Schauspieler. Öffentlich kursieren Namen wie Idris Elba und Tom Hiddleston. Zudem hat sich Gillian Anderson als zukünftige „Jane Bond“ selbst in die Diskussion  gebracht. Gute Namen, von denen keiner der oder die nächste Bond wird, wage ich zu behaupten. Dagegen spricht, dass bisher niemals ein Schauspieler Bond wurde, dessen Name zuvor bereits öffentlich die Runde machte. Ich würde durchaus gerne Idris Elba sehen. Der Mann ist ein guter Schauspieler mit dem Format und der nötigen Coolness für einen James Bond. Allerdings befürchte ich, die Verantwortlichen trauen den Zuschauern keinen schwarzen Bond zu. Auf der anderen Seite wurden bereits sowohl Felix Leiter als auch Moneypenny von schwarzen Schauspielern dargestellt. Das lässt hoffen.

Tom Hiddleston ist in die öffentliche Diskussion gerutscht, weil er kürzlich eine bondähnliche Rolle in der Mini-Serie The Night Manager spielte. Ob er aber ein Franchise über mehrere Filme tragen könnte, wenn er sich dabei stets mit seinen Vorgängern vergleichen lassen müsste? Ich weiß es nicht.

Eine Jane Bond anstelle von James Bond wird es nicht geben. Dazu ist James Bond einfach zu erfolgreich. Eine zusätzliche Filmreihe mit einer weiblichen Heldin wäre eine Option. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sich Gillian Anderson oder jede andere Schauspielerin mit einer weiblichen Kopie von James Bond einen Gefallen tun würde. Viel angebrachter wäre es, wenn stattdessen ein neues originales Format entwickelt würde, welches von Anfang an auf eine weibliche Titelrolle zugeschnitten wäre. Das ist sowohl dem Film als auch der Schauspielerin viel dienlicher und beugt außerdem der unausweichlichen Kritik der James-Bond-Fanboys vor. Meine Empfehlung für eine Vorlage für eine solche Filmreihe ist die Comic-Serie Velvet von Ed Brubaker und Steve Epting. Diese enthält zwar viele Reminiszenzen an Bond und das Spyfilm-Genre insgesamt, bringt aber eine völlig eigene Dynamik ins Spiel. Zudem besitzt die Titelheldin Velvet Templeton eine mehr als 30 Jahre umspannende persönliche Historie, die bis in die Nachkriegszeit zurückreicht (ja, der Comic spielt in den 1970er Jahren). Wir sehen hier eine echte Charakterentwicklung, die es in den Bond-Filmen praktisch nie gab.

The End

Als Fazit muss ich das unterstreichen, was ich bereits eingangs schrieb: James Bond ist für mich nicht mehr relevant. Alles hat seine Zeit und Bonds Zeit ist vorbei, zumindest in dieser Form. Ich weiß, Millionen von Kinobesuchern sehen das anders. Hier kommt vermutlich eine Sehnsucht nach Beständigkeit zum Tragen. Wenn man in einen Bond-Film geht, weiß man, was einen erwartet. Solange die Filme so viel Geld einspielen, wird sich an der generellen Ausrichtung nichts ändern. An dieser Stelle kann man die Frage stellen, ob  es überhaupt einen radikalen Wandel bei James Bond braucht. Wie oben erwähnt, existieren heutzutage schließlich genügend Alternativen. James Bond ist in dieser Hinsicht wie eine alternde Rockband. Seit Jahrzehnten da, solides Handwerk, keine Überraschungen, keine Veränderungen, dennoch füllt sie Stadien. Uhrwerksgleich läuft die Kommerzmaschine.

Was immer auch in den nächsten Jahren passieren wird, eines ist sicher:
James Bond will return.

Lost Adult Theaters of New York: Then and Now

Lost Adult Theaters of New York

Das seit einigen Jahren bestehende Blog The Rialto Report veröffentlicht mit unermüdlicher Beständigkeit erstklassige und sehr gut recherchierte Artikel zum klassischen – vorwiegend amerikanischen – Pornofilm der 1970er und 1980er Jahre. Exklusive Interviews mit Stars und Machern, unterhaltsame Podcasts, Fotoreportagen über Filmlocations und einzigartiges Archivmaterial runden das Angebot ab.

Der neuste Beitrag, der mich das rührige Blog hier erwähnen lässt, ist Lost Adult Theaters of New York: Then and Now. Ein wunderbarer Blick zurück auf die vielen Sex- und Grindhouse-Kinos, die in den 70ern und 80ern rund um den Times Square zu finden waren. Gleichzeitig gibt es zu jedem Kino ein vergleichendes Foto aus der heutigen Zeit, was sehr schön zeigt, wie sich die Orte verändert haben. Keine Frage, dass von den ganzen Kinos heute kein einziges mehr existiert.

Bonus-Lesetipp: Who was Navred Reef? (And What Happened to Him?). Ein spannender Artikel über den umtriebigen Pornofilmer Navred Reef, der groß ins Geschäft mit gefälschten Kreditkarten einsteigt und aufgrund fataler Verstrickungen mit der Mafia am Ende mit seinem Leben bezahlt. Irre Geschichte, die hoffentlich eines Tages mal verfilmt wird.

An der Schwelle vom Stumm- zum Tonfilm

Es ist selbstverständlich, dass die Aufnahme solcher Tonfilme eine besondere Kunst ist, die Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Erst dann wird man vollkommen berurteilen können, welche Höchstleistungen zu erzielen sind. Ich bin überzeugt, dass schon in durchaus absehbarer Zeit jeder Leser imstande sein wird, sich selbst ein Urteil über die Leistungsfähigkeit des Sprechfilms zu bilden.

– Dr. Werner Bloch, 1923

Ich habe im Kosmos-Handweiser für Naturfreunde zwei interessante Artikel zum Thema Tonfilm gefunden und eingescannt. Mit verschiedenen Verfahren, Bild und Ton zusammenzubringen, wurde zwar schon lange experimentiert, aber erst Anfang der 20er Jahre kam das praktikable Lichttonverfahren auf, dass in den Jahren 1921 und 1922 einer größeren Öffentlichkeit präsentiert wurde. Im folgenden Artikel von 1923 wird dieses Verfahren erklärt.

 

Mit der Lösung der grundsätzlichen technischen Aufgaben ist es freilich noch nicht getan. Nun muss der psychologische Ausbau einsetzen. Der Tonfilm als innige Vereinigung von Hören und Sehen hat seine eigenen Möglichkeiten, aber auch seine eigenen Gesetze. Hier endet das Gebiet des Technikers, und das Reich der Dichter und Künstler beginnt. Sie müssen den neuen Tonfilm schaffen, der einer verwickelten Apparatur erst das rechte Leben bringt.

– A. Stüler, 1929

Der zweite Artikel ist von 1929. Zu dieser Zeit waren die Kinderkrankheiten des Lichttons ausgemerzt und der Tonfilm befand sich auf dem besten Weg, den Stummfilm abzulösen. Der Artikel gibt einen kurzen Abriss zum Stumm- und Tonfilm und erklärt in vereinfachter Form das Lichttonverfahren.

Meine ersten beiden Kyusus

Das ist häufig die Frage, die sich Trinker japanischer Tees stellen: sollte man seine Tees in einer Kyusu brühen oder sollte man auf den teuren Schnickschnack lieber verzichten? Echte Kyusus sind aus hochwertigem Ton gebrannt, der nur lokal in Japan vorkommt, und bleiben unglasiert, so dass die Mineralien im Ton mit dem Tee reagieren und den Tee zu einem edleren Geschmack verhelfen sollen. Gleichzeitig nimmt der Ton die Aromen des Tees auf und kann sie an den Tee wieder abgeben. Ein gewisser Atmungseffekt tritt ein. Dafür bedarf es allerdings einer langen Nutzung der Kyusu.

Seit einigen Wochen besitze ich eine violette Banko-yaki von Meister Masaki Tachi und eine schwarze Tokoname-yaki aus der Gyokko-Töpferei. Die Banko benutze ich für Gyokuru und Kabusecha, die Tokoname für Sencha und Bancha. Allerdings bin ich mittlerweile so von den Kyusus überzeugt, dass ich plane, eigene Kannen für alle Teesorten, die ich regelmäßig trinke, zu kaufen.

Zuvor habe ich alle Tees in einem Teeglas mit großem Edelstahlfilter gebrüht. Ich bilde mir ein, der Tee aus der Kyusu schmeckt runder und feiner. Was man außerdem nicht unterschätzen sollte, ist eine gewisse emotionale Wirkung im Umgang mit den handgetöpferten Tonkännchen. Eine Kyusu hat etwas angenehm altertümliches und wirkt viel wärmer als so ein Glas mit Edelstahlfilter. Ich bin jedenfalls begeistert und schaue schon meiner nächsten Kyusu freudig entgegen.

Bonus-Foto: Ich habe den ersten Shincha des Jahres gebrüht. Kuritawase aus Tanegashima. Sehr gut.

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