Bookbutler.com von Amazon aufgekauft

Meine erste Anlaufstelle vor dem Kauf eines Buches galt meistens der Buchpreissuchmaschine bookbutler.com. Dort konnte man sich bequem die günstigsten Angebote sowohl von neuen als auch gebrauchten Büchern anzeigen lassen, praktischerweise von Händlern im In- und Ausland.

Speziell bei englischsprachigen Büchern ist ein Preisvergleich äußerst lohnenswert. Aber selbst deutsche Bücher im höherpreisigen Bereich konnte ich schon mit nennenswerter Ersparnis im Ausland bestellen. Das ist bei Neuware zwar eine Umgehung der deutschen Buchpreisbindung, aber das interessiert den ausländischen Händler nicht.

Als ich kürzlich mal wieder nach einem Buch suchen wollte, wurde ich allerdings beim Aufruf von bookbutler.com direkt zu amazon.de umgeleitet. Hatte ich mich vertippt? Ein erneuter Versuch brachte das gleiche Ergebnis. Ein kurzer Moment des Zweifelns, war die Seite gehackt worden oder gab es ein Problem mit dem DNS-Eintrag? Nein, natürlich nicht. Die naheliegendste Erklärung dämmerte mir: Amazon hat den Laden aufgekauft und abgeschaltet. Heimlich, still und leise. Ohne Erklärung, ohne Ankündigung.

Ich habe zwar nie zu den Miesepetern gehört, die ständig auf Amazon und deren Geschäftsgebaren schimpfen und Amazon schon rein aus Prinzip boykottieren, aber diese Intransparenz ist nicht nett. Nun gut, bookbutler.com war kein Herzensprojekt eines Enthusiasten, sondern eine rein kommerzielle Seite, die sich über Affiliate-Links finanziert hat. Also Schwamm drüber. Das ist die harte Welt des Kommerz.

Bücher finden

Glücklicherweise gibt es noch Alternativen. Mein Favorit ist zurzeit justbooks.de. Tatsächlich gefällt mir die Seite sogar etwas besser als bookbutler.com. Die Seite ist noch minimalistischer und übersichtlicher gestaltet und bindet auch Ergebnisse von dem mir liebgewonnenen Gebrauchtbuchportal booklooker.de ein, was bei bookbutler.com seltsamerweise fehlte. Die Detailsuche lässt ausreichend spezifizierte Suchen zu und die Ergebnisdarstellung von Neu- und Gebrauchtbüchern parallel nebeneinander ist sehr praktisch.

Ähnlich gut ist eurobuch.com. Einige Anbieter, die bei justbooks fehlen sind hier eingebunden. Zum Beispiel Thalia. Ansonsten ist es in erster Linie eine Frage des eigenen Geschmacks, welche Suchmaschine man bevorzugt. Sowohl justbooks.de als auch eurobuch.com finden Angebote der großen internationalen Portale ZVAB und Abebooks, was vor allem dann hilfreich ist, wenn man antiquarische Bücher aus aller Herren Länden sucht. Auch eBay wird von beiden Suchmaschinen unterstützt.

Weitere Alternativen sind buchfreund.de, buchhai.de, findmybook.de und daistesja.de. Diese unterstützen aber generell weniger Anbieter und erfahrungsgemäß finden die nichts, was man nicht auch bei justbooks.de oder eurobuch.com findet.

Die Ironie des Ganzen: Die von mir favorisierte Seite justbooks.de, aber auch Abebooks und ZVAB, gehören bereits zum Amazon-Konzern.

Meine Kissen aus der Serie Sherlock

Vor  einiger Zeit habe ich mein erstes und bisher einziges Film-Prop bzw. Serien-Prop erworben.

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Es handelt sich um nichts Geringeres als die Original-Kissen, auf denen sich die nackte Irene Adler (Lara Pulver) bettete und versuchte, Sherlock (Benedict Cumberbatch ) um den Finger zu wickeln. Das war in der ersten Folge der zweiten Staffel, Ein Skandal in Belgravia.

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In einer darauffolgenden Szene öffnet Sherlock einen Tresor, der mit einer selbstauslösenden Pistole gesichert ist. Einer der Schergen wird getroffen, wobei das Blut heftig spritzt.

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Und siehe da, die Blutspritzer sind auf dem Kissen verewigt. Auch wenn die Kissen selbst schon etwas Besonderes darstellen, so gibt dieses Detail dem Ganzen doch einen besonderen Charakter. Und das Blut sagt: ja, ich war am Set.

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Mit der Serie hatte ich zwar ein paar Probleme. Ich fand sie nicht durchgänging gut und teilweise auch etwas zu euphorisch abgefeiert von Presse und Publikum. Diese Folge allerdings war für mich eine der besten – und das nicht nur wegen Lara Pulver. Als ich zufällig mitbekam, dass ein Set-Designer der BBC die Kissen loswerden wollte, konnte ich nicht widerstehen, zumal sein Angebot preislich vernünftig war.

Das mit dem Sammeln von Film-Props ist nämlich so eine Sache. Eigentlich würde ich mir gerne ein paar weitere Orignalstücke in die Bude stellen, aber der Markt leidet unter dem gleichen Problem wie der Kunstmarkt. Es tummeln sich dort Leute mit dicken Brieftaschen, die ohne Sinn und Verstand das Geld raushauen. Nun ist es zwar so, dass prinzipiell etwas immer so viel wert ist, wie jemand dafür bereit ist, zu zahlen. Aber das bedeutet ja nicht, dass man jegliche Vernunft über Bord werfen sollte. Ich werde zwar weiterhin die Augen nach netten Stücken offenhalten, aber ein großer Sammler werde ich vermutlich nicht werden. Ich freue mich allerdings, mit diesen Kissen schon mal ein interessantes Objekt aus einer populären Serie zu besitzen.

Filmanzeige für Kampf der Titanen

Diese zweiseitige Filmanzeige für Kampf der Titanen (Clash of the Titans) begegnete dem deutschen Leser 1981 in einigen Comicheften. Der britische Zeichner Patrick „Pat“ Wright ist für diese klaren Linien zuständig gewesen. Wright kennt man von Modesty Blaise und anderen britischen Kultcomics wie 2000 AD, Eagle, Commando und Tornado.

Diese Art der Filmwerbung fand man damals relativ selten vor; heute, glaube ich, wird sowas leider gar nicht mehr gemacht. Jedenfalls ist mir kein Beispiel aus jüngerer Zeit bekannt. Allerdings würde das in dieser Form wohl auch nicht gut ankommen, denn die Anzeige spoilert mal eben zwei Drittel des Films.

Ursprünglich gab es im englischsprachigen Raum einen sechsteiligen Comicstrip als Filmwerbung, den man im Blog Bear Alley findet. Ebenfalls dort zu sehen, ist die englische Version der Doppelseite, die ein anderes Panel am Ende verwendet. Der naheliegende Grund: man musste in der deutschen Version noch den Filmhinweis unterbringen, wofür sich das schmalere Panel aus dem Strip anbot.

Auch nett, dass noch darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen „Superfilm von MGM“ handelt. Ist aber auch ein Superfilm. Zumindest für Freunde von Ray Harryhausens Stop-Motion-Animationen.

Zwei Filmdokus

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Iron Fists and Kung Fu Kicks auf Netflix.

Eine ganz neue Dokumentation, die die Martial-Arts- und Action-Filme aus Hongkong und deren Einflüsse auf Hollywood beleuchtet. Die Filme der Shaw Brothers, der Aufstieg und Niedergang der Golden Harvest Filmstudios, der unvermeidliche Bruce Lee, Jackie Chan und Sammo Hung. Bei Fans leuchten da die Augen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass auch Zuschauer, die bisher wenig Kontakt mit dem Hongkong-Kino hatten, hierdurch Lust bekommen, in den einen oder anderen Film reinzuschauen.

Die Doku verknüpft stellenweise recht gelungen die alten Filme der 70er und 80er Jahre aus Hongkong mit dem modernen Actionkino aus Hollywood. Protagonisten wie Richard Norton, Cynthia Rothrock und Christopher Doyle, die in beiden Welten gearbeitet haben, fungieren als Bindeglied und vermitteln die immensen Unterschiede der Arbeitsweisen. Anhand von O-Tönen diverser Filmschaffender und den vielen Filmausschnitten zeigt die Doku auch ansehnlich, was das Hongkong-Kino ausmacht.

An anderer Stelle beschäftigt sich die Doku mit einem bisher eher vernachlässigten Thema, nämlich den Einfluss der Martial-Arts-Filme auf den Blaxploitation-Film und die Hip-Hop-Kultur. Das allerdings zu ausführlich. Ohnehin leidet die Doku etwas unter dem amerikanischen Blickwinkel (obwohl es eine australische Produktion ist). Klar, das Ding ist für ein westliches Publikum gemacht, aber eine ausgewogenere Berichterstattung wäre wünschenswert. Vollends verliert mich Iron Fists and Kung Fu Kicks, wenn Verbindungen vom Hongkong-Kino zu den australischen Krawall-Youtubern RackaRacka und Wakaliwood gezogen werden. Was RackaRacka veranstalten, trick- und stunttechnisch, ist spektakulär – und Wakaliwood-Filme haben ihren ganz eigenen kultigen Charme. Aber das alles hat herzlich wenig mit Martial-Arts aus Hongkong zu tun, ganz egal, wie man es dreht und wendet.

So bietet Kung Fu Kicks viel Licht, aber auch Schatten. Unterhaltsam ist die Doku auf jeden Fall. Langjährige Fans können in nostalgischen Erinnerungen schwelgen, Neulinge finden vielleicht den einen oder anderen Filmtipp. Daher gilt, wer ohnehin ein Netflix-Abo hat: reinschauen.

 

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Dark Glamour – Aufstieg und Fall der Hammer Studios in der Arte-Mediathek oder auf Youtube.

Die französische Arte-Dokumentation widmet sich den britischen Hammer Filmstudios, die seit den 1930er Jahren in der einen oder anderen Form bis heute existieren. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf dem großen Vermächtnis der Studios, nämlich den stilbildenden Horrorfilmen, die zwischen 1955 und 1973 entstanden. Die erste Hälfte der Doku nehmen The Quatermass Xperiment (Schock, 1955), der sozusagen den Relaunch der Studios einläutete, sowie das Dreiergespann The Curse of Frankenstein (Frankensteins Fluch, 1957), Horror of Dracula (Dracula, 1958) und The Mummy (Die Rache der Pharaonen, 1959) ein, die den Ruf Hammers als außergewöhnlichen Horrorgarant zementierten.

Die Filme, die in den 60ern entstanden, werden leider relativ schnell abgehandelt und einige interessante Produktionen tauchen gar nicht erst auf. Im weiteren Verlauf verdeutlicht die Doku, wie sich das Horrorgenre mit der Veröffentlichung von Schlüsselwerken wie Psycho, Night of the Living Dead und Texas Chainsaw Massacre veränderte, und wie sich Hammer zunehmend schwertat eine Linie zu finden. Etwas mehr Raum in der Doku bekommt schließlich noch Captain Kronos – Vampire Hunter (Captain Kronos – Vampirjäger, 1974), der zwar ein Kinoflop war, sich aber im Laufe der Jahre zum Kultfilm entwickelte. Neben den zwei Stars des Films, Horst Janson und Caroline Munro, kommen in der Doku der aktuelle Geschäftsführer von Hammer, Simon Oakes, die Horrorregisseure John Carpenter, Mick Garris, Dario Argento und einige Filmhistoriker und Hammer-Kenner zu Wort. Den Abschluss bildet ein kurzer Abriss über die neueren Produktionen von Hammer (The Woman in Black, Let me in).

Insgesamt ist Dark Glamour eine gelungene Dokumentation, die nur ein Problem hat: mit einer Laufzeit von 55 Minuten ist sie viel zu kurz. Man hätte problemlos eine mehrteilige Reihe daraus machen und so auch den Filmen der 60er Jahre das verdiente Augenmerk schenken können.

Neues im Buchregal

Ich habe mir ein paar Bücher aus dem Bereich Plakatkunst und Illustration gegönnt, die ich schon länger auf dem Wunschzettel hatte.

Das erste Buch ist Firuz Askin – Illustration. Askin siedelte Ende der 1950er Jahre aus der Türkei nach Deutschland über und betätigte sich in allen Bereichen der Illustration. Neben Werbung und Filmplakaten schuf er vor allem Magazinillustrationen und Cover von Heftromanen. Während der Hochphase der Heftromane in den 70ern und 80ern malte er unzählige Covergemälde zu bekannten Reihen wie Seewölfe, Kommissar X, Fledermaus und Mister Dynamit. In den 2000ern arbeite er u.a. für Titania-Medien, für die er mehr als hundert Hörspiel-Cover schuf, davon alleine 70 für das Gruselkabinett.

Das 170-seitige Hardcover-Buch aus dem Heider-Verlag bietet einen guten Querschnitt von Askins Arbeiten aus allen Bereichen. Auch findet sich hier manches kuriose Werk, wie beispielsweise eine Illustration aus der Bravo von 1977, die zeigt, wie Elvis Presley tot in seinem vergoldeten Badezimmer liegt. Das Buch erschien bereits 2010 und ist auf 500 Stück limitiert. Sehr schönes Teil, aber nicht billig.

 

Ebenfalls im Heider-Verlag erschienen ist das 184-seitige Hardcover-Buch Kunst fürs Kino – Die Plakate des Filmpreisträgers Klaus Dill. Das gleiche Buch wurde mit verändertem Cover auch im Henschel-Verlag veröffentlicht. Für dieses habe ich mich entschieden, da es bedeutend billiger zu haben ist.

Klaus Dills Plakate gehören für mich zu den schönsten im deutschsprachigen Raum. Zwischen den Jahren 1952 und 1994 malte Dill mehr als 600 Filmplakate, darunter etliche zu großen Filmklassikern. Dill betätigte sich in allen Genres: Historienschinken, Abenteuerfilme, Western, Krimi, Horror und Komödien. Ein bischen ausgeklammert werden im Buch leider die Sexklamotten der 70er, für die Dill auch einige Plakate schuf. Immerhin werden die im kompletten (!) Werksverzeichnis genannt. Dieses Verzeichnis erstreckt sich über 45 Seiten – keine Sorge, es ist keine Textwüste, sondern durchgehend bebildert – und dürfte vor allem für Plakatsammler interessant sein.

Die einzige Amazon-Kritik zu dem Buch erschließt sich mir nicht wirklich.

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Eilig zusammengeschustert wirkt das Buch auf mich nicht. Die Reproduktionsqualität der Bilder und das Layout sind tadellos. Die Texte, nun ja, die sind allesamt von Personen geschrieben, die Dill persönlich kannten. Hier darf man also keine hohe Kunstkritik erwarten. Das sind eher Anekdoten, die allenfalls etwas zu viel distanzloses Lob vermitteln. Mitunter gibt es aber auch interessante Information, zum Beispiel über die Arbeitsweise und den Auftragsprozess zwischen Künstler und Filmstudio. Oder, was von Dill selbst geschildert wird, wie sich die Studios für die Cover der Videokassetten oft urheberrechtswidrig bei den Plakatmotiven bedienten. Warum die Rezensentin für ein komplett negatives Review trotzdem 5 Sterne gibt, bleibt auch unklar. Für mich gibt es keinen Grund, dieses Buch nicht zu empfehlen.

 

Eine tolle Ergänzung zu dem vorherigen Buch ist Kino-Schätze. Kino-Schätze ist den Anzeigenillustrationen gewidmet, die Klaus Dill zwischen 1950 und 1980 mit feinem Strich aufs Papier gebracht hat. Satte 200 Seiten gefüllt mit schwarzweißen Filmillustrationen, das dürfte ziemlich einzigartig sein. Mir ist jedenfalls kein anderes Buch bekannt, dass sich so nischig monothematisch mit dieser Art der Filmwerbung beschäftigt. Artikel über Dills Vita, das Druckverfahren der Anzeigen, und den wirtschaftlichen Aspekt der Filmkunst runden das Buch ab.

Alle Schimanski-Filme auf Amazon Prime

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Auf Amazon Prime sind seit vorgestern alle 17 Filme der Schimanski-Reihe, die zwischen 1997 und 2013 entstanden ist, verfügbar. Ich hätte direkt Lust, die noch mal komplett durchzuschauen, denn da waren einige richtig gute Filme dabei. Außerdem ist Schimanski immer sehenswert. Aber 17 mal 90 Minuten ist viel Stoff. Und ich habe noch so viele andere Filme auf dem Zettel. Ja, ja, die Qual des digitalen Übermaßes. Die Zeiten sind hart.

Everybody’s Going To Die

Das Wochende kann man kaum besser einläuten, als mit einem neuen Album von Church of the Cosmic Skull. Die Brüder und Schwestern der kosmischen Schädelkirche kredenzen zum dritten Mal einen himmlisch-höllischen Reigen aus wundervollen  Gesangsharmonien, pointierten Gitarrensoli und explosivem Hammond-Georgel, der sofort in die Birne geht. Und in die Beine. Der Fuß muss wippen. Die ganze theatralische Großkunst erinnert nicht von ungefähr an 70er Helden des Prog-Rock und Pop. Queen, Fleetwood Mac, Thin Lizzy, ELO und vielleicht sogar Abba sagen hallo.

Die Band selbst bezeichnet sich als spirituelle Organisation. Ob das erst gemeint ist oder augenzwinkernd, man weiß es nicht. Die Botschaft kann jedenfalls runtergebrochen werden auf: Lass dir nichts vom Pferd erzählen und lass dir keine Steine in den Weg legen. Feiere das Leben und die Liebe, denn der Tod wartet schon an der nächsten Ecke. Und bevor es soweit ist, lasst uns alle noch mal zusammenkommen.

Da ist stehts dieses Wechselspiel zwischen erhebenden Momenten und dem dräuenden Ende. Aber nicht fatalistisch, sondern im Sinne der Akzeptanz. Das klingt ein wenig nach thelemischer Lehre mit einer Priese aufklärerischen Anspruchs. In diesem Sinne: Everybody’s going to die.

Wer bist du? Die Antwort wird dich entsetzen

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Fun Fact. Der italienische Horrorstreifen Chi sei?, ein kruder Mix aus The Exorcist und Rosemary’s Baby, lief 1975 in den deutschen Kinos unter dem (korrekt übersetzten) Titel Wer bist du? Kurioserweise wurde der Film mit einem Slogan versehen, der frappierend an heutige Clickbait-Links erinnert: Die Antwort wird Dich entsetzen. Oben sieht man das deutsche Kinoposter.

Später auf VHS stand der Film unter dem reißerischen Titel Vom Satan gezeugt in den Videotheken.

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Einige Jahre danach wärmte die DVD-Veröffentlichung den alten Clickbait-Titel wieder auf, hielt aber auch am plakativen Satan fest. Da ist ein bischen zu viel „Entsetzen“ auf dem Cover.

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Zu allen Überfluss erschien die gleiche DVD später nochmals unter den englischen Titeln Beyond the Door und The Devil within her. Soviel zum Titel-Wahnsinn.

Ebenfalls erwähnenswert ist die deutsche Synchronisation dieses Films, die sich, wie üblich für die 70er Jahre, kaum am Original orientiert. Sprüche wie„Eins sage ich dir. Wenn ich groß bin, gehe ich ran wie eine Hafennutte!“ werden hier einem 10-jährigen Mädchen in den Mund gelegt.

Im folgenden Video hat jemand ein paar Kracher dieser Güte gesammelt:

Thomas Danneberg, unverkennbar, spricht den Vater und der kleine Ken wird von Oliver Rohrbeck gesprochen, der hier fast schon so klingt, wie ein paar Jahre später als Justus  Jonas in Die drei ???. Wer seine Schwester spricht ist leider nicht bekannt. Es würde mich schon interessieren, wen man mit diesem Job betraut belästigt hat.

An dieser Stelle bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite halte ich grundsätzlich nicht viel von Synchronisationen, aber wie man an diesem Beispiel schön sieht, erhalten maue Filme durch die gute alte deutsche Witz-Synchro definitiv einen zusätzlichen Unterhaltungswert.

Äußerst hörenswert, und das ganz ironiefrei, ist der coole Jazz-Funk-Soundtrack von Franco Micalizzi. Fast zu gut für diesen Film. Aber das ist ja keine Seltenheit im italienischen Genrekino.

 

Obsession und die 80er Jahre Retrowelle

Das Video zum Song Obsession der amerikanischen Indie-Band Joywave zaubert mir durchgängig ein Grinsen ins Gesicht. Die Band – oder die Produzenten; ich bin mir nicht ganz sicher, wer wieviel Anteil an dem Video und der Idee besitzt – hat für das 3-minütige Video sage und schreibe 64 verschiedene von B-Filmen aus den 1980er Jahren inspirierte Titel und Titelszenen kreiert. Manche blitzen nur für einen kurzen Moment auf, andere dauern mehrere Sekunden. Man muss auf jeden Fall genau hinsehen.

Bei einigen Titeln ist die Quelle offensichtlich (z.B. Red Puma <=> Red Sonja), bei anderen weniger. Mitunter greifen die Titel auch nur die gängigen Klischees auf. Gerade im B-Film waren viele Filme, Titel und Themen ja völlig austauschbar. Dem Video gelingt es jedenfalls sehr gut, den typischen 80er Film-Vibe über diese in kurzer Frequenz abgefeuerten collageähnlichen Vignetten zu transportieren. Und – das muss auch gesagt werden – der Song ist eine richtig geschmeidige Nummer, die klanglich sehr gut in die Ära passt. Um das Konzept letztlich perfekt zu machen, wurde das komplette Video auf gutem alten Kodak-Filmmaterial gedreht.

Zur Übersicht hier alle 64 Filmtitel aus dem Video.

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Gedanken zur 80er Retrowelle

Im Folgenden geht es nicht darum, dass immer noch viele Menschen gerne ihre Musik aus den 80ern hören oder dass Thomas Gottschalk regelmäßig eine Retroshow mit den immer gleichen Nasen im Fernsehen moderiert. Es geht auch nicht um Filme oder Musik, die irgendwie etwas aus den 80ern zitieren, covern oder remaken, denn das gab es schon immer. Ich rede von einer nostalgisch geprägten Retrowelle, deren vagen Ausgangspunkt ich 2011 am Film Super 8 von J.J. Abrams festzumachen glaube. Super 8 war der erste Film, der dieses wohlige Nostalgiegefühl weckte und den Zuschauer an 80er Jahre Filmklassiker wie Stand by me und The Goonies erinnerte. Im gleichen Jahr erschien der inhaltlich völlig gegensätzliche Drive von Nicolas Winding Refn, der, obwohl in der Gegenwart spielend, vom Design über den Stil bis insbesondere hin zum Soundtrack knallige 80er Jahre Atmosphäre verströmte.

Kurz darauf traten verstärkt Synthwave-Bands in Erscheinung – ich wage zu behaupten, das kann kein Zufall sein – die den alten Helden aus den 80ern nacheiferten, aber auch neue Akzente setzten und so ziemlich schnell populär wurden. Das dürfte auch dem Fakt geschuldet gewesen sein, dass diese Bands nicht einfach wie die 80er Jahre Hitparade klangen, sondern mit dem Einfluss von Film- und Videospielsoundtracks auch ein gewisses Nerdtum bedienten. So bin auch ich auf Bands wie Gunship, Carpenter Brut (alleine dieser Name!) und Power Glove aufmerksam geworden.

Filmisch wird es nun interessant. 2015 erschien der furiose Kurzfilm Kungfury, der bis heute über 30 Millionen Aufrufe auf Youtube hat. Das dazugehörige Musikvideo von David Hasselhoff kommt gar auf 40 Millionen. Man könnte an dieser Stelle auch Turbo Kid nennen. Der passt zeitlich gut hier hin und scheint irgendwie auch ein Teil dieser Retrowelle zu sein, aber die Steinbruch-Optik und die übertriebenen Splatter-Effekte fallen aus der Reihe und erinnern mich eher an japanische Filme der 2000er (sowas wie Machine Girl und Tokyo Gore Police kommt mir in den Sinn).

Ende 2015 veröffentlichte Amazon die wundervolle Serie Red Oaks, die wie eine perfekte Mischung aus Breakfast Club und American Pie anmutet. Auch spielt hier der Soundtrack eine große Rolle. Statt der ganz bekannten Nummern, werden hier überwiegend Songs gespielt, die man zwar irgendwie kennt, aber oft nicht direkt zuordnen kann. Dazu mischen sich neue Retrosongs, die sich nahtlos in den musikalischen Strom einfügen und so zumindest bei mir ständig zur Frage führten, ob das nun ein echter 80er Song oder doch was Neues ist, was da gerade im Hintergrund läuft.

Im folgenden Jahr ließ schließlich Stranger Things die Welle endgültig bis in den Mainstream schwappen. Hierzu gibt es wenig zu sagen. Der Erfolg und der darauffolgende Trend spricht für sich. Plötzlich sah ich Neonlicht und hörte Synthieklänge überall. Serien, Filme, Musikvideos, Werbung, Comics. Irgendwie schien jeder vom Stranger-Things-Hype profitieren zu wollen.

Zwei Jahre später kam Blade Runner 2049 ins Kino. Die Fortsetzung zu einem, wenn nicht dem ikonischsten Neonlichtfilm der 80er Jahre. Und seltsamerweise wurde der Film mit dem Erwerb der Filmrechte bereits 2011 angekündigt, in dem Jahr also als Super 8 rauskam.

Die Retrowelle erlangte schließlich mit Ready Player One einen meines Erachtens exzessiven Höhepunkt. Dieser Film ist die Kulmination und Akkumulation aller popkulturellen Referenzen der 80er Jahre. Der Roman, auf dem der Film basiert, wurde, welch Überraschung, im Jahr 2011 veröffentlicht.

Die Frage ist, wie lange wird der Trend anhalten? Wird die Kreativität über das banale Nacheifern siegen? Mitunter sehe ich bereits 80er Referenzen, die unpassend und anbiederend wirken. Aber noch bin ich offen für mehr Retro, so lange sehenswerte Produktionen erscheinen wie beispielsweise Summer of 84 (vom Regisseur von Turbo Kid) oder Obsession von Joywave.

eighty° #2 kostenfrei abzugeben

Im Februar hatte ich die 1. Ausgabe des neuen Teemagazins eighty° vorgestellt. Mit etwas Verspätung ist mittlerweile die 2. Ausgabe erschienen. Mir wurden versehentlich zwei Hefte geliefert, so dass ich nun nach Rücksprache mit dem Herausgeber mein überflüssiges Exemplar an einen interessierten Leser abgeben kann. Wer das Heft haben möchte, kontaktiert mich bitte kurz. Ich schicke es dem- oder derjenigen natürlich kostenfrei zu. Es gilt: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Zum Inhalt.

Hauptthema is diesmal Japan und seine Tees, ergänzt durch Artikel über Südafrika (Roiboos), Portugal (ja, es gibt Teeplantagen in Portugal!) und Brasilien. Außerdem hat Don Mei von Mei Leaf einen schönen Artikel zum Thema Gong-Fu-Brewing geschrieben, in dem er das Aufgießen des Tees mit dem Dirigieren eines Orchesters vergleicht. Wie schon Ausgabe 1, ist auch die 2. Ausgabe mit tollen Fotos und Illustrationen bebildert.