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Jambinai 잠비나이

Die fantastische Band Jambinai aus Südkorea hat kürzlich ein neues Album veröffentlicht:
A Heritage, erhältlich als CD, Schallplatte und Download.

Die Band fabriziert einen einzigartigen Klang, der Schlagzeug und E-Gitarre mit traditionellen folkloristischen Instrumenten verschmelzen lässt und dabei stets zwischen Lieblichkeit und Chaos pendelt. Eine perfekte Symbiose.

Monika Roscher Bigband – Of Monsters and Birds

Das zweite Album der Monika Roscher Bigband ist da und es trägt den Titel Of Monsters and Birds. Man sollte einfach alles vergessen, was man je mit der Bezeichnung „Bigband“ in Verbindung gebracht hat. Besetzungstechnisch ist das hier eine Bigband, aber mit so viel mehr. Hier wird der ganz große dramatische Kontrast der Dynamik und Widersprüchlichkeit zelebriert. Bigband-Sound, ja, Posaunen, Saxophone, Trompeten, Schlagzeug, dann elektronische Spielereien, eine schreiende E-Gitarre, Funk-Grooves, vertrackte Prog-Rock-Arrangements, die im chaotischen Exzess gipfeln, smoother Crime-Jazz, der jedem Spy-Movie der 60er Jahre gut als Soundtrack stehen würde, und Soli. Soli ohne Ende. Das Ganze wird dargeboten mit einer Verve und Originalität – und vor allem: Experimentierfreude – wie man sie von manchen Künstlern aus der goldenen Zeit des „Space Age Pop“ kennt. Diese Facette spiegelt sich auch im beschreibenden Charakter mancher Song-Titel wider (A Walk in the Park by Night, Entering Birds, Terror Tango, Carribean Delirium). Instrumente imitieren Dinge, Tiere, Szenen. Oder besser: Instrumente imitieren groteske Varianten dieser. Da macht der Albumtitel plötzlich Sinn. Of Monsters and Birds ist wie ein Traum. Bedrohlich, aber gleichzeitig so faszinierend und lockend, dass man sich wünschte, er würde nie vorüber gehen. Der schiere Irrsinn.

Das Album Of Monsters and Birds ist erhältlich auf CD, Vinyl und als Download.
Kaufen, anhören, liebhaben!

 

Drei extreme Doom-Metal-Alben von 2015

2015 war – mal wieder – ein Jahr des Doom. Viele tolle Veröffentlichungen gab es zu hören. Vom traditionellen melodischen bis zum experimentellen Doom. An dieser Stelle habe ich mir drei Alben rausgepickt, die die extreme Seite des Dooms verkörpern. Extrem heißt, dass die zähe Langsamkeit der Musik mit tonnenschweren Riffs von ganz unten aus dem Keller unterstrichen wird. Keine Melodie, keine Sperenzchen, eher Minimalismus. Riffs, Riffs, Riffs, Feedback und Verzerrung ist das Motto. Extremer Doom hat eine gehörige Sludge-Komponente, das ist wie Hardcore, aber als Slowcore. Musik, bei der Menschen sagen: „Mach doch endlich mal den Krach aus!“.

 

Bismuth, ein Duo aus England, Bass und Schlagzeug reichen. Nur vier Songs wummern und drönen hier in einer knappen Stunde durch die Lautsprecher. Ziemlich noisy und brummelig.

 

Of Spire & Throne sind Schotten, ein Trio  immerhin. Weniger fuzzy als Bismuth, präziser; und dank Gitarre kommt bisweilen so etwas wie Melodie auf. Hypnotische Drums und originelle Tempowechsel lassen selbst einen 18-Minuten-Song nicht langweilig werden.

 

Die Mitglieder von Primitive Man aus den USA haben zuvor in grindigen Black- und Death-Metal-Bands gespielt. Es scheint so, als hätten sie die wütende Essenz dieser Bands in Primitive Man hineingepresst. Eine der brachialsten Doom-Sludge-Bands, die ich kenne.

The Boats of the Glen Garrig

Die Funeral-Doom-Band Ahab veröffentlicht nun seit fast einer Dekade mit schöner Regelmäßigkeit alle drei Jahre ein formidabel ausgeklügeltes Konzept-Album, in dem es sich thematisch stets um das Meer dreht. Angefangen hat alles 2006 mit The Call of the Wretched Sea, passend zum Bandnamen basierend auf Melville’s Moby Dick. Es folgten The Divinity of Oceans, basierend auf der wahren Geschichten vom Untergang des Walfängers Essex im Jahr 1820, und The Giant, basierend auf Poe’s Der Bericht des Arthur Gordon Pym.

Als die Band ihr erstes Album veröffentlichte, wurde noch darüber gescherzt, dass eine Band mit diesem Namen und dem nautischen Dauerkonzept, sich womöglich selbst zu sehr limitieren würde. Aber die klassische Literatur bietet genug tolle Seemannsgeschichten. Schon damals dachte ich, dass die Geschichten von Horrormeister William Hope Hodgson eine tolle Vorlage bieten würden. Ahab haben nun tatsächlich auf Hodgson zurück gegriffen und mit dem neuen Album seinen Roman The Boats of the Glen Garrig vertont.

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Die dicht erzählte Gruselgeschichte handelt vom Überlebenskampf einer Gruppe von Schiffbrüchigen, die auf einer Tanginsel auf seltsame Wesen stoßen. Das wunderbare, aber vielleicht einen Tick zu bunt geratene Cover, stammt von Grafiker Sebastian Jerke, der ebenfalls für jeden Song eine eigene doppelseitige Illustration im CD-Booklet gestaltet hat. Dieses wird dankenswerter Weise auch beim Download mitgeliefert (gilt zumindest für amazon.de).

Auch wenn Ahab seit jeher als Funeral-Doom-Band bezeichnet wird, stand ihr dieses enge Korsett noch nie so wirklich. Es ist wahrscheinlich lediglich der Begriff, der am nächsten kommt. Die Einflüsse sind ja zweifellos da, aber wer Funeral-Doom bisher nur als stark begrenztes Genre kannte, in dem möglichst langsam und möglichst verzweifelt monoton rumgeklagt wird, den werden Ahab überraschen. Die Atmosphäre, die Ahab erzeugen, ist einzigartig. Für Funeral-Doom ist die Musik ausgesprochen dynamisch. Über die vier Alben hinweg lässt sich eine Verbreiterung des Genres erkennen. Mehr Klargesang, längere Ambientpassagen und mit „Like Red Foam (The Storm)“ beinhaltet das neue Album gar den schnellsten Song, den die Band bisher geschrieben hat. Eine akkuratere Repräsentation des Ahab-Sounds bietet allerdings der Album-Opener The Isle, der davon handelt, wie die Crew die Insel erreicht.

 

Zufälligerweise habe ich kürzlich eine Sammlung von digitalen Ausgaben des Science-Fiction- und Fantasy-Magazins Famous Fantastic Mysteries heruntergeladen. Dieses amerikanische Magazin erschien zwischen 1939 und 1953, anfangs beim Verlag von Frank Munsey, der sehr großen Anteil an der Verbreitung der Pulp-Fiction-Magazine hatte.

Ausgabe #6 von 1945 enthält als Titelgeschichte Hodgson’s The Boats of the Glen Garrig. Sowohl Titelbild als auch die Innenillustrationen stammen von Lawrence Sterne Stevens. Und da die so fantastisch sind, poste ich alle Illustrationen an dieser Stelle.

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Die Originalgeschichte von Hodgson ist bereits seit geraumer Zeit urheberrechtsfrei und kann zum Beispiel beim Project Gutenberg heruntergeladen werden. Der Künstler John Coulthart hat in seinem Blog einige modernere Illustrationen und Coverbilder zusammengetragen, die ebenfalls einen Blick wert sind.

Zombi – Shape Shift

Das Spacerock-Synthwave-Prog-Duo Zombi hat endlich ein neues Album veröffentlicht. Das erste seit 2011. Wer Zombi kennt, weiß, was einen erwartet: ein superspannender Horror-Soundtrack mit Einflüssen von Goblin, John Carpenter und anderen Ikonen der 80er Jahre. Während der Vorgänger, Escape Velocity, fast schon ein wenig discomäßig ausgefallen war, beschreitet Shape Shift den düsteren Weg mit straffen Drums und vertrackten Basslinien.

Passend dazu das Video zum Song Diffraction Zone, das aus Szenen aus Horrorfilmen wie Trick or Treat, The Stuff, Slumber Party Massacre 2 und Creepshow 2 zusammengeschnitten wurde. Ein Kracher.

Mansion – Altar Sermon

Mansion aus Finnland kann man im weitesten Sinne als Occult-Rock mit starkem Doom-Einschlag bezeichnen. Dieses Genre hat in den letzten Jahren unzählige neue Bands hervorgebracht. Mansion gehören zu denjenigen Bands, die in Sachen Atmosphäre und Originalität überzeugen. Im Gegensatz zu anderen Bands in diesem Bereich, verzichten Mansion darauf, zu sehr retro zu sein.

Mein erster Kontakt mit der Band war vor zwei Jahren das Video zu Slumber Sermon. Die gruselige Nummer hat mich umgehauen. Nun steht eine neue 2-Track-EP an, und dazu wurde das Video Altar Sermon veröffentlicht. Dieses verbreitet wiederum eine ganz eigene, unheimliche Stimmung, die perfekt zu dem getragenen Sound der Band passt.

Musikvideo: Gunship – Tech Noir

Das neue Musikvideo von Stop-Motion-Meister Lee Hardcastle für den Song Tech Noir der Londoner Synthwave-Band Gunship ist nicht nur ein Fest für 80er Jahre Musik-Fans, sondern auch für die Fans von Filmen dieser Zeit. Allerlei Ikonen, von Alien bis Rocky, haben hier ihren Auftritt in Knetform. Und kein geringerer als der legendäre Horrorregisseur John Carpenter spricht das Intro. Das komplette Album von Gunship gibt es auf Bandcamp als Stream und Download.

True Detective Season 2: Opening Credits

Das Intro zur zweiten Staffel von True Detective ist ein audiovisuelles Meisterstück. Den Netzkommentaren nach zu urteilen, stören sich allerdings nicht wenige an der Leonard-Cohen-Nummer Nevermind.

Im Vergleich zu dem hingehauchten Country-Geklöppel des Intros der ersten Staffel, ist das hier ein großer Bruch. Aber das gilt auch für die Geschichte und den Handlungsort. Dass hier alles anders ist, macht also schon das Intro deutlich. Mir gefällt es ausgesprochen gut.

Post aus Japan

Japan Pop

CDs kaufe ich nur noch gelegentlich. Vor allem dann, wenn die entsprechende Musik nicht digital angeboten wird und mich niemand sonst mit einer Privatkopie versorgen kann. Ein eher rares Sammelgebiet ist die japanische Pop- und Filmmusik aus den 60er und 70er Jahren. Dieser ganze Kram wird in Japan auf CD und teilweise auf Vinyl wiederveröffentlicht, seitdem etwa vor zehn Jahren eine größere Rerelease-Welle losgetreten wurde, nicht zuletzt auch dank dem DVD-Erfolg der alten Sukeban-, Yakuza- und Pinky-Violence-Filme.

Mittlerweile habe ich eine nette kleine Sammlung zusammengetragen. Die neusten Zugänge sind die folgenden:

Oben links:
やけっぱちロック~やさぐれ歌謡最前線 ビクター編
Yakeppachi Rock – Yasagure Kayou Saizensen

Eine Compilation von Pop-Songs aus den 1970ern, die teilweise auch in Filmen verwendet wurde. Darunter sind bekannte Songs, aber auch seltene B-Seiten von Miki Sugimoto, Reiko Ike, Maria Anzai und anderen.

 

Oben rechts:
フラワー・メグ – ささやき・ためいき・もだえ
Flower Meg – Sasayaku Tameiki Modae

Flower Meg gehört zu den Sängerinnen, die ich in der exzellenten und seltenen 6-CD-Box Miwaku no Mood Hihōkan entdeckt habe. Meg, benannt nach dem Tokioter Stadtteil Meguro, fing als Gravure-Idol an und hatte eine kurze Film– und Musikkarriere in 1971 und 1972. Die CD enthält fast alle ihre Songs. Supersmooth.

 

Unten links:
緑川アコ – 酔いどれ女の流れ歌
Midorakawa Ako – Yoidore Onna No Nagareuta

Eine weitere Sängerin, die in den 60er Jahren zu Ruhm gelangte. Dies ist das Rerelease ihres zweiten und letzten Albums. Musikalisch geht das eher in Richtung schwermütiger Chanson.

 

Unten rechts:
やさぐれ姐御伝 総括リンチ~やさぐれ歌謡最前線
Female Yakuza Tale – Yasagure Anegoden Sokatsu Rinchi

Eine weitere der Hotwax-Trax-Compilations mit Soundtracks und Musik aus Sukeban/Girl-Boss und Pinky-Violence-Filmen wie Female Yakuza Tale und Sex And Fury. Großartig.

Eine Bestellung in Japan lohnt fast immer. Diese CDs bekommt man zwar auch hier mit etwas Glück, aber nur als Import für sagenhafte 35 Euro pro Stück. Bei amazon.co.jp zahle ich inklusive Versandkosten und Einfuhrumsatzsteuer gute 10 Euro weniger pro CD. Da Amazon die Einfuhrumsatzsteuer direkt mitabrechnet, entfallen außerdem die Zollgebühren und die Verzögerung durch die Zollabfertigung. In 5 bis 7 Tagen ist das Paket üblicherweise da.