Ein Interview mit dem argentinischen Filmemacher Armando Bó

In der Ausgabe des argentinischen Boulevard-Magazins Gente y la actualidad vom Januar 1973, habe ich ein Interview mit dem Regisseur und Schauspieler Armando Bó (1914 – 1981) gefunden. Da es nur wenige Interviews mit dem Mann gibt – und keines in Deutsch – habe ich das Interview mal übersetzt. Es vermittelt einen guten Eindruck, welche Leidenschaft Bó fürs Filmemachen hatte und welche Herausforderung es war, in dem politisch instabilen Argentinien der 50er, 60er und 70er Jahre Filme zu drehen. Filme zumal, wie die von Armando Bó. Übersexualisierte tropische Fieberträume im Gewand einer südamerikanischen Seifenoper, in deren Zentrum stets die kultisch verehrte Isabel Sarli steht.

Isabel Sarli und Armando Bó im Film La tentación desnuda (1966)

In der Tat kann man nicht über Armando Bó sprechen, ohne nicht auch Isabel Sarli zu nennen. Kein Bó ohne Sarli und keine Sarli ohne Bó. Der Schicksalsfilm El trueno entre las hojas (1957), international als Thunder in the Leaves bekannt, war ihre erste Zusammenarbeit. Es war der erste Film aus Lateinamerika, der eine Nacktszene enthielt, was für einen großen Skandal sorgte, Armando Bó in den Blick der Filmzensoren rückte und Isabel Sarli in die Artikel der Klatschmagazine katapultierte. Es ist einer der wenigen Filme von Bó, die auch in Deutschland veröffentlicht wurden. Unter dem Titel Die grüne Peitsche kam der Film 1964 ins deutsche Kino. Weitere deutsche Veröffentlichungen waren Lujuria tropical (1963, als Tropische Sinnlichkeit 1965 im deutschen Kino) und La tentación desnuda (1966, unter dem internationalen Titel Naked 1968 auch im deutschen Kino zu sehen).

Armando Bó und Isabel Sarli wurden ein Paar und drehten zusammen 30 Filme. Die Filme brachten Bó immer wieder Probleme mit der Filmzensur ein und er haderte häufig mit den strengen Restriktionen. Filme mussten gekürzt werden, erhielten nicht das für hohe Einspielergebnisse essentielle A-Rating oder wurden gleich ganz verboten. Im Interview macht Bó deutlich, dass er doch eigentlich nur frei und unbekümmert mit seinem eigenen Geld Filme drehen will, während die strengen Gesetze ihm Steine in den Weg legen und sich andere ungeniert an der staatlichen Filmförderung bereichern.

ARMANDO BO SPRICHT UND KLAGT AN

Armando Bo spricht, diskutiert, klagt an. Er ist einer der umstrittensten Männer des argentinischen Kinos. Er taucht selten in Artikeln auf, aber sein Name wird immer mit wütenden Stürmen in Verbindung gebracht. Entweder wegen Zensurproblemen oder wegen der Filmfreigaben. Wenn er spricht, ist er meist hart, schneidend. Vor ihm stehend, haben andere in der Regel keinen Mittelweg. Sie greifen ihn heftig an oder verteidigen ihn mit aller Schärfe. Hier ist er. Mit all seinen Gedanken.

Man sagt, dass niemandem ein Glas Wasser verwehrt wird (Anm.: spanisches Sprichwort; „Un vaso de agua no se le niega a nadie“), und wir denken, dass auch niemandem das Wort verwehrt werden sollte. Armando Bo möchte schon seit langem reden und kann es nicht. Also gingen wir in sein Büro, setzten uns hin und sagten einfach zu ihm: „Sie haben das Wort“. Und er begann zu reden und Dinge mit seiner heiseren Stimme zu sagen, die eher für die freie Natur als für geschlossene Räume geeignet waren.

Ich muss unbedingt mit Ihnen reden. Über alles, was ich zu sagen habe, könnte ich ein Buch schreiben! Sie sind schon seit vielen Jahren hinter mir her. Hinter mir, meinen Filmen und Isabel. Und das Traurigste ist, dass mir das hier in meinem eigenen Land passiert. In Paraguay wurde „Fiebre“ innerhalb eines Tages genehmigt. Bei uns dauerte es sechs Monate, bis sie sich entschieden. Was sie mit meinen Filmen machen kann ich nicht verstehen. Es ist zum Verrücktwerden. Sie verfolgen mich ohne Gnade. Und was noch schlimmer ist, ohne Grund. Ich will von niemandem Mitleid, sondern einfach nur Gerechtigkeit.

Aus Armando Bo ergießen sich die Worte. Er hält inne, um Luft in seine Lungen zu bekommen, berührt den Knoten seiner Krawatte und fährt fort:

Sie hielten mich acht Stunden lang gefangen. Ich hatte vier Strafverfahren wegen Übertretung des Gesetzes 128 am Hals. Und ich frage mich, was passiert wäre, wenn der Richter, der mich schließlich für unschuldig erklärte, dieser Barbarei nicht standgehalten hätte. Dann hätte ich als schlimmster Verbrecher im Gefängnis bleiben müssen. Dass ich für meinen Film „India“ acht Stunden im Gefängnis war, ist ein Skandal, denn ich möchte nicht acht Stunden im Gefängnis sitzen, nicht einmal eine halbe Minute. Außerdem hat man mir heute eine Strafe von zwanzig Millionen Pesos aufgebrummt, weil ich ein paar Sekunden von Isabel ohne Kleidung übersehen habe. Was habe ich nur falsch gemacht? Und nach alldem wurde „India“ doch noch genehmigt. Sagen Sie mir nicht, dass Sie das schon alles für den Artikel aufschreiben!

Doch. Haben Sie das gesagt, damit es veröffentlicht wird oder nur zwischen uns?

Nein! Ich nehme nie etwas zurück. Was immer ich sage, ich sage es, damit es bekannt wird. Und ich stehe zu jedem Wort, ich habe keine Angst… Was wollen Sie mich fragen?

Sprechen Sie einfach für sich selbst.

Um noch einmal auf die Probleme zurückzukommen, die ich wegen meiner Art Filme zu drehen, habe: Es hat sich herausgestellt, dass die meisten argentinischen Regisseure die Angewohnheit haben, Schauspielerinnen ohne ihre Kleidung zu filmen. Und es sind dieselben, die mich vor acht oder zehn Jahren allein gelassen haben, die mich kritisierten, verfolgten und mir Millionen und Abermillionen von Pesos abnahmen. Fragen Sie mich, warum sie mich allein gelassen haben?

Warum wurden Sie allein gelassen?

Weil sie alle dem Instituto del Cine unterstellt waren. Wenn das Institut ihnen kein Geld für die Filme gibt, woher sollen sie es dann nehmen? Unsere Filmproduzenten sind keine Produzenten: Sie leben auf Kosten des Instituts. Sie verlangen Geld, drehen den Film, und wenn sie einen Gewinn machen, behalten sie ihn. Ich nicht. Ich habe nie einen Gewinn gemacht. Niemand hat mich unterstützt. Ich habe meine Filme mit meinem eigenen Geld gedreht und mein Geld riskiert. Ich bin auf meinem Weg geblieben und habe weitergespurt. Aber ich habe mir nichts geliehen. Und als meine Filme mir Millionen eingebracht haben, habe ich weitere Filme gemacht.

Er drückt eine Zigarette im Aschenbecher aus und zündet sich die nächste an. Ich brauche ihm keine Fragen zu stellen, er redet einfach weiter.

Was das Institut anbelangt, so ist es derzeit in den Händen von Oberst Ridruejo. Ich weiß, dass dieser Mann ein ausgezeichneter Mensch ist, aber es ist absurd, dass er das Institut mit der totalen Macht leitet, die ihm ein verrücktes Gesetz verleiht. Ich habe zwanzig Aufzeichnungen von Filmen, die eine „B“-Freigabe haben und dann auf eine „A“-Freigabe hochgestuft wurden. Bei meinem letzten Fall war das der letzte Strohhalm. Das Institut hat eine Kommission einberufen, die den Bericht bewerten sollte. Diese Kommission bewertete ihn erst mit „A“ und stufte ihn dann per Erlass auf „B“ herunter. Als sie mir das mit „Fiebre“ antaten, ging ich zum Regierungsgebäude, um das einzufordern, was mir rechtmäßig zustand. Mein Film war argentinisch, in Argentinien gedreht, mit argentinischen Schauspielern und Arbeitern. Warum also eine solche Ungerechtigkeit? Der Punkt ist, dass ich durch sie Millionen verloren habe. Bin ich ein Verbrecher? No, señor!

Er hält kurz inne, um Luft zu holen, und fährt dann fort:

Worüber ich mich nicht beklagen kann, ist, dass ich heute absolute Freiheit genieße, zu sagen, was ich sage, damit die Leute wissen, was los ist. Ich glaube, dass der Kontrolleur in gutem Glauben handelt, aber sein guter Glaube reicht nicht aus. Dahinter steht ein Gesetz, das sich für alles eignet. Was würde passieren, wenn plötzlich ein bösartiger Beamter zu diesem schlechten Gesetz hinzukäme?

Er sinkt in seinen Stuhl. Es scheint, als würde er sich langsam beruhigen. Es ist an der Zeit, Fragen zu stellen, aber die Ruhe ist nur von kurzer Dauer. Plötzlich springt er auf wie eine Feder und mit den fünf Fingern seiner rechten Hand, die er zusammenpresst, wundert er sich, motiviert sich und macht dann mit vollem Tempo weiter:

Aber können Sie mir sagen, was der gefürchtete Ausdruck „kulturelle Leitlinien“ bedeutet? Jedes Mal, wenn sie einen Film verbieten oder mir eine schlechte Bewertung geben, argumentieren sie, dass er keine „kulturellen Leitlinien“ hat.

Glauben Sie, dass Ihre Filme kulturelle Leitlinien haben?

Ich glaube nichts. Ich mache weder mir noch anderen etwas vor. Also gut: Meine Filme haben nicht die sogenannten „kulturellen Leitlinien“. Aber gleichzeitig frage ich das Land: Welche „kulturellen Leitlinien“ haben Filme wie „Las pildoras“, „Los bastardos“ (Anm.: gemeint ist wahrscheinlich Guacho, 1954) oder all die Filme von Palito Ortega, Sandro und anderen wie diese? Oder gibt es ein Gesetz für Armando Bo und ein anderes für die Mentastis (Anm.: gemeint sind die Produzenten Atilio Mentasti und Luis Mentasti) und so weiter!

Der Wortschwall von Armando Bo geht in eine andere Richtung. Die Worte scheinen ihm zu wenig zu sein. Und er versucht, sie mit Gesten wegzuschieben, während Fragen von mir nicht nötig sind.

Beim Kino ist es genau dasselbe wie beim Fußball. Es gibt keinen Kopf, keine Idee. Die Clubs schmelzen dahin. Independiente, der das Finale der Fußballweltmeisterschaft erreicht, muss Pastoriza anschließend verkaufen. Ich hätte das Problem ganz einfach gelöst: Das Endspiel zwischen Independiente und den Niederländern hätte auf einem Platz in New York stattgefunden und wäre über Satellit übertragen worden. Der Erlös hätte so viel Geld eingebracht, wie wenn siebzig Endspiele zusammen gespielt worden wären. Und außerdem wären wir viel bekannter geworden. Aber es hat keinen Sinn, wir spielen immer noch mit einer Sarandí-Mentalität. Wir haben kein internationales Bewusstsein. In Filmen verwenden wir immer noch das in ganz Amerika verhasste „che“, anstatt uns für das „tu“ zu entscheiden (Anm.: in Argentinien wird umgangssprachlich „che“ für die Anrede „du“ benutzt, während es in anderen südamerikanischen Ländern „tu“ heißt). Einmal sagte jemand in einem Film, dass er ein „Boca-Fan“ sei, und ich weiß nicht mehr, in welchem Land das war, aber das ganze Kino wartete darauf, dass jemand mit einem geschwollenen Mund auftauchte. Und was macht das Filminstitut? Nichts. Argentinien ist das einzige Land der Welt, in dem Schauspieler mit mehr als vierzig Filmen ein ärmliches Leben führen. Seit zwanzigtausend Jahren möchte ich meine Stimme erheben und sagen, dass sie lügen, wenn sie um ein Darlehen von zweihundertfünfzig Millionen Pesos bitten, denn sie geben nicht einmal hundert Millionen aus. Sie plündern die Filmindustrie aus, sie plündern sie aus. Ich sage nicht, ob meine Filme gut oder schlecht sind, aber ich behaupte, dass ich ein echter Produzent bin und kein Bettler.

Er setzt sich wieder hin, jetzt offenbar ganz ruhig. Er zündet sich langsam eine Zigarette an und fährt in ruhigem Tonfall fort.

Wir alle werden für das, was wir tun, kritisiert. Ich, weil ich Isabel Sarli ohne Kleidung gezeigt habe, und Leopoldo Torre Nilsson, weil er unsere Helden als Männer gezeigt hat. Und wir beide werden als Ausbeuter der Gefühle der Argentinier bezeichnet.

Dann erinnert er sich an das Basketballspielen, an seinen ersten Film als Hauptdarsteller und an den Tag, an dem er versehentlich einen Journalisten schlug.

Es war, weil mir jemand einen falschen Hinweis gab und ich den Mann neben mir traf. Ich bin nicht schlecht, ich bin wie alle anderen. Ich habe achtzig Prozent meiner Fehler und zwanzig Prozent meiner Tugenden. Aber ich habe ein gutes Herz. Es gibt viele, die so denken wie ich, aber sie sagen es nicht. All das, was ich Ihnen so eifrig erzähle, scheint nichts zu sein, aber es ist ein Kampf von fast dreißig Jahren. Ich würde fünf- bis zehnmal mehr verdienen, wenn ich zum Beispiel nach Mexiko ginge. Aber ich kann nicht gehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Café an der Ecke vermisse, die Halbmonde hier…, was weiß ich! Ich bin nichts weiter als das, was ich bin. Ich lüge niemanden an. Ich mache kommerzielle Filme und ich sage das auch. Aber man verzeiht mir nicht, dass ich aufrichtig bin. Ich bin so aufrichtig, dass ich Ihnen eine Sache verraten werde…

Welche ist das?

Dass mich diese ganze Verfolgung nicht emotional verletzt, sondern dass mich das ganze Geld stört, das ich verliere. Und jeder verdient gerne Geld. Mit dem Geld, das sie mir abnehmen, könnte ich zehn statt zwei Filme pro Jahr machen. Ich habe die Seele eines Produzenten. Mit dem Film „Todos los pecados del mundo“ gibt es ein Beispiel für die Ausplünderung des argentinischen Kapitals. Dieser Film wurde mit mexikanischen und argentinischen Schauspielern mit Susana Gimenez und José Marrone in den Hauptrollen gedreht. Er wurde mit argentinischem Geld aus dem argentinischen Filmförderungsfonds finanziert. Als der Film das Land verließ, wurden die meisten argentinischen Darsteller gestrichen und der Film wurde zu einem mexikanischen Film. Susana Gimenez ist auf dem Plakat kaum zu sehen. Marrone taucht nicht einmal auf.

Er holt eine etwa zwanzig Zentimeter lange Zigarre aus seiner Tasche. Er schlägt vor, sie mit mir zu teilen, aber ich lehne ab.

Was hat die Zensur in all der Zeit gebracht! Weniger Kriminalität, weniger Übergriffe? Nein, alles ist gleich geblieben. Fragen Sie mich, wie ich das alles in Ordnung bringen würde.

Wie würden Sie das alles in Ordnung bringen?

Ich würde völlige Freiheit gewähren. Die Freiheit schadet niemandem. Es gibt keinen Grund, Angst vor der Freiheit zu haben. Jeder soll den Weg wählen, den er bevorzugt, wir sind alt genug. Und wir sollten keine Angst vor dem Wettbewerb haben. Ich mag ein schlechter Regisseur sein, aber ich bin kein kultureller Heuchler.

(Anm.: der letzte Absatz ist unleserlich:) All das hat Armando Bo gesagt und wir denken, dass sein Wunsch zu reden nicht kleiner geworden ist… er hat nicht alles gesagt, damit er weiterreden kann… wie wir eingangs sagten, ein Glas Wasser wird niemandem verwehrt.

Gente N° 389 – 4 Enero 1973

Literatur:

Argentine Cinema and National Identity (1966–1976) – PDF
Violated Frames: Armando Bó and Isabel Sarli’s Sexploits – Vorwort
Wicked Women and Witches – Subversive Readings of the Female Monster in Mexican and Argentinian Horror Film

Links:

Deutschlandfunk: Von der Softporno-Queen zur Filmikone
Hard Sensations: Filmtagebuch einer 13-Jährigen
Kurzvortrag über Armando Bó im Kino des Deutschen Filmmuseums
Second Features: Podcast with Guest Victoria Ruétalo

Der ahnungslose Kevin S.

Kevin Sorbo ist wieder da! Nun, er war nie weg. Er war nur für geraume Zeit von meinem Radar verschwunden. Sorbos bekannteste Rolle ist zweifellos die des Göttersohnes in der 90er Jahre Serie Hercules, der einige Fernsehfilme vorausgingen und die das noch beliebtere Spin-Off Xena: Warrior Princess nach sich zog. Vom Erfolg als Hercules zehrt Sorbo heute noch. Das letzte Mal, dass ich ihn sah, müsste in Hawaii Five-0 gewesen sein, wo er 2011 in einer Folge einen Gastauftritt hatte. Seitdem war er alles andere als faul und ist kontinuierlich in diversen B-Filmen und Fernsehproduktionen zu sehen gewesen. Nur eben nicht von mir. Sorbos IMDb-Seite listet mittlerweile üppige 145 Einträge und er scheint bis weit ins Jahr 2021 und darüber hinaus ausgebucht zu sein.

Langeweile kann also nicht der Grund sein, warum er auf Twitter daran arbeitet, seinen Ruf als Liberal-Bashing Trump Troll, wie The Daily Beast schon 2019 schrieb, zu verfestigen. Eher wohl schon Überzeugung. Corona und die US-Wahl, die mit dem Sieg von Biden endete, haben Sorbo nochmals Munition für seine Tiraden geliefert. Ganz im Einklang mit dem trumpschen Wahlbetrugs- und Coronaverharmlosungsnarrativ feuert er seine Tweets auf Liberale, die Medien und Hollywood ab. Letzteres ist nur auf den ersten Blick verwunderlich, ist Sorbo als Schauspieler doch selbst Teil von Hollywood. In der Tat dürfte er bei vielen Studios und Agenten schon lange auf der Blacklist stehen. Ist der Ruf erst ruiniert…

Zur Illustration eine kleine Auswahl seiner Tweets der letzten Tage.

Zugegeben, der Klopapier-Witz ist gut. Habe ich aber schon von anderen Leuten gehört.

Nun hat The Daily Beast ein bemerkenswertes Interview mit Sorbo geführt. Auf die Frage, wie denn sein Twitter-Account dabei helfe, netter sein zu wollen und einen offenen Dialog zu führen, wie er zuvor im Interview äußerte, antwortet Sorbo damit, dass sein Sohn seinen Account managt und er gar keine Ahnung hat, was der so den ganzen lieben langen Tag dort postet. Sein Sohn sei angeblich noch konservativer als er selbst. Herrlich! Geht das schon als plausible deniability durch?

Zitat: The Daily Beast

Ahnungslosigkeit offenbart Sorbo aber auch noch an anderen Stellen des Interviews.

  • Warum wurden im Film bestimmte Ereignisse in Bernie Sanders‘ Leben falsch dargestellt? Sorbo hat keine Ahnung, er hat den Film (in dem er selbst mitspielt) nicht gesehen.
  • Was sagt er zu den Belästigungsvorwüfen? Er hatte keine Ahnung, bis ihm der Regisseur davon berichtete. Außerdem, das war vor drei oder vier Jahren! Who cares?!
  • Die Sache mit den angeblichen Wählerstimmen von Toten, die eindeutig widerlegt wurde? Wurde widerlegt? Die Artikel muss er erst noch lesen.
  • Sowohl die CDC als auch die renommierte Mayo Clinic empfehlen das Tragen von Mundnasenschutz? Worauf er ins Trudeln gerät und das Thema auf Schweden lenkt, wo ja alles so fantastisch laufe.
  • Schweden steht in der Coronakrise mittlerweile doch nicht mehr so gut da? Jetzt glaubt Sorbo nicht, dass er und der Autor noch auf einen Nenner kommen werden. Der Autor schreibe ohnehin, was er wolle. Dann wird plötzlich die Zeit knapp und Sorbo verabschiedet sich im Stile des Ich-muss-weg-Mannes Mario Ohoven. Tschö mit ö.

Wäre ich jemals ein Fan von Kevin Sorbo gewesen, wäre ich spätestens jetzt enttäuscht oder gar entsetzt. Aber ich gebe es zu. Das Ganze entbehrt nicht eines gewissen Unterhaltungswertes, auch wenn hier alle typischen Merkmale des konservativen Lautsprechers erkennbar sind, denen man eigentlich längst überdrüssig sein müsste. Halbwahrheiten, Unwahrheiten, Dinge aus dem Zusammenhang reißen, provozieren, ein bischen zurückrudern, anklagen, aber nichts einstecken und schon gar nichts bekennen. Und nicht vergessen, zu erwähnen, dass man ja auch selbst Opfer ist. Am Ende, wenn die Trutzburg aus alternativen Fakten und dünnen Behauptungen einzustürzen droht, heißt es: „Well, let’s agree to disagree“. Wahrscheinlich um gegenüber sich selbst seinen eigenen Standpunkt zu rechtfertigen.

Dass das unterhaltsam ist, liegt natürlich auch an dem Interviewer Marlow Stern, der mit einigen treffsicheren auf Fakten beruhenden Fragen, den Herkules mit Leichtigkeit demontiert. Das aber sachlich und höchst fair. Man merkt, dass Stern ein gutes Interview führen wollte, und das ist ihm, zumindest von seiner Seite aus, auch gelungen.

Um diese kuriose Episode doch noch mit einem Erkenntnisgewinn abzuschließen, sei gesagt, dass Sorbo durchaus auch einige interessante Dinge erzählt. Laut eigenem Bekunden war Sorbo tatsächlich unter der Top-5-Auswahl der Schauspieler, die für die Rolle des Fox Mulder in Akte X in Frage kamen. Außerdem hätte er um ein Haar Superman in der Serie Superman – Die Abenteuer von Lois und Clark gespielt. An dieser Stelle muss man positiv erwähnen, dass Sorbo unumwunden zugibt, dass Dean Cain, der ihm die Rolle wegschnappte, die bessere Wahl war. Eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflexion scheint also vorhanden zu sein. Er erzählt außerdem von seiner schweren Krankheit während der Hochphase von Hercules und wie er zur Science-Fiction-Serie Andromeda kam. Dass Universal ihn angeblich nach dem halbgaren und gefloppten Film Kull The Conquerer als Nachfolger von Schwarzenegger zum nächsten großen Action-Star aufbauen wollte, scheint wiederum mehr Wunschdenken zu sein.

Interview: Was heißt Grand Guignol?

washeißtgrandguignol

Vor einiger Zeit habe ich den Horrorfilm La femme la plus assassinée du monde vorgestellt, der das französische Grand Guignol thematisiert. Nun habe ich einen interessanten Beitrag wiederentdeckt, den ich vor 15 Jahren im Programmfenster auf Sat 1 sah:

Was heißt Grand Guignol?
Die Fortsetzung des Theaters der Empfindsamkeit mir rabiaten Mitteln

In dieser Folge von News & Stories aus der dctp-Reihe führt Alexander Kluge ein Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Ulrike Sprenger über das Grand Guignol. Neben der Geschichte und dem Einfluss des Theaters, werden auch einige der Stücke erzählt und typische Merkmale und Prämissen abgehandelt. Das ist sehr aufschlussreich und damit empfehlenswert für alle Interessierten.

Überhaupt ist das gesamte Archiv von dctp.tv ein Füllhorn an interessanten Beiträgen zu Kultur und Wissenschaft. Stöbern lohnt sich.

Doku: Die Hörspielkönigin

In der NDR-Mediathek gibt es zurzeit Die Hörspielkönigin zu sehen, eine Dokumentation über die Hörspielproduzentin Heikedine Körting, die in über 40 Jahren mehr als 2000 Hörspiele produziert und geschrieben hat. Viele davon, mit denen wir alle aufgewachsen sind: Die drei ???, TKKG, Fünf Freunde, Die Gruselserie und viele mehr.

Was für eine sympathische, fröhliche Frau. Man merkt, dass sie ihr ganzes Leben lang das getan hat, was ihr Freude bereitet. Nett ist auch anzusehen, dass diese Hörspiele heute noch analog produziert werden, mit alten Maschinen aus den 70ern und Geräuschrundbändern, die griffbereit lose am Haken hängen.

In diesem Zusammenhang sei auch noch auf die tollen Interviews mit Heikedine Körting im Talker-Lounge-Podcast 50 und in Ausgabe 4 des kostenlosen Hörspielmagazins PLAYtaste hingewiesen.

Lance Henriksen Interview

Comicbookgirl19 hat ein Interview mit Lance Henriksen geführt. Es geht um seinen neuen Film Harbinger Down, aber auch um seine Auftritte als Android Bishop in den Alien-Filmen, den Klassiker Near Dark, die Fernsehserie Millenium, den Filmunfall Prometheus und anderes mehr. Ein sympathischer Kerl, der viele Anekdoten auf Lager hat. Ich könnte ihm stundenlang zuhören.

Comicbookgirl19 verfolge ich schon eine Zeit lang und dieser neue Interview-Teil ist definitiv eine gute Ergänzung zur Show. Ich hoffe, es gibt zukünftig mehr davon.