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Versteckter Trash bei Amazon Video

Kürzlich ist mir zufällig aufgefallen, dass man auf Amazon Video Prime eine nicht unerhebliche Anzahl von Action-, Horror- und Eastern-Trash entdecken kann, der nur im englischen Original-Ton verfügbar ist. Scheinbar hat Amazon ein größeres Lizenzpaket von der Resterampe erworben. Darunter befinden sich obskure Kung-Fu-Klopper wie Fearleass Fighters von 1971, Troma-Filme und moderner Lowest-Budget-Horrorkäse.

Ich finde das sehr begrüßenswert, denn sich da durch zu klicken, kann sehr unterhaltsam sein. Leider gibt es auch zwei Haken:

1. Diese Filme zu finden, erweist sich als Geduldsspiel, da keine eigenen Rubriken für diese Art von Filmen existieren. Die asiatischen Martial-Arts- und Action-Streifen sind beispielsweise einfach unter Action & Abenteuer abgelegt. Man kann also nicht einfach mal eben so durchzappen.

2. Die Qualität schwankt und ist teilweise unansehnlich schlecht. So etwas Verwaschenes und Unscharfes wie Iron Angels 3, hätte ich mir nicht mal zu VHS-Zeiten angetan.

 

Bei meinem Trip durch den Amazon-Untergrund bin ich auch auf vier Dokumentationen gestoßen, die ich noch erwähnen will.

VHS Massacre: Cult Films and the Decline of Physical Media

Ein Blick auf das Verschwinden der physischen Medien, hier speziell VHS, und die Auswirkungen auf Indie- und Kultfilme.

 

Monster Madness: The Gothic Revival of Horror

Eine Doku über die Horrorfilme der Hammer-Filmstudios. Neben den obligatorischen Trailern und Clips, enthält die Doku interessante Interviews aus den 1990er Jahren.

 

Christopher Lee – A Legacy of Horror and Terror

Passend zur Hammer-Dokumentation. Hierbei handelt es sich um einen Mitschnitt von Christopher Lees Auftritt auf der Monster Rally convention in Crystal City, 1999.

 

Pulp Fiction: The Golden Age of Storytelling

Eine Dokumentation über Pulp Fiction. Nein, nicht Tarantinos Film, sondern die guten alten Romanhefte sind gemeint. Mit 50 Minuten etwas kurz, aber insgesamt ein guter Überblick mit Statements von Veteranen einschließlich Ray Bradbury, der ebenfalls als Pulp-Autor seine Karriere begann.

Russ Meyer: The Smell of Female

Deutschlandradio Kultur sendete ein einstündiges Feature über Russ Meyer, den großartigen Filmemacher der hysterischen Sex-Cartoons, den Meister des superschnellen Schnitts und den größten Verehrer der weiblichen Brust. Die ganze Sendung kann man nun auch online hören.

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Meyer mit Sleaze-Star Uschi Digard.

Die Sendung gibt einen Überblick über Meyers Leben und seine Filme, speziell geeignet für diejenigen, die zwar Meyer dem Namen nach kennen, aber ansonsten wenig wissen.

Nitpicking: Eher unpassend finde ich, dass die Sendung zu einem Drittel aus einem Bericht über einen deutschen Pornoproduzenten, Tim Grenzwert, und den Dreh seines neuen Films Naked Punch besteht. In diesem Gespräch ergeben sich zwar ein paar Referenzen an Meyer, aber dass dies nun das „Erbe des Sexploitationfilms“ sein soll, kann ja nun nicht sein. Da wäre es selbst naheliegender, man würde auf einen Softcore-Vielfilmer wie Jim Wynorski verweisen. Oder auf Vivid Alt und Eon McKai oder auf das Faster-Pussycat-Porno-Remake, das zumindest einen Versuch darstellte, Meyers Geist ins 21. Jahrhundert zu transportieren.

Aber Schwamm drüber, vielleicht bin ich auch der einzige, der da wenig Zusammenhang sieht. immerhin: ein Russ-Meyer-Feature im Kulturradio.

Film: Everly (2014)

everly_titlescreenEverly ist ein Genrefilm, den man am ehsten so umschreiben kann: Rächende Frau, spärlich bekleidet, schießt alles zu Klump. Die Story passt auf einen Bierdeckel: Everly, gespielt von Salma Hayek, wird von dem fiesen Yakuza-Boss Taiko (niemand anderes als Hiroyuki Watanabe) in einer Wohnung als Sexgespielin gehalten. Um sie gefügig zu machen, bedroht er ihre kleine Tochter. Als Ausweg sieht Everly die Zusammenarbeit mit einem Polizisten, der Taiko zur Strecke bringen will. Doch die Sache geht schief und Taiko hetzt seine private Armee von Killern auf Everly. Glücklicherweise kann die toughe Everly in der Gangsterbude auf ein ganzes Waffenarsenal zurückgreifen. Payback time, motherfuckers.

Der Film startet mit viel Tamtam. Ein ganzes Zimmer voller Bösewichte wird umgepflügt und die Wände blutrot dekoriert. Bei einem solchen Film muss die Action stimmen. Die Shootouts und die Choreografie sind solide. Nichts, was man nicht schon woanders in ähnlicher Form gesehen hätte, aber durchaus unterhaltsam und gut umgesetzt. Wie viele Filme dieser Art, versucht auch Everly sich an dem bissigen und schwarzen Tarantino-Humor. Das gelingt nur teilweise. Herrlich absurd wird es, wenn Taiko ein Kopfgeld auf Everly aussetzt und auch die Prostituierten aus den Nebenzimmern Everly an den Kragen wollen. Der Auftritt von Togo Igawa als Taikos Cheffolterer in der Mitte des Films ist kurios und nimmt dem Film leider das Tempo. Dieser typische Sadist scheint auch lediglich den Haufen der Klischeefiguren zu komplettieren und bringt wenig in die Handlung ein.

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Neben der Action gibt es eine weitere Hauptattraktion: Salma Hayek. Der Film ist der zeitlos schönen Salma auf den kurvenreichen Leib geschneidert. Die Kamera klebt förmlich auf ihr. Salma leidet, Salma blutet, Salma schwitzt, Salma schält sich aus ihrem Negligé, Salma pustet sich eine Strähne aus dem Gesicht, Salma kickt ihre High-Heels zur Seite, Salma lädt die Waffen durch, Salma schießt, sticht und schlitzt die Körper auf. Die Inszenierung der Hauptfigur schwankt zwischen purem Voyeurismus und idealisierter, wenn auch geschundener, Heldengestalt. Also prinzipiell dem Genre entsprechend.

Schlecht in den Film integriert, quasi überflüssig, ist die Vergewaltigung von Everly. Ein typisches Element von Rachefilmen mit weiblicher Hauptfigur, ist, dass die Frau erst gebrochen werden muss, bevor sie über sich hinaus wachsen und die, meist männlichen, Peiniger zur Rechenschaft ziehen kann. Aber Everlys einziger Antrieb ist ihre kleine Tochter, was im Film mehr als deutlich wird. Damit hat die Vergewaltigung handlungstechnisch keinerlei Bedeutung und wird zur müden Reminiszenz an vergangene Zeiten des Rape-Revenge-Genres.

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Gut gefallen hat mir die „Kammerspielatmosphäre“. Der gesamte Film spielt sich in einem Apartment und dem dazugehörigen Flur ab. Hin und wieder fällt ein Blick in die Nebenzimmer durch Löcher in der Wand, Einschusslöcher natürlich, sowie auf den Monitor der Überwachungskamera, die die Lobby des Hauses filmt. Ordentliche und abwechslungsreiche Action in diesem begrenzten Raum zu inszenieren, das gelingt dem Film schon ziemlich gut. Dies ist auch der dynamischen, verspielten Kameraführung zu verdanken. Es gibt hier keine langen Einstellungen. Die Kamera ist ständig in Bewegung, zoomt, schwenkt und fährt, und schreckt auch nicht vor extremen Close-Ups und ungewöhnlichen Kamerawinkeln zurück.

Es wäre nun begrüßenswert, wenn Filme wie Everly sich nicht stets so offensichtlich auf Kill Bill und Die Hard berufen würden. Ja, Überaschung: Everly spielt zur Weihnachtszeit und die Schlachteplatte wird passend mit bekannten Weihnachtshits untermalt. Immerhin wurde davon abgesehen, Everly in einem gelben Trainingsanzug auftreten zu lassen.

Insgesamt ein (noch) sehenswerter völlig überdrehter Actionfilm mit viel Blut, Geballer, Gehaue und Gesteche, Schusswaffen, Granaten, Messern, Schwertern, Sadisten, Yakuza-Killern, Killerhunden, Killernutten, Polizeikommandos und, ja: Salma Hayek, die, wie könnte man es vergessen, auch früher schon Teil von wilden Krawallfilmen wie From dusk till Dawn und Desperado war. Der Unterschied: In Everly ist sie für das Blutvergießen ganz allein verantwortlich.

Was damals Direct-to-Video war, ist heute Direct-to-Internet. Seit einigen Wochen ist der Film über den US-iTunes-Store zu haben. Eine deutsche Veröffentlichung ist noch nicht angekündigt.

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Doku: X-Rated – The Greatest Adult Movies of All Time

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Combining scintillating film clips of the 32 greatest adult movies ever produced with in-depth interviews from the biggest stars in the industry, this erotic documentary is the definitive look at the art of carnal films. Hosted by Chanel Preston, with Jenna Jameson, Ron Jeremy, Marilyn Chambers, Christy Canyon, Jessica Drake, Georgina Spelvin and many more.

Eine neue Showtime-Dokumentation wirft einen Blick auf die 32 „besten Pornofilme aller Zeiten“. Erwartungsgemäß werden in dieser amerikanischen Doku ausschließlich amerikanische Filme erwähnt und europäische Werke außen vorgelassen. Damit ist das Versprechen „the definitive look at the art of carnal films“ zwar etwas übertrieben, aber einen sehenswerten Abriss des us-amerikanischen Adult-Films bietet die Doku auf jeden Fall.

Wie und von wem die 32 Filme ausgewählt wurden, ist unklar. Die Macher scheinen sich an Kultstatus, soziokultureller Wirkung, finanziellem Erfolg, Preisauszeichnungen und Meilensteinen wie besonders teuren oder besonders aufwändig inszenierten Filmen orientiert zu haben. Das Ganze reicht vom obligatorischen Deep Throat (1972) bis The Submission of Emma Marx (2013) und deckt so quasi 40 Jahre amerikanische Pornogeschichte ab.

Die Doku zeigt viele Ausschnitte aus den Filmen (ohne Hardcore-Szenen) und lässt Darsteller wie Regisseure und Produzenten zu Wort kommen. Das ist durchaus interessant, oft lustig und manchmal geradewegs kurios. Was weitestgehend fehlt, ist Kritik. Mit Ausnahme von Constance Money (spielt die Hauptfigur in The Opening of Misty Beethoven, 1976), die nichts Gutes über Radley Metzger zu berichten weiß und daher lieber schweigt, sowie Kylie Ireland, die Upload (2007) produziert hat und Hillary Scott geradewegs für eine miese Schauspielerin hält, bleibt doch alles eher im freundlichen Rahmen. Highlight: Georgina Spelvin (The Devil in Miss Jones, 1973), die heute eine nette alte Lady mit losem Mundwerk ist.

Alles in allem, genug, um eine Empfehlung auszusprechen. Wer die Möglichkeit hat, die Dokumentation zu sehen, nicht zögern. Über eine Veröffentlichung außerhalb des Showtime-Networks ist noch nichts bekannt.

Buch: Empire of the ‚B’s

Empire of the BsTorsten Dewi hat mir freundlicherweise sein neues Buch zugeschickt, das in Zusammenarbeit mit Dave Jay und Nathan Shumate entstanden ist: Empire of the ‚B’s – The Mad Movie World of Charles Band, erschienen bei Hemlock Books. Anlass genug, ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

Charles Band ist einer der größten Trash-Meister unserer Zeit. Über ihm steht vermutlich nur noch Roger Corman. Ähnlich wie Corman, hat auch Band sich nie auf ein bestimmtes Filmgenre spezialisiert, sondern sämtliche Themen beackert, die irgendwie einen Dollar abwarfen. Horror natürlich, aber auch Fantasy, Science Fiction, Sexploitation, you name it. Neben Unmengen an unterirdischen Filmen, hat Band auch Klassiker wie Re-Animator und From Beyond produziert; Filme, die nicht unwichtig für das Horrorgenre waren.

Empire of the ‚B’s gibt einen umfassenden Einblick in das Wirken von Charles Band. Alle Filme, die mit seinen Produktionsfirmen Charles Band Productions zwischen 1975 und 1983 sowie mit Empire Pictures zwischen 1984 und 1989 entstanden, werden auf jeweils zwei bis acht Seiten vorgestellt, analysiert und teilweise kritisch auseindergenommen. Dies ist kein Buch für Fanboys. Viele dieser Filme sind formal schlecht, und dies wird von den Autoren auch nicht beschönigt. Dass die Autoren dennoch selbst auch Fans sind, versteht sich von selbst. Ohne Fansein wäre ein solches Buch gar nicht zu schreiben. Bei dem Buch handelt es sich um keinen Schnellschuss, es entstand im Laufe von über 10 Jahren Arbeit, was man durchaus merkt. Man erfährt ungemein viel über die Produktion und die Hintergründe der Filme.

Auf dem Cover ist zu lesen: The authorized history. Das Buch ist offiziell von Charles Band abgesegnet. Man kann also davon ausgehen, dass sämtliche Fakten auch tatsächlich Fakten sind. Es spricht im Übrigen für Charles Band, dass er offensichtlich kein Problem damit hat, in dem Buch Kritik zuzulassen. Man kennt es von anderen authorisierten Werken, die auch schon mal peinlich glorifizierend wirken.

Ebenso wichtig und erhellend wie der Filmteil, sind die mehr als 20 Interviews mit Regisseuren, Schauspielern, Effects-Leuten und anderen an den Filmen Beteiligten. Band selbst kommt natürlich auch ausführlich zu Wort, und Stuart Gordon hat das Vorwort geschrieben. All das zusammen ergibt ein schlüssiges Bild von Charles Bands Filmuniversum. Wer sich nun fragt, warum Empire of the ‚B’s 1989 abbricht, wo doch Band bis heute fleißig weiter produziert: Es ist ein zweites Buch geplant. Ich hoffe nur, dass dies nicht weitere zehn Jahre auf sich warten lässt.

Drucktechnisch bleibt vielleicht abschließend noch zu sagen, dass es sich um ein typisches Hemlock-Buch handelt. Heißt: Digitaldruck auf Standardpapier mit solider Klebebindung. Leider ist das Buch nur in schwarz-weiß illustriert. Klar, in der heutigen Zeit kann man sich durchs Internet klicken, wenn man bunte Bilder sehen will. Dennoch, ein Filmbuch in schwarz-weiß ist immer ein bischen bescheiden. Gerade die vielen gemalten Cover- und Poster-Artworks der Band-Filme haben in Farbe doch eine ganz andere Wirkung. Es gibt auch noch eine auf fünfzig Stück limitierte Hardcover-Ausgabe. Die ist zwar auch nur schwarz-weiß, dafür aber von Charles Band signiert. Diese spezielle Ausgabe ist nur direkt bei Hemlock erhältlich.

Film: Predestination (2014)

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Die meisten Zeitreisegeschichten haben in einer Form mit Logikproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt weil die kausalen Zusammenhänge von Zeitreisen den alltäglichen menschlichen Erfahrungen widersprechen. Der Film Predestination widmet sich ganz einem Zeitreiseparadoxon in einer Zeitschleife und versucht erst gar nicht, dieses irgendwie logisch aufzulösen. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die den Ablauf einer Zeitschleife immer wieder neu erzählen, schildert Predestination eine einzige Instanz einer Zeitschleife, die verschiedene Zeitebenen überbrückt, von den 1940er bis in die 90er Jahre hinein.

Ethan Hawke spielt einen namenlosen, nur als „The Barkeep“ bezeichneten, Temporal Agent; einen Zeitreiseagenten, der für eine geheime Organisation durch die Zeit reist, um Straftaten zu verhindern. Bevor er sich zur Ruhe setzen will, erhält er noch einen letzten Auftrag. Er soll den berüchtigten Fizzle Bomber aufhalten, der im Verlauf der Jahrzehnte verherrende Bombenanschläge verursacht. Dazu rekrutiert er im Jahre 1970 einen neuen Agenten namens John, der eine bemerkenswerte Vergangenheit hat, und dessen Existenz direkt mit der von Agent Barkeep verknüpft ist. Der neue Rekrut ahnt davon jedoch noch nichts. Haut für Haut, wie das Schälen einer Zwiebel, enthüllt der Film die Zusammenhänge und fügt am Ende alles zu einem Ganzen zusammen.

Predestination basiert auf der Kurzgeschichte All you Zombies von Robert A. Heinlein. Der Film hält sich eng an die Vorlage, einige Dialoge wurden direkt aus Heinleins Geschichte übernommen, erweitert die Geschichte aber um eine akribische Studie der menschlichen Identitätssuche, der im Film großen Platz eingeräumt wird, während die Kurzgeschichte das Thema nur vage anschneidet. In der ersten Hälfte erzählt der Film die Vergangenheit des Rekruten John, der eigentlich als Mädchen geboren wurde, der stets mit sich selbst haderte und der sich stets auf einer Suche nach dem eigenen Ich befand, als Mädchen genauso wie später als Mann. Agent Barkeep scheint diese Suche beenden und John eine Bestimmung geben zu können.

Diese faszinierend erzählte Identitätssuche wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem Diskurs über Vorbestimmung und freier Wille. Erst hier kommt die eigentliche Zeitreisethematik auf. Was ist vorbestimmt und inwiefern haben wir einen freien Willen? Welche Ereignisse sind unausweichlich? Können bestimmte Ereignisse rückwirkend verändert werden, und vor allem: ist der Mensch willens diese Ereignisse, und letztlich auch sich selbst, zu ändern?

Predestination ist ein Science-Fiction-Film, das sehr wohl. Aber die Science-Fiction-Elemente werden spärlich eingesetzt und sind nicht die Essenz des Films. Wer Filme wie Timecrimes und Triangle gesehen hat, Filme, die Zeitreisen spielerisch und hochkomplex thematisieren, der wird schnell darauf kommen, was hinter Predestination steckt. Die Auflösung des Films, die Konfrontation mit dem Fizzle Bomber, erfolgt dann auch eher unspektakulär. Predestination liefert im Verlauf der Handlung einfach zu viele Hinweise auf den Ausgang. Der Film ist damit eigentlich wenig überraschend; für diejenigen, die Heinleins Kurzgeschichte kennen ohnehin nicht.

Trotzdem ist Predestination ein lohnenswerter Film. Ein Film, der schmerzhaft schön erzählt von Idendität, Vorbestimmung und freiem Willen, und der mit Ethan Hawke und Sarah Snook, die hier der eigentliche Schauspielstar ist, ganz wunderbar besetzt ist. Ein Film, der mehr zu bieten hat, als die äußere Science-Fiction-Hülle.

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Film: The Maze Runner (2014)

mazerunnerThe Maze Runner ist einer dieser dystopischen Teenagerfilme, die seit einiger Zeit die Kinos überschwemmen. Wie die meisten dieser Filme, basiert auch The Maze Runner auf einem Roman, genauer: auf einer Roman-Trilogie.

Zwei Dinge sind mir sogleich in den Sinn gekommen:

1. Das Lieblingsbrettspiel aus meiner Kindheit, Das Verrückte Labyrinth. In diesem  Spiel erkunden die Spieler ein Labyrinth, dessen Layout sich ständig verändert.

2. Den wegweisenden Indie-Film Cube von 1997, in dem sich eine Gruppe von Personen in einem gigantischen Würfel wiederfindet. Die vielen kubusförmigen Räume sind nicht nur mit tödlichen Fallen gespickt, sondern ändern ihre Position innerhalb des Würfels.

The Maze Runner verbindet diese Konzepte auf mehr oder weniger auffällige Weise. In einem schier unermesslichen Labyrinth lebt eine Gruppe von Jugendlichen, die in regelmäßigen Abständen mit Proviant versorgt wird. Mit jeder Proviantlieferung erscheint zugleich ein neuer Labyrinthinsasse. Die Ankömmlinge können sich an nichts erinneren, nicht an ihre eigene Identität geschweige denn daran, wie und wieso sie in dem Labyrinth gelandet sind. Im Zentrum des Labyrinths befindet sich die grüne Oase namens The Glade, in dem die Gruppe lebt und eine Art Gesellschaft mit eigenen Regeln geschaffen hat. Tagsüber machen sich die Besten und Stärksten auf, das Labyrinth zu erkunden. Diese Burschen tragen den Titel Runner. Die Runner tun allerdings gut daran, vor Einbruch der Nacht wieder zurück zu kehren, da pünklich bei Sonnenuntergang die Tore zum Glade schließen und so genannte Grievers das Labyrinth patroulieren, tödliche biomechanische Wesen.

Aus dieser ungewissen Lage schöpft der Film zunächst seine Spannung. Als Zuschauer habe ich mich ein wenig hingehalten gefühlt, da der Film ausgiebig Wert darauf legt, die sozialen Strukturen in der Gruppe darzustellen, dabei aber das Labyrinth über die Maßen hinaus mystifziert. Zumal der Konfliktstoff innerhalb der Gruppe auch eher banaler Natur ist und nichts bringt, was man in anderen Filmen nicht schon gesehen hätte. Im Gegensatz zu Cube, bietet The Maze Runner leider auch keinen philosophisch-existenziellen Denkanstoß.

Geht die Labyrinth-Action erst einmal los, kommt man durchaus auf seine Kosten. Das Labyrinth ist visuell toll umgesetzt und wirkt real und bedrohlich.  Am Ende überrascht der Film mit einem interessanten Twist; zumindest Zuschauer wie mich, die die Bücher nicht kennen. Gleichzeitig nervt der Film aber auch mit einem dicken Handlungsloch. Das ist überhaupt ein Manko: das Filmkonzept bietet jede Menge Angriffspunkte für nachdenkende Zuschauer und der Film tut nichts dafür, offensichtliche logische Argumente zu entkräften.

Ein Wort sollte man auch auch noch über die weiblichen Rollen verlieren. Es gibt nur zwei. Diejenige, die man wohl als Hauptrolle bezeichnen kann, wird irgendwann in der Mitte des Films eingeführt und trägt quasi nichts zur Handlung bei. Es ist natürlich gut möglich, dass diese Figur in den Sequels noch an Bedeutung gewinnt. In diesem Film aber, ist es eine reine Alibi-Figur.

The Maze Runner ist kein wirklich schlechter Film. Aber auch kein besonders herausragender. Selbst als reiner Unterhaltungsfilm krankt The Maze Runner einfach an ein paar Stellen zu viel.  Die ganze Geschichte ist dann immerhin doch so interessant, dass ich mir Teil 2 und 3 vermutlich trotzdem anschauen werde. Ich will ja wissen, wie die Story weitergeht.

Film: Forced Entry (1973)

Zimperlich geht anders. Forced Entry ist ein räudiges Hardcore-Vergewaltigungsfilmchen mit Pornolegende Harry Reems in der Titelrolle. Reems spielt einen Vietnamveteranen, den ein Kriegstrauma zum Töten treibt.

Der ganze Aufhänger der Story ist eine am Anfang eingeblendete Texttafel mit einem Zitat des prominenten Psychiaters Robert Lifton, der sagt, dass Veteranen häufig an einer Kombination aus Furcht, Verwirrung, Wut und Frustration leiden, und sich daraufhin einen vorgeblichen Feind als Ventil für ihre Störung suchen.

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Als Feind müssen in diesem Fall ausgerechnet Frauen herhalten, die die namenlose Hauptfigur als Tankwart an der Tanstellte trifft, nach Hause verfolgt, vergewaltigt und umbringt. Als Einblick in die Gedanken des Tankwarts dienen einzig kurze Sequenzen, bestehend aus authentischem Filmmaterial aus dem Vietnamkrieg, die im ganzen Film als Flashbacks eingeschnitten sind. Diese plastische Darstellung ist anfangs noch recht überzeugend, wenn sich der Tankwart, bewaffnet mit Messer und Pistole, durch den Großstadtdschungel schleicht, von Deckung zu Deckung hastet, paranoid umherschauend durch die Menschenmassen drängt und dabei von den Bildern aus Vietnam gepeinigt wird.

Spätestens jedoch wenn diese Flashbacks in den pornografischen Szenen auftauchen, entlarven sie ihre Funktion als billiger Schockeffekt und den Film als simple Exploitation. Ejakulationen auf Vergewaltigungsopfer und tote Kinder in Vietnam gehen irgendwie überhaupt nicht zusammen.

Der Film gipfelt dann, man muss fast sagen enttäuschenderweise, nicht im größten finalen Schock, sondern endet unfreiwillig komisch. Tankwart Reems landet bei zwei Hippie-Lesben, die sich trotz vorgehaltener Knarre nicht von ihm einschüchtern lassen. In einer Abfolge von misserablem Schauspiel und völlig sinnfreier Handlung, treiben die beiden den gestörten Tankwart endgültig in den Wahnsinn, woraufhin der den Ausweg im Selbstmord sucht.

Nicht unerwähnt lassen sollte man, dass der dreckige Look und die Amateurhaftigkeit des Films nicht ganz ohne Reiz sind, und die deprimierende Atmosphäre auf die Stimmung drückt. Wenn man etwas Positives über den Film sagen kann, dann das, dass er den Zuschauer nicht kalt lässt. Als Obskuritätensucher und Wertschätzer von purem Schund kann man einen Blick auf Forced Entry werfen. Alle anderen machen lieber einen Bogen um den Film.

Monster Madness 2014

Der Oktober ist da und das bedeutet eine neue Runde Monster Madness. An jedem Tag des Oktobers gibt es auf cinemassacre.com ein neues kurzes Horrorfilmreview von James Rolfe (alias Angry Video Game Nerd). Monster Madness ist damit so etwas wie ein vorgezogener Adventskalender für Horrorfreunde, der sich nun schon in der 8. Auflage befindet. Während in den vergangenen Jahren Monster Madness stets unter einem zentralen Thema stand, greift James Rolfe dieses Mal kreuz und quer in den Fundus aus 90 Jahren Horrorfilmgeschichte.

VHS Wasteland

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Über diese schöne Seite bin ich gestolpert: VHS Wasteland ist eine Wunderkiste voller alter VHS-Cover vorwiegend aus dem Bereich Horror, Action und Exploitation. Nicht selten sind hier die Cover besser als der Film. Das Blog ist zwar schon seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert worden, aber das große Archiv lädt zum Stöbern ein. Erwähnenswert ist auch, dass es sich um große, qualitativ gute Scans handelt.