Melanie De Biasio in Concert

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Bis 31.03.2019 kann man sich in der Arte-Mediathek das Konzert der fantastischen Melanie de Biasio im Pariser Théâtre de l’Odéon anschauen. Das ist blusiger Jazz in seiner reduziertesten Form. Und hier der Bandcamp-Player des aktuellen Albums:

Great Pacific (Garbage Patch)

Kürzlich machte das Meeressäuberungsprojekt Ocean Cleanup des Niederländers Boyan Slat Schlagzeilen und die Medien feierten den Jungunternehmer bereits als neuen Visionär. Das erinnerte mich an eine ziemlich originelle Comicserie, die zwischen 2012 und 2014 bei Image Comics erschien: Great Pacific.

In 18 Ausgaben, deren drei Story-Arcs später in drei Trade-Paperbacks erschienen, erzählt Autor Joe Harris die Geschichte des Ölfirmen-Erben Chas Worthington, der eine Maschine konstruieren will, die den gesamten Plastikmüll im Meer auflösen kann. Die Zeichnungen stammen vom Argentinier Martín Morazzo, der mit Great Pacific seinen US-Einstand als Zeichner gab.

Die Vorstandsetage von Chas Worthingtons Firma möchte die Entwicklungskosten für die Maschine sparen und viel lieber eine neue Ölplattform bauen. Chas entschließt sich daraufhin zu einem drastischen Schritt, er unterschlägt ein paar Milliarden Dollar seiner Firma, inszeniert seinen Tod und setzt sich mit dem Schiff in Richtung des Great Pacific Garbage Patch ab.

Diese gigantische Ansammlung von Müll im Pazifik, die in der Realität eine Art suppiger Strudel ist, wird im Comic zu einer landähnlichen Masse mit den Ausmaßen von Texas. Dort ruft Chas seinen eigenen Staat aus und der Comic wird zur Gründungsgeschichte einer Nation. Das Land muss erforscht und gesichert werden. Da es sich um keine echte Insel handelt, ist das Land in Bewegung und einer ständigen Veränderung durch die Naturgewalten unterzogen. Das Müllland ist von mutierten Tieren bevölkert und Piraten nutzen es als Unterschlupf. Im Verlauf der Geschichte erscheint die US Navy, um Chas festzunehmen, Glücksritter kommen und gründen Kolonien und als immer weitere Fraktionen etwas vom großen Kuchen abhaben wollen, stellt Chas fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen Staat zu führen und er sich immer mehr zum Diktator entwickelt.

Wer diese Art von Entdecker-Geschichten mag, und hier habe ich ja bereits schon mal eine wundervolle Comicserie vorgestellt, dem kann ich Great Pacific nachträglich sehr empfehlen. Leider ist der Comic in Deutschland bisher noch nicht erschienen.

Atomic Blonde (2017)

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Der Regisseur David Leitch war zuvor als Co-Regisseur für John Wick tätig und das ist unübersehbar. Visuell und inszenatorisch erinnert Atomic Blonde desöfteren an den Actionkracher mit Keanu Reeves. Atomic Blonde bietet allerdings genug Eigenständigkeit, um nicht ständig mit John Wick verglichen werden zu müssen.

Wie bei John Wick gilt auch hier: style over substance. Es gibt eine fast schon klassische Agentengeschichte um eine Liste von Doppelagenten, die gefunden und gesichert werden muss, und diese Geschichte ist sogar einigermaßen spannend, aber in erster Linie wirkt der Film über die Hauptdarstellerin Charlize Theron und die Action.

Der Film bearbeitet die Sinne des Zuschauers mit einem Dauerfeuer aus grellen Neonfarben und einem Nena-Tom-Schilling-The-Clash-Falco-David-Bowie-Soundtrack, der hin und wieder mit in die Handlung hinüberfließt. Es ist weder zu übersehen noch zu überhören: Atomic Blonde spielt mitten in Berlin zur Zeit des Mauerfalls, was sich als Hintergrundthema durch den gesamten Film zieht. Zusammen mit der grassierenden Kalter-Krieg-Paranoia, entwickelt sich so eine fiebrig-nervöse Atmosphäre. Die Inszenierung der heftigen Kampfszenen und Schusswechsel bewegt sich dabei graziös auf einer dünnen Linie zwischen Überzeichnung und Ernsthaftigkeit. Das ist alles bis ins Detail perfekt choreografiert ohne dabei zu sehr nach Ballet auszusehen.

Der Regisseur inszeniert nicht nur die Action gut, sondern setzt auch Charlize Theron ausgesprochen betörend ins Bild. Ich bin mir nicht sicher, welche andere Schauspielerin die geforderte Lässigkeit so überzeugend hätte rüberbringen können. Theron wirkt hier cool und gleichzeitig sexy bei höchstmöglicher Eleganz. Die perfekte Besetzung.

Erfreulicherweise wurde just ein Sequel angekündigt und mit der Idee eines Crossovers zwischen Atomic Blonde und John Wick wird zumindest gedanklich schon mal gespielt. Ich wäre nicht abgeneigt.

Vergleich Film und Comic

Atomic Blonde basiert auf dem Comic The Coldest City von Antony Johnston und Sam Hart, original bei Oni Press, deutsche Ausgabe bei Cross Cult erschienen. Auf den ersten Blick erkennt man gar keine Gemeinsamkeiten. Visuell ist der Film das krasse Gegenteil. Die gesättigten Farben und der schneidende Neonschein des Films stehen einer kantigen, strengen Linienführung und großen monochromen Flächen im Comic gegenüber. Im Film ist Lorraine eine Blondine in extravaganter Kleidung, eine über die Maßen auffällige Erscheinung, im Comic hat sie dagegen schwarzes Haar, trägt züchtigen Bibliothekarinnen-Look und verschwindet in der Menschenmenge so wie es für eine Spionin vorteilhaft ist. Der Comic orientiert sich eher an traditioneller Spionage-Literatur während der Film stylische Action zelebriert.

Dennoch folgt der Film der Comic-Handlung relativ genau. Einige Szenen werden weggelassen, viele andere hinzugefügt und manche zu diesen krachigen Actionmonumenten ausgebaut. So bieten Film und Comic das Beste aus zwei verschiedenen Welten und wirken auf unterschiedlichen Ebenen.

Gerry Anderson’s Firestorm

Als großer Fan von Gerry Anderson und seinen Marionettenserien hat es mich sehr gefreut, als sein Sohn Jamie Anderson vor vier Jahren eine neue Produktion im Geiste seines verstorbenen Vaters ankündigte. Mit Hilfe einer Kickstarter-Aktion konnte eine 9-minütige Pilotepisode produziert werden, die seit Oktober kostenlos auf Youtube verfügbar ist.

Gerry Anderson hatte bereits 2001 die Idee zu dieser Serie, konnte die Serie aber nicht nach seinen Wünschen umsetzen. Aus dem Konzept wurde daraufhin 2003 eine japanische Anime-Serie, also etwas, das kein Fan von Gerry Andersons Marionetten eigentlich sehen will.

Die nun vorliegende Pilotepisode zeigt, wie es besser geht; mit technisch ausgeklügelten Marionetten, detailreichen Miniaturmodellen und echten Explosionen. Wie in guten alten Zeiten eben. Die Episode dient hauptsächlich als Proof-of-Concept und soll Fernsehsender oder Streaming-Anbieter ins Boot holen, um eine komplette Serie zu realisieren. Und die Zeichen stehen nicht schlecht: die Vorproduktion der Serie ist gestartet. Um auf dem Laufenden zu bleiben, empfehle ich die offizielle Facebook-Seite.

Übrigens bin ich immer davon ausgegangen, dass es teurer ist, eine solche aufwändige Puppenserie zu drehen, als eine Serie mit Schauspielern. Auf meine Anfrage hin, belehrte mich Jamie Anderson eines Besseren. Laut seiner Aussage halten sich die Kosten in etwa die Waage.

 

 

Celadon (Ru Yao)

Dieses schöne Celadon-Set (oder Ru Yao nach dem berühmten Ru-Brennofen) habe ich vor einigen Jahren gekauft. Die Bezeichnung ist Tao Feng Gu Qi. Exzellente Qualität, aber relativ massiv und schwer, so dass man mit der Kanne kaum einhändig einschenken kann. Das ist auch der Grund, warum ich es eher selten nutze. Dafür haben diese dickwandigen Keramikwaren den Vorteil, dass sie die Hitze gut halten. Die Kanne hat ein Volumen von ca. 220 ml, die Schalen um die 40 ml.

Neben dem Set gefällt mir auch die Verpackung außerordentlich. Die stabile Kiste hat zwei Etagen, wobei die obere Etage nur locker in der unteren sitzt.

Tomb Raider (2018)

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Lu Ren: Some men like dangerous women.
Lara Croft: Some men are foolish.

Nach den ganzen durchwachsenen Kritiken bin ich positiv überrascht. Man muss seine Erwartungshaltung den Gegebenheiten anpassen. Es handelt sich um einen Film, der auf einem Videospiel-Franchise beruht, das im Wesentlichen aus Indiana Jones mit großen Brüsten bestand. Erst mit dem 2013 erschienen Spiel bekam Lara Croft einen realistischeren Anstrich, der in den neuen Film übernommen wurde. Und das ist für meine Begriffe weitgehend gelungen.

Diese Art von Abenteuergeschichte – und zugebenermaßen liebe ich solche – setzen gewisse Klischees voraus, ohne die ein Film nicht auskommt. Exotische Orte, mysteriöse Artefakte, geheime Tunnel und Verstecke, versunkene Kulturen und vergessene Völker, Grabstätten und Tempel mit tödlichen Fallen. Indiana Jones eben. In dieser Beziehung erhält Tomb Raider zwar keinen Originalitätspreis, aber der Film erfüllt seinen Soll und sieht optisch in den meisten Szenen sehr gut aus. Die von mir aufgrund des Trailers noch erwartete Orgie von schlechten CGI ist im Film ausgeblieben. Bis auf ein oder zwei Szenen wirkt das alles überzeugend.

Die Story ist filmdienlich, aber im Grunde vernachlässigbar. Die Story gehört zum Klischee. Das Drehbuch setzt Wegpunkte, die von Lara Croft im Schnitzeljagdstil abgearbeitet werden. Gelungen finde ich, wie der Film mit dem “Fluch der Mumie” spielt. Bis zum letzten Moment ist nicht klar, ob der Fluch tatsächlich existiert oder „wissenschaftlich“ erklärt werden kann.

Zum eigentlichen Grund, warum man sich den Film anschaut und was den Film letztlich über das Mittelmaß hinaushebt: Lara Croft und die Action. Alicia Vikander ist eine gute Besetzung als Lara Croft. Schauspielerisch dürfte sie das kaum gefordert haben, dafür körperlich. Vikander sieht aus, als käme sie direkt vom Ninja-Warrior-Parkour nachdem sie ihn bezwungen hat. Es ist eine erfreuliche Entwicklung, dass Schauspielerinnen mittlerweile das gleiche harte Training durchmachen, wie die männlichen Kollegen. Es zahlt sich im Film stehts aus, wenn die Darsteller so aussehen als wären sie dazu in der Lage, das, was im Film zu sehen ist, auch genauso in der Realität durchzuziehen. Die gesamten Actionszenen wirken roh und authentisch.

So hart wie Alicia Vikander ist, so milde fällt mein Urteil aus: Tomb Raider setzt keine neue Maßstäbe im Action-Abenteuer-Bereich, bietet aber kurzweilige Genre-Unterhaltung mit einer überzeugenden Hauptfigur und einigen richtig guten Actionszenen. Wenn dem Film vorgeworfen wird, dass er im Prinzip lediglich das Spiel nacherzählt, dann ist das unfair in Anbetracht dessen, dass Videospielverfilmungen überlicherweise sonst immer nachgesagt wird, sich von der Vorlage zu weit zu entfernen. Für mich gilt daher, dass das Meiste hier richtig gemacht wurde und ich offen für eine Fortsetzung bin.

Cosmics

Cosmics war ein schönes und leider ziemlich kurzlebiges Comic-Magazin für Erwachsene, das sowohl deutsche als auch internationale Künstler vereinte, darunter Matthias Schultheiss, Ron Embleton, Guy Colwell, Ben Jansen, René Lehner, Milo Manara, und Michael Kaluta, um einige bekanntere Namen zu nennen.

Zwischen 1984 und 1985 wurden fünf Ausgaben im Abi-Melzer-Verlag veröffentlicht. Im Vorwort der letzten Ausgabe wird bereits vom finanziellen Engpass berichtet, aber dennoch um Abos gebeten. Gereicht hat es offensichtlich nicht. Mit Ausgabe 5 war Schluss.

Vielleicht hat das Ende auch damit zu tun, dass Konzept und Aufmachung von Cosmics frappierend an Schwermetall erinnert, die deutsche Ausgabe des französischen Métal Hurlant (in den USA Heavy Metal), die bereits seit 1980 in Deutschland regelmäßig erschien, und der deutsche Comicmarkt eventuell zu klein für zwei ähnliche Magazine war.