Ed Brubaker Comic-Bundle

Noch bis zum 13.01.2022 kann man bei Humble Bundle ein umfangreiches digitales Comic-Paket von Autor Ed Brubaker zu einem Schnäppchenpreis erwerben. Für 22,14€ erhält man 41 Bände, was nahezu dem gesamten Werk entspricht, das Brubaker seit 2012 bei Image Comics veröffentlicht hat. Wer die Spendierhosen anhat, kann auch gerne mehr zahlen, was dann humblebundlemäßig einem guten Zweck zu Gute kommt.

Humble Bundle ist ohnehin eine gute Sache. Seit vielen Jahren schnüren die dort tolle Comic-, Bücher-, Spiele-, und Softwarepakete, die für wenig Geld angeboten werden, im Prinzip: pay what you want. Anders als bei analogen Resterampen im Supermarkt, gibt es hier echt hochwertiges Zeug. Dieses Konzept geht auf und alle Beteiligten profitieren.Pluspunkt: Es wird generell auf Kopierschutz- und DRM-Methoden verzichtet. Die Bücher bekommt man als PDF, ePub, und CBZ (gezippte JPGs).

Das aktuelle Angebot gibt mir eine gute Gelegenheit, endlich mal Ed Brubaker und Sean Phillips zu preisen. Deren Werke stehen bei mir ganz oben in der Topliste. Brubaker arbeitete viele Jahre für DC und Marvel, bevor er 2012 zu Image ging, um dort seine eigenen Stories zu verwirklichen. Die Kollaboration mit Zeichner Sean Phillips geht zurück auf Batman: Gothic Noir aus dem Jahr 2001. Seit Brubaker für Image schreibt, arbeitet er fast ausschließlich mit Phillips zusammen. Diese langjährige Partnerschaft zahlt sich erzählerisch aus. Story, Text und Bild wirken immer wie aus einem Guss und stets habe ich das Gefühl, dass bei Brubaker und Phillips ein bischen mehr Geschichte auf einer einzigen Seite transportiert wird, als bei anderen. Brubakers Spezialgebiet ist Crime. Verbrechen, Krimi, gerne hardboiled, oft mit Noir-Elementen versehen. Zudem hat er ein großes Horror-Epos und eine knackige Geheimagenten-Serie geschrieben.

Eine kleine Zusammenfassung der im Bundle enthaltenen Comics:

Scene of the Crime ist eine frühe Miniserie, die ursprünglich 1999 beim DC-Imprintverlag Vertigo erschien, hier als Image-Neuauflage von 2012 mit Extras enthalten. Es geht um den Privatdetektiv Jack, der beauftragt wird, eine verschwundene Frau zu finden. Die Spur führt schnell zu einer Hippie-Sekte, die in eine Erpressung verstrickt zu sein scheint. Nur ein Tag nachdem Jack die Frau aufgespürt hat, wird sie in ihrem Hotelzimmer erschossen, woraufhin Jack alles daransetzt, den Fall zu lösen. Die Story hat schon alle typischen Elemente, die Brubaker in späteren Comics wieder aufgreift und verfeinert. Noch etwas ungeschliffen und ohne die Zeichnungen von Sean Phillips, der hier nur die Zeichnungen von Michael Lark geinkt hat.

Criminal ist eine umfangreiche Serie, die 2006 gestartet ist und zu der Brubaker und Phillips seitdem immer wieder mal was Neues machen. Es handelt sich um moderne Hardboiled-Krimi-Kost, die klassische Klischees und Tropes auf schönste Weise zelebriert. Die Serie umfasst mehrere in sich abgeschlossene Story-Arcs und einige One-Shots und Graphic Novels, die über einen Zeitraum von mehreren Dekaden von zwei Gangster-Familien in einer fiktiven Stadt erzählen. Gilt zu Recht als das große Crime-Epos von Brubaker/Phillips und wurde mit drei Eisner-Awards ausgezeichnet. Das Humble Bundle enthält die komplette Serie mit Ausnahme der Graphic Novel Bad Weekend, die zum Verständnis aber nicht nötig ist.

My Heroes have always been Junkies ist eine der Graphic Novels, die zum Criminal-Universum gehören. Der Comic gibt einen Einblick in die Teenager-Zeit von Ellie, eine Nebenfigur aus einer früheren Criminal-Geschichte. Ein interessanter weiblicher Gegensatz zum Rest von Criminal, der sehr männlich geprägt ist. Allerdings macht der Titel klar, dass auch bei Ellie eher Tragik und Melancholie angesagt ist. Kann man auch gut völlig unabhängig von Criminal lesen. Steht für sich allein.

Fatale, erschienen zwischen 2012 und 2014 in vierundzwanzig Einzelheften bzw. fünf Sammelbänden, ist die Serie, die mich zu Brubaker und Phillips gebracht hat. Bisher meine Lieblingsserie der Beiden, was zugegebenermaßen auch am Thema liegt. Der Hauptplot dreht sich um Jo, eine mysteriöse Frau, die unsterblich zu sein scheint und der Männer auf fatale Weise verfallen, was nicht selten mit deren Tod endet. Doch Jo ist kein kaltblütiges Monster, sondern selbst eine Gefangene ihrer Anziehungskraft. Verzweifelt versucht sie dem jahrhundertealten Fluch zu entkommen, während sie vor dunklen Gestalten eines fanatischen Kultes flieht, der es auf sie abgesehen hat. Brubaker hat eine archetypische Femme Fatale in eine verschachtelte Story aus Noir-Krimi und kosmischem Lovecraft-Horror gesteckt. Das Ganze ist düster, blutig, sexy und in letzter Konsequenz auch zutiefst romantisch. Die Serie vereint einfach alles, was im besten Pulp-Sinne fantastisch ist. Das Humble Bundle enthält die komplette Serie.

Velvet ist Brubakers extrem schicke Geheimagenten-Serie. Velvet Templeton arbeitet beim britischen Geheimdienst und deckt dort eine Verschwörung in den eigenen Reihen auf und rächt den Tod ihres Mannes. Ja, das ist James Bond, Modesty Blaise und Mission Impossible in einem. Alle typischen Elemente aus Geheimdienst-Thrillern werden hier erwartungsgemäß verarbeitet. Die Geschichte spielt in den 1980ern, springt aber immer wieder zu Ereignissen der vorherigen 40 Jahre. Verschiedene Handlungsorte rund um die Welt, Gadgets, Bösewichte, Verfolgungsjagden; es ist ein wilder Ritt, der mir viel Spaß gemacht hat. Velvet ist neben dem obigen Scene of the Crime der einzige Comic hier im Bundle, der nicht von Sean Phillips gezeichnet wurde. Verantwortlich für die Zeichnungen hier ist der großartige Steve Epting. Das Tüpfelchen auf dem i sind die Farben von Elizabeth Breitweiser. So sehr mir Sean Phillips einzigartiger Stil auch gefällt, für diese Art von flashiger Geheimagenten-Action waren Epting/Breitweiser genau die richtige Wahl. Ob regnerisches London, sonniger Bahamas-Strand, Karneval in Monaco, versiffter Hinterhof in Paris oder intime Bettszene im Hotelzimmer. Die Farben und Schatten sowie der Szenenaufbau machen Velvet zu einem außergewöhnlich stimmungsvollem Comic mit Filmcharakter. Brubaker hatte mit Velvet eigentlich noch einiges vor, sogar eine Fernsehserie war mal im Gespräch. Aber seit dem Finale des Comics in 2016 gabs in dieser Hinsicht keine Neuigkeiten. Das Humble Bundle enthält den kompletten Comic.

Wenn Fatale der Krimi für Horrorfans ist, dann ist The Fade Out der Krimi für Filmfans. Erzählt wird hier nämlich von einem Mordfall im Hollywood der 1940er Jahre. Der abgehalfterte Drehbuchautor Charlie Parish gerät zwischen die Fronten von korrupten Filmstudio-Bossen und dem FBI, während er versucht, den Mord an einer Schauspielerin aufzuklären. Ein klassischer Krimi, durch und durch Film Noir, der keinen ganz unrealistischen Blick auf die damalige Filmwelt wirft. Der Comic ist teilweise inspiriert durch Brubakers Onkel, dem Drehbuchautor John Paxton. Nach Fatale mein zweiter Lieblingscomic.

In Kill or be Killed erscheint dem depressiven jungen Mann Dylan eines Abends ein Dämon, der von Dylan von nun an verlangt, jeden Monat einen Menschen zu töten, wenn er weiterleben will. Die Ich-Erzählperspektive, die Brubaker auch in allen anderen Comics anwendet, funktioniert hier besonders gut, denn man bekommt so direkt Einblick in die Gedankenwelt von Dylan, der selbst nicht weiß, ob der Dämon real ist oder nur eine unterbewusste Manifestation seines eigenen Drangs zu töten. Die Geschichte ist hart und stellenweise unangenehm zynisch, aber ein interessanter Ansatz, die Motivation eines Vigilanten und Antihelden zu erklären, die man so noch nicht gesehen hat. Das Ende kann zudem noch mit einem Schock aufwarten. Eine Verfilmung ist angekündigt. Das Bundle enthält die komplette Serie.

In der Graphic Novel Pulp geht es um den alternden Autor Max Williams, der 1939 in New York seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Westerngeschichten für Pulp-Hefte verdient. Ein Pinkerton-Agent, der es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt, erkennt Max als einen gesuchten Räuber von vor 40 Jahren und schlägt ihm vor, noch ein letzes großes Ding zu drehen. Sie wollen das örtliche Büro einer Nazi-Organisation überfallen, von wo aus angeblich containerweise Schwarzgeld nach Deutschland verschifft wird. Pulp ist eine recht geradlinige Krimi- und Rachegeschichte mit einem interessanten Hintergrund über die Nazi-Umtriebe in den USA der 30er Jahre; ein Thema, das bisher eher selten in der Popkultur behandelt wird. In einer einmaligen Graphic Novel bleibt leider kein Platz, das Thema detailierter auszuleuchten. Hier wäre Potential für eine Serie gewesen.

Reckless ist schließlich die neuste Graphic-Novel-Serie des Duos Brubaker und Phillips. Jeder Band erzählt eine abgeschlossene Geschichte aus dem Leben eines Typen names Ethan Reckless, der 1980 in Los Angeles „Probleme“ für andere Leute löst. Gegen Bezahlung versteht sich. Reckless hat ein bischen was von Criminal, nur positiver. Ethan ist eigentlich ein guter Kerl, auch wenn er sich selten an Gesetze hält. Von den bisher drei erschienenen Bänden sind zwei im Humble Bundle enthalten.

Die Comics im Bundle sind in englischer Sprache. In Deutschland sind von diesen Comics leider bisher nur wenige erhältlich. Velvet ist komplett in drei Bänden bei Dani Books erschienen. Kill or be Killed komplett bei Splitter in vier Bänden. Von Fatale hat Panini leider nur die ersten drei Bände rausgebracht, was natürlich sinnlos ist. Dafür sind bei Panini immerhin die ersten sechs Bände von Criminal erschienen. Was von Criminal nach 2011 rauskam, fehlt bisher. Zu guter Letzt ist damals Scene of the Crime von Speed Comics veröffentlicht worden. Diese deutschen Ausgaben sind teilweise vergriffen. Wer daran Interesse hat, muss sich auf dem Gebrauchtmarkt umsehen. Nicht zuletzt gilt daher auch meine Empfehlung, erst mal dieses fantastische Humble Bundle abzugreifen. Mehr erstklassige Comics bekommt man für das Geld nicht.

Filmanzeige für Kampf der Titanen

Diese zweiseitige Filmanzeige für Kampf der Titanen (Clash of the Titans) begegnete dem deutschen Leser 1981 in einigen Comicheften. Der britische Zeichner Patrick „Pat“ Wright ist für diese klaren Linien zuständig gewesen. Wright kennt man von Modesty Blaise und anderen britischen Kultcomics wie 2000 AD, Eagle, Commando und Tornado.

Diese Art der Filmwerbung fand man damals relativ selten vor; heute, glaube ich, wird sowas leider gar nicht mehr gemacht. Jedenfalls ist mir kein Beispiel aus jüngerer Zeit bekannt. Allerdings würde das in dieser Form wohl auch nicht gut ankommen, denn die Anzeige spoilert mal eben zwei Drittel des Films.

Ursprünglich gab es im englischsprachigen Raum einen sechsteiligen Comicstrip als Filmwerbung, den man im Blog Bear Alley findet. Ebenfalls dort zu sehen, ist die englische Version der Doppelseite, die ein anderes Panel am Ende verwendet. Der naheliegende Grund: man musste in der deutschen Version noch den Filmhinweis unterbringen, wofür sich das schmalere Panel aus dem Strip anbot.

Auch nett, dass noch darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen „Superfilm von MGM“ handelt. Ist aber auch ein Superfilm. Zumindest für Freunde von Ray Harryhausens Stop-Motion-Animationen.

Cosmics

Cosmics war ein schönes und leider ziemlich kurzlebiges Comic-Magazin für Erwachsene, das sowohl deutsche als auch internationale Künstler vereinte, darunter Matthias Schultheiss, Ron Embleton, Guy Colwell, Ben Jansen, René Lehner, Milo Manara, und Michael Kaluta, um einige bekanntere Namen zu nennen.

Zwischen 1984 und 1985 wurden fünf Ausgaben im Abi-Melzer-Verlag veröffentlicht. Im Vorwort der letzten Ausgabe wird bereits vom finanziellen Engpass berichtet, aber dennoch um Abos gebeten. Gereicht hat es offensichtlich nicht. Mit Ausgabe 5 war Schluss.

Vielleicht hat das Ende auch damit zu tun, dass Konzept und Aufmachung von Cosmics frappierend an Schwermetall erinnert, die deutsche Ausgabe des französischen Métal Hurlant (in den USA Heavy Metal), die bereits seit 1980 in Deutschland regelmäßig erschien, und der deutsche Comicmarkt eventuell zu klein für zwei ähnliche Magazine war.

Vier zukünftige Comic-Fernsehserienadaptionen

Den folgenden Fernsehserien schaue ich gespannt entgegen, denn die zugrunde liegenden Comics lese ich mit Begeisterung. Anzumerken ist, dass sich die Serien noch in der Entwicklung befinden. Sprich: Besetzung oder gar ein Veröffentlichungsdatum stehen noch in den Sternen.

Five Ghosts

fiveghosts Seit der Begegnung mit einem mysteriösen Artefakt, kann sich der Abenteurer Fabian Gray der Fähigkeiten von fünf legendären Geistern bemächtigen: Robin Hood, Sherlock Holmes, Merlin, Dracula und Miyamoto Musashi (berühmter Samurai). Er ist damit so etwas wie „The League of Extraordinary Gentlemen“ in einer Person. Five Ghosts ist eine wunderbar altmodische Pulp-Geschichte mit klassischen Abenteuer- und Horrormotiven sowie überbordender Phantastik. Das Ganze ist extrem visuell erzählt, alles ist in Bewegung, mäandernde Farbtöne setzen die Stimmung, verschwindende Hintergründe lassen die Figuren aus dem Panel treten, hohes Tempo durch die Bank weg; manche Actionszene spannt sich völlig stumm über sechs oder sieben Seiten. Und jedes einzelne Panel ist eine kreischende Aussage.

Eigentlich ideal für eine Verfilmung. Allerdings handelt es sich hierbei um eine zukünftige Serie von SyFy. Das heißt, ich erwarte mittelmäßige CGI und viel Green-Screen-Action. Diese ganzen unheimlichen Monster und die prächtigen Locations aus dem Comic – von Östereich bis Japan, von England bis Afrika – auf den Bildschirm zu bringen, ist eine Herausforderung. So ist Five Ghosts auch der Comic, bei dem ich meine größten Zweifel habe, dass eine ordentliche Fernsehserie daraus entsteht. Aber ich lasse mich sehr gerne eines Besseren belehren.

Lazarus

lazarusNachdem eine große Finanzkrise die Welt erschütterte sind Landesgrenzen und Regierungen passé. Stattdessen wird diese postapokalyptische Welt von superreichen Familien-Clans beherrscht, die eine strikte Klassenkultur etabliert haben. Jede der Familien besitzt einen so genannten Lazarus, einen genetisch veränderten Menschen, ausgestattet mit besonderer Stärke, Intelligenz und Loyalität gegenüber seiner Familie. Die Lazarusse haben die Befehlsgewalt über Sicherheitsdienste und fungieren sowohl als Vermittler in politischen Verhandlungen als auch als Geheimwaffe in millitärischen Missionen. Ein zentraler Charakter des Comics ist Forever Carlyle, die als Lazarus der Carlyle-Familie im Laufe der Geschichte ihren Platz innerhalb der Famile und der Welt in Frage stellt.

Lazarus bietet viel Action, aber auch politische Verstrickungen und familiäre Verschwörungen. Es dreht sich immer wieder um Ethik und Moral, Sozialkritik, Verrat, Liebe und Selbstfindung. Großes Drama. Ich bin gespannt, wie das alles im Fernsehen umgesetzt wird. Kritisch dürfte sein, die postapokalyptische Zukunftswelt visuell in Szene zu setzen und eine geeigente Schauspielerin für die Hauptrolle zu finden. Produziert wird die Fernsehserie von Legendary Pictures. Bei welchem Sender das mal laufen wird, ist noch unklar.

Southern Bastards

southernbastardsDer alte Earl Tubb kehrt zurück in seinen ehemaligen Heimatort Craw County, Alabama, um den Nachlass seines verstorbenen Vaters abzuwickeln. Ungern, denn zu viele schlechte Erinnerungen stecken hier. Kaum angekommen, legt er sich versehentlich mit Euless Boss an, der Mann, den hier nur alle Coach Boss nennen, weil er nicht nur alle legalen und illegalen Geschäfte im Ort managt, sondern weil ihm auch das örtliche Football-Team gehört. Anders als von Earl Tubb geplant, muss der sich sowohl seiner Vergangenheit als auch dem Coach Boss stellen.

Dreckiges Südstaaten-Drama mit viel Blut, Schweiß, Football und fettigem Essen. Brutal und roh, aber auch lyrisch dicht erzählt Southern Bastards eine uramerikanische Geschichte, die auch schwierige Themen wie Rassismus nicht außen vorlässt. Dies ist zwar kein hochpolitischer Comic, er wird aber zusätzlich von realen Ereignissen angefacht. Im Angesicht der großen Diskussion in den USA über die Akzeptanz der Konföderierten-Flagge, sah sich selbst Zeichner Jason Latour verpflichtet ein Statement abzugeben. Neben der guten Story, kann Southern Bastards mit zwei verdammt starken Hauptfiguren glänzen. Nach dem Ende der Fernsehserie Justified, passt es ausgezeichnet, dass die Serienrechte vom Sender FX gekauft wurden. Die Zeichen stehen gut. Das hier könnte auch im Fernsehen ein Kracher werden.

Sheltered

shelteredWährend es sich beim oben vorgestellten Lazarus um eine Postapokalypse handelt, erzählt Sheltered eine präapokalyptische Geschichte von einer kleinen Gemeinschaft so genannter Preppers, die sich abseits der Zivilisation eingebunkert haben und auf das Ende der Welt warten. Als einer der Preppers in einem wahnhaften Zustand davon ausgeht, dass aufgrund einer Vulkanexplosion unter dem Yellowstone Park ganz Nordamerika sich für Jahre verfinstern wird, eskaliert die Situation, denn die Bunker bieten nicht genug Platz für alle.

Sheltered ist für mich ein kleiner Überraschungshit, denn die 15-teilige Comicserie wäre fast an mir vorbei gegangen. Sheltered ist spannend und ziemlich düster, und geht darüber hinaus schonungslos mit seinen Protagonisten um. Man könnte Sorge tragen, dass die vornehmlich mit Teenagern besetzte Geschichte im Fernsehen nur verwässert wiedergegeben und daraus ein zweites The 100 wird. Aber Entwarnung bringt die Tatsache, dass Sheltered von AMC in Fernsehform gebracht wird. Tolle Serien aus deren Programm wie Breaking Bad und The Walking Dead lassen hier auf eine gute Umsetzung hoffen.

Aus dem Comic Lazarus wird eine TV-Serie

Lazarus #4 Panel

Gute Neuigkeiten: Aus der Comic-Serie Lazarus, von Greg Rucka und Michael Lark, wird eine Fernsehserie. Seit knapp zwei Jahren begeistert mich der Comic, mittlerweile bei Ausgabe 16 angekommen. Lazarus spielt einige Jahrzehnte in der Zukunft, nachdem eine große Finanzkrise die Welt erschütterte und alle Staatsformen hat zusammenbrechen lassen. Landesgrenzen und Regierungen gelten nichts mehr. Stattdessen wird diese postapokalyptische Welt von superreichen Familien-Clans beherrscht, die eine strikte Klassenkultur etabliert haben.

Jede der Familien besitzt einen so genannten Lazarus, einen genetisch veränderten Menschen, ausgestattet mit besonderer Stärke, Intelligenz und Loyalität gegenüber seiner Familie. Die Lazarusse haben die Befehlsgewalt über Sicherheitsdienste und Militär, und fungieren sowohl als Vermittler in politischen Verhandlungen als  auch als Geheimwaffe in millitärischen Missionen. Die Hauptfigur ist Forever Carlyle, die als Lazarus der Carlyle-Familie im Laufe des Comics ihren Platz innerhalb der Famile und der Welt in Frage stellt.

Die Geschichte bietet viel Action, aber auch politische Verstrickungen und familiäre Verschwörungen. Inhaltlich wird eine ganze Reihe von Themen präsentiert: Ethik und Moral, Sozialkritik, Verrat, Liebe, Selbstfindung. Großes Drama.

Ich bin gespannt, wie das alles im Fernsehen umgesetzt wird. Und vor allem: wer wird Forever Carlyle spielen? Eine der Comicvorlage entsprechende Schauspielerin, groß und muskulös, in skinny Hollwood zu finden, dürfte nicht ganz einfach sein.

Comicserie: Manifest Destiny

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Seit einer ganzen Weile schon begeistert mich die Comicserie Manifest Destiny von Chris Dingess, der auch als Autor und Produzent im Fernsehserienbereich aktiv ist. Manifest Destiny folgt der berühmten Lewis-und-Clark-Expedition, die als erste Überlandexpedition zur amerikanischen Pazifikküste in die Geschichte einging. Dingess nimmt dieses Stück historische Entdeckertum als Hintergrund, setzt Wegpunkte, die sich an realen Ereignissen orientieren, und lässt dann seiner Fantasie freien Lauf. Manifest Destiny ist eine mit mit viel menschlichem Drama ausgestattete klassische Abenteuer-Geschichte, die ihr Augenmerk deutlich auf die Entdeckung der Flora und Fauna eines unerforschten Landes legt.

Ganz anders als im Falle der realen Entdecker Lewis und Clark, birgt die amerikanische Wildniss für die Protagonisten im Comic nämlich vorwiegend Kurioses und albtraumhaften Horror. Gigantische Pflanzenbögen, die in den Himmel wachsen, säumen die Landschaft, seltsames Moos lässt Menschen zu Zombies mutieren, Zentauerwesen bevölkern die Prärie und Monsterfrösche lauern in den Flüssen. Dieses unerforschte Amerika ist so betörend schön wie tödlich.

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Tagebucheinträge von Lewis geben der Geschichte die erzählerische Tiefe. Besonders unterhaltsam wird es, wenn Lewis verzweifelt versucht, seinen obskuren Entdeckungen eine wissenschaftliche Erklärung zu geben, der Leser dabei stets nah dran an Autopsien und Untersuchungen der Tier- und Pflanzenwelt und deren Auswirkung auf die Menschen.

Manifest Destiny ist vor allem so gut, weil der Comic eine gelungene Balance zwischen Abenteuer und Horror hält, und das Ganze mit einer fein dosierten Portion Ironie überzieht. Die liegt schon im Titel begründet: Manifest Destiny ist der Terminus, mit der im 19. Jahrhundert die Amerikaner ihre gottgegebene Bestimmung beschrieben, die Expansion nach Westen weiterzutreiben. Auf diese Hybris wird im Comic auf subtile Weise und mit gewandtem Wortwitz angespielt.

Zu allem Überfluss machen sich hier Lews und Clark auch noch mit einer Horde von Straftätern auf den Weg, die im Grunde nichts mehr zu verlieren haben und die in der Expedition ihre letzte Chance sehen, sich zu rehabilitieren. Deren Geschichte und die Hintergründe der Expedition werden in kurzen Rückblenden erzählt, die sich harmonisch in die Handlung einfügen.

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Ins Bild gesetzt wird die Geschichte von Zeichner Matthew Roberts und Kolorist Owen Gieni. Die Zeichnungen sind wunderbar detailert. Besondere Beachtung verdienen die faszinierenden Mimiken der Figuren. Roberts gelingt es mit Leichtigkeit eine große Bandbreite an menschlichen Gefühlsregungen den Figuren ins Gesicht zu zeichnen. Ebenso interessant ist der Bildaufbau mit vielen Nahaufnahmen, verschachtelten Panels und Panels, deren Inhalt von einem Panel ins nächste übergeht. Nicht selten kündigen aufeinander folgende kleine Panels ein großes Ereignis an, welches dann mit einer seitenfüllenden Zeichnung bombastisch aufgelöst wird. Die groteske Story des Comics findet in der bildlichen Darstellung zur Perfektion.

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Bisher sind 13 Ausgaben erschienen und laut des Autors soll die Serie noch eine ganze Weile weiterlaufen. Wie üblich bei Image-Comics, erscheinen regelmäßig Sammelbände, die jeweiles 6 Ausgaben zusammenfassen und günstig im Buchhandel zu kaufen sind. Meine Empfehlung!

Weil sie so schön sind, hier die Cover der ersten 12 Einzelausgaben.

Comic: Revenge

Die vierteilige Comicserie Revenge von Jonathan Ross und Ian Churchill wäre mir fast entgangen, da mich weder Titel noch Titelbilder angesprochen haben. Wie viele Comics, Geschichten, Filme, gibt es, die Revenge heißen oder das Wort im Titel führen? Solch ein Name ist einfach zu unspezifisch, um mich anzulocken. Die Titelbilder lassen zwar technische Klasse erkennen, und Ian Churchill ist ja nun auch kein unbekannter Künstler, aber das Sujet, blutige Fratzen mit großen Kanonen, überzeugt nicht gerade durch einen Überschwang an Originalität.

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Griffin Franks‘ Filmografie in der IMDb

Glücklicherweise habe ich doch einmal in Revenge reingelesen, und siehe da: Der Comic hat es in sich. Die Story: Der abgehalfterte Action-Star Griffin Franks landet auf seine alten Tage noch einmal einen veritablen Kinohit. Trotz des Erfolgs wollen die Produzenten für die Fortsetzung, Franks durch einen jüngeren Star ersetzen. Franks beschließt daraufhin, sich bei einem schäbigen Arzt in Mexiko ein neues Gesicht transplantieren zu lassen. Was er noch nicht weiß: seine Ehefrau, die ihm die ganze Sache eingeredet hat, führt Übles im Schilde. Die hat längst einen jüngeren Liebhaber und braucht nun Franks‘ Gesicht, um den Ehevertrag umschreiben zu lassen. Ihr Liebhaber soll sich dabei als Griffin Franks ausgeben. Als Franks die Wahrheit erkennt, hat er schon kein Gesicht mehr und liegt betäubt im Antisepsistank. Nachdem ihm die Flucht gelingt, übt er verkleidet als sein Film-Alter-Ego, The Revenger, gnadenlose Rache.

Klingt nach einer typischen Rache-Geschichte. Was den Comic zu einem Knaller werden lässt, ist die Umsetzung. Revenge ist eine fiese Satire auf den Jugendwahn und die Scheinheiligkeit in Hollywood. Grell, bunt und laut, voller Blut, Gewalt und Sex. Revenge macht keinen Hehl daraus, dass Plakativismus das Stilmittel der Wahl ist, wenn Franks mit seinem Flugzeug abstürzt und das symbolträchtige Hollywood-Schild dabei in Flammen aufgeht. Die schreiberische Qualität zeigt sich in den Sequenzen, wenn Franks in den Schmerz- und Drogenwahn abdriftet, sich Realität und Albtraum zu den absurdesten Erscheinungen vermischen.

Revenge #1 (2014) - Letterman, Oprah
Nur eine Halluzination: Griffin Franks als Witzfigur bei Letterman und auf Oprah’s Couch

Für das Finale des Comics, man könnte es auch wortwörtlich das große face-off nennen ;-), hat sich Autor Jonathan Ross, bei dem es sich übrigens um den berühmten englischen Moderator handelt, passenderweise die Golden-Globe-Verleihung ausgesucht, bei der diverse Stars, von Robert Downey Jr. bis Scarlett Johansson, auftauchen.

Zeichnerisch bewegt sich Revenge im schrillen realistischen Bereich, wobei sich manche Figuren durchaus am Rande zur Karikatur befinden. Typen haben dicke Muskeln, Frauen sehen aus wie silikontittige Pornostars. Das passt alles sehr gut zum Konzept. Ein „Fin?“ am Ende weckt die Hoffung auf eine Fortsetzung.

Ein Comic wie ein guter B-Film. Und einmal mehr zeigt sich: don’t judge a book by its cover.

Five Ghosts wird verfilmt

five_ghosts_ad_by_mooneyhamMittlerweile ist das keine Neuigkeit mehr, aber ich will trotzdem noch darauf hinweisen. Aus der wunderbaren Comicserie von Frank J. Barbiere und Chris Mooneyham, Five Ghosts, wird eine Fernsehserie. Allerdings hat sich ausgerechnet Syfy des Comics angenommen, nicht gerade mein amerikanischer Lieblingssender.

Die Ankündigung kann ich immerhin zum Anlass nehmen, auf den Comic aufmerksam zu machen. Dass sich überhaupt ein Fernsehsender für den Stoff interessiert, finde ich einigermaßen überraschend. Bei Five Ghosts handelt es sich nämlich um ein Pulp-Adventure im klassischen Sinn, und von diesen sieht man momentan eher wenig im Fernsehen. Die zurzeit sehr erfolgreich laufenden Superhelden-Serien wie Arrow, The Flash und Agents of S.H.I.E.L.D. dürften der Auslöser für das Interesse sein. Denn Syfy hat keinerlei ähnliche Serien im Programm und will womöglich auch ein Stück vom Superheldenkuchen.

Five Ghosts erzählt die Geschichten des Abenteurers und Schatzsuchers Fabian Gray, der seit einer Begegnung mit einem mysteriösen Artefakt namens „Dreamstone“, dazu in der Lage ist, sich die geistigen, körperlichen und übernatürlichen Fähigkeiten von fünf „legendären Geistern“ zu Nutze zu machen. Im Comic werden die Namen zwar nicht erwähnt, aber es ist klar für wen diese fünf Geister Pate stehen: Der Bogenschütze ist Robin Hood, der Detektiv ist Sherlock Holmes, der Zauberer ist Merlin, der Samurai ist Miyamoto Musashi und der Vampir ist Dracula.

Dieser Kunstgriff erlaubt es, auf einen großen Fundus unterschiedlichster Konstellationen von Szenarien und Ereignissen zurückzugreifen. WIe in jedem guten Pulp-Abenteuer lautet auch hier die Devise: alles geht, man muss es dem Leser nur gut verkaufen. Die unterschiedlichsten Charaktere zusammen zu führen, gab es seit League of Extraordinary Gentlemen immer wieder. Aber dass sich die Charaktere alle in einer Figur vereinen, gibt dem Ganzen eine spannende Wendung.

Five Ghosts ist pure Nostalgie. Ein Comic der alten Schule. Dazu passt der liebevoll altmodische Zeichenstil und die dezente teilweise ausgebleichte Farbgebung. Dialogtechnisch gibt es hingegen wenig Herausragendes. Es wird gesagt, was nötig ist. Actionsequenzen kommen oft gänzlich ohne Sprache aus. Es gibt ganze Sequenzen, die sich völlig „stumm“ über sechs Seiten erstrecken, die dann aber auch tatsächlich wirklich gut gelungen sind.

Syfy hin oder oder; gespannt, wie das alles im Bewegtbild umgesetzt wird, bin ich schon.

Dredd: The Musical

Es läuft schon längere Zeit eine offizielle Petition für ein Dredd-Sequel. Nun gibt es dazu auch ein passendes Musical-Video von Jon und Al Kaplan, die uns in der Vergangenheit bereits mit Schenkelklopfern wie 24: The Musical, Conan: The Musical, Liam Neeson: The Musical, The Hobbit: The Musical und anderen beglückt haben. Neben Karl Urban als Judge Dredd, kommt auch Sylvester Stallone zu Wort. In diesem Sinne: „Make Dredd II !“.