Musikvideo: Gunship – Tech Noir

Das neue Musikvideo von Stop-Motion-Meister Lee Hardcastle für den Song Tech Noir der Londoner Synthwave-Band Gunship ist nicht nur ein Fest für 80er Jahre Musik-Fans, sondern auch für die Fans von Filmen dieser Zeit. Allerlei Ikonen, von Alien bis Rocky, haben hier ihren Auftritt in Knetform. Und kein geringerer als der legendäre Horrorregisseur John Carpenter spricht das Intro. Das komplette Album von Gunship gibt es auf Bandcamp als Stream und Download.

Film: Il Profumo della Signora in nero (1974)

profumo

1974 drehte Regisseur Francesco Barilli den Film Il Profumo della Signora in nero (The Perfume of the Lady in black), der unverständlicherweise bis heute nicht mehr als ein Geheimtipp geblieben ist. Il Profumo verkauft sich zunächst als reinrassiger Giallo, entpuppt sich allerdings bald als Okkult-Horror, der mit psychologischem Schrecken sowie latenter unterschwelliger Bedrohung arbeitet, die im Gegensatz zum Giallo unfassbar, ja übernatürlich zu sein scheint. Roman Polanskis Repulsion und insbesondere auch Rosemary’s Baby dürften als Vorbild gedient haben.

Während Stil, Farbe, Beleuchtung, Ausstattung und Soundtrack auf einen Giallo hinweisen, vermisst man typische Elemente wie subjektive Kameraeinstellungen und vorallem: Morde. Il Profumo ist 70 bis 80 Minuten lang erstaunlich blutarm, um nicht zu sagen blutleer. Dies könnte ein Grund sein, warum der Film fast vergessen ist: Il Profumo sitzt ein wenig zwischen den Stühlen. Schließlich ist da noch die Story, die zwar giallotypische Elemente aufweist, aber immer wieder mit den Klischees und Traditionen bricht.

profumolocDer Film dokumentiert die Entwicklung der jungen Frau Silvia Hacherman (entrückt und distinguiert gespielt von Mimsy Farmer), die zunehmend den Verstand verliert. Visionen aus der Vergangenheit, die eine schreckliche Tat zeigen und eine verdrängte Erinnerung andeuten, suchen Silvia heim. Aber ist das tatsächlich die Vergangenheit oder nur ein böser Traum? Ähnlich verwirrt wie die Protagonistin, durchlebt auch der Zuschauer den Film. Wahn und Wirklichkeit verschwimmen zunehmend und lassen den Film zu einem düsterbunten Trip in die Seelenabgründe einer Verwirrten werden. Dabei nimmt die Kamera überwiegend eine unbeteiligte Beobachter-Position ein, schwelgt in langen Einstellungen, Totalen und langsamen Kamerafahrten, während doch immer wieder eine schon aufdringliche Nähe in Porträt- und Detailaufnahmen gesucht wird. Regisseur Barilli setzt Mimsy Farmer fast hitchcockartig in Szene.

Ein Übriges tut der famose Soundtrack von Nicola Piovani, der es versteht, die ohnehin schon bedrückende Atmosphäre noch zu verdichten. Die schneidenden Streichereinsätze in den Tracks „Silvia’s Nightmare“ und „Scaring Little Girl“ gehören zum Gruseligsten, was je zu hören war.

Aufgelöst wird die Geschichte mit einem schockierendem wie brutalem Ende, das durch die abgeklärte Darstellung selbst Hartgesottene nicht kalt lassen dürfte. Barilli, der sich die Geschichte auch ausgedacht und das Drehbuch verfasst hat, lässt den Film auf eine Weise enden, die dem vorhergehenden Ablauf entgegen steht. Der psychische Horror weicht dem physischen. Plötzlich wird wieder alles greifbar, ganz wie im traditionellen Giallo. Das ist ein gehässiger wie genialer Schachzug, denn den Zuschauer trifft es unvorbereitet.

Il Profumo della Signora in nero, ist ein mehr wie ungewöhnlicher Genre-Film, den man als Fan des italienischen Horrorkinos nicht verpassen sollte. Erhältlich ist der Film bisher nur als italienische und amerikanische DVD, die sowohl die englische als auch die italienische Tonspur mit Untertiteln enthalten.

Dies ist ein Re-Post aus meinem alten Blog von 2009.

Film: La doppia ora (2009)

La doppia ora (2009)

Sonia und Guido lernen sich beim Speed-Dating kennen. Kaum haben die beiden zarte Bande geknüpft, wird die noch nicht erblühte Liebe jäh zerstört. Während Guido, der als Wachmann für die Sicherheit einer noblen Villa zuständig ist, Sonia das dortige Anwesen zeigen will, dringen bewaffnete Räuber ein. Um Sonia zu schützen, wirft Guido sich auf einen Angreifer, aus dessen Pistole sich daraufhin ein Schuss löst: Guido stirbt, Sonia wird verletzt.

Nachdem Sonia aus dem Krankenhaus entlassen wird, beginnen die Merkwürdigkeiten. Sonia sieht Dinge, die nicht da sind. Um sie herum scheinen die Menschen zu sterben. Und schließlich taucht der tote Guido vor ihr auf. Als wäre das nicht genug, wird sie auch noch von Commissario Dante verfolgt, einem altem Freund von Guido, der Sonia verdächtigt, mit den Räubern unter eine Decke zu stecken. Sonia scheint immer mehr den Verstand zu verlieren, weiß bald nicht mehr, was Traum und was Wirklichkeit ist.

La doppia ora, deutscher Titel: Die Stunde des Verbrechens, ist ein italienischer Mystery-Thriller, der mich stellenweise an den großartigen Il Profumo della Signora in nero erinnert. Ksenia Rappoport, die Sonia in La doppia ora, stellt ihre Figur ähnlich von der Welt entrückt dar, wie einst Mimsy Farmer es in dem 70er-Jahre-Klassiker tat. Während dieser stark im Giallo-Genre verwurzelt ist, verzichtet La doppia ora auf diese Elemente und konzentriert sich auf das Surreale und die Psychologie der Angst.

Dabei beginnt der Film als romantisches Melodram, in dem die Beziehungsentwicklung von Sonia und Guido im Mittelpunkt steht. Drehbuch, Regie und der hervorragenden Besetzung sei dank, wirkt der Film in diesen Momenten als ein kitschfreies und feinfühliges Dokument der Annäherung von zwei suchenden Menschen, die nur zögerlich Nähe zulassen können.

Spannend und gruselig wird es in der zweiten Hälfte des Films, wenn Wahnvorstellungen mit der Wirklichkeit verschwimmen. Elegant und langsam erzählt, verdichtet sich der Film vor dem Stadtbild der Turiner Herbst-Tristesse zu einem sehenswerten psychologischen Arthouse-Thriller. Allerdings wird manch Zuschauer womöglich aufgrund des konventionellen Endes ein wenig enttäuscht sein.

Dies ist ein Re-Post aus meinem alten Blog von 2010.