Film: La doppia ora (2009)

La doppia ora (2009)

Sonia und Guido lernen sich beim Speed-Dating kennen. Kaum haben die beiden zarte Bande geknüpft, wird die noch nicht erblühte Liebe jäh zerstört. Während Guido, der als Wachmann für die Sicherheit einer noblen Villa zuständig ist, Sonia das dortige Anwesen zeigen will, dringen bewaffnete Räuber ein. Um Sonia zu schützen, wirft Guido sich auf einen Angreifer, aus dessen Pistole sich daraufhin ein Schuss löst: Guido stirbt, Sonia wird verletzt.

Nachdem Sonia aus dem Krankenhaus entlassen wird, beginnen die Merkwürdigkeiten. Sonia sieht Dinge, die nicht da sind. Um sie herum scheinen die Menschen zu sterben. Und schließlich taucht der tote Guido vor ihr auf. Als wäre das nicht genug, wird sie auch noch von Commissario Dante verfolgt, einem altem Freund von Guido, der Sonia verdächtigt, mit den Räubern unter eine Decke zu stecken. Sonia scheint immer mehr den Verstand zu verlieren, weiß bald nicht mehr, was Traum und was Wirklichkeit ist.

La doppia ora, deutscher Titel: Die Stunde des Verbrechens, ist ein italienischer Mystery-Thriller, der mich stellenweise an den großartigen Il Profumo della Signora in nero erinnert. Ksenia Rappoport, die Sonia in La doppia ora, stellt ihre Figur ähnlich von der Welt entrückt dar, wie einst Mimsy Farmer es in dem 70er-Jahre-Klassiker tat. Während dieser stark im Giallo-Genre verwurzelt ist, verzichtet La doppia ora auf diese Elemente und konzentriert sich auf das Surreale und die Psychologie der Angst.

Dabei beginnt der Film als romantisches Melodram, in dem die Beziehungsentwicklung von Sonia und Guido im Mittelpunkt steht. Drehbuch, Regie und der hervorragenden Besetzung sei dank, wirkt der Film in diesen Momenten als ein kitschfreies und feinfühliges Dokument der Annäherung von zwei suchenden Menschen, die nur zögerlich Nähe zulassen können.

Spannend und gruselig wird es in der zweiten Hälfte des Films, wenn Wahnvorstellungen mit der Wirklichkeit verschwimmen. Elegant und langsam erzählt, verdichtet sich der Film vor dem Stadtbild der Turiner Herbst-Tristesse zu einem sehenswerten psychologischen Arthouse-Thriller. Allerdings wird manch Zuschauer womöglich aufgrund des konventionellen Endes ein wenig enttäuscht sein.

Dies ist ein Re-Post aus meinem alten Blog von 2010.

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