Vier zukünftige Comic-Fernsehserienadaptionen

Den folgenden Fernsehserien schaue ich gespannt entgegen, denn die zugrunde liegenden Comics lese ich mit Begeisterung. Anzumerken ist, dass sich die Serien noch in der Entwicklung befinden. Sprich: Besetzung oder gar ein Veröffentlichungsdatum stehen noch in den Sternen.

Five Ghosts

fiveghosts Seit der Begegnung mit einem mysteriösen Artefakt, kann sich der Abenteurer Fabian Gray der Fähigkeiten von fünf legendären Geistern bemächtigen: Robin Hood, Sherlock Holmes, Merlin, Dracula und Miyamoto Musashi (berühmter Samurai). Er ist damit so etwas wie „The League of Extraordinary Gentlemen“ in einer Person. Five Ghosts ist eine wunderbar altmodische Pulp-Geschichte mit klassischen Abenteuer- und Horrormotiven sowie überbordender Phantastik. Das Ganze ist extrem visuell erzählt, alles ist in Bewegung, mäandernde Farbtöne setzen die Stimmung, verschwindende Hintergründe lassen die Figuren aus dem Panel treten, hohes Tempo durch die Bank weg; manche Actionszene spannt sich völlig stumm über sechs oder sieben Seiten. Und jedes einzelne Panel ist eine kreischende Aussage.

Eigentlich ideal für eine Verfilmung. Allerdings handelt es sich hierbei um eine zukünftige Serie von SyFy. Das heißt, ich erwarte mittelmäßige CGI und viel Green-Screen-Action. Diese ganzen unheimlichen Monster und die prächtigen Locations aus dem Comic – von Östereich bis Japan, von England bis Afrika – auf den Bildschirm zu bringen, ist eine Herausforderung. So ist Five Ghosts auch der Comic, bei dem ich meine größten Zweifel habe, dass eine ordentliche Fernsehserie daraus entsteht. Aber ich lasse mich sehr gerne eines Besseren belehren.

Lazarus

lazarusNachdem eine große Finanzkrise die Welt erschütterte sind Landesgrenzen und Regierungen passé. Stattdessen wird diese postapokalyptische Welt von superreichen Familien-Clans beherrscht, die eine strikte Klassenkultur etabliert haben. Jede der Familien besitzt einen so genannten Lazarus, einen genetisch veränderten Menschen, ausgestattet mit besonderer Stärke, Intelligenz und Loyalität gegenüber seiner Familie. Die Lazarusse haben die Befehlsgewalt über Sicherheitsdienste und fungieren sowohl als Vermittler in politischen Verhandlungen als auch als Geheimwaffe in millitärischen Missionen. Ein zentraler Charakter des Comics ist Forever Carlyle, die als Lazarus der Carlyle-Familie im Laufe der Geschichte ihren Platz innerhalb der Famile und der Welt in Frage stellt.

Lazarus bietet viel Action, aber auch politische Verstrickungen und familiäre Verschwörungen. Es dreht sich immer wieder um Ethik und Moral, Sozialkritik, Verrat, Liebe und Selbstfindung. Großes Drama. Ich bin gespannt, wie das alles im Fernsehen umgesetzt wird. Kritisch dürfte sein, die postapokalyptische Zukunftswelt visuell in Szene zu setzen und eine geeigente Schauspielerin für die Hauptrolle zu finden. Produziert wird die Fernsehserie von Legendary Pictures. Bei welchem Sender das mal laufen wird, ist noch unklar.

Southern Bastards

southernbastardsDer alte Earl Tubb kehrt zurück in seinen ehemaligen Heimatort Craw County, Alabama, um den Nachlass seines verstorbenen Vaters abzuwickeln. Ungern, denn zu viele schlechte Erinnerungen stecken hier. Kaum angekommen, legt er sich versehentlich mit Euless Boss an, der Mann, den hier nur alle Coach Boss nennen, weil er nicht nur alle legalen und illegalen Geschäfte im Ort managt, sondern weil ihm auch das örtliche Football-Team gehört. Anders als von Earl Tubb geplant, muss der sich sowohl seiner Vergangenheit als auch dem Coach Boss stellen.

Dreckiges Südstaaten-Drama mit viel Blut, Schweiß, Football und fettigem Essen. Brutal und roh, aber auch lyrisch dicht erzählt Southern Bastards eine uramerikanische Geschichte, die auch schwierige Themen wie Rassismus nicht außen vorlässt. Dies ist zwar kein hochpolitischer Comic, er wird aber zusätzlich von realen Ereignissen angefacht. Im Angesicht der großen Diskussion in den USA über die Akzeptanz der Konföderierten-Flagge, sah sich selbst Zeichner Jason Latour verpflichtet ein Statement abzugeben. Neben der guten Story, kann Southern Bastards mit zwei verdammt starken Hauptfiguren glänzen. Nach dem Ende der Fernsehserie Justified, passt es ausgezeichnet, dass die Serienrechte vom Sender FX gekauft wurden. Die Zeichen stehen gut. Das hier könnte auch im Fernsehen ein Kracher werden.

Sheltered

shelteredWährend es sich beim oben vorgestellten Lazarus um eine Postapokalypse handelt, erzählt Sheltered eine präapokalyptische Geschichte von einer kleinen Gemeinschaft so genannter Preppers, die sich abseits der Zivilisation eingebunkert haben und auf das Ende der Welt warten. Als einer der Preppers in einem wahnhaften Zustand davon ausgeht, dass aufgrund einer Vulkanexplosion unter dem Yellowstone Park ganz Nordamerika sich für Jahre verfinstern wird, eskaliert die Situation, denn die Bunker bieten nicht genug Platz für alle.

Sheltered ist für mich ein kleiner Überraschungshit, denn die 15-teilige Comicserie wäre fast an mir vorbei gegangen. Sheltered ist spannend und ziemlich düster, und geht darüber hinaus schonungslos mit seinen Protagonisten um. Man könnte Sorge tragen, dass die vornehmlich mit Teenagern besetzte Geschichte im Fernsehen nur verwässert wiedergegeben und daraus ein zweites The 100 wird. Aber Entwarnung bringt die Tatsache, dass Sheltered von AMC in Fernsehform gebracht wird. Tolle Serien aus deren Programm wie Breaking Bad und The Walking Dead lassen hier auf eine gute Umsetzung hoffen.

Five Ghosts wird verfilmt

five_ghosts_ad_by_mooneyhamMittlerweile ist das keine Neuigkeit mehr, aber ich will trotzdem noch darauf hinweisen. Aus der wunderbaren Comicserie von Frank J. Barbiere und Chris Mooneyham, Five Ghosts, wird eine Fernsehserie. Allerdings hat sich ausgerechnet Syfy des Comics angenommen, nicht gerade mein amerikanischer Lieblingssender.

Die Ankündigung kann ich immerhin zum Anlass nehmen, auf den Comic aufmerksam zu machen. Dass sich überhaupt ein Fernsehsender für den Stoff interessiert, finde ich einigermaßen überraschend. Bei Five Ghosts handelt es sich nämlich um ein Pulp-Adventure im klassischen Sinn, und von diesen sieht man momentan eher wenig im Fernsehen. Die zurzeit sehr erfolgreich laufenden Superhelden-Serien wie Arrow, The Flash und Agents of S.H.I.E.L.D. dürften der Auslöser für das Interesse sein. Denn Syfy hat keinerlei ähnliche Serien im Programm und will womöglich auch ein Stück vom Superheldenkuchen.

Five Ghosts erzählt die Geschichten des Abenteurers und Schatzsuchers Fabian Gray, der seit einer Begegnung mit einem mysteriösen Artefakt namens „Dreamstone“, dazu in der Lage ist, sich die geistigen, körperlichen und übernatürlichen Fähigkeiten von fünf „legendären Geistern“ zu Nutze zu machen. Im Comic werden die Namen zwar nicht erwähnt, aber es ist klar für wen diese fünf Geister Pate stehen: Der Bogenschütze ist Robin Hood, der Detektiv ist Sherlock Holmes, der Zauberer ist Merlin, der Samurai ist Miyamoto Musashi und der Vampir ist Dracula.

Dieser Kunstgriff erlaubt es, auf einen großen Fundus unterschiedlichster Konstellationen von Szenarien und Ereignissen zurückzugreifen. WIe in jedem guten Pulp-Abenteuer lautet auch hier die Devise: alles geht, man muss es dem Leser nur gut verkaufen. Die unterschiedlichsten Charaktere zusammen zu führen, gab es seit League of Extraordinary Gentlemen immer wieder. Aber dass sich die Charaktere alle in einer Figur vereinen, gibt dem Ganzen eine spannende Wendung.

Five Ghosts ist pure Nostalgie. Ein Comic der alten Schule. Dazu passt der liebevoll altmodische Zeichenstil und die dezente teilweise ausgebleichte Farbgebung. Dialogtechnisch gibt es hingegen wenig Herausragendes. Es wird gesagt, was nötig ist. Actionsequenzen kommen oft gänzlich ohne Sprache aus. Es gibt ganze Sequenzen, die sich völlig „stumm“ über sechs Seiten erstrecken, die dann aber auch tatsächlich wirklich gut gelungen sind.

Syfy hin oder oder; gespannt, wie das alles im Bewegtbild umgesetzt wird, bin ich schon.