Die originalgetreuste Dracula-Verfilmung

James Rolfe alias The Angry Video Game Nerd beschäftigt sich in einem aktuellen Video mit einem meiner Lieblingsbücher; oder besser gesagt dessen Verfilmungen. Er beantwortet die Frage, welcher Film wohl die originalgetreuste Umsetzung von Bram Stokers Dracula ist. Das Ganze kommt aus naheliegenden Gründen nicht ohne subjektive Vorauswahl aus. Aus der Vielzahl der Dracula-Filme hat sich James zwölf der aussichtsreichsten Kandidaten ausgesucht – und ich würde behaupten, die Auswahl ist gelungen – und prüft diese Filme anhand einer Checkliste auf die wichtigsten Figuren, Elemente und Handlungsdetails des Buches.

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Rein instinktiv hätte ich vermutet, dass Francis Ford Coppolas Verfilmung von 1992 ziemlich weit vorne rangieren müsste. Und in der Tat ist es auch so. Coppolas Version liefert sich bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der BBC-Verfilmung von 1977, die letztlich knapp gewinnt. Nicht nur, weil die BBC-Version die meisten Übereinstimmungen mit dem Buch hat, sondern auch weil Coppolas Version deutlich mehr Elemente hinzudichtet, die im Buch gar nicht vorkommen. Immerhin ist der Coppola-Film der einzige von den zwölf Filmen, der die Briefkorrespondenz mit in die Handlung integriert. Stokers Roman besteht bekanntlich ausschließlich aus Briefen, Tagebucheinträgen und Zeitungsausschnitten. Auf Platz 3 landet ein Film, den ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: Jess Francos Nachts, wenn Dracula erwacht von 1970.

Five Ghosts wird verfilmt

five_ghosts_ad_by_mooneyhamMittlerweile ist das keine Neuigkeit mehr, aber ich will trotzdem noch darauf hinweisen. Aus der wunderbaren Comicserie von Frank J. Barbiere und Chris Mooneyham, Five Ghosts, wird eine Fernsehserie. Allerdings hat sich ausgerechnet Syfy des Comics angenommen, nicht gerade mein amerikanischer Lieblingssender.

Die Ankündigung kann ich immerhin zum Anlass nehmen, auf den Comic aufmerksam zu machen. Dass sich überhaupt ein Fernsehsender für den Stoff interessiert, finde ich einigermaßen überraschend. Bei Five Ghosts handelt es sich nämlich um ein Pulp-Adventure im klassischen Sinn, und von diesen sieht man momentan eher wenig im Fernsehen. Die zurzeit sehr erfolgreich laufenden Superhelden-Serien wie Arrow, The Flash und Agents of S.H.I.E.L.D. dürften der Auslöser für das Interesse sein. Denn Syfy hat keinerlei ähnliche Serien im Programm und will womöglich auch ein Stück vom Superheldenkuchen.

Five Ghosts erzählt die Geschichten des Abenteurers und Schatzsuchers Fabian Gray, der seit einer Begegnung mit einem mysteriösen Artefakt namens „Dreamstone“, dazu in der Lage ist, sich die geistigen, körperlichen und übernatürlichen Fähigkeiten von fünf „legendären Geistern“ zu Nutze zu machen. Im Comic werden die Namen zwar nicht erwähnt, aber es ist klar für wen diese fünf Geister Pate stehen: Der Bogenschütze ist Robin Hood, der Detektiv ist Sherlock Holmes, der Zauberer ist Merlin, der Samurai ist Miyamoto Musashi und der Vampir ist Dracula.

Dieser Kunstgriff erlaubt es, auf einen großen Fundus unterschiedlichster Konstellationen von Szenarien und Ereignissen zurückzugreifen. WIe in jedem guten Pulp-Abenteuer lautet auch hier die Devise: alles geht, man muss es dem Leser nur gut verkaufen. Die unterschiedlichsten Charaktere zusammen zu führen, gab es seit League of Extraordinary Gentlemen immer wieder. Aber dass sich die Charaktere alle in einer Figur vereinen, gibt dem Ganzen eine spannende Wendung.

Five Ghosts ist pure Nostalgie. Ein Comic der alten Schule. Dazu passt der liebevoll altmodische Zeichenstil und die dezente teilweise ausgebleichte Farbgebung. Dialogtechnisch gibt es hingegen wenig Herausragendes. Es wird gesagt, was nötig ist. Actionsequenzen kommen oft gänzlich ohne Sprache aus. Es gibt ganze Sequenzen, die sich völlig „stumm“ über sechs Seiten erstrecken, die dann aber auch tatsächlich wirklich gut gelungen sind.

Syfy hin oder oder; gespannt, wie das alles im Bewegtbild umgesetzt wird, bin ich schon.