Meine Kissen aus der Serie Sherlock

Vor  einiger Zeit habe ich mein erstes und bisher einziges Film-Prop bzw. Serien-Prop erworben.

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Es handelt sich um nichts Geringeres als die Original-Kissen, auf denen sich die nackte Irene Adler (Lara Pulver) bettete und versuchte, Sherlock (Benedict Cumberbatch ) um den Finger zu wickeln. Das war in der ersten Folge der zweiten Staffel, Ein Skandal in Belgravia.

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In einer darauffolgenden Szene öffnet Sherlock einen Tresor, der mit einer selbstauslösenden Pistole gesichert ist. Einer der Schergen wird getroffen, wobei das Blut heftig spritzt.

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Und siehe da, die Blutspritzer sind auf dem Kissen verewigt. Auch wenn die Kissen selbst schon etwas Besonderes darstellen, so gibt dieses Detail dem Ganzen doch einen besonderen Charakter. Und das Blut sagt: ja, ich war am Set.

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Mit der Serie hatte ich zwar ein paar Probleme. Ich fand sie nicht durchgänging gut und teilweise auch etwas zu euphorisch abgefeiert von Presse und Publikum. Diese Folge allerdings war für mich eine der besten – und das nicht nur wegen Lara Pulver. Als ich zufällig mitbekam, dass ein Set-Designer der BBC die Kissen loswerden wollte, konnte ich nicht widerstehen, zumal sein Angebot preislich vernünftig war.

Das mit dem Sammeln von Film-Props ist nämlich so eine Sache. Eigentlich würde ich mir gerne ein paar weitere Orignalstücke in die Bude stellen, aber der Markt leidet unter dem gleichen Problem wie der Kunstmarkt. Es tummeln sich dort Leute mit dicken Brieftaschen, die ohne Sinn und Verstand das Geld raushauen. Nun ist es zwar so, dass prinzipiell etwas immer so viel wert ist, wie jemand dafür bereit ist, zu zahlen. Aber das bedeutet ja nicht, dass man jegliche Vernunft über Bord werfen sollte. Ich werde zwar weiterhin die Augen nach netten Stücken offenhalten, aber ein großer Sammler werde ich vermutlich nicht werden. Ich freue mich allerdings, mit diesen Kissen schon mal ein interessantes Objekt aus einer populären Serie zu besitzen.

Hörspiel-Tipps

Es ist mal wieder Zeit für einen Hinweis auf einige Hörspiele, die aktuell kostenlos zum Download zur Verfügung stehen.

 

Caiman Club – Staffel 1 und 2 (WDR, 2018 – 2019)
Erfrischende und äußerst unterhaltsame Hörspielserie über einen manipulativen Lobbyisten, der in Berlin die Fäden zieht. Das hat ein bischen was von House of Cards. Die große Besetzungsliste enthält etliche bekannte Namen aus Film und Fernsehen.

Das Bildnis des Dorian Gray (HR, 1955)
Oscar Wildes Roman kann man hier in einer Adaption aus der Anfangszeit des Hessischen Rundfunks hören. Regie führte Theodor Steiner, der in den 40ern, 50ern und 60ern viele Hörspiele für den HR inszenierte.

Der Abgrund (Hörverlag, 2019)
Recht spannender „Fiction Podcast“ mit sehr guten Dialogen und Sprechern. Die Auflösung hat mich allerdings nicht ganz so überzeugt. Als Stream auf verschiedenen Plattformen verfügbar.

Der weiße Rabe (WDR, 2012)
Hier geht es um den Gestapo-Ermittler Paul Opitz, genannt Der Weiße Rabe, und Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg, die Schwägerin des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die aufgrund ihrer Verwandschaft nach dem gescheiterten Attentat zunächst verhaftet, später aber wegen ihrer wichtigen Tätigkeit als Ingenieurin und Testpilotin wieder freigelassen wird. Interessante Geschichte, die mir bisher nicht bekannt war.

Märchen und Verbrechen – Staffel 1 und 2 (HR, 2018-2019)
Die Kriminalakten der Brüder Grimm gehen in die zweite Runde. Eine weitere Staffel mit fünf neuen Hörspielen wurde veröffentlicht. In dieser werden die Märchen Brüderchen und Schwesterchen, Die Bremer Stadtmusikanten, Dornröschen, Rapunzel und Der goldene Schlüssel zerlegt und zu Kriminalgeschichten umgebaut und mit historisch-politischen Begebenheiten ausgeschmückt. Das ist tatsächlich ziemlich originell. Mit den Originalmärchen haben die Fälle nur noch eine abstrakte Verbindung.

Moby Dick (BR, 2002)
Kein kleiner Brocken. Das literarische Meisterwerk von Melville in einer 10-stündigen Hörspielversion des BR mit einer ganz feinen Besetzungsriege (u.a. Rufus Beck, Felix von Manteuffel, Ulrich Matthes und Charly Hübner).

True Crime Hörspielreihe (BR, 2007 – 2018)
Der BR sendet zurzeit eine True-Crime-Reihe mit verschiedenen Hörspielen, die sich mit wahren Verbrechen auseinandersetzen. Darunter sind Jörg Buttgereits Summer of Hate über Charles Manson, der Fall Vera Brühne, der aus drei Teilen besteht und zu dem zusätzlich noch 9 Stunden Tonbandprotokolle angeboten werden, und Die Gottesanbeterin, das einen „mörderischen Sex-Skandal im scheinheiligen Konvent der Nonnen von Sant’ Ambrogio della Massima im Jahr 1859“ behandelt.

Zutiefst da drüben – Teil 1Teil 2 (BR, 2018)
Adaption des Romans Là-Bas von Joris-Karl Huysmans, der in Deutschland unter dem Titel „Tief unten“ veröffentlicht wurde. Von diesem dunklen Buch der Dekadenz bin ich ziemlich fasziniert. Die Hörspielversion ist absolut hörenswert, eine starke Umsetzung, die aber atmosphärisch nicht ganz an die Buchlektüre heranreicht. Das Hörspiel ist deutlich komprimierter. Dennoch, dass Huysmans Roman als Hörspiel inszeniert wurde, freut mich ungemein. Wer Interesse an Kunst und Literatur des Fin de Siècle hat, wer Interesse an Dekadenz und Satanismus hat, der sollte sich das hier nicht entgehen lassen.

Englische Hörspiele

Forest 404 (BBC, 2019)
Ein Blick lohnt sich auch immer mal nach England zur BBC. In dieser Hörspielserie geht es um eine Datenanalystin im 24. Jahrhundert, die alte Sounddateien aus dem 21. Jahrhundert entdeckt, die für sie unbekannte Geräusche enthalten. Es sind Klänge aus den Regenwäldern, die nicht mehr existieren. Neben der Öko-Message legt diese Serie den Fokus auf Klänge und Musik. Zu jeder Episode gibt es ein separates Soundscape und einen begleitenten Vortrag. Die Titelmusik stammt von Bonobo.

The Case of Charles Dexter Ward (BBC, 2018)
Dieses Hörspiel versetzt die alte Horrorgeschichte von H.P. Lovecraft auf eine neue Meta-Ebene ins 21. Jahrhundert. Eine Gruppe von Journalisten recherchiert hier das Verschwinden von Charles Dexter Ward aus seiner Zelle in der psychatrischen Anstalt für einen True-Crime-Podcast.

Tales from the Crypt (Seeing Ear Theater, 2000)
Erfreut habe ich festgestellt, dass alle sieben Staffeln der alten Fernsehserie „Tales from the Crypt“ mittlerweile bei Amazon Prime enthalten sind. Leider nur in der deutschen Synchronisation, was für mich als O-Ton-Snob suboptimal ist. Zum Mal-wieder-Reinschauen reicht es aber. Ich habe einige Folgen mit den Schnittberichten verglichen und es handelt sich trotz der FSK16-Freigaben tatsächlich um die ungekürzten Episoden.

In diesem Zusammenhang ist mir eingefallen, dass es vor ewig langer Zeit auch mal eine kurzlebige Hörspielserie gab, die damals auf der Webseite des Fernsehsenders Sci-Fi Channel zu finden war. Genau wie die Episoden der Fernsehserie, basieren auch die Hörspiele direkt auf den Geschichten aus den EC-Comics, in diesem Fall aus „Tales from the Crypt“ und „Vault of Horror“. Hier eine Youtube-Playlist mit allen 8 Folgen.

 

Seeing Ear Theater
Unter dem Bezeichnung Seeing Ear Theater wurde auf der Webseite des Sci-Fi Channel eine ganze Reihe von verschiedenen Horror- und Science-Fiction-Hörspielen veröffentlicht, darunter Geschichten von namhaften Autoren.

Auf archive.org steht eine Sammlung dieser Hörspiele zur Verfügung. Leider nicht ganz komplett. Ich erinnere mich nämlich noch an Hörspiele, die hier fehlen. Zum Beispiel Dracula und Donovan’s Brain von Curt Siodmak.

 

Die originalgetreuste Dracula-Verfilmung

James Rolfe alias The Angry Video Game Nerd beschäftigt sich in einem aktuellen Video mit einem meiner Lieblingsbücher; oder besser gesagt dessen Verfilmungen. Er beantwortet die Frage, welcher Film wohl die originalgetreuste Umsetzung von Bram Stokers Dracula ist. Das Ganze kommt aus naheliegenden Gründen nicht ohne subjektive Vorauswahl aus. Aus der Vielzahl der Dracula-Filme hat sich James zwölf der aussichtsreichsten Kandidaten ausgesucht – und ich würde behaupten, die Auswahl ist gelungen – und prüft diese Filme anhand einer Checkliste auf die wichtigsten Figuren, Elemente und Handlungsdetails des Buches.

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Rein instinktiv hätte ich vermutet, dass Francis Ford Coppolas Verfilmung von 1992 ziemlich weit vorne rangieren müsste. Und in der Tat ist es auch so. Coppolas Version liefert sich bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der BBC-Verfilmung von 1977, die letztlich knapp gewinnt. Nicht nur, weil die BBC-Version die meisten Übereinstimmungen mit dem Buch hat, sondern auch weil Coppolas Version deutlich mehr Elemente hinzudichtet, die im Buch gar nicht vorkommen. Immerhin ist der Coppola-Film der einzige von den zwölf Filmen, der die Briefkorrespondenz mit in die Handlung integriert. Stokers Roman besteht bekanntlich ausschließlich aus Briefen, Tagebucheinträgen und Zeitungsausschnitten. Auf Platz 3 landet ein Film, den ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: Jess Francos Nachts, wenn Dracula erwacht von 1970.