Youtube-Kanal: Screened

screened

Meine heutige Empfehlung ist der Youtube-Kanal Screened. In jedem der Videos beschäftigen sich die zwei Betreiber des Kanals mit einem bestimmten Aspekt des filmischen Geschichtenerzählens. Dabei analysieren sie Filme, Genres, bestimmte Szenen oder andere filmische Themengebiete und schauen, was warum wie funktioniert. Dazu werden nicht einfach technische Details runtergerattert, sondern man bedient sich einer essayistischen Erzählweise, um den Zuschauer an das Themenkonzept heranzuführen. Die Videos sind nicht nur inhaltlich äußerst interessant, sondern gewinnen dadurch auch eine, ich nenne es mal: literarische Qualität.

Meine Empfehlungen für den Einstieg sind Why Cosmic Horror is Hard To Make, über das Problem kosmischen Horror im Film umzusetzen, The Haunting of Hill House – How To Use Long Takes, über die atemberaubenden langen Kamerafahrten ohne Schnitt in der poetischen Netflix-Gruselserie (siehe meine Empfehlung hier) und The Twilight Zone – What Do We Fear?, über die universellen Angstmotive in der originalen Twilight-Zone-Serie der 1950er Jahre.

Bell Witch – Mirror Reaper

bellwitch

Mir ist schon vor geraumer Zeit aufgefallen, dass ich Musik nicht mehr so konsumiere wie früher. Sich Zeit nehmen, mit Kopfhörern hinsetzen, Artwork studieren, Lyrics lesen, ein intensives Hören. Das findet bei mir leider nur noch selten statt. Die Gründe sind leicht auszumachen: ich habe heute generall weniger Zeit und die Konkurrenz ist größer geworden. Muss ich mich zwischen Musik und der neusten Netflix-Serie entscheiden, gewinnt meist Netflix und die Musik verkommt zur Hintergrundberieselung bei der Arbeit am PC, beim Rasenmähen oder Autofahren. Zumal ich vor einiger Zeit auch wieder Hörspiele für mich entdeckt habe und ich diese auch noch irgendwie zeitlich bewältigen muss. Nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, mir zumindest hin und wieder mal ein großes Album ganz intensiv zu gönnen.

Darauf komme ich, weil Mirror Reaper von Bell Witch ein solches ist. Es ist eine Herausforderung für Leute, die verlernt haben, still zu sitzen und zuzuhören. Das Album besteht aus nur einem einzigen Lied mit einer Laufzeit von sagenhaften 83 Minuten. Mitnichten ist dies ein Gimmick. Es handelt sich nicht einfach um mehrere Tracks, die man mit weichen Übergängen aneinandergereiht hat, wie man es von manchen Konzeptalben kennt. Mirror Reaper ist ein in ein Stück gegossenes schwelgerisches Epos, das der Trauer und dem Leid eine komplexe Form verleiht. Und das in der minimalistischen Besetzung eines Duos. Mehr als Bass, Drums und einer dezenten Hammond-Orgel kommen hier nicht zum Einsatz. Das, was hier so schön bittersüß weint, ist keine Gitarre, sondern in der Tat ein Bass. Dieses Stück irgendwie zu bewerten oder zu analysieren, maße ich mir erst gar nicht an. Nur so viel: Es ist ein Rausch – wenn man sich darauf einlässt.

Für diejenigen, die eine visuelle Stimulanz brauchen, gibt es das Ganze auch als offizielles Video, das komplett aus altem Archivmaterial geschnitten wurde und die Musik noch mal auf besondere Weise unterstreicht und damit wahrscheinlich aber auch die Rezeption verändert.

Das Gatefold-Cover, das wie ein verschollenes Gemälde von Beksiński aussieht, stammt von Mariusz Lewandowski. Da würde sich das Sammeln von Vinyl tatsächlich lohnen. Andererseits ist die digitale Version in diesem Fall praktischer, denn die kann man am Stück hören, während Vinyl und CD aus Platzgründen als Doppel-Album erschienen sind.

Apostle (2018)

Apostle (Netflix)

Ein garstiger, niederschmetternder Film, der den eleganten Zynismus eines Wickerman mit der Räudigkeit eines Backwood-Schockers kreuzt. Der Regisseur Gareth Evans kann nicht nur entfesselte Martial-Arts-Action (siehe The Raid), sondern auch diese Art von kultischem Sekten-Horror.

Visuell beeindruckend und mit einigen hochunangenehmen Szenen versehen, kann mich der Film aber nicht vollends überzeugen. In einigen Szenen fehlt ihm das letzte Quentchen Orginalität und er ist mit 130 Minuten ein bischen lang geraten. Dennoch sehenswert.

Englischer Trailer:

Monika Roscher Bigband – Of Monsters and Birds

Das zweite Album der Monika Roscher Bigband ist da und es trägt den Titel Of Monsters and Birds. Man sollte einfach alles vergessen, was man je mit der Bezeichnung „Bigband“ in Verbindung gebracht hat. Besetzungstechnisch ist das hier eine Bigband, aber mit so viel mehr. Hier wird der ganz große dramatische Kontrast der Dynamik und Widersprüchlichkeit zelebriert. Bigband-Sound, ja, Posaunen, Saxophone, Trompeten, Schlagzeug, dann elektronische Spielereien, eine schreiende E-Gitarre, Funk-Grooves, vertrackte Prog-Rock-Arrangements, die im chaotischen Exzess gipfeln, smoother Crime-Jazz, der jedem Spy-Movie der 60er Jahre gut als Soundtrack stehen würde, und Soli. Soli ohne Ende. Das Ganze wird dargeboten mit einer Verve und Originalität – und vor allem: Experimentierfreude – wie man sie von manchen Künstlern aus der goldenen Zeit des „Space Age Pop“ kennt. Diese Facette spiegelt sich auch im beschreibenden Charakter mancher Song-Titel wider (A Walk in the Park by Night, Entering Birds, Terror Tango, Carribean Delirium). Instrumente imitieren Dinge, Tiere, Szenen. Oder besser: Instrumente imitieren groteske Varianten dieser. Da macht der Albumtitel plötzlich Sinn. Of Monsters and Birds ist wie ein Traum. Bedrohlich, aber gleichzeitig so faszinierend und lockend, dass man sich wünschte, er würde nie vorüber gehen. Der schiere Irrsinn.

Das Album Of Monsters and Birds ist erhältlich auf CD, Vinyl und als Download.
Kaufen, anhören, liebhaben!

 

Engineer Guy

Ein faszinierender Youtube-Kanal ist der von Engineer Guy Bill Hammack von der Universität in Illinois. Der Mann erklärt visuell sehr anschaulich Meilensteine der Ingenieurskunst, und zwar vorwiegend die, die sich in Alltagsobjekten versteckt. In einem seiner letzten Videos beispielsweise, zeigt er wie ein klassischer Filmprojektor funktioniert. Dass in dem Kasten ein Filmstreifen vor eine Linse entlangläuft, weiß jeder, aber die Mechanik dahinter ist doch komplexer und ziemlich clever. Weitere Videos zeigen das geniale Design der Alu-Getränkedose, wie eine Atomuhr oder ein CCD-Sensor in der Digitalkamera funktioniert, oder warum Erfindungen wie Sonys Betamax und das Bildtelefon von Bell (1964!) gefloppt sind. Wer sich für technische Errungenschaften interessiert und wenn das technische Englisch nicht schreckt, rein schauen.