Rialto Report News

Das akribische Recherche-Blog zum amerikanischen Pornofilm der 1970er und 80er Jahre, The Rialto Report, hatte ich hier schon mal irgendwann erwähnt. Die Autoren des Blogs, Ashley West und April Hall, überraschen immer wieder mit unterhaltsamen wie spektakulären Artikeln. Die Beiden fungierten bereits bei der HBO-Serie The Deuce als Berater und konnten kürzlich vermelden, dass ihr Daily-Beast-Artikel ‘Centurians of Rome’: How a Bank Robber Made the Most Expensive Gay Porno of All Time verfilmt wird. Der spannende Artikel erzählt die abgefahrene Lebensgeschichte von George Bosque nach; ein Wachmann, der 1980 fast zwei Millionen Dollar aus einem Geldtransporter stiehlt und dem es dann gelingt, sich eineinhalb Jahre lang dem Zugriff der Polizei zu entziehen, währenddessen im Luxus schwelgt, Partys schmeißt und den „teuersten Schwulenporno aller Zeiten“ produziert: Centurians of Rome. Klingt nach großem Potential für eine Verfilmung. Mal schauen, was daraus wird.

Eine andere Meldung bedarf auch noch kurzer Erwähnung. Rialto Report ist es gelungen einen bisher unbekannten Film von Radley Metzger namens The Sins of Ilsa aufzutreiben. Wenn von einem visionären Filmemacher, und Metzger dürfte man als solchen bezeichnen können, ein unbekannter Film auftaucht, ist das schon eine kleine Sensation, auch wenn, wie in diesem Fall, der Film sich letzlich als mittelmäßig herausstellt. Der Artikel über die Entstehung des Films und warum er bisher verschollen war, ist dennoch höchst lesenswert.

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Von Metzgers verschollenem Film zu seinem vielgelobten The Lickerish Quartet. Der Film spielt zum großen Teil auf Castello Piccolomini, ein Schloss in den italienischen Abruzzen. Rialto Report war da und hat eine schöne Fotodokumentation online gestellt, die die Filmszenen mit dem heutigen Ort vergleicht. Als Bonus gibt es noch einige Screenshots aus The Bloody Pit of Horror. Das Schloss diente nämlich nicht nur The Lickerish Quartet als atmosphärischer Drehort. Mehr also 100 Horror-, Giallo-, Sandalen-, Hard- und Softcore-Filme sind dort entstanden. Eine Auswahl der Filme ist im Artikel zu finden.

dynasty (1977)Als letzter Lesetipp sei noch der Artikel über Michael Findlay genannt, in dem viele seiner Weggefährten zu Wort kommen. Findlay drehte zusammen mit seiner Frau Roberta in den 60er und 70er Jahren eine ganze Reihe von Z-Filmen aus den Bereichen Sexploitation und Horror und hat es dadurch zumindest in Fankreisen zu gewisser Bekanntheit gebracht. Weniger bekannt ist, dass er ein experimentelles Interesse an Kameras und Linsen hatte und seine eigene 3D-Filmtechnik entwickelte. Im Artikel ist die Rede von der Bezeichnung „Super Depth“. Allerdings wurden die Filme, bei denen Findlays Technik zum Einsatz kam, mit „Super Touch 3-D“ bzw. „Super 3-D“ beworben. Das waren sein eigener eilig zusammengeschusterter Porno Funk sowie die Martial-Arts-Klopper Dynasty und 13 Nuns (auch: Revenge of the Shogun Women), bei denen Findlay als 3D-Berater vor Ort in Taiwan und Hongkong mitwirkte. Bei dem Jackie-Chan-Film Master of Death (auch: Magnificent Bodyguards), den der Artikel nicht erwähnt, wird Findlay ebenfalls als 3D-Berater genannt. Aber hier kam offenbar nicht seine urspüngliche Single-Strip-3D-Technik zum Einsatz, sondern eine als „Ultra Vision“ bezeichnete Dual-Strip-Methode, von der sonst nicht viel bekannt ist. Findlay gelang es nicht mehr, seine 3D-Technik im großen Stil zu vermarkten. 1977 starb Findlay bei einem Helikopterunglück auf dem Dach des Pan-Am-Gebäudes in New York.

 

Monika Roscher Bigband – Of Monsters and Birds

Das zweite Album der Monika Roscher Bigband ist da und es trägt den Titel Of Monsters and Birds. Man sollte einfach alles vergessen, was man je mit der Bezeichnung „Bigband“ in Verbindung gebracht hat. Besetzungstechnisch ist das hier eine Bigband, aber mit so viel mehr. Hier wird der ganz große dramatische Kontrast der Dynamik und Widersprüchlichkeit zelebriert. Bigband-Sound, ja, Posaunen, Saxophone, Trompeten, Schlagzeug, dann elektronische Spielereien, eine schreiende E-Gitarre, Funk-Grooves, vertrackte Prog-Rock-Arrangements, die im chaotischen Exzess gipfeln, smoother Crime-Jazz, der jedem Spy-Movie der 60er Jahre gut als Soundtrack stehen würde, und Soli. Soli ohne Ende. Das Ganze wird dargeboten mit einer Verve und Originalität – und vor allem: Experimentierfreude – wie man sie von manchen Künstlern aus der goldenen Zeit des „Space Age Pop“ kennt. Diese Facette spiegelt sich auch im beschreibenden Charakter mancher Song-Titel wider (A Walk in the Park by Night, Entering Birds, Terror Tango, Carribean Delirium). Instrumente imitieren Dinge, Tiere, Szenen. Oder besser: Instrumente imitieren groteske Varianten dieser. Da macht der Albumtitel plötzlich Sinn. Of Monsters and Birds ist wie ein Traum. Bedrohlich, aber gleichzeitig so faszinierend und lockend, dass man sich wünschte, er würde nie vorüber gehen. Der schiere Irrsinn.

Das Album Of Monsters and Birds ist erhältlich auf CD, Vinyl und als Download.
Kaufen, anhören, liebhaben!