Hörspiel: Grëul

Grëul in der Audiothek

Ich sage euch, Brüder. Dieses Tal ist die Hölle auf Erden. Die Sünde wuchert wie ein Furunkel an ihm. Und schneidet man es heraus, wachsen zwei neue.

Mönche finden bei der Feuerholzsuche im Zirnertal die übel zugerichtete Leiche der Tochter des örtlichen Schmieds. Panisch berichten sie Abt Aegidius von dem Fund. Der hat sofort den Verdacht, dass der Mörder in den eigenen Reihen zu finden ist. Um das Kloster und die Kirche zu schützen, ersinnt er einen hinterhältigen Plan. Er versucht, die heidnischen Dorfbewohner davon zu überzeugen, dass die Tote tatsächlich auf das Konto des Grëul geht, ein schreckliches Monster einer alten Legende. Gleichzeitig hofft er so, die Heiden zum Glauben bekehren zu können. Der Plan gerät jedoch schon bald ins Wanken, da der Pilger Enno von Malmedy im Kloster herumschnüffelt und der Bischof einen großspurigen Dämonenjäger ins Zirnertal entsendet. Zudem lassen sich der Schmied und die Dorfbewohner auch nicht so leicht von den vermeintlich guten Absichten der Kirche überzeugen. Als weitere Tote gefunden werden, darunter ein Mönch, spitzt sich die Situation zu.

Mit Grëul hat der WDR eine Hörspielserie veröffentlicht, die mir rundherum ausgesprochen gut gefällt. Anfangs macht Grëul noch den Eindruck, als handele es sich um eine geradlinige Mord- und Vertuschungsgeschichte, der man einen Mystery-Anstrich verpasst hat. Kleine Nebenhandlungen, die stets zurück zur Haupthandlung verweisen, und eine Verschwörung hinter der Verschwörung machen das Hörspiel im Verlauf jedoch zu einer vielschichtigen und wendungsreichen Geschichte. Es passiert hier ziemlich viel auf verschiedenen Ebenen, ohne dass die Geschichte überfrachtet wirkt. Das Tempo bleibt über die acht Folgen hinweg hoch. Zu guter Letzt wird mit der Legende des Grëul schön subtil gespielt. Es ist doch nur eine Legende, oder etwa nicht?

Erzählerisch und produktionstechnisch überzeugt das Hörspiel auf ganzer Linie. Sehr guter Schnitt und Szenenwechsel im Speziellen. Die Dialoge sind weit weg von Plattheit und Klischee. Eine literarische Höhe wie bei Game of Thrones bekommt man zwar nicht geboten, aber es macht hier einfach großen Spaß zuzuhören. Das liegt auch daran, dass man dankenswerterweise ein bischen mittelalterlichen Dreck in die Sprache eingebacken hat. Und an der großartigen Besetzung. Das Hörspiel hat über 40 Sprechrollen, die von teils sehr bekannten Schauspielern übernommen wurden. Auch wenn das ganze Ensemble gut abliefert, will ich besonders Matthias Koeberlin hervorheben, der seine Stimme ein bis zwei Oktaven tiefer gestellt hat und als Schmied Ulrik seine Wut und Rachegelüste beängstigend rausbellt, und Rainer Bock als Abt Aegidius, der leichtfüßig zwischen Fürsorge, Arglist und Überheblichkeit hin- und hertänzelt.

Bevor man in das Hörspiel einsteigt, sollte man jedoch wissen, dass es sich bei den acht Folgen um die erste Staffel handelt, worauf nirgends hingewiesen wird. Das bedeutet: am Ende gibt es einen Cliffhanger, Fragen bleiben offen und der Hörer muss eine unbestimmte Zeit auf die Fortsetzung warten. Der einzige Wermutstropfen dieses grëuslichen Spektakels.

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