Archiv für den Monat Dezember 2018

La femme la plus assassinée du monde

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Die Angst ist für den Geist, was der Schmerz für den Körper ist. Einige Menschen mögen es zu leiden, andere haben gerne Angst. Ich mag beides.

-Paula Maxa (im Film)

The Most Assassinated Woman in the World (auf Netflix) ist ein ambivalenter Film. Als Horrorfilm bietet der Film wenig Neues. Auf der anderen Seiten beglückt uns der Film mit der akkuratesten Darstellung des französischen Théâtre du Grand Guignol, die bisher zu sehen war. In dieser Hinsicht überzeugt er mit Atmosphäre und Detailverliebtheit.

Das Grand Guignol hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Horrorfilm, insbesondere das Slasher-Genre. Aus diesem Grund hatte ich mich vor geraumer Zeit auch mal intensiv mit dem Theater beschäftigt, sämtliche Bücher und Schriften besorgt, etliche der Original-Stücke gelesen. Das Thema hat mich auf besondere Weise fasziniert, obwohl ich mit Theater ansonsten wenig zu tun habe. Die Filmemacher scheinen die gleiche Leidenschaft gefühlt und die gleichen Quellen verwendet zu haben. Das wirkt alles sehr authentisch, zumindest gemessen an dem, was die Fachliteratur sagt. Der Film zeigt eingebunden in die Handlung wie Effekte, Licht und Klänge backstage produziert und für den Schockeffekt auf der Theaterbühne genutzt werden und vergisst auch Details nicht wie die Kotztüten für das Publikum, die VIP-Logen, in denen gutbetuchte Herren sich während den Vorstellungen mit Prostituierten vergnügen und den Türsteher, der draußen den Wartenden, die keinen Platz im Theater mehr ergattert haben, in marktschreierischer Weise schildert, was drinnen auf der Bühne vor sich geht. Darüber hinaus wird in einer Szene ziemlich überzeugend das Stück Un Crime dans une Maison de Fous (Ein Verbrechen im Irrenhaus) angespielt.

Ja, so könnte das tatsächlich alles gewesen sein, damals im Grand Guignol.

Der Filmtitel, La femme la plus assassinée du monde, bezieht sich auf die Bezeichnung, die die Presse damals der Schauspielerin Paula Maxa gab. Maxa war der große Star, sozusagen die Sarah Bernhardt des Grand Guignol, wie sie auch oft beschrieben wird. Auf der Bühne starb sie tausende Tode und wurde so zur “meistumgebrachten Frau der Welt”.

Der Film setzt sie als geheimnisvolle und tiefgründige Femme Fatale in Szene, womit die Authentizität des Films auch endet. Neben Maxa erscheinen im Film noch andere historische Figuren wie die Grand-Guignol-Autoren André de Lorde und Alfred Binet und der Mann für die Spezieleffekte, Paul Ratineau; aber all diese Figuren haben wenig bis nichts mit den realen Personen gemein. Die Bezeichnung “Bio-Pic”, wie sie in manchen Medien für den Film verwendet wird, ist daher etwas irreführend.

Paula Maxa wird von Anna Mouglalis gespielt, die in ihrer Karriere schon einige berühmte Persönlichkeiten darstellte, von Coco Chanel über Juliette Gréco bis Simone de Beauvoir. Mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz passt sie außerordentlich gut in die Rolle einer Schauspielerin in einem Horrortheater der 30er Jahre. Zudem hat sie eine sensationelle Stimme, die sich auch gesanglich sehr gut macht, wie im tollen Soundtrack zu hören ist. Daher mein Rat: im französischen Original mit Untertiteln schauen.

Der Film verquickt eine weitgehend genaue Darstellung des Theateralltags und eine dramatische in surrealen Rückblenden erzählte fiktive Hintergrundgeschichte über Paula Maxa mit einem Serienkiller, der Paris heimsucht und es auf Paula abgesehen hat. Hierbei bewegt sich der Film zwischen klassischem Horror (Erinnerungen an Das Phantom der Oper und Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts werden wach), Spät-Giallo und Arthouse. Das Ganze läuft mitunter etwas holprig und die Genre-Mischung überzeugt nicht immer. Aber die einzigartige Atmosphäre, die Sets und Locations, die trotz doch offensichtlich kleinem Budget einfach fantastisch aussehen, Kamera und Ton, Anna Mouglalis in der Hauptrolle, die historische Relevanz und letztlich die Leidenschaft der Filmemacher, die sich zu jeder Sekunde offenbart, machen den Film zu einem tollen Gesamtpaket. Für mich ist der Film eine der positiven Überraschungen des Jahres. Zuschauer mit geringem Interesse am Grand Guignol werden womöglich weniger begeistert sein.

Die echte Paula Maxa, die eigentlich Marie-Thérèse Beau hieß, starb übrigens 1970 ohne Familie oder Freunde zu hinterlassen und wurde in einem öffentlichen Sammelgrab in Paris beigesetzt.

Die Filme meiner Kindheit

Einer der Podcasts, die ich regelmäßig höre, ist Nerdtalk. Der beschäftigt sich in erster Linie mit Filmen, manchmal mit Serien und hin und wieder auch mit ganz anderen Dingen. Jedenfalls ist der stets erfrischend und sehr kompetent. Ein neues Format dort, ist die allseits beliebte Top-5-Liste. Der erste Top-5-Podcast dreht sich um die fünf kindheitsprägenden Filme, was impliziert, dass es sich nicht zwangsläufig um Filme für Kinder handeln muss. Und tatsächlich sind die meisten dort erwähnten Filme keine echten Kinderfilme. Inspiriert vom Nerdtalk habe ich daher mal scharf nachgedacht, welche Filme mich in der Kindheit nachträglich beeinflusst haben.

Top-Listen auf nur fünf Einträge zu beschränken, fällt mir unheimlich schwer. Ich habe mir daher die Freiheit genommen, die Liste durch ein paar Zusätze zu ergänzen. Das läuft zwar dem Listenformat entgegen, denn eigentlich will man mit solchen Listen ja einen Sachverhalt auf das Wesentliche reduzieren, aber ich bringe es nicht übers Herz, so viele Filme unerwähnt zu lassen.

Mein erster Kinofilm war der Disney-Klassiker Cap und Capper (The Fox and the Hound). Da war ich fünfeinhalb Jahre alt und zumindest hat mich die Kinoerfahrung als solche beeindruckt. Den Film selbst fand ich wohl so spannend, wie ein Fünfjähriger den nun mal finden kann, aber nachhaltig geprägt hat er mich nicht. Jedenfalls bin ich nie ein großer Disney-Fan geworden, was ja auch Einiges aussagt.

Die Top 5

Nach reiflicher Überlegung komme ich auf diese Filme, die meine Kindheit auf besondere Weise geprägt haben. Gelistet in chronologischer Reihenfolge meiner Entdeckung.

Die unendliche Geschichte (The Neverending  Story)

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Atreyu (Noah Hathaway) und Glücksdrache Fuchur. © Constantin Film

Ich meine mich zu erinnern, dass wir diesen Film mit der Schulklasse im Kino gesehen haben, aber vielleicht spielt mir meine Erinnerung auch einen Streich. Ich habe den Film auf jeden Fall später als VHS-Kassette geschenkt bekommen und so unzählige Male gesehen. Ein Fantasy-Epos mit einem Jungen als Helden. Der Glücksdrache Fuchur, die gigantische Schildkröte Morla, die kindliche Kaiserin, es war ein fantastisches Abenteuer, dem man als Kind einfach nicht widerstehen konnte. Selbst die Erwachsenen waren begeistert. Das war für mich der erste Film, der eine realistische Fantasy-Welt darstellte und mir damit tatsächlich ein Stück weit die Augen öffnete. Ein Film zum Staunen und Wundern.

 

Herrscher der Zeit (Les maîtres du temps)

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Piel im Angesicht einer der zahlreichen Gefahren des Planeten. © TF1, WDR, SWF, SRR, BBC

Dieses Meisterwerk der Animationskunst lief am 31.12.1984 im Nachmittagsprogramm der ARD. Sowas hatte ich noch nicht gesehen. Ein Trickfilm, der aufgrund seiner Thematik und Darstellungsweise auf mich so wirkte, als wäre er nicht für Kinder gemacht. Gleichzeitig war es mein erster Kontakt mit dem Surrealismus, ohne dass ich dieses Wort damals gekannt hätte. Aber mir war klar, dass hier etwas Einzigartiges, Abstraktes gezeigt wird, dass hier eine Welt gezeigt wird, die noch viel seltsamer ist, als die Welt in Die unendliche Geschichte. Gleichzeitig besaß der Film auch etwas Unfassbares und eine verstörende Atmosphäre. Der Film hatte mich tatsächlich tief bewegt – und ratlos zurückgelassen.

 

Leben und sterben lassen (Live and let die)

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Bond auf dem Friedhof inmitten einer Voodoo-Zeremonie. © MGM

James Bond war eine besondere Sache für mich. Nicht nur liefen in den 80er Jahren die Bond-Filme regelmäßig im Fernsehen, auch war mein Vater ein Fan und hatte stets alle neuen Filme auf VHS. Das war eine Zeit, als Videothekare im Hinterzimmer der Videothek für einen kleinen Obolus Kopien der Filme anfertigten und sich niemand daran störte. Ich weiß leider nicht mehr, welcher Film mein erster Bond war, besonders beeindruckt hat mich allerdings Leben und sterben lassen. Der Film war wie eine Achterbahnfahrt und bot alles: Spannung, Action mit atemberaubenden Stunts, morbide Voodoo-Szenen, Humor und mysteriöse Dinge, die ich damals nicht verstand, wie der Fakt, dass die Kartenleserin Solitaire – gespielt von Jane Seymour – ihre seherischen Fähigkeiten verliert, nachdem sie mit Bond im Bett war. Der augenzwinkernde Roger Moore, der hier erstmals James Bond verkörperte, war mir besonders sympathisch. Und dann die Bösewichte: Mr. Big, den eine Explosion jäh in Stücke reißt und sein Handlanger Tee Hee mit dem mechanischen Arm, der ihm am Ende abgerissen wird. Rückblickend war Leben und sterben lassen nicht gerade der beste Bond-Film, aber er hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was ich mittlerweile vom James-Bond-Franchise halte, habe ich hier ausführlich beschrieben.

 

Der Fluch von Siniestro (The Curse of the Werewolf)

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Oliver Reed als Werwolf. © Hammer Films

Mein erster Horrorfilm, den ich im Alter von 7 oder 8 bei meiner Oma gesehen habe. Meine Eltern hätten das natürlich nie erlaubt, was mir bewusst war und dem Ganzen noch einen zusätzlichen Reiz gab. Der Film hat mich fasziniert und gleichzeitig enorm verstört. Oliver Reed als Werwolf! Obwohl ich danach wochenlang schlecht bis gar nicht geschlafen habe, hat der Film ein frühes Interesse am Horror in mir geweckt. Aufgrund von elterlichem Verbot und mangels Zugang zu Filmen – die Kindheit in den 80er Jahren war dürftig, wir hatten ja nichts – habe ich mich über Jahre mit Gespenster-Comics über Wasser gehalten. In meiner Jugend habe ich den Film dann wieder entdeckt und mich daraufhin intensiv mit den Produktionen der Hammer Film-Studios beschäftigt und ein reges Interesse an klassischem Horror und Horror allgemein entwickelt.

 

Die Zeitmaschine (The Time Machine)

Mein erster richtiger Science-Fiction-Film und mein erster Zeitreisefilm, sieht man mal von Herrscher der Zeit ab. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Zeitreiseaspekt in Herrscher der Zeit damals nicht verstanden hatte. Dem Film Die Zeitmaschine konnte ich dagegen weitaus einfacher folgen. Hier wurde mir nicht nur das Konzept von Zeit so richtig bewusst, auch spürte ich erstmals so etwas wie die engen Grenzen der menschlichen Existenz. Zur Erinnerung, Rod Taylor sitzt in seiner Zeitmaschine und wird im Zeitraffer Zeuge von Aufstieg und Verfall der Zivilisation. Im Jahr 1900 gestartet, folgt 1966 der Knall, die atomare Apokalypse. Dann das große Nichts: „Dunkelheit… Dunkelheit… für Jahrhunderte“. Erst im Jahr 802701 landet er in einer neuen Welt, die nur auf den ersten Blick wie das Paradies erscheint. Mit den menschenfressenden Morlocks kommt der nächste Schock. Die Zeitmaschine ist sicher der Film, der dafür verantwortlich ist, dass ich bis heute ein großer Fan von Zeitreisegeschichten bin.

 

Bonus: Der Film, der mir die Unschuld raubte

Die Tiefe (The Deep)

Der Film basiert auf einem Roman von Peter Benchley und das Buch steht bis heute in meinem Regal. Ich hatte schon früh ein Faible für Geschichten entwickelt, die unterwasser oder in Höhlen spielten. Wahrscheinlich nicht zuletzt dank James Bond, denn diese Komponenten waren in dessen Filmen oft verwendete Tropes. Da kam der Familienfernsehabend mit dem Tauchabenteuer Die Tiefe gerade recht. Ich muss 8 oder 9 gewesen sein und im Nachhinein kann ich mir nicht mehr erklären, warum mir meine Eltern erlaubten, diesen Film zu sehen. Zwei Dinge aus diesem Film haben sich mir damals insbesondere eingebrannt. Die Brüste von Jacqueline Bisset, die sich unter ihrem nassen weißen T-Shirt abzeichneten, ganz so als wäre das absichtlich so inszeniert worden, und die für mich damals unerträgliche Szene, in der die halbnackte Jacqueline Bisset von einem Eingeborenen mit Kriegsbemalung mit einem blutigen Hühnerfuß gefoltert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Gewalt in Filmen für mich immer etwas Unbeschwertes oder Fantastisches. Selbst der explodierte Mr.Big in Leben und sterben lassen wirkte irreal, denn man sah kein Tröpfchen Blut. Diese Folterszene jedoch wirkte erschreckend realistisch und bescherte mir Albträume. Zumal dies mein erster Kontakt mit sexualisierter Gewalt war, was ich als Kind nicht wirklich verstand. Der Film hat mir quasi die Unschuld genommen und „verdient“ daher besondere Erwähnung.

 

Der Rest

An dieser Stelle folgen einige Figuren, Schauspieler, Filme und Themen, die ebenfalls sehr wichtig für meine filmische Entwicklung waren, die es aber aus praktischen Gründen nicht in die Liste geschafft haben.

 

Pippi Langstrumpf

Keine Liste ohne Pippi. Pippi Langstrumpf war meine allererste Superheldin. Lange noch bevor ich Batman und das Phantom entdeckte. Keine Diskussion: Pippi ist eine Superheldin. Sie ist die Stärkste und die Schlauste mit der Fuck-You-Attitüde. Sie war Punk, bevor der Punk entstand. Für mich war es faszinierend, dass ein Kind scheinbar abseits jeder Konvention und sozialer Regeln lebte, allen Erwachsenen ein Schnippchen schlug und die wildesten Abenteuer erlebte. Der Fakt, dass Pippi ein Mädchen war, hatte ich übrigens nie hinterfragt. Wahrscheinlich war ich dafür zu jung. Es lässt sich nicht leugnen: Pippi war eine der wichtigsten Figuren meiner Kindheit.

 

Bud Spencer und Terence Hill

Das im doppelten Wortsinn schlagfertige Duo war ähnlich wie James Bond omnipräsent im Fernsehen. Zumindest hatte man das Gefühl, dass ständig irgendwo ein Spencer- und Hill-Film lief, an Feiertagen auch gerne mal nachmittags. Im Gegensatz zu James Bond kann ich aber keinen einzelnen Film rauspicken; ich fand alles gut, was die Beiden fabrizierten. Neben den doch oft nach dem gleichen Schema ablaufenden Massenschlägereien, war ich vor allem von den Fress- und Saufgelagen fasziniert, die ebenso fast zu jedem Film dazugehörten und die nirgendwo sonst so zelebriert wurden.

 

Die Franzosen und der andere Italiener

Neben Bud Spencer und Terence Hill bestand das italienische Kino in meiner Kindheit außerdem aus Adriano Celentano und Western. Von den unzähligen Italo-Western könnte ich keinen bestimmten nennen, der mich in besonderer Weise geprägt hätte. Allerdings ist mir eine bestimmte Szene lange im Gedächtnis geblieben und zwar die, wie motherfucking Django seinen Sarg durch eine apokalyptisch anmutende Ödnis zieht. Das war so anders, als alle anderen Western, die ich zuvor gesehen hatte. Unvergesslich.

Adriano Celentano ist der Brummelbär, der vor allem für seine Komödien bekannt ist. In meiner Erinnerung war ich besonders von den zahlreichen Filmen angetan, die er mit Ornella Muti drehte. Schaut man in die IMDb, zeigt sich, dass die Beiden gerade mal in zwei Filmen zusammen auftraten. Vielleicht habe ich Ornella Muti auch nur mit den anderen schönen Frauen verwechselt, denn an denen herrschte bei Celentano nie ein Mangel. Das ist mir selbst als kleiner Junge aufgefallen. Celentano war für mich immer der Mann mit den schönen Frauen.

Gleiches könnte man auch über Jean-Paul Belmondo und Alain Delon sagen. Zusammen mit Lino Ventura, Louis de Funès und Pierre Richard bilden diese fünf Schauspieler das französische Quintett meiner Kindheit. Zugegebenermaßen war Delon für mich als Kind oft zu anspruchsvoll. Lino Ventura war hart und düster, während de Funès und Richard für die leichtfüßige Komödie zuständig waren. Und Jean-Paul Belmondo hatte irgendwie alles im Programm und gab mal den Killer und mal den Clown.

Das italienische und französische Kino war in meiner Kindheit tatsächlich enorm wichtig. Pierre Richards Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh hat nur knapp meine Top-5-Liste verpasst. Genauso wie de Funès‘ Hasch mich, ich bin der Mörder.

 

Die albernen Deutschen

Ich komme nicht umhin, auch ein paar deutsche Einflüsse zu nennen. Neben Schimanski und Edgar Wallace, die eine große Rolle spielten, ist das aus heutiger Sicht vor allem alles elender Klamauk. Dazu zählen die Filme mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger (Supernasen!), die Dudu-Filme, Hurra die Schule brennt, Popcorn und Himbereis und alle anderen Kömodien mit Tommy Ohrner, Olivia Pascal, Zachi Noy, Dolly Dollar, Karl Dall, Herbert Fux und irgendwelchen Stars der Neuen Deutschen Welle. Aus heutiger Sicht kaum nachzuvollziehen, aber das waren Kinohits und Straßenfeger. Nur leicht anspruchsvoller waren die Filme mit Didi Hallervorden und Otto, deren Überdrehtheit und Slapstick ich liebte.

 

Jules Verne und Edgar Rice Burroughs

Mein oben erwähntes Faible für Unterwasser- und Höhlengeschichten kommt auch hier zum Tragen. Ich glaube, die Romane von Jules Verne, oder zumindest einige der Romane, habe ich erst in früher Jugend gelesen. Als Kind waren die Hörspiele, Comics und Filme ausschlaggebend. Speziell sind zu nennen 20000 Meilen unter dem Meer, Reise zum Mittelpunkt der Erde und In 80 Tagen um die Welt.

Während mir Jules Verne so schon früh zum Begriff wurde, kannte ich den Namen Edgar Rice Burroughs nicht, aber ich liebte etliche der Filme, die auf seinen Geschichten beruhten. Ganz vorn dabei waren die alten Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller, die ich schon in früher Kindheit sah. Etwas später folgten Caprona, Caprona II und Der sechste Kontinent, die dafür sorgten, dass mein Interesse an Geschichten stieg, die sich um die Entdeckung von vergessenen Welten drehten, das klassische Lost-World-Genre.

 

Und (k)ein Ende in Sicht

Je länger das Posting wird, desto schwerer finde ich ein Ende. Es wären noch Katastrophenfilme oder japanische Monsterfilme zu erwähnen. Oder Kampfstern Galactica und andere Science Fiction. Da diese Filme aber eher in eine spätere Entwicklungsphase von mir fallen, die nicht mehr so richtig die Kindheit betrifft, spare ich mir diese Filme für ein zukünftiges Posting auf. Serien und das Fernsehprogramm hatten wahrscheinlich sogar einen höheren Stellenwert als Filme, daher sollte ich mir auch das als zukünftiges Thema auf den Zettel schreiben.

Auffällig ist, dass ich kaum bekannte Kinderfilme erwähne. Weder E.T. noch die Goonies. Viele Leute meiner Generation schwärmen von Star Wars und Star Trek. Das sind jedoch alles Filme, die erst später in mein Leben traten. Und für einige Filme wie beispielsweise E.T. war ich da schon wieder zu alt. Genauso wenig wie ich jemals ein Disney-Fan war, bin ich auch nie ein Fan von E.T. geworden. Die meisten Filme wachsen einem nur dann ans Herz, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt erstmals erlebt.

Melanie De Biasio in Concert

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Bis 31.03.2019 kann man sich in der Arte-Mediathek das Konzert der fantastischen Melanie de Biasio im Pariser Théâtre de l’Odéon anschauen. Das ist blusiger Jazz in seiner reduziertesten Form. Und hier der Bandcamp-Player des aktuellen Albums:

Great Pacific (Garbage Patch)

Kürzlich machte das Meeressäuberungsprojekt Ocean Cleanup des Niederländers Boyan Slat Schlagzeilen und die Medien feierten den Jungunternehmer bereits als neuen Visionär. Das erinnerte mich an eine ziemlich originelle Comicserie, die zwischen 2012 und 2014 bei Image Comics erschien: Great Pacific.

In 18 Ausgaben, deren drei Story-Arcs später in drei Trade-Paperbacks erschienen, erzählt Autor Joe Harris die Geschichte des Ölfirmen-Erben Chas Worthington, der eine Maschine konstruieren will, die den gesamten Plastikmüll im Meer auflösen kann. Die Zeichnungen stammen vom Argentinier Martín Morazzo, der mit Great Pacific seinen US-Einstand als Zeichner gab.

Die Vorstandsetage von Chas Worthingtons Firma möchte die Entwicklungskosten für die Maschine sparen und viel lieber eine neue Ölplattform bauen. Chas entschließt sich daraufhin zu einem drastischen Schritt, er unterschlägt ein paar Milliarden Dollar seiner Firma, inszeniert seinen Tod und setzt sich mit dem Schiff in Richtung des Great Pacific Garbage Patch ab.

Diese gigantische Ansammlung von Müll im Pazifik, die in der Realität eine Art suppiger Strudel ist, wird im Comic zu einer landähnlichen Masse mit den Ausmaßen von Texas. Dort ruft Chas seinen eigenen Staat aus und der Comic wird zur Gründungsgeschichte einer Nation. Das Land muss erforscht und gesichert werden. Da es sich um keine echte Insel handelt, ist das Land in Bewegung und einer ständigen Veränderung durch die Naturgewalten unterzogen. Das Müllland ist von mutierten Tieren bevölkert und Piraten nutzen es als Unterschlupf. Im Verlauf der Geschichte erscheint die US Navy, um Chas festzunehmen, Glücksritter kommen und gründen Kolonien und als immer weitere Fraktionen etwas vom großen Kuchen abhaben wollen, stellt Chas fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen Staat zu führen und er sich immer mehr zum Diktator entwickelt.

Wer diese Art von Entdecker-Geschichten mag, und hier habe ich ja bereits schon mal eine wundervolle Comicserie vorgestellt, dem kann ich Great Pacific nachträglich sehr empfehlen. Leider ist der Comic in Deutschland bisher noch nicht erschienen.

Atomic Blonde (2017)

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Der Regisseur David Leitch war zuvor als Co-Regisseur für John Wick tätig und das ist unübersehbar. Visuell und inszenatorisch erinnert Atomic Blonde desöfteren an den Actionkracher mit Keanu Reeves. Atomic Blonde bietet allerdings genug Eigenständigkeit, um nicht ständig mit John Wick verglichen werden zu müssen.

Wie bei John Wick gilt auch hier: style over substance. Es gibt eine fast schon klassische Agentengeschichte um eine Liste von Doppelagenten, die gefunden und gesichert werden muss, und diese Geschichte ist sogar einigermaßen spannend, aber in erster Linie wirkt der Film über die Hauptdarstellerin Charlize Theron und die Action.

Der Film bearbeitet die Sinne des Zuschauers mit einem Dauerfeuer aus grellen Neonfarben und einem Nena-Tom-Schilling-The-Clash-Falco-David-Bowie-Soundtrack, der hin und wieder mit in die Handlung hinüberfließt. Es ist weder zu übersehen noch zu überhören: Atomic Blonde spielt mitten in Berlin zur Zeit des Mauerfalls, was sich als Hintergrundthema durch den gesamten Film zieht. Zusammen mit der grassierenden Kalter-Krieg-Paranoia, entwickelt sich so eine fiebrig-nervöse Atmosphäre. Die Inszenierung der heftigen Kampfszenen und Schusswechsel bewegt sich dabei graziös auf einer dünnen Linie zwischen Überzeichnung und Ernsthaftigkeit. Das ist alles bis ins Detail perfekt choreografiert ohne dabei zu sehr nach Ballet auszusehen.

Der Regisseur inszeniert nicht nur die Action gut, sondern setzt auch Charlize Theron ausgesprochen betörend ins Bild. Ich bin mir nicht sicher, welche andere Schauspielerin die geforderte Lässigkeit so überzeugend hätte rüberbringen können. Theron wirkt hier cool und gleichzeitig sexy bei höchstmöglicher Eleganz. Die perfekte Besetzung.

Erfreulicherweise wurde just ein Sequel angekündigt und mit der Idee eines Crossovers zwischen Atomic Blonde und John Wick wird zumindest gedanklich schon mal gespielt. Ich wäre nicht abgeneigt.

Vergleich Film und Comic

Atomic Blonde basiert auf dem Comic The Coldest City von Antony Johnston und Sam Hart, original bei Oni Press, deutsche Ausgabe bei Cross Cult erschienen. Auf den ersten Blick erkennt man gar keine Gemeinsamkeiten. Visuell ist der Film das krasse Gegenteil. Die gesättigten Farben und der schneidende Neonschein des Films stehen einer kantigen, strengen Linienführung und großen monochromen Flächen im Comic gegenüber. Im Film ist Lorraine eine Blondine in extravaganter Kleidung, eine über die Maßen auffällige Erscheinung, im Comic hat sie dagegen schwarzes Haar, trägt züchtigen Bibliothekarinnen-Look und verschwindet in der Menschenmenge so wie es für eine Spionin vorteilhaft ist. Der Comic orientiert sich eher an traditioneller Spionage-Literatur während der Film stylische Action zelebriert.

Dennoch folgt der Film der Comic-Handlung relativ genau. Einige Szenen werden weggelassen, viele andere hinzugefügt und manche zu diesen krachigen Actionmonumenten ausgebaut. So bieten Film und Comic das Beste aus zwei verschiedenen Welten und wirken auf unterschiedlichen Ebenen.

Gerry Anderson’s Firestorm

Als großer Fan von Gerry Anderson und seinen Marionettenserien hat es mich sehr gefreut, als sein Sohn Jamie Anderson vor vier Jahren eine neue Produktion im Geiste seines verstorbenen Vaters ankündigte. Mit Hilfe einer Kickstarter-Aktion konnte eine 9-minütige Pilotepisode produziert werden, die seit Oktober kostenlos auf Youtube verfügbar ist.

Gerry Anderson hatte bereits 2001 die Idee zu dieser Serie, konnte die Serie aber nicht nach seinen Wünschen umsetzen. Aus dem Konzept wurde daraufhin 2003 eine japanische Anime-Serie, also etwas, das kein Fan von Gerry Andersons Marionetten eigentlich sehen will.

Die nun vorliegende Pilotepisode zeigt, wie es besser geht; mit technisch ausgeklügelten Marionetten, detailreichen Miniaturmodellen und echten Explosionen. Wie in guten alten Zeiten eben. Die Episode dient hauptsächlich als Proof-of-Concept und soll Fernsehsender oder Streaming-Anbieter ins Boot holen, um eine komplette Serie zu realisieren. Und die Zeichen stehen nicht schlecht: die Vorproduktion der Serie ist gestartet. Um auf dem Laufenden zu bleiben, empfehle ich die offizielle Facebook-Seite.

Übrigens bin ich immer davon ausgegangen, dass es teurer ist, eine solche aufwändige Puppenserie zu drehen, als eine Serie mit Schauspielern. Auf meine Anfrage hin, belehrte mich Jamie Anderson eines Besseren. Laut seiner Aussage halten sich die Kosten in etwa die Waage.

 

 

Celadon (Ru Yao)

Dieses schöne Celadon-Set (oder Ru Yao nach dem berühmten Ru-Brennofen) habe ich vor einigen Jahren gekauft. Die Bezeichnung ist Tao Feng Gu Qi. Exzellente Qualität, aber relativ massiv und schwer, so dass man mit der Kanne kaum einhändig einschenken kann. Das ist auch der Grund, warum ich es eher selten nutze. Dafür haben diese dickwandigen Keramikwaren den Vorteil, dass sie die Hitze gut halten. Die Kanne hat ein Volumen von ca. 220 ml, die Schalen um die 40 ml.

Neben dem Set gefällt mir auch die Verpackung außerordentlich. Die stabile Kiste hat zwei Etagen, wobei die obere Etage nur locker in der unteren sitzt.