Archiv für den Monat Januar 2015

Buch: Empire of the ‚B’s

Empire of the BsTorsten Dewi hat mir freundlicherweise sein neues Buch zugeschickt, das in Zusammenarbeit mit Dave Jay und Nathan Shumate entstanden ist: Empire of the ‚B’s – The Mad Movie World of Charles Band, erschienen bei Hemlock Books. Anlass genug, ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

Charles Band ist einer der größten Trash-Meister unserer Zeit. Über ihm steht vermutlich nur noch Roger Corman. Ähnlich wie Corman, hat auch Band sich nie auf ein bestimmtes Filmgenre spezialisiert, sondern sämtliche Themen beackert, die irgendwie einen Dollar abwarfen. Horror natürlich, aber auch Fantasy, Science Fiction, Sexploitation, you name it. Neben Unmengen an unterirdischen Filmen, hat Band auch Klassiker wie Re-Animator und From Beyond produziert; Filme, die nicht unwichtig für das Horrorgenre waren.

Empire of the ‚B’s gibt einen umfassenden Einblick in das Wirken von Charles Band. Alle Filme, die mit seinen Produktionsfirmen Charles Band Productions zwischen 1975 und 1983 sowie mit Empire Pictures zwischen 1984 und 1989 entstanden, werden auf jeweils zwei bis acht Seiten vorgestellt, analysiert und teilweise kritisch auseindergenommen. Dies ist kein Buch für Fanboys. Viele dieser Filme sind formal schlecht, und dies wird von den Autoren auch nicht beschönigt. Dass die Autoren dennoch selbst auch Fans sind, versteht sich von selbst. Ohne Fansein wäre ein solches Buch gar nicht zu schreiben. Bei dem Buch handelt es sich um keinen Schnellschuss, es entstand im Laufe von über 10 Jahren Arbeit, was man durchaus merkt. Man erfährt ungemein viel über die Produktion und die Hintergründe der Filme.

Auf dem Cover ist zu lesen: The authorized history. Das Buch ist offiziell von Charles Band abgesegnet. Man kann also davon ausgehen, dass sämtliche Fakten auch tatsächlich Fakten sind. Es spricht im Übrigen für Charles Band, dass er offensichtlich kein Problem damit hat, in dem Buch Kritik zuzulassen. Man kennt es von anderen authorisierten Werken, die auch schon mal peinlich glorifizierend wirken.

Ebenso wichtig und erhellend wie der Filmteil, sind die mehr als 20 Interviews mit Regisseuren, Schauspielern, Effects-Leuten und anderen an den Filmen Beteiligten. Band selbst kommt natürlich auch ausführlich zu Wort, und Stuart Gordon hat das Vorwort geschrieben. All das zusammen ergibt ein schlüssiges Bild von Charles Bands Filmuniversum. Wer sich nun fragt, warum Empire of the ‚B’s 1989 abbricht, wo doch Band bis heute fleißig weiter produziert: Es ist ein zweites Buch geplant. Ich hoffe nur, dass dies nicht weitere zehn Jahre auf sich warten lässt.

Drucktechnisch bleibt vielleicht abschließend noch zu sagen, dass es sich um ein typisches Hemlock-Buch handelt. Heißt: Digitaldruck auf Standardpapier mit solider Klebebindung. Leider ist das Buch nur in schwarz-weiß illustriert. Klar, in der heutigen Zeit kann man sich durchs Internet klicken, wenn man bunte Bilder sehen will. Dennoch, ein Filmbuch in schwarz-weiß ist immer ein bischen bescheiden. Gerade die vielen gemalten Cover- und Poster-Artworks der Band-Filme haben in Farbe doch eine ganz andere Wirkung. Es gibt auch noch eine auf fünfzig Stück limitierte Hardcover-Ausgabe. Die ist zwar auch nur schwarz-weiß, dafür aber von Charles Band signiert. Diese spezielle Ausgabe ist nur direkt bei Hemlock erhältlich.

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Musicless Intros

Mario Wienerroither ist letztes Jahr durch seine lustigen Musicless Musicvideos bekannt geworden, bei denen er populären Musikvideos die Musik nimmt und dafür passende Soundeffekte hinzufügt. Die Genialität liegt in der Balance zwischen Komik und Realismus.

Nun hat er sein Repertoire um Intros von Fernsehserien erweitert. Los gehts direkt mit zwei Klassikern der 80er Jahre: MacGyver und Knight Rider.

Film: Predestination (2014)

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Die meisten Zeitreisegeschichten haben in einer Form mit Logikproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt weil die kausalen Zusammenhänge von Zeitreisen den alltäglichen menschlichen Erfahrungen widersprechen. Der Film Predestination widmet sich ganz einem Zeitreiseparadoxon in einer Zeitschleife und versucht erst gar nicht, dieses irgendwie logisch aufzulösen. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die den Ablauf einer Zeitschleife immer wieder neu erzählen, schildert Predestination eine einzige Instanz einer Zeitschleife, die verschiedene Zeitebenen überbrückt, von den 1940er bis in die 90er Jahre hinein.

Ethan Hawke spielt einen namenlosen, nur als „The Barkeep“ bezeichneten, Temporal Agent; einen Zeitreiseagenten, der für eine geheime Organisation durch die Zeit reist, um Straftaten zu verhindern. Bevor er sich zur Ruhe setzen will, erhält er noch einen letzten Auftrag. Er soll den berüchtigten Fizzle Bomber aufhalten, der im Verlauf der Jahrzehnte verherrende Bombenanschläge verursacht. Dazu rekrutiert er im Jahre 1970 einen neuen Agenten namens John, der eine bemerkenswerte Vergangenheit hat, und dessen Existenz direkt mit der von Agent Barkeep verknüpft ist. Der neue Rekrut ahnt davon jedoch noch nichts. Haut für Haut, wie das Schälen einer Zwiebel, enthüllt der Film die Zusammenhänge und fügt am Ende alles zu einem Ganzen zusammen.

Predestination basiert auf der Kurzgeschichte All you Zombies von Robert A. Heinlein. Der Film hält sich eng an die Vorlage, einige Dialoge wurden direkt aus Heinleins Geschichte übernommen, erweitert die Geschichte aber um eine akribische Studie der menschlichen Identitätssuche, der im Film großen Platz eingeräumt wird, während die Kurzgeschichte das Thema nur vage anschneidet. In der ersten Hälfte erzählt der Film die Vergangenheit des Rekruten John, der eigentlich als Mädchen geboren wurde, der stets mit sich selbst haderte und der sich stets auf einer Suche nach dem eigenen Ich befand, als Mädchen genauso wie später als Mann. Agent Barkeep scheint diese Suche beenden und John eine Bestimmung geben zu können.

Diese faszinierend erzählte Identitätssuche wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem Diskurs über Vorbestimmung und freier Wille. Erst hier kommt die eigentliche Zeitreisethematik auf. Was ist vorbestimmt und inwiefern haben wir einen freien Willen? Welche Ereignisse sind unausweichlich? Können bestimmte Ereignisse rückwirkend verändert werden, und vor allem: ist der Mensch willens diese Ereignisse, und letztlich auch sich selbst, zu ändern?

Predestination ist ein Science-Fiction-Film, das sehr wohl. Aber die Science-Fiction-Elemente werden spärlich eingesetzt und sind nicht die Essenz des Films. Wer Filme wie Timecrimes und Triangle gesehen hat, Filme, die Zeitreisen spielerisch und hochkomplex thematisieren, der wird schnell darauf kommen, was hinter Predestination steckt. Die Auflösung des Films, die Konfrontation mit dem Fizzle Bomber, erfolgt dann auch eher unspektakulär. Predestination liefert im Verlauf der Handlung einfach zu viele Hinweise auf den Ausgang. Der Film ist damit eigentlich wenig überraschend; für diejenigen, die Heinleins Kurzgeschichte kennen ohnehin nicht.

Trotzdem ist Predestination ein lohnenswerter Film. Ein Film, der schmerzhaft schön erzählt von Idendität, Vorbestimmung und freiem Willen, und der mit Ethan Hawke und Sarah Snook, die hier der eigentliche Schauspielstar ist, ganz wunderbar besetzt ist. Ein Film, der mehr zu bieten hat, als die äußere Science-Fiction-Hülle.

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Ian Fleming’s Bücher fallen in Kanada unter Public Domain

Der James-Bond-Schöpfer Ian Fleming ist 1964 gestorben. Damit ist das Urheberrecht seiner Werke zum 01.01.2015 zumindest in Kanada erloschen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, erlischt in Kanada das Urheberrecht bereits nach 50 Jahren nach dem Tod des Urhebers und nicht erst nach 70 Jahren.

Das kanadische Project Gutenberg hat bereits reagiert und veröffentlicht nun nach und nach seine Werke zum kostenfreien Download – inklusive der James-Bond-Romane. Die Bücher stehen in den Formaten HTML, Text und EPUB zur Verfügung.

Darf man aus Deutschland diese Bücher herunterladen? Da ich kein Rechtsexperte bin, kann ich darauf keine definitive Antwort geben. Meiner Meinung nach dürfte der Download aber durch § 53 UrhG gedeckt sein.

Comic: Revenge

Die vierteilige Comicserie Revenge von Jonathan Ross und Ian Churchill wäre mir fast entgangen, da mich weder Titel noch Titelbilder angesprochen haben. Wie viele Comics, Geschichten, Filme, gibt es, die Revenge heißen oder das Wort im Titel führen? Solch ein Name ist einfach zu unspezifisch, um mich anzulocken. Die Titelbilder lassen zwar technische Klasse erkennen, und Ian Churchill ist ja nun auch kein unbekannter Künstler, aber das Sujet, blutige Fratzen mit großen Kanonen, überzeugt nicht gerade durch einen Überschwang an Originalität.

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Griffin Franks‘ Filmografie in der IMDb

Glücklicherweise habe ich doch einmal in Revenge reingelesen, und siehe da: Der Comic hat es in sich. Die Story: Der abgehalfterte Action-Star Griffin Franks landet auf seine alten Tage noch einmal einen veritablen Kinohit. Trotz des Erfolgs wollen die Produzenten für die Fortsetzung, Franks durch einen jüngeren Star ersetzen. Franks beschließt daraufhin, sich bei einem schäbigen Arzt in Mexiko ein neues Gesicht transplantieren zu lassen. Was er noch nicht weiß: seine Ehefrau, die ihm die ganze Sache eingeredet hat, führt Übles im Schilde. Die hat längst einen jüngeren Liebhaber und braucht nun Franks‘ Gesicht, um den Ehevertrag umschreiben zu lassen. Ihr Liebhaber soll sich dabei als Griffin Franks ausgeben. Als Franks die Wahrheit erkennt, hat er schon kein Gesicht mehr und liegt betäubt im Antisepsistank. Nachdem ihm die Flucht gelingt, übt er verkleidet als sein Film-Alter-Ego, The Revenger, gnadenlose Rache.

Klingt nach einer typischen Rache-Geschichte. Was den Comic zu einem Knaller werden lässt, ist die Umsetzung. Revenge ist eine fiese Satire auf den Jugendwahn und die Scheinheiligkeit in Hollywood. Grell, bunt und laut, voller Blut, Gewalt und Sex. Revenge macht keinen Hehl daraus, dass Plakativismus das Stilmittel der Wahl ist, wenn Franks mit seinem Flugzeug abstürzt und das symbolträchtige Hollywood-Schild dabei in Flammen aufgeht. Die schreiberische Qualität zeigt sich in den Sequenzen, wenn Franks in den Schmerz- und Drogenwahn abdriftet, sich Realität und Albtraum zu den absurdesten Erscheinungen vermischen.

Revenge #1 (2014) - Letterman, Oprah

Nur eine Halluzination: Griffin Franks als Witzfigur bei Letterman und auf Oprah’s Couch

Für das Finale des Comics, man könnte es auch wortwörtlich das große face-off nennen ;-), hat sich Autor Jonathan Ross, bei dem es sich übrigens um den berühmten englischen Moderator handelt, passenderweise die Golden-Globe-Verleihung ausgesucht, bei der diverse Stars, von Robert Downey Jr. bis Scarlett Johansson, auftauchen.

Zeichnerisch bewegt sich Revenge im schrillen realistischen Bereich, wobei sich manche Figuren durchaus am Rande zur Karikatur befinden. Typen haben dicke Muskeln, Frauen sehen aus wie silikontittige Pornostars. Das passt alles sehr gut zum Konzept. Ein „Fin?“ am Ende weckt die Hoffung auf eine Fortsetzung.

Ein Comic wie ein guter B-Film. Und einmal mehr zeigt sich: don’t judge a book by its cover.