Archiv für den Monat April 2016

Meine ersten beiden Kyusus

Das ist häufig die Frage, die sich Trinker japanischer Tees stellen: sollte man seine Tees in einer Kyusu brühen oder sollte man auf den teuren Schnickschnack lieber verzichten? Echte Kyusus sind aus hochwertigem Ton gebrannt, der nur lokal in Japan vorkommt, und bleiben unglasiert, so dass die Mineralien im Ton mit dem Tee reagieren und den Tee zu einem edleren Geschmack verhelfen sollen. Gleichzeitig nimmt der Ton die Aromen des Tees auf und kann sie an den Tee wieder abgeben. Ein gewisser Atmungseffekt tritt ein. Dafür bedarf es allerdings einer langen Nutzung der Kyusu.

Seit einigen Wochen besitze ich eine violette Banko-yaki von Meister Masaki Tachi und eine schwarze Tokoname-yaki aus der Gyokko-Töpferei. Die Banko benutze ich für Gyokuru und Kabusecha, die Tokoname für Sencha und Bancha. Allerdings bin ich mittlerweile so von den Kyusus überzeugt, dass ich plane, eigene Kannen für alle Teesorten, die ich regelmäßig trinke, zu kaufen.

Zuvor habe ich alle Tees in einem Teeglas mit großem Edelstahlfilter gebrüht. Ich bilde mir ein, der Tee aus der Kyusu schmeckt runder und feiner. Was man außerdem nicht unterschätzen sollte, ist eine gewisse emotionale Wirkung im Umgang mit den handgetöpferten Tonkännchen. Eine Kyusu hat etwas angenehm altertümliches und wirkt viel wärmer als so ein Glas mit Edelstahlfilter. Ich bin jedenfalls begeistert und schaue schon meiner nächsten Kyusu freudig entgegen.

Bonus-Foto: Ich habe den ersten Shincha des Jahres gebrüht. Kuritawase aus Tanegashima. Sehr gut.

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Tatort im Scope-Format (Teil 2)

Letztes Jahr habe ich mich hier im Blog noch über das breite Bildformat im Verhältnis 2,40:1 des zweiten Frankfurter Tatorts gewundert und ein einmaliges Stil-Experiment vermutet. Vor Kurzem ist der dritte Frankfurter Tatort ausgestrahlt worden (Die Geschichte vom bösen Friederich). Und zwar ebenfalls in 2,40:1. Es scheint so, als wolle man beim Frankfurter Tatort einen Kinolook etablieren. Und in der Tat fällt diesmal nicht nur das breite Widescreen auf, sondern auch die elegante Kamera und die dezent eingesetzten Kameraspielchen.

Gleich zu Beginn sehen wir eine dreieinhalbminütige Steadycam-Fahrt ohne Schnitt, die die zwei Ermittler am Tatort verfolgt:

 

Pointierte Zooms werden eingesetzt (Bilder anklicken für Animation):

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Szenen mit interessantem Bildaufbau (Bilder anklicken für Animation):

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Weitere Screenshots:

 

Monika Roscher Bigband – Of Monsters and Birds

Das zweite Album der Monika Roscher Bigband ist da und es trägt den Titel Of Monsters and Birds. Man sollte einfach alles vergessen, was man je mit der Bezeichnung „Bigband“ in Verbindung gebracht hat. Besetzungstechnisch ist das hier eine Bigband, aber mit so viel mehr. Hier wird der ganz große dramatische Kontrast der Dynamik und Widersprüchlichkeit zelebriert. Bigband-Sound, ja, Posaunen, Saxophone, Trompeten, Schlagzeug, dann elektronische Spielereien, eine schreiende E-Gitarre, Funk-Grooves, vertrackte Prog-Rock-Arrangements, die im chaotischen Exzess gipfeln, smoother Crime-Jazz, der jedem Spy-Movie der 60er Jahre gut als Soundtrack stehen würde, und Soli. Soli ohne Ende. Das Ganze wird dargeboten mit einer Verve und Originalität – und vor allem: Experimentierfreude – wie man sie von manchen Künstlern aus der goldenen Zeit des „Space Age Pop“ kennt. Diese Facette spiegelt sich auch im beschreibenden Charakter mancher Song-Titel wider (A Walk in the Park by Night, Entering Birds, Terror Tango, Carribean Delirium). Instrumente imitieren Dinge, Tiere, Szenen. Oder besser: Instrumente imitieren groteske Varianten dieser. Da macht der Albumtitel plötzlich Sinn. Of Monsters and Birds ist wie ein Traum. Bedrohlich, aber gleichzeitig so faszinierend und lockend, dass man sich wünschte, er würde nie vorüber gehen. Der schiere Irrsinn.

Das Album Of Monsters and Birds ist erhältlich auf CD, Vinyl und als Download.
Kaufen, anhören, liebhaben!

 

Sardinenlieferung aus Frankreich

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Ich bin schon lange ein Liebhaber von Ölsardinen. Ein Lebensmittel, das meiner Erfahrung nach, unterschätzt wird. Dazu dürfte auch Discounterware beigetragen haben, die leider häufig eine Enttäuschung ist. Lieblose Verarbeitung und die Verwendung von Rapsöl oder minderwertigem Olivenöl werden dem Fisch nicht gerecht. Da die Sardinenbestände in vielen Fanggebieten als bedroht gelten, gebe ich lieber mehr Geld für ein hochwertiges Produkt aus und konsumiere dafür insgesamt weniger.

Über lange Zeit hatte ich mein Glück in den portugiesischen Marken wie Minerva, Nuri und Tricana gefunden. Dann allerdings bin ich auf La Quiberonnaise gestoßen, eine Fischmanufaktur auf der bretonischen Halbinsel Quiberon, die bereits seit 1921 existiert und sich durch exzellente Qualität und originelle Spezialitäten auszeichnet. Zartere Sardinen habe ich niemals gegessen.

Ein oder zwei Mal im Jahr lasse ich mir ein Paket mit Meeresschätzen liefern. Das obige Foto zeigt die aktuelle Lieferung. Details folgen hier:

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Einige Standardprodukte. Von oben nach unten sind das: Sardinen mit Zitrone, in Tomatensauce und klassisch nur in Olivenöl. Sofern es sich nicht um Spezielles wie Tomatensauce handelt, sind alle Sardinen von La Quiberonnaise in hochwertigem Olivenöl (vierge extra) eingelegt. Es fehlt hier sardines aux piments, Sardinen mit Chili. Esse ich sehr gerne, sind aber moment nicht verfügbar.

 

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Diese geöffnete Dose zeigt die klassische Variante in ganzer Pracht. Große Fische im zarten goldgelb des Olivenöls. Traditionell sind die Sardinen mit Haut und Gräten eingelegt, die mitessbar sind. Wer den gewissen „Crunch“ der Gräten nicht mag, kann die Rückengräte entfernen. Mache ich meistens so. Dazu empfehle ich ein frischgebackenes Weiß- oder Fladenbrot und sonst nichts.

 

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Serie limitée Les sirènes. Limitierte Editionen werden regelmäßig aufgelegt. Diese sind nicht nur geschmacklich überraschend, sondern auch optisch einzigartig. Für jede limitierte Serie werden Künstler für die Dosen engagiert, darunter auch die eine oder andere bekannte Größe. Die aktuelle Edition „Die Sirenen“ besteht aus von oben nach unten: Sardinen mit Oliven und Meerfenchel (Künstler: Stanislas Barthélémy), mit Ingwer (Künstler: Gilbert Shelton!) und mit Wasabi (Künstler: Denis LeLièvre alias „PIC“). Das Problem mit den limitierten Dosen: sie sind so schön, man will sie gar nicht öffnen.

 

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Sardines au beurre. Sardinen in Butter – klingt banal, schmeckt aber unbeschreiblich gut. Der Clou hierbei ist, dass die Sardinen nicht in Olivenöl eingelegt, sondern in einer Premiumbutter von Meister Jean-Yves Bordier eingegossen sind. Zur Zubereitung erwärmt man die Dose im Wasserbad bis die Butter geschmolzen ist, gibt alles in eine heiße Pfanne und brät die Sardinen für einige Minuten von beiden Seiten. Es gibt nichts Besseres! Neben der Reinform, sind diese Buttersardinen auch mit Yuzu-Frucht, mit Algen und mit rauchig-mildem Espelette-Chili erhältlich. Es lohnt sich,  alle Sorten zu probieren.

 

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Zum Schluß noch ein Geheimtipp: Anchovis. Wer die kleinen Sardellen bisher aufgrund ihres Salzgehaltes selbst in Zutaten- oder Beilagenform für ungenießbar gehalten hat, so wie ich, der wird Anchovis nach dem Genuß der Quiberonnaise-Variante in ganz neuem Licht sehen. Bei Quiberonnaise werden Anchovis nicht eingesalzen, sondern nach Art der Sardinen in Olivenöl, Pfeffer und Lorbeer eingelegt. Das Ergebnis ist ein noch feinerer Geschmack als bei den ohnehin schon exzellenten Sardinen. Da stellt sich die Frage, warum man diese Zubereitungsform nicht häufiger antrifft.

Preise – Lohnt sich eine Bestellung in Frankreich?

Die Preise der hier vorgestellten Produkte bewegen sich pro Dose zwischen €3,30 (Sardinen in Tomatensauce, 5er Pack) bis €5,00 (limitierte Serie, 3er Pack). Dies sind die günstigsten Preise beim Kauf der 5er und 3er Packs. Kauft man einzelne Dosen, wird es teurer. Meine Bestellung beinhaltete insgesamt 28 Dosen und die nach Gewicht berechneten Versandkosten beliefen sich auf €17. Ermittelt man vom Endpreis inklusive Versandkosten den Durchschnittspreis, kommt man auf genau €4,77 pro Dose. Das ist das etwa zwei- bis dreifache einer normalen Sardinendose im Supermarkt. Klingt viel, ist aber ein guter Preis für ein hochwertiges Produkt.

Ein Vergleich mit einer Bestellung in Deutschland fällt nicht schwer, da die Produkte von La Quiberonnaise in Deutschland kaum angeboten werden. Einzig Maître Philippe und Sardinophil, die ebenfalls zu Maître Phillipe gehören, haben eine größere Auswahl an La Quiberonnaise. Die günstigste Dose kommt dort auf €5,50 (beim Kauf im 5er Pack) und die teuerste auf €8 (im 3er Pack). Klicke ich mir dort die gleiche Bestellung zusammen, komme ich auf eine Ersparnis von über €50 bei der direkten Bestellung in Frankreich. Dies gilt für die aktuelle Bestellung von 28 Dosen. Bestellt man weniger oder mehr, fällt entsprechend auch die Ersparnis niedriger oder höher aus.

Rein finanziell lohnt sich die Bestellung in Frankreich also ab einer gewissen Menge durchaus, trotz der relativ hohen Versandkosten. Zum Bestellprozess bei La Quiberonnaise muss gesagt werden, dass die Webseite nur in Französisch verfügbar ist. Allerdings ist so eine Bestellung mit Warenkorb ja quasi selbsterklärend und die Adresse in ein Formular eintragen, schafft man auch ohne große Sprachkenntnis. Die Zahlung erfolgt per Kreditkarte über einen externen Finanzdienstleister, was aus Sicherheitsgründen eine gute Sache ist. Bisher waren die Bestellungen stets nach drei bis vier Tagen bei mir.

Es lohnt sich auch, einen Blick auf das das restliche Angebote von La Quiberonnaisse zu werfen. Neben den hier gezeigten Sardinen und Sardellen werden viele weitere Sorten sowie Makrelen, Muscheln, Pasten, Suppen und andere Meerespezialitäten angeboten.