Loch in einem Schädel ausbessern

Ich habe hier einen Schädel, der offenbar von einem artikulierten Skelett stammt, da er oben das charakteristische Loch hat, wo das Skelett normalerweise aufgehängt ist. Wenn man sich erkundigt, wie man solche Löcher am besten verschließt, wird Epoxidharz, Holzleim oder Sekundenkleber mit Knochenmehl empfohlen.

Das sind mir allerdings zu endgültige Methoden und Epoxy oder Holzleim scheinen mir auch nicht ideal dafür, das Loch optisch verschwinden zu lassen. Ich habe mich daher entschieden, etwas auszuprobieren, was sich wieder rückgängig machen lässt, sollte der Versuch misslingen. Ich habe Modellgips verwendet und beim Anrühren etwas beige Kreidefarbe hinzugefügt. Kreidefarbe ist das Zeug, was man benutzt, um Möbel auf shabby chic zu trimmen.

Dass das Loch direkt in der Schädelnaht platziert ist, verkompliziert die Ausbesserungsarbeit, bringt aber gleichzeitig den Vorteil, dass man die Ausbesserungsstelle „verstecken“ kann. Während der Gips sich verfestigte, habe ich mit einer Nadel die Schädelnaht nachgezogen bzw. immitiert. Das wäre bei Epoxy oder Sekundenkleber nicht möglich gewesen. Nach der Durchtrocknung habe ich zum Abschluss etwas Graphitstaub aus dem Bleistiftspitzer darüber verwischt um einen optischen Übergang zu erzielen.

Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber überraschend gut. So gut, dass man schon genau hinschauen muss, um die Ausbesserung zu erkennen. Mir scheint diese Gipsmethode daher ziemlich empfehlenswert.

Der Vollständigkeit halber der Schädel auch noch mal von vorne. Sieht nach einer westlichen Frau mittleren Alters aus.

Neues aus Afrika und den Philippinen

Hier einige Objekte, die ich in den letzten Monaten bekommen habe.

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Ein Medizinkorb mit Reliquiarfigur der Fang aus Gabun. Ca. 40 cm hoch, geschmückt mit Ringen und Augen aus Metall. Die Figur hält ein symbolisches Tierhorn in den Händen. Der Korb ist mit Raphiablatt verschnürt und mit Harz versiegelt.

 

Diese Figur wurde als Fruchtbarkeitsfetisch der Mangbetu (Kongo) angeboten. Der längliche Kopf weist zwar einige Mangbetu-Charakteristiken auf, aber mittlerweile glaube ich eher, es handelt sich um eine Figur der Baule (Elfenbeinküste). Die dreieckige Gesichtsform und der ziegenbartartige Fortsatz am Kinn sind typisch Baule. Und dann ist da der echte Affenschädel, eingebettet in einem runden Hohlraum, auf dem die Figur kniet. Affen findet man in jeglicher Form in Kunstwerken der Baule. Die Figur ist ca. 60 cm hoch und aus einem Stück Holz geschnitzt, weitere Materialien: Gehäuse von Kaurischnecken, Wolle, Naturfasern. Wunderschönes Stück, habe ich vorher in dieser Art noch nicht gesehen.

 

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Trophäen-Kalebasse der Bamum aus Kamerun, frühes 20. Jahrhundert. Die Bamum schmückten die Kalebassen mit den Unterkiefern ihrer Feinde. Nach erfolgreicher Schlacht wurde in den Kürbisflaschen Palmwein serviert. Diese Kalebassen waren üblicherweise nur den hochgestellten Bamum vorbehalten. Entsprechend selten sind die Kalebassen heute. Darunter zum Vergleich ein zeitgenössisches Foto mit Kriegstrophäen der Bamum. Wie zu sehen, fehlt meiner Kürbisflasche leider der typische Henkel.

 

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Jagdtrophäe der Ifugao von den Philippinen. Ein kleiner Wildschweinschädel mit aufgebundenem Holzkörper, der einen  Affenschädel trägt. Das ist nicht besonders wertvoll, sondern eher ein Touristenstück. Dennoch gefällt mir die Kombination aus echten Schädeln und geschnitzter Holzfigur.

Zahntransplantation am anatomischen Schädel

Ich habe diesen tollen anatomischen Schädel, der einen kleinen Schönheitsfehler besaß in Form des fehlenden seitlichen Schneidezahns im Oberkiefer. Das hat mich so gestört, dass ich nach Ersatz gesucht habe. Fündig geworden bin ich bei einem anderen Schädel, dem ohnehin schon etliche Zähne fehlten, so dass ein weiterer fehlender Zahn nicht weiter auffällt.

Diesem habe ich einen Zahn aus dem Unterkiefer entnommen, ein wenig aufpoliert,  die Wurzel passend geschliffen und dem Empfängerschädel eingeklebt. Das Ergebnis ist schon überraschend. Selbst mit dem Wissen, dass dies nicht der Originalzahn ist, lässt sich kein Unterschied erkennen. Der Zahn passt optisch und von der Form her tadellos in diesen Schädel, obwohl er aus dem Unterkiefer stammt.

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Vorher / Nachher

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Spenderschädel mit rot markiertem Spenderzahn

Neue Sammelobjekte

Ich habe zwei tolle Sachen beim Zoll abgeholt.

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Als erstes haben wir hier eine alte schamanische Exorzismus-Maske des Tharu-Volks aus Nepal. Kam ziemlich verdreckt an, habe ich wieder schön aufpoliert. Die Maske ist aus Holz des Bodhibaums geschnitzt. Der Baum steht im Buddhismus als Symbol für Buddha, da dieser unter einem solchen Baum sitzend zur Erleuchtung fand. Die Maske ist mit Yak-Haar, Yak-Zähnen, Kupferstreifen und zwei großen Schafhörnern besetzt. Die runden Scheiben sind ebenfalls aus Horn gearbeitet. Solche Schamanen-Masken sind generell relativ selten und stets einzigartig in ihrer Erscheinung. Soweit ich weiß, gibt es keine zwei Masken, die sich ähneln.

Beim zweiten Objekt handelt es sich um einen Halbschädel auf Ständer. Das Präparat hat einen akkuraten Sagittalschnitt und dürfte schätzungsweise um die 100 Jahre alt sein.

Der echte Schädel im Horrorfilmklassiker The Skull (1965)…

…und was der Marquis de Sade damit zu tun hat.

skull1skull3skull5 skull6Der eine oder andere wird vielleicht schon mein Tumblr-Posting gelesen haben. Der Vollständigkeit halber schreibe ich auch hier etwas dazu. Dass im Horrorfilmklassiker The Skull (deutscher Titel: Der Schädel des Marquis de Sade) ein echter Schädel zum Einsatz kam, hat scheinbar bisher noch niemand für erwähnenswert gehalten. Der Authentizität hat es gedient, denn die Schädelmodelle, die man sonst in Filmen dieser Zeit sieht, wirken meist nicht besonders überzeugend. Das lässt sich auch ganz gut bei The Skull erkennen, wenn der Schädel durch den Raum fliegt. Für diese Effektszenen wurde nämlich auf ein Filmrequisit zurückgegriffen, wie man im folgenden Bild erkennen kann. Man beachte die wenigen Details auf der Außenseite und die fehlenden Öffnungen in den Augenhöhlen:

skull7Eine weitere interessante Bewandnis gibt es zu entdecken. Obwohl der Schädel im Film den Schädel des Marquis de Sade darstellen soll – der von einem bösen Geist besessen ist und den Besitzern nur Wahnsinn und Tod bringt – deuten die kranialen Merkmale eher auf einen weiblichen Schädel hin. Die Produktion hat vermutlich den nächstbesten Schädel verwendet, der zur Verfügung stand. Es gab offensichtlich auch nur diesen einen Schädel, denn der Schädel ist in allen Szenen stets der selbe. Daher hat man vermutlich bei den „riskanten“ Flugszenen auch ein Requisit verwendet und den echten Schädel geschont.

Naheliegenderweise hat mich der Film dazu animiert, mal nachzuschauen, was eigentlich aus dem echten Marquis de Sade geworden ist, oder eher: aus seinen sterblichen Überresten. Es stellt sich heraus, dass de Sades Körper kurz nach seinem Tod von einem Doktor namens L.J. Ramon exhumiert und der Schädel zwecks phrenologischer Untersuchungen mitgenommen wurde. Ramon gelang es, einen Abdruck des Schädels zu nehmen, bevor ein deutscher Doktorkollege mit dem Schädel verschwand. Während de Sades Schädel bis heute verschwunden bleibt, befindet sich der Schädelabdruck heute im Musée de l’Homme in Paris (Quelle).

Die phrenologischen Untersuchungen ergaben übrigens recht widersprüchliche Eigenschaften. Während Ramon, der mit de Sade vor dessen Tod befreundet war, anhand des Schädels keine „Bösartigkeit oder Aggressivität und keinen exzessiven erotischen Trieb“ feststellen konnte, will ein Kollege an dem Schädel klare Merkmale für „Wahnsinn und einen zügellosen Menschen wie Nero“ erkannt haben, der geradezu prädestiniert war für „blutige Ausschweifungen“. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass dIe moderne Wissenschaft die Phrenologie weitgehend als obsolet und inakkurat entlarvt hat.