Archiv für den Monat März 2015

I Could Float Here Forever – Twenty Thousand Leagues Under The Sea: Appendix A

Twenty Thousand Leagues Under The Sea

Schöne Entdeckung zur späten Abendstunde. Die mir zuvor unbekannte niederländisch-deutsche Post-Rock-Band, I Could Float Here Forever, hat Teil 1 eines zweiteiligen Albums veröffentlicht, das eine musikalische, rein instrumentale, Interpretation von Jules Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ bildet. Wer nun denkt, och nö, nicht schon wieder so ein typisches Post-Rock-Ding, der sollte unbedingt hier reinhören. Es handelt sich um eine mit viel Elektronica angereicherte fragile Klangwelt, die wie im Rhythmus der Wellen entspannt dahinschwebt. Selbst dramatische Ereignisse der Handlung finden in der Musik eine eher zurückhaltende Entsprechung.

Das Album kann gratis heruntergeladen werden und kommt mit einem schön gestalteten PDF.

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Comicserie: Manifest Destiny

Manifest Destiny 00

Seit einer ganzen Weile schon begeistert mich die Comicserie Manifest Destiny von Chris Dingess, der auch als Autor und Produzent im Fernsehserienbereich aktiv ist. Manifest Destiny folgt der berühmten Lewis-und-Clark-Expedition, die als erste Überlandexpedition zur amerikanischen Pazifikküste in die Geschichte einging. Dingess nimmt dieses Stück historische Entdeckertum als Hintergrund, setzt Wegpunkte, die sich an realen Ereignissen orientieren, und lässt dann seiner Fantasie freien Lauf. Manifest Destiny ist eine mit mit viel menschlichem Drama ausgestattete klassische Abenteuer-Geschichte, die ihr Augenmerk deutlich auf die Entdeckung der Flora und Fauna eines unerforschten Landes legt.

Ganz anders als im Falle der realen Entdecker Lewis und Clark, birgt die amerikanische Wildniss für die Protagonisten im Comic nämlich vorwiegend Kurioses und albtraumhaften Horror. Gigantische Pflanzenbögen, die in den Himmel wachsen, säumen die Landschaft, seltsames Moos lässt Menschen zu Zombies mutieren, Zentauerwesen bevölkern die Prärie und Monsterfrösche lauern in den Flüssen. Dieses unerforschte Amerika ist so betörend schön wie tödlich.

Manifest Destiny 02

Tagebucheinträge von Lewis geben der Geschichte die erzählerische Tiefe. Besonders unterhaltsam wird es, wenn Lewis verzweifelt versucht, seinen obskuren Entdeckungen eine wissenschaftliche Erklärung zu geben, der Leser dabei stets nah dran an Autopsien und Untersuchungen der Tier- und Pflanzenwelt und deren Auswirkung auf die Menschen.

Manifest Destiny ist vor allem so gut, weil der Comic eine gelungene Balance zwischen Abenteuer und Horror hält, und das Ganze mit einer fein dosierten Portion Ironie überzieht. Die liegt schon im Titel begründet: Manifest Destiny ist der Terminus, mit der im 19. Jahrhundert die Amerikaner ihre gottgegebene Bestimmung beschrieben, die Expansion nach Westen weiterzutreiben. Auf diese Hybris wird im Comic auf subtile Weise und mit gewandtem Wortwitz angespielt.

Zu allem Überfluss machen sich hier Lews und Clark auch noch mit einer Horde von Straftätern auf den Weg, die im Grunde nichts mehr zu verlieren haben und die in der Expedition ihre letzte Chance sehen, sich zu rehabilitieren. Deren Geschichte und die Hintergründe der Expedition werden in kurzen Rückblenden erzählt, die sich harmonisch in die Handlung einfügen.

Manifest Destiny 04

Ins Bild gesetzt wird die Geschichte von Zeichner Matthew Roberts und Kolorist Owen Gieni. Die Zeichnungen sind wunderbar detailert. Besondere Beachtung verdienen die faszinierenden Mimiken der Figuren. Roberts gelingt es mit Leichtigkeit eine große Bandbreite an menschlichen Gefühlsregungen den Figuren ins Gesicht zu zeichnen. Ebenso interessant ist der Bildaufbau mit vielen Nahaufnahmen, verschachtelten Panels und Panels, deren Inhalt von einem Panel ins nächste übergeht. Nicht selten kündigen aufeinander folgende kleine Panels ein großes Ereignis an, welches dann mit einer seitenfüllenden Zeichnung bombastisch aufgelöst wird. Die groteske Story des Comics findet in der bildlichen Darstellung zur Perfektion.

Manifest Destiny 03

Bisher sind 13 Ausgaben erschienen und laut des Autors soll die Serie noch eine ganze Weile weiterlaufen. Wie üblich bei Image-Comics, erscheinen regelmäßig Sammelbände, die jeweiles 6 Ausgaben zusammenfassen und günstig im Buchhandel zu kaufen sind. Meine Empfehlung!

Weil sie so schön sind, hier die Cover der ersten 12 Einzelausgaben.

Kammerflimmer Kollektief – Désarroi

kammerflimmerkollektief_desarroi

Kammerflimmer Kollektief, die Meister des Knarzens und Quietschens, haben ein neues Album veröffentlicht. Akustischer Surrealismus in Perfektion, aber auch abstrakt wie selten zuvor. Erst nach der radikalen Dissonanz der ersten drei Songs, kommt sowas wie Musikalität auf. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Muss ich erst noch öfter hören. Die vorherigen Alben Wildling und Teufelskamin waren jedenfalls etwas zugänglicher.

Vampire, Werewolves and Witches: A skeptical inquiry into the myth and the reality

Im Oktober hat das kritisch wissenschaftliche Centre for Inquiry in London ein Symposium zum Thema Vampire, Werwölfe und Hexen veranstaltet. Es ging um den Mythos, den realen Hintergrund und die moderne Darstellung dieser Kreaturen.

Im Detail:

Jessica Monteith on Vampires. The Modern Vampire: Suave and Debonair as we’ve never seen him before. Vampire in film and television have evolved from the undead, pestilence ridden revenants of the medieval and renaissance eras, into handsome playboy figures. Why has there been such a drastic re-interpretation of the vampire, and what does it say about the twenty-first century audience that this new ‘modern’ vampire has permeated popular culture?

Deborah Hyde on Werewolves. The werewolf is a common horror motif, but what did people during the witch-hunt of sixteenth and seventeenth century Europe really mean when they accused someone of ‘lycanthropy’? A discussion including films, history and analysis, during which we will found out who is worse – man or beast. Deborah writes, lectures internationally and appears on broadcast media to discuss superstition, religion and belief in the supernatural. She is currently writing a book ‘Unnatural Predators’.

Owen Davies on Witches. The persecution of witches in Europe and America – after the witch trials. Professor Owen Davies, University of Hertfordshire, has written widely on the social history of witchcraft, magic, ghosts, and popular medicine. In this talk he will explore why and how thousands of people, mostly women, were abused and murdered as witches in the nineteenth and twentieth centuries.

Die British Humanist Association hat Videos aller drei Vorträge sowie des anschließenden Q&A Panels mit den Rednern online gestellt. Sehr interessant.