Krimi-Podcast: Kein Mucks!

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Kürzlich hat Bremen Zwei einen 10-teiligen Podcast gestartet, in dem Bastian Pastewka alte Krimi-Hörspiele aus dem Bremen-Zwei-Archiv präsentiert. Das Ganze nennt sich passenderweise Kein Mucks! und ist definitiv eine hörenswerte Angelegenheit. Zur  Klarstellung: das ist kein Podcast über Hörspiele, sondern Pastewka macht die Einführung und die Hörspiele werden in Gänze gespielt. Hier hat man die Gelegenheit ein paar schöne alte, fast vergessene Hörspiele wieder zu entdecken.

Das erste Hörspiel habe ich gehört, ein 4-Teiler namens Zweite Instanz aus dem Jahr 1963 mit einem jungen Günter Strack in der Hauptrolle. Und ich bin positiv überrascht über die inhaltliche Qualität dieses Stücks. Eine Mischung aus Murder-Mystery und Gerichtsdrama. Macht auf jeden Fall Laune auf die nächsten Hörspiele.

 

Ein Filmheft aus Japan

Auf eBay gestöbert und Eva Renzi auf dem Cover eines alten japanischen Filmmagazins entdeckt. Da dachte ich mir, das könnte ich ja mal kaufen.

Es handelt sich um eine Ausgabe von Kinema Junpo (キネマ旬報), kurz: Kinejun (キネ旬), Nr. 477 vom September 1968. Kinejun hat eine interessante Geschichte. Es ist Japans ältestes Filmmagazin, gegründet 1919 (!) von vier Studenten, Anhänger der Pure-Film-Bewegung, die das japanische Kino dafür kritisierte, im Prinzip einfach nur Theater abzufilmen, anstatt die filmischen Möglichkeiten auszunutzen, und daher den ausländischen Film bevorzugte.

Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung während des 2. Weltkrieges, erscheint Kinejun bis heute. Eine Webseite gibt es natürlich auch. Die alljährlichen Top-Ten-Listen, die Kinejun veröffentlicht, scheinen eine ziemlich prestigeträchtige Angelegenheit zu sein. Die Fokussierung auf den ausländischen Film wurde schon in den 1930er Jahren aufgegeben und seitdem beschäftigt sich das Magazin generell mit Film und der Filmindustrie.

Wenn man kein Japanisch versteht, ist das Heft – zumindest meine alte Ausgabe – nicht so wahnsinnig spannend. Die ersten sieben Seiten bestehen aus ganzseitigen Foto-Collagen zu aktuellen Filmen. Dann folgt viel Text in Form von News, Reviews, Essays und Kinoprogrammen.

Interessanterweise ist auch das komplette 23-seitige Drehbuch einer Fernsehserien-Episode abgedruckt. Trotz Übersetzungs-App war es nicht ganz einfach, herauszufinden, worum es sich dabei handelt. Nach etwas hin- und hergeklicke habe ich die Episode in einer japanischen Fernsehserien-Datenbank identifiziert. Es ist die Episode 天下一の剣豪 (Tenkaichi no kengō, Der beste Schwertkämpfer der Welt) aus der Serie 剣 (Ken,  Schwert). Tetsuro Tanba spielt hier mit, den man zumindest aus dem James-Bond-Film You only live twice als Tiger Tanaka kennen sollte. Die Serie scheint aber selbst in Japan nicht übermäßig bekannt zu sein. Es gibt zwar eine DVD-Box, aber weder findet man einen Eintrag in der IMDb noch in der japanischen Wikipedia.

Werbung gibt es im Heft wenig. Die skandinavische Airline SAS hat eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Ansonsten sind da noch ein paar Seiten Filmwerbung. Die Anzeige zum Film Le Rapace mit Lino Ventura, der in Deutschland den schicken Titel Im Dreck verreckt hat, habe ich mal eingescannt, denn die habe ich online in dieser Form noch nicht gesehen.

Le_Rapace

Was Eva Renzi betrifft, die scheint ohne besonderen Anlass auf dem Titel zu sein. Auf Seite 2 findet sich zwar eine kleine Info-Box über sie, aber ansonsten habe ich im Heft nichts weiter über sie oder ihre Filme entdecken können.

Macht aber nichts. Trotz der Sprachbarriere, ist das Heft etwas Feines für die Sammlung. Und einiges gelernt habe ich bei der Recherche auch. Kinejun war mir bis dahin nämlich völlig unbekannt und die Fernsehserien-Datenbank könnte in der Zukunft auch noch mal hilfreich sein.

Ein Grabriegel aus Sagada

Bei der Renovierung meines Arbeitszimmers ist mir dieses Stück wieder in die Hände gefallen. Ich habe die Figur vor einigen Jahren auf eBay gekauft, wo sie als Grabriegel angeboten wurde. Mit dem deutschen Begriff kann man wenig anfangen. Bei den gängigen Suchmaschinen findet man jedenfalls nichts Hilfreiches.

Die Figur ist aus nicht näher definierbarem Holz, stark verwittert, ca. 72 cm hoch und 7 bis 8 cm im Durchmesser. Unten läuft sie konisch zu und der Dreck lässt vermuten, dass sie mal in der Erde gesteckt hat.

Nach eingehender Suchmaschinenbefragung und dem Experimentieren mit allen möglichen Begriffen, die mir so eingefallen sind, bin ich schließlich mit der englischen Umschreibung grave locker und tomb locker auf einer alten Auktionsseite gelandet, wo genau eine solche Figur verkauft wurde. Demnach handelt es sich offenbar um einen Grabriegel aus Sagada, Philippinen.

Leider ist die Beschreibung etwas knapp. Laut dem Kommentar der Expertin dort, stellt die Figur einen Ahnen dar, der den Verstorbenen auf seinem Weg begleitet und das Grab abriegelt (warum?). Ich hätte eher vermutet, dass die Figur den Verstorbenen selbst darstellt, aber ich vertraue an dieser Stelle der Expertin. Es bleibt auch sonst nicht viel zu tun, denn selbst mit den englischen Begriffen findet man außer dieser Seite und einer weiteren ähnlichen Auktionsseite nichts. Ich habe auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen bezüglich Sagada und der dortigen Ethnien gesucht. Die Gegend ist berühmt für ihre hängenden Särge, aber zu einer Art von Grabriegel habe ich nichts entdecken können. Was aber nichts bedeutet. Nicht alles ist wissenschaftlich dokumentiert. Gerade zu kleinen Volksgruppen, die extrem regional beschränkt sind, wie es hier der Fall ist, ist die Quellenlage häufig dünn.

Wie dem auch sei. Für den Grabriegel habe ich jedenfalls erst mal einen Ständer zurechtgesägt und einen prominenten Platz auf meinem Schreibtisch gefunden.