Ein Grabriegel aus Sagada

Bei der Renovierung meines Arbeitszimmers ist mir dieses Stück wieder in die Hände gefallen. Ich habe die Figur vor einigen Jahren auf eBay gekauft, wo sie als Grabriegel angeboten wurde. Mit dem deutschen Begriff kann man wenig anfangen. Bei den gängigen Suchmaschinen findet man jedenfalls nichts Hilfreiches.

Die Figur ist aus nicht näher definierbarem Holz, stark verwittert, ca. 72 cm hoch und 7 bis 8 cm im Durchmesser. Unten läuft sie konisch zu und der Dreck lässt vermuten, dass sie mal in der Erde gesteckt hat.

Nach eingehender Suchmaschinenbefragung und dem Experimentieren mit allen möglichen Begriffen, die mir so eingefallen sind, bin ich schließlich mit der englischen Umschreibung grave locker und tomb locker auf einer alten Auktionsseite gelandet, wo genau eine solche Figur verkauft wurde. Demnach handelt es sich offenbar um einen Grabriegel aus Sagada, Philippinen.

Leider ist die Beschreibung etwas knapp. Laut dem Kommentar der Expertin dort, stellt die Figur einen Ahnen dar, der den Verstorbenen auf seinem Weg begleitet und das Grab abriegelt (warum?). Ich hätte eher vermutet, dass die Figur den Verstorbenen selbst darstellt, aber ich vertraue an dieser Stelle der Expertin. Es bleibt auch sonst nicht viel zu tun, denn selbst mit den englischen Begriffen findet man außer dieser Seite und einer weiteren ähnlichen Auktionsseite nichts. Ich habe auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen bezüglich Sagada und der dortigen Ethnien gesucht. Die Gegend ist berühmt für ihre hängenden Särge, aber zu einer Art von Grabriegel habe ich nichts entdecken können. Was aber nichts bedeutet. Nicht alles ist wissenschaftlich dokumentiert. Gerade zu kleinen Volksgruppen, die extrem regional beschränkt sind, wie es hier der Fall ist, ist die Quellenlage häufig dünn.

Wie dem auch sei. Für den Grabriegel habe ich jedenfalls erst mal einen Ständer zurechtgesägt und einen prominenten Platz auf meinem Schreibtisch gefunden.

Neu in meiner Sammlung

Diese zwei schönen Objekte der Pende aus dem Kongo stehen nun bei mir.

 

Dies ist eine Mbangu-Maske des Pende-Volks aus dem Kongo, die ungewöhnlicherweise mit zwei Gesichtern dargestellt ist, und der eine – wiederum zweigesichtige – Figur auf dem Kopf sitzt. Mbangu symbolisiert den Dualismus von Krankheit und Gesundheit. Die mit Kaolin gefärbte weiße Seite ist die gesunde Seite, während die dunkle Seite die kranke Seite darstellt. Der Effekt der Widersprüchlichkeit wird in diesem Fall durch die Zweigesichtigkeit noch verstärkt.

Die zwei Münder stehen fast vertikal. Der linke Mund hat keine sichtbaren Zähne, während der rechte Mund die für die Pende typischen angespitzen Zähne zeigt. Der Maskenteil weist Attribute auf, die die Pende mit Männlichkeit assozieren (bauchige Stirn, ausgeprägte Wangenkochen und vorspringende Augen), gleichzeitig erscheint das Gesicht feminisiert, speziell beim Anblick von der Seite.

Die Figur auf dem Maskenteil besitzt den eindeutig männlichen dicken Bauch und einen kleinen Buckel auf dem Rücken. Beim Mbangu-Tanz der Pende trägt der Maskenträger einen Buckel, in dem ein Pfeil steckt. Dies verweist auf den Volksglauben, dass Krankheit und Verderben von Zauberern und Hexen ausgeht, die ihre unsichtbaren Pfeile auf die Opfer schießen. Die Figur besitzt einen eingewickelten Arm (gebrochen?), einen Lendenschurz aus Stoff und ein Medizinhorn.

Es ist öfter zu lesen, dass Mbangu-Masken bei einem Heilungsritual eingesetzt werden. Die moderne Forschung geht allerdings eher davon aus, dass es sich bei Mbangu um eine Art Warnung für alle Gesunden handelt, nicht überheblich gegenüber denen zu sein, die von Krankheit und Pein geplagt sind. Denn das Übel kann jeden treffen, wie der Blitz – oder in diesem Fall: der Pfeil – aus heiterem Himmel.

Die gesamte Maske ist ca. 50 cm hoch und aus einem Stück geschnitzt.

 

Das zweite Objekt ist eine Statue, die alle typischen Mbangu-Charakteristiken aufweist. Die Figur ist klassisch eingesichtig und aufgrund der Brüste eindeutig als weiblich zu identifizieren. Der Gesundheit-Krankheit-Dualismus verläuft in diagonaler Form über den gesamten Körper. Im Vergleich mit der Maske, sind bei der Figur krankhafte Symptome in hohem Detailgrad herausgearbeitet und grafisch dargestellt.

Das „kranke“ Auge ist verdickt, der verzerrte Mund zieht sich bis zur Schulter hinunter, am Hals und der Hüfte sind riesige Auswüchse zu sehen (Beulenpest?), die rechte Brust ist verkümmert und das Bein weist eine große rohe Wunde auf, deren Schwere durch das unbehandelte Holz an dieser Stelle sehr eindringlich zu Geltung kommt. Die Figur ist mit Seil und Lendenschurz aus Raffia bekleidet.

Die Größe beträgt ca. 60 cm. Ein schönes wie interessantes Stück.

Neu in meiner Sammlung

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Unter anderem neu in meiner Sammlung befindet sich diese grimmig aussehende nkisi nkondi. Mit 30 cm ist diese nkondi verhältnismäßig klein. Der Körper ist aus einem Stück Holz geschnitzt, Haare und Zopf aus Textil geformt, in die pupillenlosen Augen ist ganz traditionell Glas eingelassen, der Körper ist eher unsymmetrisch mit Nägeln bestückt, während das Seil den Körper in sorgfältig gelegten Schleifen umwickelt. Unter dem Seil befindet sich – möglicherweise als Behältnis ausgeformtes – Textil.

Minkisi (Plural von nkisi) sind Figuren aus dem Kongo, denen ein Geist innewohnt. Sie können sowohl dem Schutz als auch der Abwehr von Bösem und der Heilung von Krankheiten dienen. Minkondi (Plural von nkondi = Jäger) sind eine Unterart, die sich durch besondere Aggressivität auszeichnen. Sie kommen vor allem bei der Jagd nach Dieben und Lügnern und der Abwehr von okkultem Zauber zum Einsatz. Der nganga (Doktor oder Heiler) gibt beim Künstler eine Figur in Auftrag, deren eigentlicher Zweck oftmals schon direkt in die Form der Figur mit einfließt. Zu sehen ist das oft an unterschiedlich ausgearbeiteten Teilen. Bei dieser Figur ist beispielsweise das Gesicht sehr detailiert gestaltet, während die Extremitäten nur grob geschnitzt sind. Der nganga bringt die Figur an einen von Geistern heimgesuchten Ort, zum Beispiel einen Friedhof, und wartet, bis sich ein Geist der Figur bemächtigt. Die Nägel werden in die Figur geschlagen, um den Geist aufzustacheln, während das Seil den Geist gleichzeitig an die Figur bindet. Kräuter und andere magische Utensilien, bilongo genannt, werden entweder direkt in Behältnisse an der Figur eingebracht oder in Säckchen an der Figur befestigt. Nicht selten werden die nkisi nkondi auch verbal beleidigt und anders malträtiert, um ihre ganze Kraft zu erwecken.