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Amazon-Serien

Meine Kurzkommentare zu einigen Amazon-Serien, sowohl Eigen- als auch Drittproduktionen, die zu Unrecht etwas unter dem Radar laufen.

Patriot (2 Staffeln)

Der depressive Geheimagent John Tavner, der nach Dienstschluss seine Missionen gerne bei öffentlichen Liederabenden vorträgt (sehr zum Missfallen der Vorgesetzten, versteht sich), heuert bei einem Rohrhersteller an, um undercover als Geschäftsmann in Luxemburg einen Deal einzufädeln, der den Iran daran hindern soll, sein Nuklearprogramm umzusetzen. Doch John scheint das Pech förmlich anzuziehen. Er tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste, aber nie aus eigener Inkompetenz, sondern es kommt ihm stets der Zufall dazwischen. Gemäß Murphy’s Law: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief.

Wie John das Schicksal annimmt und mit stoischer Entschlossenheit die unmöglichsten Situationen meistert, ist grandios erzählt und noch besser gespielt. Michael Dorman heißt der Schauspieler. Man möchte ihm in jeder Szene zurufen: Junge, warum nimmst du all die Strapazen auf dich? Der Serientitel gibt die Antwort. Patriot ist ein lakonisch erzähltes Drama, gespickt mit trockenem Humor und grotesk-absurden Momenten, die sich immer noch gerade so im Rahmen des Glaubwürdigen bewegen. Staffel 2 legt noch mal nach und sprengt die Konventionen endgültig. Ein Geniestreich!

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Hap and Leonard (3 Staffeln)

Spielt in den 1980ern und fühlt sich auch so an, jedoch ohne altbacken zu wirken. Die erste Staffel hat alles, was eine gute Modern-Noir-Story braucht: zwei beste Freunde, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die sich ständig in die Haare geraten, eine Femme Fatale (Christina Hendricks, wer sonst?), die die beiden mit einem versunkenen Schatz in den tiefsten Sümpfen von Louisiana ködert, Schurken, die sich gegenseitig hintergehen, ein durchgeknalltes Killerpärchen auf einem Roadtrip und eine Schippe schräger Humor.

Die zweite Staffel schlägt einen ernsteren Ton an und erzählt die Geschichte von einem Kindermörder, der über Jahrzehnte sein Unwesen treibt. Anstatt Modern Noir ist das eher Southern Gothic.

In Staffel 3 schließlich landen die Beiden auf der Suche nach Haps verschwundener Freundin in dem rassistischen Städtchen Grovetown, wo die zwei sich mit dem örtlichen White-Supremecy-Klan anlegen.

Zugegeben, die Geschichten haben kein besonders neues Konzept, aber schon lange habe ich sowas nicht mehr so unterhaltsam präsentiert bekommen. Dass das alles so rund läuft, liegt auch an dem Duo Hap und Leonard (gespielt von James Purefoy und Michael Kenneth Williams), zwei sympathische Losertypen, die am Ende doch die Gewinner sind.

Es handelt sich um eine Verfilmung der Romanreihe von John R. Landsdale. Nach diesen drei Staffeln ist leider Schluss.

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Taboo (1 Staffel, 2. in Produktion)

Eine Serie, die um Tom Hardy herumgeschrieben wurde, könnte man meinen. Der Mann dominiert jede Szene auf unvergleichliche Weise. Hardy spielt den mysteriösen James Keziah Delaney, der 1814 nach langem Aufenthalt in Afrika nach London zurückkehrt, wo ihn alle schon längst für tot gehalten haben. Dort beansprucht er sein Erbe, ein Stück Land an der amerikanischen Küste, um das sich England mit Amerika streitet, zwei Nationen, die die sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg befinden. Neben dem im Hintergrund agierenden englischen Königshaus, setzt die raffgierige East India Company Delaney unter Druck und schmiedet kurzerhand ein Mordkomplott.

Die Serie erzählt äußerst faszinierend, wie die verschiedenen Parteien agieren und wie Delaney versucht, die beiden Nationen gegeneinder auszuspielen. Das Ganze ist ziemlich düster und dreckig und wird überdies noch mit einem Mystery-Aspekt verziert. Denn Delaney wird aus seiner Zeit in Afrika von morbiden Flashbacks geplagt, deren Bedeutung in der ersten Staffel noch im Dunkeln bleibt.

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Sneaky Pete (2 Staffeln, 3. in Produktion)

Die erste Folge hatte ich damals schon in der Amazon-Pilot-Season für gut befunden und daher hoffnungsvoll für eine Fortsetzung abgestimmt. Erfreulicherweise ist die Serie in Produktion gegangen und die erste Staffel übertrifft alles, was ich anhand der ersten Folge von der Serie erwartet hatte.

Auf der Flucht vor skrupellosen Gangstern gibt sich der Trickbetrüger Marius (Giovanni Ribisi) als sein alter Zellkumpan Pete aus und quartiert sich bei dessen Familie ein. Onkel und Tante sind zwar misstrauisch, aber die Sache fliegt nicht auf, da der echte Pete zuletzt in seiner Kindheit mit der Familie Kontakt hatte. Während Marius/Pete durch sein entwaffnendes Auftreten und sein geschicktes Vortäuschen von Familienwissen, langsam das Herz der Familie gewinnt, entführen die Gangster seinen Bruder und setzen ihn so unter Druck.

Sneaky Pete ist eine wendungsreiche Krimiposse, äußerst trickreich erzählt, mit einer tollen Besetzung und genau der richtigen Mischung aus Drama, Humor, Härte und Warmherzigkeit. Trotz des ganzen Lug und Betrug – es zeigt sich nämlich bald, dass jeder in der Familie etwas zu verbergen hat – und der stellenweise bösen Ironie, ist Sneaky Pete eine durch und durch positive Serie.

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Red Oaks (3 Staffeln)

Red Oaks zelebriert die klassische Coming-of-Age-Komödie der 1980er Jahre und gibt sich als echte Hommage an dieses Genre – und nicht als Parodie. Guter Humor, interessante Figuren, die sich tatsächlich entwickeln und selbst der Soundtrack ist überraschend originell, verzichtet der doch weitgehend auf die üblichen totgenudelten 80er Hits, sondern setzt eher auf B-Seiten. Red Oaks ist mit viel Liebe zum Detail inszenierte Nostalgie, die von vorne bis hinten richtig viel Spaß macht.