In den 70ern gab man sich bei der Musikuntermalung von Pornofilmen mitunter richtig Mühe. Manche Produzenten erkannten den Mehrwert einer guten Musik und gaben gar komplette Soundtracks in Auftrag. Der exzellente klassische Soundtrack zu The Devil in Miss Jones von Alden Shuman oder der deutlich unkonventionellere Soundtrack zu Behind the Green Door von Dan Le Blanc können da beispielsweise empfohlen werden.
Oft wurde hingegen auf lizenzfreie Musik aus Musikarchiven zurückgegriffen. Saß jemand mit Ahnung von Musik an den Reglern, konnten aber auch damit gute Ergebnisse erzielt werden. Mancher Produzent erlag dem Mainstream und verwendete populäre Musikstücke, die allerdings wohl kaum immer ordnungsgemäß lizensiert wurden. Wie es sich dahingehend mit den zwei folgenden Beispielen verhält, weiß ich nicht. Gehen wir einfach mal davon aus, dass hier alles mit rechten Dingen zuging.
Der Funk war in den 70ern nicht nur generell angesagt, sondern eignete sich auch aufgrund seiner Charakteristik vorzüglich für Filme, in denen sexuelle Aktivitäten jeglicher Art betrieben wurden. Funk ist rhythmisch, groovig, tanzbar. Da steppt der Bär (zwinker, zwinker).
Die zwei Stücke, die ich hier vorstelle, verraten gleich im Titel, was sie bieten. Echt soliden Funk nämlich gibt es mit Solid Funk von Linda & The Funky Boys, verwendet im Film Hot Rackets, und mit Filigree Funk von Anthony King wird filigraner Funk locker tänzelnd dargeboten, zu hören in Pro-Ball Cheerleaders. Das sind zwei sehr sportliche Filme, in denen es um Tennis und Football geht, und natürlich noch mehr um Sport in der Horizontalen. In beiden Filmen spielt Candida Royalle eine Hauptrolle.
Solid Funk ist ein echter instrumentaler Ohrwurm mit einer knackigen Baseline. Linda & The Funky Boys sollten eine Art deutsche Antwort auf Shirley & Company werden („Shame, Shame, Shame“). Der Erfolg blieb überschaubar. Vielleicht auch, weil man unbedingt noch Shame, Shame, Shame covern musste, und beim direkten Vergleich doch deutlich wird, dass es nicht an das Original heranreicht. Gemanagt wurde die Band von einer Hamburger Agentur und produziert von Detlef Petersen, der Mitbegründer der Rockband Lake, und der sich danach mit Film- und Fernsehmusiken einen Namen machte.
Filigree Funk von Anthony King ist deutlich verspielter. Es schwingt eine gewisse flitzpiepige Note mit. Wenn die Orgel quakt, weiß man nicht genau, ob es jetzt zum Knattern in die Kiste geht oder man gleich mit Doctor Snuggels in den Weltraum düst. Anthony King war ein profilierter Komponist und Arrangeur, der bereits Ende der 60er Jahre einige Songs für Status Quo schrieb. Er schrieb außerdem die entspannt fröhliche Anti-Sklaven-Hymne Plantation Boy von Boney M. und widmete sich danach vorwiegend dem Komponieren von library music.

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