Hanna (Serie, 2019)

hanna_2019

Amazon Video – 8 Folgen

Ein Mädchen mit außergewöhnlichen physischen und kognitiven Fähigkeiten, antrainiert in einem geheimen CIA-Programm, befindet sich mit ihrem Vater auf der Flucht durch Europa und versucht dabei herauszufinden, wer sie ist und wo sie herkommt.

Die neue Amazon-Serie basiert auf dem gleichnamigen Film von 2011, an den ich mich nur noch bruchstückhaft erinnerte. Für diese Kritik habe ich mir den Film daher nochmals im Schnelldurchlauf angesehen. Im direkten Vergleich wirkt die Serie wie eine erweiterte Fassung der Geschichte, der Film hingegen häufig nur wie ein dünnes Grundgerüst. Das war mir schon damals bei der Erstsichtung des Films unangenehm aufgefallen. Die Handlung ist zu sehr kondensiert, wodurch die Figurenzeichnung leidet. Statt 2 Stunden Film hat die Serie nun fast 7 Stunden zur Verfügung, die überwiegend sehr gut genutzt werden. Viele Schlüsselszenen aus dem Film tauchen auch in der Serie auf, aber deutlich ausführlicher. Wie die dysfunktionale Hanna in der realen Welt zurecht kommt, Kontakte zu Gleichaltrigen knüpft und ihre erste Party feiert, bekommt in der Serie mehr Raum. Der Coming-of-Age-Faktor, den der Film andeutet, wird zu einem zentralen Element der Serie, insbesondere durch den Abnablungsprozess im Finale, das sich vom Filmende völlig unterscheidet.

Hannas Vater bekommt in der Serie eine Hintergrundgeschichte, Agentin Marissa ein Privatleben, was die von Mireille Enos gespielte Figur deutlich vielschichtiger macht als Cate Blanchets Filmversion. Außerdem erfährt der Zuschauer in der Serie Genaueres über Hannas Mutter und das CIA-Programm; Dinge, die im Film kaum eine Rolle spielen. Manch einer mag hier zu viel Drama vermuten für eine Serie, die eigentlich ein Actionthriller ist. Man könnte aber auch sagen: viele Details, die die Geschichte erst lebendig machen. Ich bin in dieser Hinsicht etwas zwiegespalten. Ob es unbedingt eine ganze Folge gebraucht hätte, die Hanna bei ihrer neuen Freundin in England zeigt, sei dahingestellt. Aber im Großen und Ganzen funktioniert der Mix aus Drama und Action.

Nachdem ich mir den Film noch einmal angesehen habe, ist die Serie bei mir im Ansehen deutlich gestiegen. Mein ursprüngliches Interesse an der Serie galt in erster Linie Joel Kinnaman und Mireille Enos, die nach dem sehr guten Serien-Remake The Killing hier erstmals wieder zusammen vor der Kamera zu sehen sind. Als gegensetzliches Ermittler-Duo in The Killing haben die zwei nämlich sehr gut miteinander harmoniert. In Hanna stehen sie auf verschiedenen Seiten: Kinnaman spielt Hannas Vater, Enos die Agentin, die die beiden jagt. Auch das passt perfekt, so dass ich zukünftig hoffentlich noch weitere Zusammenarbeiten sehen werde.

Hanna wird von der Newcomerin Esme Creed-Miles gespielt, die ähnlich performt und ähnlich überzeugt wie Saoirse Ronan im Film. Erwähnenswert sind auch die deutschen Schauspieler einschließlich Benno Führmann, die alle eine gute Vorstellung abliefern.

Als Fazit bleibt, dass mir die Serie in letzter Konsequenz besser gefällt als der Film. Die Serie ist durchaus spannend, stringent erzählt und bietet einige richtig starke Szenen. Speziell was die Action anbelangt, hat die Serie tatsächlich mehr zu bieten als der Film. Mein Problem ist, dass die Serie in keiner Weise neue Maßstäbe setzt. Wer die Serie nicht sieht, verpasst nichts. Empfehlen kann ich die Serie daher denen, die generell Interesse an dem Thema haben, den Film wahlweise gut oder schlecht fanden – beiden Parteien bietet die Serie genug Gratifikation – oder denen, die, wie ich, die Schauspieler mögen.

Nachtrag: Soeben wurde von Amazon eine zweite Staffel bestätigt. Die bräuchte ich nicht unbedingt, da die erste Staffel die Geschichte befriedigend abschließt. Aber wie so oft, handelt es sich hier um eine Geschichte, die man endlos weitererzählen kann.

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