O Apóstolo (2012)

Diesen wunderschön düsteren Stop-Motion-Film nach einer alten spanischen Schauermär gibt es kostenfrei und ganz offiziell auf Youtube zu sehen.

Nachtrag: Leider hat der Regisseur den Film mittlerweile aus ungenannten Gründen offline gestellt.

In O Apóstolo geht es um einen Mann, der aus dem Knast ausbricht und auf der Suche nach verlorenem Diebesgut in ein düsteres Dorf abseits des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela gerät. Die Landschaft ist verödet und die Gebäude runtergekommen. Auch die Bewohner verhalten sich allesamt höchst merkwürdig. Als der Dieb erfährt, dass in der Gegend Reisende verschwinden, wird ihm klar, dass auch er in Gefahr schwebt und er seine eigene Motivation hinterfragen muss.

Der gut 70-minütige Film greift die alte galicische Sage der Santa Compaña auf, in der eine Prozession von Geistern nächtens durch die Dörfer zieht, um die Seelen der Todgeweihten einzusammeln. Ich finde es immer charmant, wenn Filme alte Mythen ausgraben und in eine neue Form bringen. Das birgt allerdings auch das Risiko, so zu wirken, als wärme man bloß Altbekanntes auf. Und in der Tat ist O Apóstolo eine relativ konventionelle Spukgeschichte, die man so oder ähnlich schon etliche Male gesehen hat.

Aber: auch wenn der Film inhaltlich nicht viel Neues bietet, überzeugt er durch seine tolle Präsentation. Als Fan von Stop Motion findet man hier ausdrucksstarke Figuren, die nach ihren Sprechern modeliert wurden, mit viel Liebe zum Detail gestaltete Sets und Miniaturbauten und eine technisch exzellente Umsetzung, Stop Motion auf diesem Niveau ist nicht nur ein langwieriges und teures Unterfangen, es ist hohe Kunst. Unterstützung gab es von Fachleuten, die an hochkarätigen Produktionen wie Coraline und Shaun das Schaf mitgewirkt haben.

Atmosphärisches Sounddesign und Musik von u.a. Philip Glass runden das Erlebnis fast perfekt ab. Fast, weil man in einigen Szenen nicht auf CGI verzichten wollte oder konnte, und diese Szenen leider deutlich miderwertiger gegenüber dem Rest hervortreten. CGI-Nebel kommt einfach nicht gut. Einige der Effekte scheinen dem Umstand geschuldet, dass es sich hier ursprünglich um einen 3D-Film handelt. Es sind Szenen, die bemüht räumliche Tiefe erzeugen sollen. Im Gegensatz zu anderen 3D-Filmen fallen diese in der vorliegenden 2D-Version allerdings nicht übermäßig auf.

Bei der Sprecherauswahl hat man ein gutes Händchen bewiesen und neben bekannten spanischen Schauspielern wie Carlos Blanco, Luis Tosar und Jorge Sanz sogar Geraldine Chaplin verpflichtet. Erwähnenswert ist unbedingt auch die spanische Horrorikone Paul Naschy, der hier seine letze Rolle hat.

Paul Naschy als Erzpriester

O Apóstolo ist von einer turbolenten Vorgeschichte geplagt. Obwohl er eine erfolgreiche Festivaltour absolvierte und viel Kritikerlob einheimste, ging der Film bei seiner Kinoveröffentlichung 2012 völlig unter. Bei einem Budget von über 5 Millionen Euro, spielte er in Spanien gerade mal knapp 60.000 Euro ein. Ein Totalflop, den der Regisseur Fernando Cortizo vor allem auf den Verleiher schob. Der Regisseur verstieg sich daraufhin in Interviews und Blogposts in teils wilde Vorwürfe bis hin zur Verschwörungstheorie, dass der Vertrieb des Films absichtlich sabotiert worden sei. Dass der Film schlecht vermarktet und wenig promotet wurde, steht indes außer Frage. In Folge schwor der Regisseur, der selbst Geld in den Film gesteckt hatte, in Spanien nie wieder einen Film drehen zu wollen. Bisher hat er das Versprechen eingehalten. Ein amerikanisches Remake des Films, an dem er gerade arbeitet, könnte eine späte Genugtuung werden. Dazu gibt es bisher wenig Informationen. Es scheint zumindest in Teilen das selbe Team beteiligt zu sein. Gute Voraussetzungen jedenfalls.

Vielleicht auch, um das Thema endgültig abzuschließen, hat der Regisseur zehn Jahre nach der Kinoveröffentlichung seinen Film auf Youtube kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit mittlerweile fast 160.000 Aufrufen dürfte dem Film auf diese Weise so viel Aufmerksamkeit, wie nie beschert worden sein. Die deutschen Untertitel sind stellenweise etwas holprig, aber problemlos verständlich (müssen ggf. auf Youtube aktiviert werden). Genrefans und Liebhabern von Stop Motion sei der Film empfohlen.

Eine Antwort zu „O Apóstolo (2012)”.

  1. Da werde ich gleich mal einen blick reinwerfen. 🙂
    Danke für den Tipp.

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