Film: Everly (2014)

everly_titlescreenEverly ist ein Genrefilm, den man am ehsten so umschreiben kann: Rächende Frau, spärlich bekleidet, schießt alles zu Klump. Die Story passt auf einen Bierdeckel: Everly, gespielt von Salma Hayek, wird von dem fiesen Yakuza-Boss Taiko (niemand anderes als Hiroyuki Watanabe) in einer Wohnung als Sexgespielin gehalten. Um sie gefügig zu machen, bedroht er ihre kleine Tochter. Als Ausweg sieht Everly die Zusammenarbeit mit einem Polizisten, der Taiko zur Strecke bringen will. Doch die Sache geht schief und Taiko hetzt seine private Armee von Killern auf Everly. Glücklicherweise kann die toughe Everly in der Gangsterbude auf ein ganzes Waffenarsenal zurückgreifen. Payback time, motherfuckers.

Der Film startet mit viel Tamtam. Ein ganzes Zimmer voller Bösewichte wird umgepflügt und die Wände blutrot dekoriert. Bei einem solchen Film muss die Action stimmen. Die Shootouts und die Choreografie sind solide. Nichts, was man nicht schon woanders in ähnlicher Form gesehen hätte, aber durchaus unterhaltsam und gut umgesetzt. Wie viele Filme dieser Art, versucht auch Everly sich an dem bissigen und schwarzen Tarantino-Humor. Das gelingt nur teilweise. Herrlich absurd wird es, wenn Taiko ein Kopfgeld auf Everly aussetzt und auch die Prostituierten aus den Nebenzimmern Everly an den Kragen wollen. Der Auftritt von Togo Igawa als Taikos Cheffolterer in der Mitte des Films ist kurios und nimmt dem Film leider das Tempo. Dieser typische Sadist scheint auch lediglich den Haufen der Klischeefiguren zu komplettieren und bringt wenig in die Handlung ein.

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Neben der Action gibt es eine weitere Hauptattraktion: Salma Hayek. Der Film ist der zeitlos schönen Salma auf den kurvenreichen Leib geschneidert. Die Kamera klebt förmlich auf ihr. Salma leidet, Salma blutet, Salma schwitzt, Salma schält sich aus ihrem Negligé, Salma pustet sich eine Strähne aus dem Gesicht, Salma kickt ihre High-Heels zur Seite, Salma lädt die Waffen durch, Salma schießt, sticht und schlitzt die Körper auf. Die Inszenierung der Hauptfigur schwankt zwischen purem Voyeurismus und idealisierter, wenn auch geschundener, Heldengestalt. Also prinzipiell dem Genre entsprechend.

Schlecht in den Film integriert, quasi überflüssig, ist die Vergewaltigung von Everly. Ein typisches Element von Rachefilmen mit weiblicher Hauptfigur, ist, dass die Frau erst gebrochen werden muss, bevor sie über sich hinaus wachsen und die, meist männlichen, Peiniger zur Rechenschaft ziehen kann. Aber Everlys einziger Antrieb ist ihre kleine Tochter, was im Film mehr als deutlich wird. Damit hat die Vergewaltigung handlungstechnisch keinerlei Bedeutung und wird zur müden Reminiszenz an vergangene Zeiten des Rape-Revenge-Genres.

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Gut gefallen hat mir die „Kammerspielatmosphäre“. Der gesamte Film spielt sich in einem Apartment und dem dazugehörigen Flur ab. Hin und wieder fällt ein Blick in die Nebenzimmer durch Löcher in der Wand, Einschusslöcher natürlich, sowie auf den Monitor der Überwachungskamera, die die Lobby des Hauses filmt. Ordentliche und abwechslungsreiche Action in diesem begrenzten Raum zu inszenieren, das gelingt dem Film schon ziemlich gut. Dies ist auch der dynamischen, verspielten Kameraführung zu verdanken. Es gibt hier keine langen Einstellungen. Die Kamera ist ständig in Bewegung, zoomt, schwenkt und fährt, und schreckt auch nicht vor extremen Close-Ups und ungewöhnlichen Kamerawinkeln zurück.

Es wäre nun begrüßenswert, wenn Filme wie Everly sich nicht stets so offensichtlich auf Kill Bill und Die Hard berufen würden. Ja, Überaschung: Everly spielt zur Weihnachtszeit und die Schlachteplatte wird passend mit bekannten Weihnachtshits untermalt. Immerhin wurde davon abgesehen, Everly in einem gelben Trainingsanzug auftreten zu lassen.

Insgesamt ein (noch) sehenswerter völlig überdrehter Actionfilm mit viel Blut, Geballer, Gehaue und Gesteche, Schusswaffen, Granaten, Messern, Schwertern, Sadisten, Yakuza-Killern, Killerhunden, Killernutten, Polizeikommandos und, ja: Salma Hayek, die, wie könnte man es vergessen, auch früher schon Teil von wilden Krawallfilmen wie From dusk till Dawn und Desperado war. Der Unterschied: In Everly ist sie für das Blutvergießen ganz allein verantwortlich.

Was damals Direct-to-Video war, ist heute Direct-to-Internet. Seit einigen Wochen ist der Film über den US-iTunes-Store zu haben. Eine deutsche Veröffentlichung ist noch nicht angekündigt.

Screenshot-Galerie

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