Serien 2018

Weils so schön ist, gleich noch eine Liste. Die Serienneustarts 2018, die mich besonders begeistert haben, sind diese fünf:

Killing Eve

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Eine durchgeknallte Auftragsmörderin namens Villanelle mordet sich durch Europa. Die MI5-Ermittlerin Eve Polastri erkennt die Zusammenhänge, wird aber wegen eines Dienstvergehens gefeuert. Daraufhin erhält sie von der Auslandssektion des MI6 die Chance eine inoffizielle Sondereinheit zu gründen, um die Killerin aufzuspüren. Villanelle bekommt unterdessen Wind von der Sache und entwickelt eine stalker-artige Leidenschaft für Eve. Obwohl zuerst in Todesangst, fühlt sich auch Eve bald zu der unberechenbaren Psychopathin hingezogen. Von da an beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Rollen von Jägerin und Gejagter ständig wechseln.

Dem positiven Medien- und Zuschauerecho kann ich mich nur anschließen. Killing Eve ist sowohl Thriller als auch schwarze Komödie mit wohldosiertem Humor und trotz Blut und Brutalität voller überraschender Leichtigkeit und mit Verve inszeniert – und gespielt. Sandra Oh als zielstrebige Ermittlerin und Jodie Comer als völlig Wahnsinnige, die in sexuelle Erregung gerät, wenn sie ihren Opfern beim Sterben zusieht, bieten hier eine große Show. Warum die Serie noch keinen deutschen Starttermin hat, ist mir ein Rätsel. Nachtrag: Die Serie ist mittlerweile über Amazon Prime auf dem Starzplay Channel und als DVD verfügbar.

 

The Haunting of Hill House

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Die famose Netflix-Horrorserie habe ich bereits hier vorgestellt.

 

The Terror

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Ein echter Downer. Wer was für die gute Laune sucht, muss woanders schauen. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons, der die gescheiterte Arktis-Expedition von John Franklin thematisiert und mit Elementen des fantastischen und realen Horrors kombiniert. Ironischerweise hätte es das Monster gar nicht gebraucht, denn das wahre Monster ist in dieser Geschichte mal wieder der Mensch selbst.

Die Serie strahlt zu jeder Sekunde die pure Hoffnungslosigkeit aus und der Zuschauer weiß, dass dieses düstere Abenteuer kein gutes Ende nehmen wird. Der Kontrast zwischen der gedrängten Enge in den Schiffen und der weiten arktischen Unwirtlichkeit außerhalb ist gut in Szene gesetzt. Dazu eine feine Schauspielerriege und ein die Atmosphäre unterstreichender minimalistischer Soundtrack. Die erste Staffel steht auf Amazon Prime Video zum Abruf. Eine zweite Staffel ist für 2019 angekündigt, was mich überrascht, denn die Geschichte ist eigentlich auserzählt. Ich hoffe auf eine sehenswerte Weiterführung.

 

Strange Angel

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Strange Angel erzählt die Geschichte des Raketenwissenschaftlers Jack Parsons, der in den 1930er Jahren die erste Rakete mit heterogenem Festtreibstoff erfand und so maßgeblich die Raumfahrt beeinflusste. Einen kuriosen Twist erhält Parsons Biografie dadurch, dass er ein Anhänger von Aleister Crowleys okkulter Thelema-Bewegung war. Das prädestiniert die Figur Parsons geradezu für eine spannende Serienumsetzung. Auf der einen Seite Wissenschaftler, auf der anderen Seite Mitglied eines verschrobenen Kults mit sexualmagischen Ritualen. Die erste Staffel von Strange Angel spielt mit diesem Gegensatz auf anschauliche Weise und zeigt, wie und warum Parsons in den Bann der örtlichen Loge gerät, während er gleichzeitig versucht, die Wissenschaft zu revolutionieren.

Die Serie überzeugt visuell und hat eine tolle Besetzung. Zugegebenermaßen könnte die Serie etwas mehr Tempo gebrauchen. Man könnte auch sagen, die Erzählweise korrespondiert mit der Karriere von Parsons, die anfangs mehr als einmal ins Stocken gerät und das nicht nur, weil seine Raketen nicht zünden. Vielleicht befasst sich die Serie tatsächlich etwas zu ausführlich mit den Eheproblemen von Parsons und seinem Nachbarn. Da mich die Geschichte aber so begeistert, kann ich über diese Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Die Serie ist bisher leider nur über den Streaming-Dienst CBS All Access zu sehen.

 

The End of the f***ing World

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Der 17-jährige Außenseiter James hält sich selbst für einen Psychopathen und fantasiert von einem Mord, als die neu an die Schule gekommene Alyssa ihn überzeugt sie bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater zu begleiten. James willigt ein, weil er sie für sein perfektes erstes Mordopfer hält. Mit einem geklauten Auto begeben sich die Beiden auf einen Roadtrip, der nicht nur die Suche nach Alyssas Vater ist, sondern sich auch als Suche nach Sinn und Bedeutung in einer düsteren Welt entpuppt.

Trotz nihilistischer Weltsicht und rabenschwarzem Humor handelt es sich hierbei um eine romantische Komödie mit Feinsinn. Die Serie hat nicht nur einen originellen Plot, sondern ist außerdem außergewöhnlich gut inszeniert und in 8 mal 25 Minuten schön kompakt erzählt. Staffel 1 steht auf Netflix, eine zweite Staffel ist angekündigt.

 

Honorable Mention

Folgende Serien haben es letztlich nicht ganz in meine Top 5 geschafft, bedürfen aber durchaus besonderer Erwähnung.

Altered Carbon

Viel eye candy, viel Action, solide Story mit etlichen tollen Ideen. Läuft nicht ganz rund, macht aber tierisch Spaß. Freue mich auf die zweite Staffel, auch wenn Joel Kinnaman nicht mehr dabei sein wird.

Lost in Space

Wie Altered Carbon, aber für die ganze Familie. Ein richtig schönes Remake der Serie aus den 1960ern. Irgendwie ist es der Serie gelungen, dass ich über die ganzen Klischees und Logiklöcher und nervenden Figuren hinwegsehen konnte. Erweckte eine kindliche Freude in mir.

Maniac

Äußerst bizarre Mini-Serie, die in einer retro-futuristischen Welt im 1980er-Jahre-Look spielt. Wenig ergibt Sinn, bis zur finalen Folge. Und bis dahin ist es eine irre Reise durch die Gedanken zweier Menschen, die auf seltsame Weise miteinander verbunden sind.

Future Man

Rasante Zeitreisekomödie mit vielen popkulturellen Anspielungen und mit wenig Tabus. Es geht mal wieder um nichts Geringeres als die Welt zu retten, aber die Drehbuchautoren schöpfen aus dem Vollen und schrecken vor nichts zurück. Verdammt lustig.

Impulse

Aus dem mittelmäßigen Science-Fiction-Action-Film Jumper von 2008 hat Youtube eine überraschend gute Coming-of-Age- und Traumabewältigungs-Geschichte gemacht, die weniger auf hektische Rumspringerei und mehr auf Teenage-Angst und Familientragödie setzt. Das ist alles recht schlüssig geschrieben und die Autoren wissen, wann es Zeit ist, die Nebenschauplätze zu verlassen und die Jumper-Haupthandlung weiterzuspinnen.

Star Trek: Discovery

Das ist schon lustig, wie sich die Fanboys über diese Serie empören. Mir haben schon die Kinofilme von J.J. Abrams gefallen und da die Serie eine ähnliche Richtung einschlägt, habe ich auch hier meinen Spaß. Wer Old-School-Star-Trek haben möchte, kann ja The Orville schauen und für die, die ernsthafte Science-Fiction suchen, für die gibt es The Expanse.

Deutschland 86

Nicht so temporeich wie Deutschland 83, dennoch eine sehenswerte Fortsetzung. Behandelt ein sonst eher vernachlässigtes Thema, nämlich die dubiosen Waffengeschäfte der DDR mit dem Apartheid-Regime in Südafrika. Allerdings verliert sich die Serie auch ein wenig in etlichen Nebenplots.

 

Die Filme meiner Kindheit

Einer der Podcasts, die ich regelmäßig höre, ist Nerdtalk. Der beschäftigt sich in erster Linie mit Filmen, manchmal mit Serien und hin und wieder auch mit ganz anderen Dingen. Jedenfalls ist der stets erfrischend und sehr kompetent. Ein neues Format dort, ist die allseits beliebte Top-5-Liste. Der erste Top-5-Podcast dreht sich um die fünf kindheitsprägenden Filme, was impliziert, dass es sich nicht zwangsläufig um Filme für Kinder handeln muss. Und tatsächlich sind die meisten dort erwähnten Filme keine echten Kinderfilme. Inspiriert vom Nerdtalk habe ich daher mal scharf nachgedacht, welche Filme mich in der Kindheit nachträglich beeinflusst haben.

Top-Listen auf nur fünf Einträge zu beschränken, fällt mir unheimlich schwer. Ich habe mir daher die Freiheit genommen, die Liste durch ein paar Zusätze zu ergänzen. Das läuft zwar dem Listenformat entgegen, denn eigentlich will man mit solchen Listen ja einen Sachverhalt auf das Wesentliche reduzieren, aber ich bringe es nicht übers Herz, so viele Filme unerwähnt zu lassen.

Mein erster Kinofilm war der Disney-Klassiker Cap und Capper (The Fox and the Hound). Da war ich fünfeinhalb Jahre alt und zumindest hat mich die Kinoerfahrung als solche beeindruckt. Den Film selbst fand ich wohl so spannend, wie ein Fünfjähriger den nun mal finden kann, aber nachhaltig geprägt hat er mich nicht. Jedenfalls bin ich nie ein großer Disney-Fan geworden, was ja auch Einiges aussagt.

Die Top 5

Nach reiflicher Überlegung komme ich auf diese Filme, die meine Kindheit auf besondere Weise geprägt haben. Gelistet in chronologischer Reihenfolge meiner Entdeckung.

Die unendliche Geschichte (The Neverending  Story)

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Atreyu (Noah Hathaway) und Glücksdrache Fuchur. © Constantin Film

Ich meine mich zu erinnern, dass wir diesen Film mit der Schulklasse im Kino gesehen haben, aber vielleicht spielt mir meine Erinnerung auch einen Streich. Ich habe den Film auf jeden Fall später als VHS-Kassette geschenkt bekommen und so unzählige Male gesehen. Ein Fantasy-Epos mit einem Jungen als Helden. Der Glücksdrache Fuchur, die gigantische Schildkröte Morla, die kindliche Kaiserin, es war ein fantastisches Abenteuer, dem man als Kind einfach nicht widerstehen konnte. Selbst die Erwachsenen waren begeistert. Das war für mich der erste Film, der eine realistische Fantasy-Welt darstellte und mir damit tatsächlich ein Stück weit die Augen öffnete. Ein Film zum Staunen und Wundern.

 

Herrscher der Zeit (Les maîtres du temps)

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Piel im Angesicht einer der zahlreichen Gefahren des Planeten. © TF1, WDR, SWF, SRR, BBC

Dieses Meisterwerk der Animationskunst lief am 31.12.1984 im Nachmittagsprogramm der ARD. Sowas hatte ich noch nicht gesehen. Ein Trickfilm, der aufgrund seiner Thematik und Darstellungsweise auf mich so wirkte, als wäre er nicht für Kinder gemacht. Gleichzeitig war es mein erster Kontakt mit dem Surrealismus, ohne dass ich dieses Wort damals gekannt hätte. Aber mir war klar, dass hier etwas Einzigartiges, Abstraktes gezeigt wird, dass hier eine Welt gezeigt wird, die noch viel seltsamer ist, als die Welt in Die unendliche Geschichte. Gleichzeitig besaß der Film auch etwas Unfassbares und eine verstörende Atmosphäre. Der Film hatte mich tatsächlich tief bewegt – und ratlos zurückgelassen.

 

Leben und sterben lassen (Live and let die)

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Bond auf dem Friedhof inmitten einer Voodoo-Zeremonie. © MGM

James Bond war eine besondere Sache für mich. Nicht nur liefen in den 80er Jahren die Bond-Filme regelmäßig im Fernsehen, auch war mein Vater ein Fan und hatte stets alle neuen Filme auf VHS. Das war eine Zeit, als Videothekare im Hinterzimmer der Videothek für einen kleinen Obolus Kopien der Filme anfertigten und sich niemand daran störte. Ich weiß leider nicht mehr, welcher Film mein erster Bond war, besonders beeindruckt hat mich allerdings Leben und sterben lassen. Der Film war wie eine Achterbahnfahrt und bot alles: Spannung, Action mit atemberaubenden Stunts, morbide Voodoo-Szenen, Humor und mysteriöse Dinge, die ich damals nicht verstand, wie der Fakt, dass die Kartenleserin Solitaire – gespielt von Jane Seymour – ihre seherischen Fähigkeiten verliert, nachdem sie mit Bond im Bett war. Der augenzwinkernde Roger Moore, der hier erstmals James Bond verkörperte, war mir besonders sympathisch. Und dann die Bösewichte: Mr. Big, den eine Explosion jäh in Stücke reißt und sein Handlanger Tee Hee mit dem mechanischen Arm, der ihm am Ende abgerissen wird. Rückblickend war Leben und sterben lassen nicht gerade der beste Bond-Film, aber er hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was ich mittlerweile vom James-Bond-Franchise halte, habe ich hier ausführlich beschrieben.

 

Der Fluch von Siniestro (The Curse of the Werewolf)

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Oliver Reed als Werwolf. © Hammer Films

Mein erster Horrorfilm, den ich im Alter von 7 oder 8 bei meiner Oma gesehen habe. Meine Eltern hätten das natürlich nie erlaubt, was mir bewusst war und dem Ganzen noch einen zusätzlichen Reiz gab. Der Film hat mich fasziniert und gleichzeitig enorm verstört. Oliver Reed als Werwolf! Obwohl ich danach wochenlang schlecht bis gar nicht geschlafen habe, hat der Film ein frühes Interesse am Horror in mir geweckt. Aufgrund von elterlichem Verbot und mangels Zugang zu Filmen – die Kindheit in den 80er Jahren war dürftig, wir hatten ja nichts – habe ich mich über Jahre mit Gespenster-Comics über Wasser gehalten. In meiner Jugend habe ich den Film dann wieder entdeckt und mich daraufhin intensiv mit den Produktionen der Hammer Film-Studios beschäftigt und ein reges Interesse an klassischem Horror und Horror allgemein entwickelt.

 

Die Zeitmaschine (The Time Machine)

Mein erster richtiger Science-Fiction-Film und mein erster Zeitreisefilm, sieht man mal von Herrscher der Zeit ab. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Zeitreiseaspekt in Herrscher der Zeit damals nicht verstanden hatte. Dem Film Die Zeitmaschine konnte ich dagegen weitaus einfacher folgen. Hier wurde mir nicht nur das Konzept von Zeit so richtig bewusst, auch spürte ich erstmals so etwas wie die engen Grenzen der menschlichen Existenz. Zur Erinnerung, Rod Taylor sitzt in seiner Zeitmaschine und wird im Zeitraffer Zeuge von Aufstieg und Verfall der Zivilisation. Im Jahr 1900 gestartet, folgt 1966 der Knall, die atomare Apokalypse. Dann das große Nichts: „Dunkelheit… Dunkelheit… für Jahrhunderte“. Erst im Jahr 802701 landet er in einer neuen Welt, die nur auf den ersten Blick wie das Paradies erscheint. Mit den menschenfressenden Morlocks kommt der nächste Schock. Die Zeitmaschine ist sicher der Film, der dafür verantwortlich ist, dass ich bis heute ein großer Fan von Zeitreisegeschichten bin.

 

Bonus: Der Film, der mir die Unschuld raubte

Die Tiefe (The Deep)

Der Film basiert auf einem Roman von Peter Benchley und das Buch steht bis heute in meinem Regal. Ich hatte schon früh ein Faible für Geschichten entwickelt, die unterwasser oder in Höhlen spielten. Wahrscheinlich nicht zuletzt dank James Bond, denn diese Komponenten waren in dessen Filmen oft verwendete Tropes. Da kam der Familienfernsehabend mit dem Tauchabenteuer Die Tiefe gerade recht. Ich muss 8 oder 9 gewesen sein und im Nachhinein kann ich mir nicht mehr erklären, warum mir meine Eltern erlaubten, diesen Film zu sehen. Zwei Dinge aus diesem Film haben sich mir damals insbesondere eingebrannt. Die Brüste von Jacqueline Bisset, die sich unter ihrem nassen weißen T-Shirt abzeichneten, ganz so als wäre das absichtlich so inszeniert worden, und die für mich damals unerträgliche Szene, in der die halbnackte Jacqueline Bisset von einem Eingeborenen mit Kriegsbemalung mit einem blutigen Hühnerfuß gefoltert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Gewalt in Filmen für mich immer etwas Unbeschwertes oder Fantastisches. Selbst der explodierte Mr.Big in Leben und sterben lassen wirkte irreal, denn man sah kein Tröpfchen Blut. Diese Folterszene jedoch wirkte erschreckend realistisch und bescherte mir Albträume. Zumal dies mein erster Kontakt mit sexualisierter Gewalt war, was ich als Kind nicht wirklich verstand. Der Film hat mir quasi die Unschuld genommen und „verdient“ daher besondere Erwähnung.

 

Der Rest

An dieser Stelle folgen einige Figuren, Schauspieler, Filme und Themen, die ebenfalls sehr wichtig für meine filmische Entwicklung waren, die es aber aus praktischen Gründen nicht in die Liste geschafft haben.

 

Pippi Langstrumpf

Keine Liste ohne Pippi. Pippi Langstrumpf war meine allererste Superheldin. Lange noch bevor ich Batman und das Phantom entdeckte. Keine Diskussion: Pippi ist eine Superheldin. Sie ist die Stärkste und die Schlauste mit der Fuck-You-Attitüde. Sie war Punk, bevor der Punk entstand. Für mich war es faszinierend, dass ein Kind scheinbar abseits jeder Konvention und sozialer Regeln lebte, allen Erwachsenen ein Schnippchen schlug und die wildesten Abenteuer erlebte. Der Fakt, dass Pippi ein Mädchen war, hatte ich übrigens nie hinterfragt. Wahrscheinlich war ich dafür zu jung. Es lässt sich nicht leugnen: Pippi war eine der wichtigsten Figuren meiner Kindheit.

 

Bud Spencer und Terence Hill

Das im doppelten Wortsinn schlagfertige Duo war ähnlich wie James Bond omnipräsent im Fernsehen. Zumindest hatte man das Gefühl, dass ständig irgendwo ein Spencer- und Hill-Film lief, an Feiertagen auch gerne mal nachmittags. Im Gegensatz zu James Bond kann ich aber keinen einzelnen Film rauspicken; ich fand alles gut, was die Beiden fabrizierten. Neben den doch oft nach dem gleichen Schema ablaufenden Massenschlägereien, war ich vor allem von den Fress- und Saufgelagen fasziniert, die ebenso fast zu jedem Film dazugehörten und die nirgendwo sonst so zelebriert wurden.

 

Die Franzosen und der andere Italiener

Neben Bud Spencer und Terence Hill bestand das italienische Kino in meiner Kindheit außerdem aus Adriano Celentano und Western. Von den unzähligen Italo-Western könnte ich keinen bestimmten nennen, der mich in besonderer Weise geprägt hätte. Allerdings ist mir eine bestimmte Szene lange im Gedächtnis geblieben und zwar die, wie motherfucking Django seinen Sarg durch eine apokalyptisch anmutende Ödnis zieht. Das war so anders, als alle anderen Western, die ich zuvor gesehen hatte. Unvergesslich.

Adriano Celentano ist der Brummelbär, der vor allem für seine Komödien bekannt ist. In meiner Erinnerung war ich besonders von den zahlreichen Filmen angetan, die er mit Ornella Muti drehte. Schaut man in die IMDb, zeigt sich, dass die Beiden gerade mal in zwei Filmen zusammen auftraten. Vielleicht habe ich Ornella Muti auch nur mit den anderen schönen Frauen verwechselt, denn an denen herrschte bei Celentano nie ein Mangel. Das ist mir selbst als kleiner Junge aufgefallen. Celentano war für mich immer der Mann mit den schönen Frauen.

Gleiches könnte man auch über Jean-Paul Belmondo und Alain Delon sagen. Zusammen mit Lino Ventura, Louis de Funès und Pierre Richard bilden diese fünf Schauspieler das französische Quintett meiner Kindheit. Zugegebenermaßen war Delon für mich als Kind oft zu anspruchsvoll. Lino Ventura war hart und düster, während de Funès und Richard für die leichtfüßige Komödie zuständig waren. Und Jean-Paul Belmondo hatte irgendwie alles im Programm und gab mal den Killer und mal den Clown.

Das italienische und französische Kino war in meiner Kindheit tatsächlich enorm wichtig. Pierre Richards Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh hat nur knapp meine Top-5-Liste verpasst. Genauso wie de Funès‘ Hasch mich, ich bin der Mörder.

 

Die albernen Deutschen

Ich komme nicht umhin, auch ein paar deutsche Einflüsse zu nennen. Neben Schimanski und Edgar Wallace, die eine große Rolle spielten, ist das aus heutiger Sicht vor allem alles elender Klamauk. Dazu zählen die Filme mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger (Supernasen!), die Dudu-Filme, Hurra die Schule brennt, Popcorn und Himbereis und alle anderen Kömodien mit Tommy Ohrner, Olivia Pascal, Zachi Noy, Dolly Dollar, Karl Dall, Herbert Fux und irgendwelchen Stars der Neuen Deutschen Welle. Aus heutiger Sicht kaum nachzuvollziehen, aber das waren Kinohits und Straßenfeger. Nur leicht anspruchsvoller waren die Filme mit Didi Hallervorden und Otto, deren Überdrehtheit und Slapstick ich liebte.

 

Jules Verne und Edgar Rice Burroughs

Mein oben erwähntes Faible für Unterwasser- und Höhlengeschichten kommt auch hier zum Tragen. Ich glaube, die Romane von Jules Verne, oder zumindest einige der Romane, habe ich erst in früher Jugend gelesen. Als Kind waren die Hörspiele, Comics und Filme ausschlaggebend. Speziell sind zu nennen 20000 Meilen unter dem Meer, Reise zum Mittelpunkt der Erde und In 80 Tagen um die Welt.

Während mir Jules Verne so schon früh zum Begriff wurde, kannte ich den Namen Edgar Rice Burroughs nicht, aber ich liebte etliche der Filme, die auf seinen Geschichten beruhten. Ganz vorn dabei waren die alten Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller, die ich schon in früher Kindheit sah. Etwas später folgten Caprona, Caprona II und Der sechste Kontinent, die dafür sorgten, dass mein Interesse an Geschichten stieg, die sich um die Entdeckung von vergessenen Welten drehten, das klassische Lost-World-Genre.

 

Und (k)ein Ende in Sicht

Je länger das Posting wird, desto schwerer finde ich ein Ende. Es wären noch Katastrophenfilme oder japanische Monsterfilme zu erwähnen. Oder Kampfstern Galactica und andere Science Fiction. Da diese Filme aber eher in eine spätere Entwicklungsphase von mir fallen, die nicht mehr so richtig die Kindheit betrifft, spare ich mir diese Filme für ein zukünftiges Posting auf. Serien und das Fernsehprogramm hatten wahrscheinlich sogar einen höheren Stellenwert als Filme, daher sollte ich mir auch das als zukünftiges Thema auf den Zettel schreiben.

Auffällig ist, dass ich kaum bekannte Kinderfilme erwähne. Weder E.T. noch die Goonies. Viele Leute meiner Generation schwärmen von Star Wars und Star Trek. Das sind jedoch alles Filme, die erst später in mein Leben traten. Und für einige Filme wie beispielsweise E.T. war ich da schon wieder zu alt. Genauso wenig wie ich jemals ein Disney-Fan war, bin ich auch nie ein Fan von E.T. geworden. Die meisten Filme wachsen einem nur dann ans Herz, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt erstmals erlebt.