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Meine allerersten Amazon-Einkäufe und das Golden Age of Online-Shopping

Amazon feierte kürzlich zwanzigjähriges Jubiläum. Ein Grund, einmal auf meine allerersten Amazon-Käufe zurückzublicken. Immerhin dafür ist die Datensammelei von Amazon gut. Die komplette Bestellhistorie der Nutzer ist bis auf alle Ewigkeiten einsehbar und hilft damit, sich in verträumter Nostalgie daran zu erinnern, wie das so war, als die Einkaufsmöglichkeiten plötzlich grenzenlos wurden und das Internet das Konsumverhalten nachträglich veränderte. Während das Internet vorher schon zur uneingeschränkten Informationsbeschaffung diente, konnte man plötzlich auch Produkte von überallher beziehen. Ein Meilenstein, der damals so von den meisten noch gar nicht erkannt wurde.

Die ersten Amazon-Bestellungen

amazondeWährend amazon.com den Geschäftsbetrieb 1995 aufnahm, eröffnete der deutsche Ableger amazon.de erst 1998. Meine erste Bestellung erfolgte im folgenden Jahr. Ich las viel von Clive Barker und Imagica war eines der Bücher, die mir noch fehlten. Ein eher kurioser Kauf war Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 2. Aber zusammen mit Band 1 bot dieses Werk eine durchdachte Analyse, was eine gute Geschichte auszeichnet und wie Dialoge und Charaktere funktionieren. Auch für nichtschreibende Romanleser durchaus interessant.

amazonukDie erste Bestellung bei den Engländern von amazon.co.uk tätigte ich knapp ein Jahr nach meiner ersten Bestellung bei amazon.de. Warum ich The Essential Movie Monster Guide direkt in England bestellt habe, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Ich nehme an, es lag schlicht daran, dass es kein deutscher Anbieter im Angebot hatte. Von dem heutigen Standard, dass jedes englischsprachige Buch überall verfügbar ist, konnte man damals nur träumen.

amazoncomMeine erste Bestellung beim amerikanischen amazon.com erfolgte fünf Jahre nach dessen Eröffnung. Ich war zu dieser Zeit im großen DVD-Fieber und viele interessante Veröffentlichungen gab es nur im Ausland, speziell in den USA. Die Limited Editions von Anchor Bay und die DVDs der Criterion Collection waren quasi ein Muss für den Sammler. Entsprechend enthielt auch meine erste Bestellung gleich zwei dieser Schätze: Evil Dead II in der Blechbox von Anchor Bay und Carnival of Souls von Criterion. Dazu das schöne Double-Feature mit den Klassikern The Fly und Return of the Fly. Die limitierten Blechboxen von Anchor Bay waren damals etwas ganz Neues und jeder musste sie haben, auch wenn Limitierungen von bis zu 50.000 Stück eher nach Witz klangen. Die Preise waren in Ordnung, selbst ohne die damals in Massen auftauchenden Gutscheine. Ein weiterer Vorteil dieser Zeit war es, dass viele kommerzielle Sendungen ungeprüft durch den Zoll gingen. Heute dagegen muss man bei allen Bestellungen aus dem Nicht-EU-Ausland mit Zoll und Einfuhrumsatzsteuer rechnen (grob 20% Aufschlag). Von den Blechboxen, ich besaß nahezu alle, konnte ich mich, teilweise mit Gewinn, rechtzeitig wieder trennen, bevor die DVD-Preise in den Keller rauschten, weil die DVD zum Mainstream-Medium wurde.

amazonfrAuch die französische Dependance amazon.fr wurde von mir öfter für die DVD- und später auch Buchbestellung genutzt. Bei der ersten Bestellung im Jahr 2001 handelte es sich um die formidable Crying Freeman Limited Edition DVD. Es ist bis heute eine der wenigen Veröffentlichungen des Films im Original-Bildformat von 2,35:1.

amazoncaAuch Kanada war zu dieser Zeit schon ein Land mit guten Bestellmöglichkeiten. Oftmals konnte man hier Produkte günstiger als aus den USA beziehen und Bücher sogar günstiger als beim Direktkauf in Deutschland. Meine erste Bestellung bei amazon.ca erfolgte 2003 und beinhaltete die drei Bücher: The Classic Era of American Pulp Magazines, The Art of Noir und Julie Strains Greatest Hits. The Art of Noir, ein im Überformat gedrucktes Hardcover gefüllt mit den schönsten Postern aus dem Film-Noir-Genre, kann ich auch heute noch zu meinen Lieblingsbüchern zählen. Bei dieser Bestellung sparte ich damals ungefähr 40% gegenüber einem Kauf in Deutschland.

amazonjpSchließlich gibt es noch den japanischen Ableger amazon.co.jp, bei dem ich verhältnismäßig spät erstmalig bestellt habe, nämlich in 2005. Japan ist ein teures Pflaster, der Yen steht immer ungünstig. Daher bestelle ich dort nach wie vor nur, wenn es keine Alternative gibt. Meine erste Bestellung waren die zwei Fotobücher 眠る 松雪泰子 (Übersetzungsversuch: Yasuko Matsuyuki schläft) und 最後に見た風景 (Übersetzungsversuch: Die letzten gesehenen Landschaften – englischer Titel allerdings: Landscapes with a Corpse) von Izima Kaoru. Letzteres konnte ich später nochmals als Galerieexemplar mit Original-Autogramm erwerben, so dass das bei Amazon gekaufte Buch bei eBay gelandet ist.

Goldene Zeiten

Meine internationale Shopperitis startete mit den DVDs. Das DVD-Fieber grassierte Ende der 90er/Anfag der 2000er Jahre unter den Filmfans und speziell die amerikanischen Online-Shops fuhren die größten Geschütze auf, um Umsatz zu generieren: Coupons, Vouchers, Rebates, Sales! Wir Nutzer wurden förmlich zugeschüttet mit Coupons und konnten uns vor Rabatten nicht retten. Gutscheine sind auch heute nichts Unbekanntes. Aber wer die Zeiten nicht miterlebt hat, kann sich über die Ausmaße der damaligen Rabattschlacht keine Vorstellung machen. Nicht nur amazon.com drückte 5-, 15- und 25-Dollar-off-Coupons ins Internet als gäbe es kein Morgen – nicht selten bekam man bei Bestellungen direkt einen neuen Coupon fürs nächste Mal ausgehändigt – auch die Konkurrenz versuchte Besteller mit Coupons und Rabatten zu ködern.

Amazons große Konkurrenz im DVD-Geschäft waren spezialisierte Film-Shops wie reel.com (nicht mehr existent) und dvdexpress.com (wurde später zu express.com, heute nicht mehr existent). Auch diese wollten nicht nachstehen und veröffentlichten massig Coupons und überboten sich gegenseitig mit Rabatten. Darüberhinaus tauchten kuriose Geschäftsmodelle auf, die noch mehr Rabatte versprachen. BrandsForLess.com (nicht mehr existent) war so ein Ding, über das man sich heute nur noch wundern kann. BrandsForLess fungierte als Vermittler zwischen Kunde und angeschlossenen Shops wie beispielsweise dvdexpress.com. Der Nutzer füllte bei BrandsForLess ein Free-Shipping-Formular aus und schloss seine Bestellung wie üblich bei dvdexpress.com ab. BrandsForLess kassierte von dvdexpress.com eine Vermittlungsgebühr und erstattete dem Nutzer die bei dvdexpress.com angefallenen Versandkosten zu 100%. Dass dieses Geschäftsmodell nicht wirklich tragfähig ist, leuchtet ein. BrandsForLess musste irgendwann schließen, allerdings nicht, bevor ich Schecks im Wert von mehreren hundert Dollar bei meiner Bank eingelöst hatte. Goldene Zeiten? Irre Zeiten!

Gescheiterte Shops und geprellte Kunden

Leider erinnere ich mich nicht mehr an meine erste Internetbestellung überhaupt. Ich glaube, es könnte 1998 ein Buch von buch.de gewesen sein. Manche Menschen pflegen ihre 20 Jahre alte Email-Korrespondenz. Ich leider nicht. Seitdem habe ich rund um die Welt online eingekauft; England, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, Schweiz, Polen, Russland, Hong Kong, Japan, Südkorea, Thailand, USA, Kanada, Brasilien und vielleicht noch ein paar Länder mehr waren dabei. Probleme während der gesamten 17 Jahre des ungezügelten Online-Shoppings? Das ist das eigentlich Verblüffende: so gut wie keine. Mal eine kaputte CD-Hülle, mal eine Lieferverzögerung und ähnliche Kleinigkeiten. Nicht selten wurde man dafür wiederum mit einem neuen Coupon beglückt. Shops in Übersee machten sich oft gar nicht erst die Mühe, ein beanstandetes Produkt zurück zu fordern, es wurde einfach neu verschickt. Das kann ohnehin festgestellt werden: egal, wo ich bestellt habe, der Kundenservice war auch in den Anfangszeiten schon sehr ausgeprägt, speziell bei den internationalen Versendern. Der deutsche Markt scheint mir etwas länger gebraucht zu haben, dieses Niveau zu erreichen. Es liegt Nahe, dass dies zum Teil auch Amazon zu verdanken ist, die vorgemacht haben, wie es geht.

Doch nicht alle Nutzer hatten so viel Glück. Ich habe im Lauf der Zeit etliche Online-Händler kommen und gehen sehen. Manche sind mit Pauken und Trompeten untergegangen und haben hunderte von geprellten Kunden zurückgelassen. Ein etwas bekannterer Fall war der des kanadischen Versenders dvdsoon.com. Für eine geraume Zeit war dies ein zuverlässiger Händler mit sehr günstigen Preisen. Zu günstig vermutlich. Rabattierte Preise von 6 Dollar für eine DVD-Neuerscheinung waren keine Seltenheit. Der Untergang kündigte sich mit DVDs an, die als lagernd aufgefürt waren, aber auch nach Wochen nicht abgeschickt wurden. Durch Vertröstungen beruhigt, bestellten viele Nutzer weiter oder warteten geduldig bis sie vom großen Finale überrascht wurden: der Händler verkündete seine Involvenz.

Online über alles

Das war vor 10 Jahren. Heute hat sich die Situation weitgehend normalisiert. Läden gehen zwar immer noch Pleite und Online-Shops versprechen die besten Preise vom Himmel, aber die Coupon-Flut ist auch bei den amerikanischen Versendern schon lange versiegt. Ich bestelle mehr denn je online, auch international. Allerdings keine DVDs/Blu-rays und nur wenige CDs, da ich dem physikalischen Medium praktisch abgeschworen habe. Dafür so gut wie alles andere. Und es wird nicht weniger werden. Mit der Allverfügbarkeit ist dem Online-Einkauf aber heute auch das Besondere verloren gegangen. Nach neusten Erhebungen kauft über 75% der deutschen Bevölkerung online ein. Wie das Internet, ist auch der Interneteinkauf zur normalsten Sache geworden. Uns Einkaufspionieren bleibt, dass wir mit zu den Ersten gehörten und dass wir damals schon – zumindest in Ansätzen – geahnt haben, dass daraus einmal ein großes Ding wird. Auf die nächsten 17 Jahre Online-Einkauf.

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Sammelmagazin: Insekten & Echte Krabbeltiere der Welt

Aktuell gibt es im Zeitschriftenhandel das Magazin Insekten & Echte Krabbeltiere der Welt, dem  jeder Ausgabe ein in Acryl gegossener Gliederfüßer beiliegt. Vor einigen Jahren gab es diese Sammlung schon einmal unter dem Titel „Mini-Biester“. Da die Sammlung damals an mir vorbeigegangen ist, habe ich nun die von National Geographic unterstützte Neuauflage abonniert. Hier ein kleiner Check der ersten soeben angekommenen Ausgabe.

lebendeinsekten1Inhalt der ersten Ausgabe ist ein „goldener China-Skorpion“ (Mesobuthus martensii). Die Sendung, die im stabilen Karton geliefert wird, besteht aus dem 16-seitigen Heft, einer Werbebrochüre zur Sammlung, einem Insektenposter speziell für Abonnenten und dem Acrylblock mit dem Skorpion.

Das Heft richtet sich eher an jüngere Leser, hat aber durchaus einen wissenschaftlichen Anspruch. Informationen über Körperbau, Lebensweise und Lebensraum werden vermittelt. Gut gefallen mir die Illustrationen zum Körperbau. Die Werbebrochüre gibt einen groben Überblick über die Sammlung und welche Tiere in den zukünftigen Ausgaben erscheinen. Das Poster ist für mich eher nebensächlich. Es zeigt eine in Jäger und Gejagte unterteilte Ansammlung von anscheinend zufällig ausgewählten Arten. Ich glaube nicht, dass ich mir das irgendwo hinhängen werde.

Der Acrylblock selbst ist von hoher Qualität. Das Tier ist in einem makellosen Zustand und der Acrylguss ist professionell durchgeführt. Luft- oder Fremdeinschlüsse sind hier nicht zu finden. Schaut man von der Seite auf den Block lässt sich ganz schwach der dreischichtige Aufbau erahnen. Bei der Präparation wird zunächst eine flache Grundschicht Gießharz in die Form gegossen und trocknen gelassen. Auf diese Grundschicht wird das tote Tier gesetzt, entsprechend ausgerichtet und mit einer weiteren Schicht Gießharz bedeckt. Ist diese trocken, kommt die letzte Schicht Harz als Abschluss darauf. Von oben und unten betrachtet ergibt sich dadurch ein völlig homogener und transparenter Block, mit einem in beiden Achsen schön mittig platziertem Tier. Haltbar für die Ewigkeit.

lebendeinsekten2Solche Sammelmagazine haben häufig einen Ruch von „viel Krempel für viel Geld“. Das lässt sich im Fall der Insektensammlung nicht sagen. Im Abo kostet die erste Ausgabe 1,99€, ein Schnäppchen. Die weiteren Ausgaben schlagen mit 8,99€ zu Buche, was zwar kein Schnäppchen mehr ist, für das Gebotene aber durchaus angemessen. Zum Lieferumfang der späteren Ausgaben gehören Präsentationskästen für alle Blöcke. Abonnenten erhalten außerdem noch eine „Riesen-Vogelspinne“, ein Mikroskop (von dem wahrscheinlich nicht viel zu erwarten ist) und für eine 1€-Zuzahlung vier Sets mit präparierten Objektträgern.

Die komplette Sammlung besteht aus 85 Ausgaben. Das macht eine Gesamtsumme von 766€. Kein Pappenstiel. Aber meiner Recherche nach könnte man sich eine solche große und vor allem eine solche diverse Sammlung mit diesen 85 höchst unterschiedlichen Tieren gar nicht so einfach einzeln von irgendwo zusammenkaufen.

Kurzum: ausgehend von der ersten Ausgabe, kann ich diese Insektensammlung jedem Interessierten nur empfehlen. Eine ethische oder tierschutzrelevante Rechtfertigung spare ich mir an dieser Stelle, denn dazu gibt es schon andere gute Artikel.

Update

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Mittlerweile habe ich die ersten 7 Ausgaben sowie die ersten beiden Sammelkästen. Die Sammelkästen sind optisch durchaus ansprechend und somit gut zur Präsentation geeignet. Auf dem obigen Foto lassen sich die zwei unterschiedlichen Größen der Acrylblöcke erkennen, die die Sammlung enthält. Links ~7 x 4 cm und rechts ~11 x 4,5 cm. Die Präsentationsboxen für beide Größen haben die gleichen Maße.

Wer billig kauft, kauft doppelt

IMG_20150207_221816Da bewahrheitet sich mal wieder das Sprichwort. Tablethalter mit Schwanenhals gekauft, damit ich bequem auf dem Sofa lesen und surfen kann. Leider für ein Chinateil entschieden.

Die Schwachstelle ist der Metallguss-Fuß, mit dem der Halter am Tisch oder an einem anderen fixen Gegenstand festgeschraubt wird. Um das Teil richtig festzubekommen, muss man die Schraube ordentlich anziehen, wofür der Metallguss-Fuß aber nicht so richtig ausgelegt ist.

Mein nächster Halter wird wohl ein Gelenkarmstativ, das man an der Wand festdübelt.

TASCHENbücher

Ich bin ja schon lange ein Fan von TASCHEN. Mittlerweile besitze ich über 60 Bücher des Verlages. Letztens habe ich bei mir ein bischen umgeräumt und im Zuge dessen meinen vier LieblingsTASCHENbüchern eine platzverschwenderische Eigenvitrine spendiert.

Allerdings ist es kein Leichtes, nur vier Bücher aus dem mannigfaltigen Programm auszuwählen. Meine Wahl ist gefallen auf Albertus Sebas Naturalienkabinett, Bourgerys Atlas der menschlichen Anatomie und der Chirurgie (medizinisch bedeutend, aber vor allem künstlerisch eine Wucht), Leonardo da Vinci: Sämtliche Gemälde und Zeichnungen (die große Ausgabe) und Hieronymus Bosch: Das vollständige Werk.

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