Archiv der Kategorie: Naturalienkabinett

Verspätete Post aus Jakarta

Am 24.10.2015 wurde für mich ein Paket in Jakarta aufgegeben, welches drei Tage später den Zollausgang verließ und sich auf dem Weg in den Flieger befand. Danach jedoch verlor sich jede Spur.

Ich hatte das Paket bereits völlig abgeschrieben, als mich vor einigen Tagen der Postbote mit besagtem Paket überrascht. Ein Blick in die Tracking-Historie zeigt, dass das Paket am 10.08.2016 erneut im Zollbereich in Jakarta registriert wurde. Das Paket lag also fast 10 Monate unbemerkt in irgendeiner Ecke am Flughafen. Irre. Ein neuer persönlicher Rekord.

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Danach geht alles fix. Nach dem Abflug in Jakarta landet das Paket nach nur 5 Tagen in Deutschland. Nach weiteren 10 Tagen beim Zoll ist es mein. Und nun zum Inhalt.

Links: Aus einer Wurzel gefertigte Schnitzerei der Asmat aus Neuguinea, die kletternde Ahnen zeigt. Asmat bedeutet Volk des Baumes. Die Asmat glauben, dass die Seelen der Verstorbenen in den Bäumen wohnen.

Rechts: Ein kleiner Korwar, ebenfalls aus Neuguinea. Die küsten- und inselbewohnenden Völker fertigten diese Figuren als Repräsentation der verstorbenen Ahnen.

Neues aus Afrika und den Philippinen

Hier einige Objekte, die ich in den letzten Monaten bekommen habe.

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Ein Medizinkorb mit Reliquiarfigur der Fang aus Gabun. Ca. 40 cm hoch, geschmückt mit Ringen und Augen aus Metall. Die Figur hält ein symbolisches Tierhorn in den Händen. Der Korb ist mit Raphiablatt verschnürt und mit Harz versiegelt.

 

Diese Figur wurde als Fruchtbarkeitsfetisch der Mangbetu (Kongo) angeboten. Der längliche Kopf weist zwar einige Mangbetu-Charakteristiken auf, aber mittlerweile glaube ich eher, es handelt sich um eine Figur der Baule (Elfenbeinküste). Die dreieckige Gesichtsform und der ziegenbartartige Fortsatz am Kinn sind typisch Baule. Und dann ist da der echte Affenschädel, eingebettet in einem runden Hohlraum, auf dem die Figur kniet. Affen findet man in jeglicher Form in Kunstwerken der Baule. Die Figur ist ca. 60 cm hoch und aus einem Stück Holz geschnitzt, weitere Materialien: Gehäuse von Kaurischnecken, Wolle, Naturfasern. Wunderschönes Stück, habe ich vorher in dieser Art noch nicht gesehen.

 

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Trophäen-Kalebasse der Bamum aus Kamerun, frühes 20. Jahrhundert. Die Bamum schmückten die Kalebassen mit den Unterkiefern ihrer Feinde. Nach erfolgreicher Schlacht wurde in den Kürbisflaschen Palmwein serviert. Diese Kalebassen waren üblicherweise nur den hochgestellten Bamum vorbehalten. Entsprechend selten sind die Kalebassen heute. Darunter zum Vergleich ein zeitgenössisches Foto mit Kriegstrophäen der Bamum. Wie zu sehen, fehlt meiner Kürbisflasche leider der typische Henkel.

 

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Jagdtrophäe der Ifugao von den Philippinen. Ein kleiner Wildschweinschädel mit aufgebundenem Holzkörper, der einen  Affenschädel trägt. Das ist nicht besonders wertvoll, sondern eher ein Touristenstück. Dennoch gefällt mir die Kombination aus echten Schädeln und geschnitzter Holzfigur.

Zahntransplantation am anatomischen Schädel

Ich habe diesen tollen anatomischen Schädel, der einen kleinen Schönheitsfehler besaß in Form des fehlenden seitlichen Schneidezahns im Oberkiefer. Das hat mich so gestört, dass ich nach Ersatz gesucht habe. Fündig geworden bin ich bei einem anderen Schädel, dem ohnehin schon etliche Zähne fehlten, so dass ein weiterer fehlender Zahn nicht weiter auffällt.

Diesem habe ich einen Zahn aus dem Unterkiefer entnommen, ein wenig aufpoliert,  die Wurzel passend geschliffen und dem Empfängerschädel eingeklebt. Das Ergebnis ist schon überraschend. Selbst mit dem Wissen, dass dies nicht der Originalzahn ist, lässt sich kein Unterschied erkennen. Der Zahn passt optisch und von der Form her tadellos in diesen Schädel, obwohl er aus dem Unterkiefer stammt.

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Vorher / Nachher

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Spenderschädel mit rot markiertem Spenderzahn

Neue Sammelobjekte

Ich habe zwei tolle Sachen beim Zoll abgeholt.

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Als erstes haben wir hier eine alte schamanische Exorzismus-Maske des Tharu-Volks aus Nepal. Kam ziemlich verdreckt an, habe ich wieder schön aufpoliert. Die Maske ist aus Holz des Bodhibaums geschnitzt. Der Baum steht im Buddhismus als Symbol für Buddha, da dieser unter einem solchen Baum sitzend zur Erleuchtung fand. Die Maske ist mit Yak-Haar, Yak-Zähnen, Kupferstreifen und zwei großen Schafhörnern besetzt. Die runden Scheiben sind ebenfalls aus Horn gearbeitet. Solche Schamanen-Masken sind generell relativ selten und stets einzigartig in ihrer Erscheinung. Soweit ich weiß, gibt es keine zwei Masken, die sich ähneln.

Beim zweiten Objekt handelt es sich um einen Halbschädel auf Ständer. Das Präparat hat einen akkuraten Sagittalschnitt und dürfte schätzungsweise um die 100 Jahre alt sein.

Neu in meiner Sammlung

Diese zwei schönen Objekte der Pende aus dem Kongo stehen nun bei mir.

 

Dies ist eine Mbangu-Maske des Pende-Volks aus dem Kongo, die ungewöhnlicherweise mit zwei Gesichtern dargestellt ist, und der eine – wiederum zweigesichtige – Figur auf dem Kopf sitzt. Mbangu symbolisiert den Dualismus von Krankheit und Gesundheit. Die mit Kaolin gefärbte weiße Seite ist die gesunde Seite, während die dunkle Seite die kranke Seite darstellt. Der Effekt der Widersprüchlichkeit wird in diesem Fall durch die Zweigesichtigkeit noch verstärkt.

Die zwei Münder stehen fast vertikal. Der linke Mund hat keine sichtbaren Zähne, während der rechte Mund die für die Pende typischen angespitzen Zähne zeigt. Der Maskenteil weist Attribute auf, die die Pende mit Männlichkeit assozieren (bauchige Stirn, ausgeprägte Wangenkochen und vorspringende Augen), gleichzeitig erscheint das Gesicht feminisiert, speziell beim Anblick von der Seite.

Die Figur auf dem Maskenteil besitzt den eindeutig männlichen dicken Bauch und einen kleinen Buckel auf dem Rücken. Beim Mbangu-Tanz der Pende trägt der Maskenträger einen Buckel, in dem ein Pfeil steckt. Dies verweist auf den Volksglauben, dass Krankheit und Verderben von Zauberern und Hexen ausgeht, die ihre unsichtbaren Pfeile auf die Opfer schießen. Die Figur besitzt einen eingewickelten Arm (gebrochen?), einen Lendenschurz aus Stoff und ein Medizinhorn.

Es ist öfter zu lesen, dass Mbangu-Masken bei einem Heilungsritual eingesetzt werden. Die moderne Forschung geht allerdings eher davon aus, dass es sich bei Mbangu um eine Art Warnung für alle Gesunden handelt, nicht überheblich gegenüber denen zu sein, die von Krankheit und Pein geplagt sind. Denn das Übel kann jeden treffen, wie der Blitz – oder in diesem Fall: der Pfeil – aus heiterem Himmel.

Die gesamte Maske ist ca. 50 cm hoch und aus einem Stück geschnitzt.

 

Das zweite Objekt ist eine Statue, die alle typischen Mbangu-Charakteristiken aufweist. Die Figur ist klassisch eingesichtig und aufgrund der Brüste eindeutig als weiblich zu identifizieren. Der Gesundheit-Krankheit-Dualismus verläuft in diagonaler Form über den gesamten Körper. Im Vergleich mit der Maske, sind bei der Figur krankhafte Symptome in hohem Detailgrad herausgearbeitet und grafisch dargestellt.

Das „kranke“ Auge ist verdickt, der verzerrte Mund zieht sich bis zur Schulter hinunter, am Hals und der Hüfte sind riesige Auswüchse zu sehen (Beulenpest?), die rechte Brust ist verkümmert und das Bein weist eine große rohe Wunde auf, deren Schwere durch das unbehandelte Holz an dieser Stelle sehr eindringlich zu Geltung kommt. Die Figur ist mit Seil und Lendenschurz aus Raffia bekleidet.

Die Größe beträgt ca. 60 cm. Ein schönes wie interessantes Stück.

Neu in meiner Sammlung

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Unter anderem neu in meiner Sammlung befindet sich diese grimmig aussehende nkisi nkondi. Mit 30 cm ist diese nkondi verhältnismäßig klein. Der Körper ist aus einem Stück Holz geschnitzt, Haare und Zopf aus Textil geformt, in die pupillenlosen Augen ist ganz traditionell Glas eingelassen, der Körper ist eher unsymmetrisch mit Nägeln bestückt, während das Seil den Körper in sorgfältig gelegten Schleifen umwickelt. Unter dem Seil befindet sich – möglicherweise als Behältnis ausgeformtes – Textil.

Minkisi (Plural von nkisi) sind Figuren aus dem Kongo, denen ein Geist innewohnt. Sie können sowohl dem Schutz als auch der Abwehr von Bösem und der Heilung von Krankheiten dienen. Minkondi (Plural von nkondi = Jäger) sind eine Unterart, die sich durch besondere Aggressivität auszeichnen. Sie kommen vor allem bei der Jagd nach Dieben und Lügnern und der Abwehr von okkultem Zauber zum Einsatz. Der nganga (Doktor oder Heiler) gibt beim Künstler eine Figur in Auftrag, deren eigentlicher Zweck oftmals schon direkt in die Form der Figur mit einfließt. Zu sehen ist das oft an unterschiedlich ausgearbeiteten Teilen. Bei dieser Figur ist beispielsweise das Gesicht sehr detailiert gestaltet, während die Extremitäten nur grob geschnitzt sind. Der nganga bringt die Figur an einen von Geistern heimgesuchten Ort, zum Beispiel einen Friedhof, und wartet, bis sich ein Geist der Figur bemächtigt. Die Nägel werden in die Figur geschlagen, um den Geist aufzustacheln, während das Seil den Geist gleichzeitig an die Figur bindet. Kräuter und andere magische Utensilien, bilongo genannt, werden entweder direkt in Behältnisse an der Figur eingebracht oder in Säckchen an der Figur befestigt. Nicht selten werden die nkisi nkondi auch verbal beleidigt und anders malträtiert, um ihre ganze Kraft zu erwecken.

Sammelmagazin: Insekten & Echte Krabbeltiere der Welt

Aktuell gibt es im Zeitschriftenhandel das Magazin Insekten & Echte Krabbeltiere der Welt, dem  jeder Ausgabe ein in Acryl gegossener Gliederfüßer beiliegt. Vor einigen Jahren gab es diese Sammlung schon einmal unter dem Titel „Mini-Biester“. Da die Sammlung damals an mir vorbeigegangen ist, habe ich nun die von National Geographic unterstützte Neuauflage abonniert. Hier ein kleiner Check der ersten soeben angekommenen Ausgabe.

lebendeinsekten1Inhalt der ersten Ausgabe ist ein „goldener China-Skorpion“ (Mesobuthus martensii). Die Sendung, die im stabilen Karton geliefert wird, besteht aus dem 16-seitigen Heft, einer Werbebrochüre zur Sammlung, einem Insektenposter speziell für Abonnenten und dem Acrylblock mit dem Skorpion.

Das Heft richtet sich eher an jüngere Leser, hat aber durchaus einen wissenschaftlichen Anspruch. Informationen über Körperbau, Lebensweise und Lebensraum werden vermittelt. Gut gefallen mir die Illustrationen zum Körperbau. Die Werbebrochüre gibt einen groben Überblick über die Sammlung und welche Tiere in den zukünftigen Ausgaben erscheinen. Das Poster ist für mich eher nebensächlich. Es zeigt eine in Jäger und Gejagte unterteilte Ansammlung von anscheinend zufällig ausgewählten Arten. Ich glaube nicht, dass ich mir das irgendwo hinhängen werde.

Der Acrylblock selbst ist von hoher Qualität. Das Tier ist in einem makellosen Zustand und der Acrylguss ist professionell durchgeführt. Luft- oder Fremdeinschlüsse sind hier nicht zu finden. Schaut man von der Seite auf den Block lässt sich ganz schwach der dreischichtige Aufbau erahnen. Bei der Präparation wird zunächst eine flache Grundschicht Gießharz in die Form gegossen und trocknen gelassen. Auf diese Grundschicht wird das tote Tier gesetzt, entsprechend ausgerichtet und mit einer weiteren Schicht Gießharz bedeckt. Ist diese trocken, kommt die letzte Schicht Harz als Abschluss darauf. Von oben und unten betrachtet ergibt sich dadurch ein völlig homogener und transparenter Block, mit einem in beiden Achsen schön mittig platziertem Tier. Haltbar für die Ewigkeit.

lebendeinsekten2Solche Sammelmagazine haben häufig einen Ruch von „viel Krempel für viel Geld“. Das lässt sich im Fall der Insektensammlung nicht sagen. Im Abo kostet die erste Ausgabe 1,99€, ein Schnäppchen. Die weiteren Ausgaben schlagen mit 8,99€ zu Buche, was zwar kein Schnäppchen mehr ist, für das Gebotene aber durchaus angemessen. Zum Lieferumfang der späteren Ausgaben gehören Präsentationskästen für alle Blöcke. Abonnenten erhalten außerdem noch eine „Riesen-Vogelspinne“, ein Mikroskop (von dem wahrscheinlich nicht viel zu erwarten ist) und für eine 1€-Zuzahlung vier Sets mit präparierten Objektträgern.

Die komplette Sammlung besteht aus 85 Ausgaben. Das macht eine Gesamtsumme von 766€. Kein Pappenstiel. Aber meiner Recherche nach könnte man sich eine solche große und vor allem eine solche diverse Sammlung mit diesen 85 höchst unterschiedlichen Tieren gar nicht so einfach einzeln von irgendwo zusammenkaufen.

Kurzum: ausgehend von der ersten Ausgabe, kann ich diese Insektensammlung jedem Interessierten nur empfehlen. Eine ethische oder tierschutzrelevante Rechtfertigung spare ich mir an dieser Stelle, denn dazu gibt es schon andere gute Artikel.

Update

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Mittlerweile habe ich die ersten 7 Ausgaben sowie die ersten beiden Sammelkästen. Die Sammelkästen sind optisch durchaus ansprechend und somit gut zur Präsentation geeignet. Auf dem obigen Foto lassen sich die zwei unterschiedlichen Größen der Acrylblöcke erkennen, die die Sammlung enthält. Links ~7 x 4 cm und rechts ~11 x 4,5 cm. Die Präsentationsboxen für beide Größen haben die gleichen Maße.