Schimanski in grieselfreiem HD

Hätte ich nicht erwartet, war aber nötig. Zum 50. Geburtstag der Tatort-Reihe, der allererste Tatort war Taxi nach Leipzig (29. November 1970), hat der WDR alle Schimanski-Tatorte rausgekramt und digital restauriert. Passenderweise feiert der erste Schimanski-Tatort, Duisburg-Ruhrort (28. Juni 1981), nächstes Jahr den 40sten, was wohl ein weiterer Anlass für dieses Projekt gewesen sein dürfte.

Bis ins nächste Jahr hinein strahlt der WDR dienstags die restaurierten Filme in chronologischer Reihenfolge aus. Danach stehen die Filme jeweils 90 Tage lang in der Mediathek zur Verfügung. Man sollte also nicht verpassen, sich über MediathekView die Folgen fürs eigene digitale Archiv runterzuladen. Eine Übersicht über die Ausstrahlungstermine bis zum Jahresende findet man in der Ankündigung der ARD.

Hier einige Screenshot-Vergleiche aus dem ersten Schimanski-Tatort. Links die alte Version von einer RBB-Austrahlung letztes Jahr, rechts die neue übearbeitete Version.

Hier noch mal eine Szene im Bewegtbild. Das Gegriesel, die Kratzer und der Dreck ist verschwunden, aber die Schärfe hat ein wenig gelitten. Hier gut erkennbar an den Wellen. Der Grauschleier stört etwas. Allerdings sehen die überarbeiteten Versionen der folgenden Schimanski-Tatorte noch mal deutlich besser aus.

So lobenswert das Projekt auch ist, einen Kritikpunkt habe ich doch. Der erste Tatort liegt in der Mediathek in Full-HD (1080p) vor, was mich sehr gefreut hat, denn damit ist die Auflösung deutlich höher als bei der TV-Austrahlung in Standard-HD (720i). Aus unbekannten Gründen sind die folgenden Tatorte jedoch nur in der 720er Auflösung verfügbar. Schade.

Krimi-Podcast: Kein Mucks!

podcast-teaser-kein-mucks

Kürzlich hat Bremen Zwei einen 10-teiligen Podcast gestartet, in dem Bastian Pastewka alte Krimi-Hörspiele aus dem Bremen-Zwei-Archiv präsentiert. Das Ganze nennt sich passenderweise Kein Mucks! und ist definitiv eine hörenswerte Angelegenheit. Zur  Klarstellung: das ist kein Podcast über Hörspiele, sondern Pastewka macht die Einführung und die Hörspiele werden in Gänze gespielt. Hier hat man die Gelegenheit ein paar schöne alte, fast vergessene Hörspiele wieder zu entdecken.

Das erste Hörspiel habe ich gehört, ein 4-Teiler namens Zweite Instanz aus dem Jahr 1963 mit einem jungen Günter Strack in der Hauptrolle. Und ich bin positiv überrascht über die inhaltliche Qualität dieses Stücks. Eine Mischung aus Murder-Mystery und Gerichtsdrama. Macht auf jeden Fall Laune auf die nächsten Hörspiele.

 

Deutscher Titelquatsch: Nord bei Nordwest

nord-bei-nordwest-kaeptn-hook

Die ARD hat eine neue Krimireihe namens Nord bei Nordwest im Programm. Zwar ist die Reihe bereits vor einem Jahr gestartet, aber offenbar wird nur eine Folge pro Jahr produziert. Damit ist das Ganze mehr oder weniger neu.

Was mich stutzig macht, ist der Titel. Oh ja, Hitchcock, der Meister! Der unsichtbare Dritte heißt im Original North by Northwest. Aber bekanntermaßen ergibt der Titel schon bei Hitchcock wenig Sinn. Die Himmelsrichtung north by northwest existiert nicht. Es gibt verschiedene Fan-Theorien zur Bedeutung des Titels; und Hitchcock selbst äußerte sich in dem berühmten Interview mit Peter Bogdanovich. Demnach verkörpert der Titel den ganzen fantastischen Charakter des Films, eben weil die Richtung north by northwest eine Illusion ist. Immerhin aber stimmt die Syntax. Im Englischen werden die Kompasspunkte über die Himmelsrichtungen und die Präposition by gebildet.

Im Deutschen hingegen wird die Präposition zu verwendet. Korrekt inkorrekt müsste der deutsche Titel also Nord zu Nordwest heißen, was zugegebenermaßen noch bescheuerter klingt. Das Ganze kann man natürlich unter künstlerischer Freiheit abhaken. Zumal die Krimis an der Ostsee spielen, was den Titel noch kurioser erscheinen lässt.

Nachdem ich mich kleinkariert zum Titel ausgelassen habe, noch ein Wort zu der Krimireihe selbst, die rein gar nichts Hitchcockiges an sich hat. Nord bei Nordwest ist ein gemächlicher, nicht unsympathischer Provinzkrimi mit leichtem Humor und sprödem Ostsee-Flair. In manchen Szenen ist die Reihe allerdings auch leider näher an Pilcher dran als an Tatort. Nur die gute Besetzung rettet dann Nord bei Nordwest vor der Belanglosigkeit. Es ist mal wieder das typisch öffentlich-rechtliche Problem. Man hat eine gute Idee, schöne Locations und überzeugende Schauspieler, bleibt dann aber mutlos bei der Umsetzung. Sprechende Papageien names Captain Hook und Wikingerflüche? Das klingt eher nach den Drei Fragezeichen. Selbst die Mädchenhändler, die hier einen armen Bauern foltern und in der Gegend rumballern, erscheinen nicht wirklich bedrohlich. Alles Durchschnitt also? Nee, der Titel, der fällt aus dem Rahmen.