Commando Ninja

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Ich hatte bereits letztes Jahr in meinem Trash-Tumblr den über alle Maßen fantastischen und herrlich beknackten Fan-Film Commando Ninja verbloggt. Da kürzlich ein sehenswertes Making-Of veröffentlicht wurde, nutze ich die Gelegenheit und weise auch hier noch mal auf den Film hin. Der Franzose Benjamin Combes hat dank knapp 800 zahlungswilliger Unterstützer auf Kickstarter und dem Enthusiasmus der beteiligten Helfer und Schauspieler eine augenzwinkernde Hommage erschaffen, die den Filmen huldigt, mit denen er aufgewachsen ist. Das sind vorwiegend die 80er Jahre Actionheuler von Cannon Films und Carolco Pictures. Die Ninja-Filme und der Schwarzenegger-Klopper Phantom Commando spielen ganz offensichtlich eine herausragende Rolle. Wenn man beide kombiniert, erhält man: Commando Ninja!

Für Trashfans bietet Commando Ninja einen hohen Unterhaltungswert, insbesondere wenn man diese Filmära kennt und genauso abgefeiert hat wie Filmemacher Combes. Commando Ninja ist einer dieser raren Filme, die absichtlich trashig sind und dennoch funktionieren. Guter Trash lebt ja eigentlich davon, dass er sich seiner Trashigkeit nicht bewusst ist. Unfreiwilliger Trash eben. Bewusst auf trashig gedrehte Filme sind hingegen selten überzeugend (Sharknado, anyone?). Commando Ninja aber funktioniert, weil viel Leidenschaft, Herzblut und Detailgenauigkeit drinsteckt. Das Beste: der knapp 70-minütige Kracher kann auf Youtube kostenlos angeschaut werden. Sowohl im englischen Original als auch in einer deutschen Synchronisation.

Das erwähnte Making-Of sei nochmals besonders empfohlen (Untertitel anschalten). Man erhält hier einen guten Einblick in die 3 Jahre dauernde Produktionszeit des Films und lernt den Film und den betriebenen Aufwand noch mehr zu schätzen. Gleichzeitig demonstriert das Making-Of, wie man heute einen beachtlichen Fan-Film realisieren kann, nicht zuletzt auch mit der Hilfe des Internets. Da ist nicht nur die Finanzierung über Kickstarter. Desweiteren hat Combes fast alle Schauspieler und Beteiligte über Facebook kennengelernt, sofern er nicht auf Talente aus seinem Bekanntenkreis zurückgreifen konnte. Selbst bei den Synchronisationen hilft das Internet dank Sprecher-Plattformen wie voicebunny.com.

Das Making-Of geht auch auf die vielen Probleme ein, die während des Drehs auftauchen. Passende Locations finden, Geldmangel, Krankheit, fehlendes oder defektes Equipment und manchmal auch schlicht fehlende Expertise. Sehenswert dazu das Segment über die improvisierten Special Effects der Einschusswunden. Wie Combes das alles mit viel Erfindungsreichtum und Hartnäckigkeit meistert, ringt mir echt Respekt ab.

Ach ja, einen tollen Soundtrack gibt es auch.

 

Und in Kürze ein Prequel-Comic. Die Action-Figuren (!) sind hingegen schon ausverkauft. Aber worauf ich eigentlich hoffe, ist natürlich eine Fortsetzung des Films. Vielleicht in drei oder vier Jahren?

Die vernachlässigte Kunst der Titelsequenzen

Die Designer der Titelsequenzen von Filmen und Serien gehören zu den unbesungenen Helden. Selbst Filmkennern sind, vielleicht abgesehen von Ikonen wie Saul Bass oder Maurice Binder, nur wenige Namen geläufig. Diese Unwissenheit bekämpft bereits seit 2007 das Blog Art of the Title, das ganz den Titelsequenzen und deren Designern und Regisseuren gewidmet ist.

Als Leser kann man hier sehr fokussiert in den Sequenzen schwelgen und bei Bedarf auch tiefer in die Materie eintauchen. In teils sehr ausführlichen Interviews wird der Entstehungsprozess des Vorspanns eines Films oder einer Serie beleuchtet und mit allerlei Material wie Storyboards, unverwendete Sequenzen und Inspirationsquellen angereichert. Das ist alles ganz schön spektakulär.

Der neuste Artikel gilt Saskia Marka, die neben den coolen mit Major Tom unterlegten Sequenzen zu Deutschland 83 und Deutschland 86, auch den Vorspann zu Babylon Berlin kreiert hat, der den Zuschauer auf die unheilvolle Atmosphäre der Serie passend einstimmt.

Im Interview gelingt es Saskia Marka noch den guten alten Tatort-Vorspann als deutsches Highlight unterzubringen. Ja, ich glaube, es gibt wenige Filmreihen, die überhaupt 50 Jahre lang laufen und dabei dann auch noch durchgehend den selben Vorspann verwenden.

Youtube-Kanal: Screened

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Meine heutige Empfehlung ist der Youtube-Kanal Screened. In jedem der Videos beschäftigen sich die zwei Betreiber des Kanals mit einem bestimmten Aspekt des filmischen Geschichtenerzählens. Dabei analysieren sie Filme, Genres, bestimmte Szenen oder andere filmische Themengebiete und schauen, was warum wie funktioniert. Dazu werden nicht einfach technische Details runtergerattert, sondern man bedient sich einer essayistischen Erzählweise, um den Zuschauer an das Themenkonzept heranzuführen. Die Videos sind nicht nur inhaltlich äußerst interessant, sondern gewinnen dadurch auch eine, ich nenne es mal: literarische Qualität.

Meine Empfehlungen für den Einstieg sind Why Cosmic Horror is Hard To Make, über das Problem kosmischen Horror im Film umzusetzen, The Haunting of Hill House – How To Use Long Takes, über die atemberaubenden langen Kamerafahrten ohne Schnitt in der poetischen Netflix-Gruselserie (siehe meine Empfehlung hier) und The Twilight Zone – What Do We Fear?, über die universellen Angstmotive in der originalen Twilight-Zone-Serie der 1950er Jahre.

Hanna (Serie, 2019)

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Amazon Video – 8 Folgen

Ein Mädchen mit außergewöhnlichen physischen und kognitiven Fähigkeiten, antrainiert in einem geheimen CIA-Programm, befindet sich mit ihrem Vater auf der Flucht durch Europa und versucht dabei herauszufinden, wer sie ist und wo sie herkommt.

Die neue Amazon-Serie basiert auf dem gleichnamigen Film von 2011, an den ich mich nur noch bruchstückhaft erinnerte. Für diese Kritik habe ich mir den Film daher nochmals im Schnelldurchlauf angesehen. Im direkten Vergleich wirkt die Serie wie eine erweiterte Fassung der Geschichte, der Film hingegen häufig nur wie ein dünnes Grundgerüst. Das war mir schon damals bei der Erstsichtung des Films unangenehm aufgefallen. Die Handlung ist zu sehr kondensiert, wodurch die Figurenzeichnung leidet. Statt 2 Stunden Film hat die Serie nun fast 7 Stunden zur Verfügung, die überwiegend sehr gut genutzt werden. Viele Schlüsselszenen aus dem Film tauchen auch in der Serie auf, aber deutlich ausführlicher. Wie die dysfunktionale Hanna in der realen Welt zurecht kommt, Kontakte zu Gleichaltrigen knüpft und ihre erste Party feiert, bekommt in der Serie mehr Raum. Der Coming-of-Age-Faktor, den der Film andeutet, wird zu einem zentralen Element der Serie, insbesondere durch den Abnablungsprozess im Finale, das sich vom Filmende völlig unterscheidet.

Hannas Vater bekommt in der Serie eine Hintergrundgeschichte, Agentin Marissa ein Privatleben, was die von Mireille Enos gespielte Figur deutlich vielschichtiger macht als Cate Blanchets Filmversion. Außerdem erfährt der Zuschauer in der Serie Genaueres über Hannas Mutter und das CIA-Programm; Dinge, die im Film kaum eine Rolle spielen. Manch einer mag hier zu viel Drama vermuten für eine Serie, die eigentlich ein Actionthriller ist. Man könnte aber auch sagen: viele Details, die die Geschichte erst lebendig machen. Ich bin in dieser Hinsicht etwas zwiegespalten. Ob es unbedingt eine ganze Folge gebraucht hätte, die Hanna bei ihrer neuen Freundin in England zeigt, sei dahingestellt. Aber im Großen und Ganzen funktioniert der Mix aus Drama und Action.

Nachdem ich mir den Film noch einmal angesehen habe, ist die Serie bei mir im Ansehen deutlich gestiegen. Mein ursprüngliches Interesse an der Serie galt in erster Linie Joel Kinnaman und Mireille Enos, die nach dem sehr guten Serien-Remake The Killing hier erstmals wieder zusammen vor der Kamera zu sehen sind. Als gegensetzliches Ermittler-Duo in The Killing haben die zwei nämlich sehr gut miteinander harmoniert. In Hanna stehen sie auf verschiedenen Seiten: Kinnaman spielt Hannas Vater, Enos die Agentin, die die beiden jagt. Auch das passt perfekt, so dass ich zukünftig hoffentlich noch weitere Zusammenarbeiten sehen werde.

Hanna wird von der Newcomerin Esme Creed-Miles gespielt, die ähnlich performt und ähnlich überzeugt wie Saoirse Ronan im Film. Erwähnenswert sind auch die deutschen Schauspieler einschließlich Benno Führmann, die alle eine gute Vorstellung abliefern.

Als Fazit bleibt, dass mir die Serie in letzter Konsequenz besser gefällt als der Film. Die Serie ist durchaus spannend, stringent erzählt und bietet einige richtig starke Szenen. Speziell was die Action anbelangt, hat die Serie tatsächlich mehr zu bieten als der Film. Mein Problem ist, dass die Serie in keiner Weise neue Maßstäbe setzt. Wer die Serie nicht sieht, verpasst nichts. Empfehlen kann ich die Serie daher denen, die generell Interesse an dem Thema haben, den Film wahlweise gut oder schlecht fanden – beiden Parteien bietet die Serie genug Gratifikation – oder denen, die, wie ich, die Schauspieler mögen.

Nachtrag: Soeben wurde von Amazon eine zweite Staffel bestätigt. Die bräuchte ich nicht unbedingt, da die erste Staffel die Geschichte befriedigend abschließt. Aber wie so oft, handelt es sich hier um eine Geschichte, die man endlos weitererzählen kann.

Die originalgetreuste Dracula-Verfilmung

James Rolfe alias The Angry Video Game Nerd beschäftigt sich in einem aktuellen Video mit einem meiner Lieblingsbücher; oder besser gesagt dessen Verfilmungen. Er beantwortet die Frage, welcher Film wohl die originalgetreuste Umsetzung von Bram Stokers Dracula ist. Das Ganze kommt aus naheliegenden Gründen nicht ohne subjektive Vorauswahl aus. Aus der Vielzahl der Dracula-Filme hat sich James zwölf der aussichtsreichsten Kandidaten ausgesucht – und ich würde behaupten, die Auswahl ist gelungen – und prüft diese Filme anhand einer Checkliste auf die wichtigsten Figuren, Elemente und Handlungsdetails des Buches.

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Rein instinktiv hätte ich vermutet, dass Francis Ford Coppolas Verfilmung von 1992 ziemlich weit vorne rangieren müsste. Und in der Tat ist es auch so. Coppolas Version liefert sich bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der BBC-Verfilmung von 1977, die letztlich knapp gewinnt. Nicht nur, weil die BBC-Version die meisten Übereinstimmungen mit dem Buch hat, sondern auch weil Coppolas Version deutlich mehr Elemente hinzudichtet, die im Buch gar nicht vorkommen. Immerhin ist der Coppola-Film der einzige von den zwölf Filmen, der die Briefkorrespondenz mit in die Handlung integriert. Stokers Roman besteht bekanntlich ausschließlich aus Briefen, Tagebucheinträgen und Zeitungsausschnitten. Auf Platz 3 landet ein Film, den ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: Jess Francos Nachts, wenn Dracula erwacht von 1970.

Interview: Was heißt Grand Guignol?

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Vor einiger Zeit habe ich den Horrorfilm La femme la plus assassinée du monde vorgestellt, der das französische Grand Guignol thematisiert. Nun habe ich einen interessanten Beitrag wiederentdeckt, den ich vor 15 Jahren im Programmfenster auf Sat 1 sah:

Was heißt Grand Guignol?
Die Fortsetzung des Theaters der Empfindsamkeit mir rabiaten Mitteln

In dieser Folge von News & Stories aus der dctp-Reihe führt Alexander Kluge ein Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Ulrike Sprenger über das Grand Guignol. Neben der Geschichte und dem Einfluss des Theaters, werden auch einige der Stücke erzählt und typische Merkmale und Prämissen abgehandelt. Das ist sehr aufschlussreich und damit empfehlenswert für alle Interessierten.

Überhaupt ist das gesamte Archiv von dctp.tv ein Füllhorn an interessanten Beiträgen zu Kultur und Wissenschaft. Stöbern lohnt sich.

Katherine Dunham in Im Schwarzen Rößl

Ich habe eine kleine filmhistorische Entdeckung gemacht. Ausgerechnet im österreichischen Schlagerfilm Im Schwarzen Rößl von 1961. Ich habe diesen Film kürzlich zwecks einer Recherche gesichtet und war aufgrund der Eingangssequenz, die auf ungeschickte Weise dem Zuschauer vorgaukelt, sie spiele im Moulin Rouge, aber ganz offensichtlich doch nur im Studio gedreht wurde, einigermaßen verblüfft. Denn die Szene ist so anders, als das was ich in einem Schlagerfilm mit Gus Backus und Trude Herr erwartet hätte. Eine brasilianische Tanz- und Gesangsnummer, locker-flockig irgendwo zwischen Martin Denny und Yma Sumac angesiedelt.

Neben der Musik, ist mir die Sängerin aufgefallen, die hier lipsynct. Ich konnte sie erst nicht zuordnen, aber irgendwie kam sie mir bekannt vor. Nachdem ich mir die Szene mehrmals angesehen hatte, fiel es mir ein. Es handelt sich hierbei um keine Geringere als die schwarze Ikone der Tanz-Choreographie und Bürgerrechtsaktivistin Katherine Dunham.

Ich habe die Szene zu Dokumentationszwecken auf Youtube hochgeladen:

Dunhams Auftritt wird nicht in den Filmcredits erwähnt und erscheint auch sonst in keiner mir zugänglichen Onlinequelle. Dass Dunham überhaupt in einem österreichischen Film auftritt, ist nicht ganz verwunderlich, wenn man ihre Biografie auf Wikipedia oder die Timeline der Library of Congress betrachtet.

Ende der 1950er Jahre befand sie sich mit ihrer Truppe, The Dunham Company, zum dritten Mal auf Europa-Tournee. Aufgrund schlechten Managements strandeten sie 1960 ohne Geld in Wien. Dort gelang es Dunham immerhin einen Auftritt in der Sendung Karibische Rhythmen des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) zu organisieren. Soviel ist verbrieft. In diesem Zeitraum muss es dann auch zu den Aufnahmen zum Film Im Schwarzen Rößl gekommen sein.

Was mir bisher noch nicht gelungen ist, ist das Lied zu identifizieren. Weder Google Music noch Youtube Content ID sagt was. Wer da eine Idee hat, bitte melden. Ich höre Maracatu heraus und in der Tat hatte Dunham in ihrer Broadway-Show eine „Brazilian Suite“ mit Maracatu im Programm, wie sich in The Complete Book of 1950s Broadway Musicals nachschlagen lässt. Die Musik stammt von einem gewissen Vadico Gogliano alias Osvaldo Gogliano. Ob es sich dabei um diese Nummer handelt, kann ich leider nicht bestätigen.