Filmklassiker der 20er Jahre in der ARD-Mediathek

Die Büchse der Pandora (1929)

Erst letzten Monat hatte die ARD diese umfangreiche Wim-Wenders-Werkschau in der Mediathek. Ich glaube, es waren fast 20 Filme des Meisters, die man ansehen konnte. Diesen Monat bringt die Mediathek eine weitere schöne Filmsammlung online. Zur Einstimmung auf die 3. Staffel von Babylon Berlin stehen nun 12 Filmklassiker der 20er Jahre zum Abruf bereit. Von Berlin Alexanderplatz bis zum Überfilm Metropolis, von der Lotte-Reiniger-Scherenschnittanimation bis zum unvermeidlichen Blauen Engel.

Man muss sich allerdings ranhalten, denn am 19.10. verschwinden die Filme wieder. Eine gute Alternative ist es, die Filme über MediathekViewWeb zur Nachschau zu sichern. Denn so richtig bingeable sind diese zum Teil überlangen Stummfilme eher nicht.

Bezüglich Babylon Berlin sei auch nochmals auf die Hörspielserie hingewiesen, die man in der Audiothek hören und runterladen kann. Der nasse Fisch entspricht den ersten beiden Serien-Staffeln, Der stumme Tod der dritten Staffel. Mit Moabit gibt es auch noch ein Prequel zur Geschichte.

Schimanski in grieselfreiem HD

Hätte ich nicht erwartet, war aber nötig. Zum 50. Geburtstag der Tatort-Reihe, der allererste Tatort war Taxi nach Leipzig (29. November 1970), hat der WDR alle Schimanski-Tatorte rausgekramt und digital restauriert. Passenderweise feiert der erste Schimanski-Tatort, Duisburg-Ruhrort (28. Juni 1981), nächstes Jahr den 40sten, was wohl ein weiterer Anlass für dieses Projekt gewesen sein dürfte.

Bis ins nächste Jahr hinein strahlt der WDR dienstags die restaurierten Filme in chronologischer Reihenfolge aus. Danach stehen die Filme jeweils 90 Tage lang in der Mediathek zur Verfügung. Man sollte also nicht verpassen, sich über MediathekView die Folgen fürs eigene digitale Archiv runterzuladen. Eine Übersicht über die Ausstrahlungstermine bis zum Jahresende findet man in der Ankündigung der ARD.

Hier einige Screenshot-Vergleiche aus dem ersten Schimanski-Tatort. Links die alte Version von einer RBB-Austrahlung letztes Jahr, rechts die neue übearbeitete Version.

Hier noch mal eine Szene im Bewegtbild. Das Gegriesel, die Kratzer und der Dreck ist verschwunden, aber die Schärfe hat ein wenig gelitten. Hier gut erkennbar an den Wellen. Der Grauschleier stört etwas. Allerdings sehen die überarbeiteten Versionen der folgenden Schimanski-Tatorte noch mal deutlich besser aus.

So lobenswert das Projekt auch ist, einen Kritikpunkt habe ich doch. Der erste Tatort liegt in der Mediathek in Full-HD (1080p) vor, was mich sehr gefreut hat, denn damit ist die Auflösung deutlich höher als bei der TV-Austrahlung in Standard-HD (720i). Aus unbekannten Gründen sind die folgenden Tatorte jedoch nur in der 720er Auflösung verfügbar. Schade.

Fackeln im Sturm (1985, 1986, 1994)

Auf Amazon Prime habe ich Fackeln im Sturm entdeckt, einen Straßenfeger meiner Kindheit, und ich verspürte irgendwie den Drang, mir dieses Epos mit über 30 Jahren Abstand nochmals anzusehen. Eigentlich bin ich damals zu jung gewesen, aber die Serie war ein solcher Hit, dass man es sich selbst als Grundschüler nicht erlauben konnte, sie zu verpassen. Ich kann natürlich nicht behaupten, dass ich damals alles verstanden hätte. Bürgerkrieg, große Politik, Intrigen, Rassismusdebatte, Familienfehden.

Bei Fackeln im Sturm handelt es sich um drei Mini-Serien des amerikanischen Fernsehsenders ABC. Entsprechend der Romantrilogie von John Jakes, auf der die Produktion beruht, heißen die Serien im englischen Original North and South Book I, Book II und Book III. Man kann das Ganze allerdings einfachheitshalber als eine Serie mit drei Staffeln betrachten.

Fackeln im Sturm erzählt von den Vorgängen unmittelbar vor, während und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, deckt damit die Zeitspanne zwischen den Jahren 1842 und 1866 ab, und stellt dabei zwei Familien in den Mittelpunkt der Handlung. Orry Main (Patrick Swayze) und seine Familie besitzen eine Baumwollplantage mit entsprechender Sklaveninfrastruktur in South Carolina, während George Hazard (James Read) und seine Familie eine Eisenhütte in Pennsylvania betreiben, natürlich sklavenfrei. Zwischen den Familien und speziell zwischen Orry und George entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, bevor diese aufgrund der Spaltung des Landes auf eine schwere Probe gestellt wird. Die Serie macht dazu eine große Anzahl von Nebenhandlungen auf und erzählt vom äußeren Konflikt, dem Krieg, genauso wie vom inneren Konflikt der Figuren. Die Spaltung des Landes verläuft durch Familien und zwischen Freunden hindurch. Die Serie lässt außerdem die Perspektive der Sklaven nicht außen vor, was Fackeln im Sturm inhaltlich deutlich interessanter macht, als den heute kontrovers diskutierten Bürgerkriegsklassiker Vom Winde verweht.

Der Ruf der Serie – und das, was mir noch vage in Erinnerung war – haben dazu geführt, dass ich mich geistig auf ein echtes Kitsch-Fest vorbereitet habe. Doch erfreulicherweise wäre das gar nicht nötig gewesen. Fackeln im Sturm ist eine große Seifenoper, da gibt es kein Vertun. Aber eine Seifenoper auf hohem Niveau. Mit einer abwechslungsreichen Handlung, nahezu tadelloser Inszenierung und mit einer guten Besetzung gelingt es der Serie spannend zu unterhalten und zumindest ansatzweise auch ein bischen Geschichte zu vermitteln. Historisch werden die wichtigsten Stationen abgearbeitet und man bekommt einen soliden Eindruck, wie und warum der Krieg geführt wurde. Einen  wissenschaftlich-kritischen Geschichtsunterricht dürfte man hier ohnehin nicht erwarten.

Zwei Dinge haben mich besonders überrascht. Für eine Fernsehserie aus den 1980er Jahren hat sich Fackeln im Sturm erstaunlich gut gehalten. Das liegt an der filmischen Inszenierung mit Kamerafahrten am Kram und Massenszenen mit hunderten von Statisten auf dem Schlachtfeld, und an den auch heute noch beeindruckenden Sets und Kostümen. Das passt alles gut zusammen und wirkt nur selten kulissenhaft.

Eine weitere Überraschung für mich, weil es mir damals als Kind natürlich nicht bewusst war, sind die ganzen Cameos berühmter Schauspieler: Robert Mitchum, James Stewart, Hal Holbrook, Elizabeth Taylor, Olivia de Havilland (bekannt aus Vom Winde verweht), Lloyd Bridges… und Michael Dudikoff, der zwar damals kein berühmter Schauspieler war, sich nach Fackeln im Sturm aber zu einem der bekanntesten B-Action-Stars der 80er und 90er Jahre entwickeln sollte. Nicht zu vergessen, dass auch der spätere Star-Trek-Commander Jonathan Frakes hier ebenso eine größere Rolle hat.

Damit steht recht viel auf der Habenseite. Ganz kritiklos will ich die Serie aber nicht abfeiern. Stellenweise kommen mir zu sehr die traditionellen Seifenoperelemente durch. Das fängt bei den Figuren an, die alle erdenklichen Archetypen abdecken, vom guten Sklavenbesitzer, der von den Sklaven profitiert und sich seiner Familie verpflichtet fühlt, aber dennoch irgendwie spürt, dass Menschen wie Dinge zu besitzen, nicht richtig ist, bis zur intriganten Schwester, die über Leichen geht. Es werden einfach etwas zu viele melodramatische Momente aufgetischt. Hier noch eine Affäre, dort noch schnell ein Duell wegen einer Lappalie. Immerhin gilt es, eine Gesamtspielzeit von über 22 Stunden zu füllen.

Das größte Manko der Serie ist allerdings zweifellos die dritte Staffel. Staffel 1 und 2 erschienen 1985 und 1986, zwei bzw. drei Jahre nach den Romanen von John Jakes, und bilden eine schöne runde Geschichte mit einem versöhnlichen Ende. 1987 erschien Jakes abschließender dritter Roman der Reihe, der ursprünglich eigentlich gar nicht verfilmt werden sollte. Einige Jahre später überlegte man es sich bei ABC offensichtlich doch anders und schob 1994 noch die dritte Staffel hinterher. Vermutlich war der große Erfolg der Serie zu verführerisch, als dass man darauf hätte verzichten können, die Kuh noch weiterzumelken.

Positiv ist zu vermerken, dass auch die dritte Staffel visuell ansprechend ist und dass etliche Schauspieler der ersten und zweiten Staffel wieder mit an Bord sind. Im Falle von Patrick Swayze stand man allerdings vor einem Problem. Kurz nach der zweiten Staffel feierte Swayze mit dem Film Dirty Dancing seinen Kino-Durchbruch. Anfang der 90er Jahre folgten weitere Hits wie Ghost und Point Break. Völlig ausgeschlossen, dass Swayze für eine dritte Staffel zur Verfügung stehen würde. Das war eine Zeit, in der man als Schauspieler nicht mehr ins Fernsehen zurückkehrte, wenn man einmal den Sprung ins Kino geschafft hatte (oben genannte Cameos ausgenommen). Vielleicht war Swayze auch mittlerweile auch einfach zu teuer. ABC musste daher eine Lösung für die Figur Orry Main finden. Neu besetzen oder aus der Geschichte rausschreiben. Man entschied sich für Letzteres und leider tat man dies auf denkbar schlechteste Weise.

Man könnte darüber hinwegsehen, wenn denn der Rest der Staffel wenigstens spektakulär wäre. Aber inhaltlich beschränkt sich die Staffel auf eine simple Rachegeschichte. Es gibt durchaus einige gute Ansätze. So versuchen die Protagonisten ihr Leben zu ordnen und ihre Geschäfte wieder aufzubauen. Die ehemaligen Sklaven müssen feststellen, dass das Ende der Sklaverei nicht das Ende des Rassismus bedeutet. Der Ku Klux Klan taucht auf. Es wird ein Massaker an Cheyenne verübt. Letztlich werden all diese Themen aber nur angerissen und es ergibt sich wenig daraus. Mit einer Länge von 3 x 90 Minuten ist die dritte Staffel auch nur halb so lang wie die vorherigen. Sind die Ideen ausgegangen oder das Geld? So bleibt der Eindruck, dass die dritte Staffel ein eigentlich überflüssiger Nachtrag zu einer längst fertigerzählten Geschichte ist.

Es schmälert die Qualität der Serie aber nur geringfügig, egal ob man nun die dritte Staffel als Teil der Serie betrachtet oder sie gedanklich streicht. Fackeln im Sturm ist ein amerikanisches Serienepos, das mich in seiner Gesamtheit nach all den Jahren doch tatsächlich ziemlich gut unterhalten und ein Stück weit auch immer noch beeidruckt hat. Wider erwarten.

Krimi-Podcast: Kein Mucks!

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Kürzlich hat Bremen Zwei einen 10-teiligen Podcast gestartet, in dem Bastian Pastewka alte Krimi-Hörspiele aus dem Bremen-Zwei-Archiv präsentiert. Das Ganze nennt sich passenderweise Kein Mucks! und ist definitiv eine hörenswerte Angelegenheit. Zur  Klarstellung: das ist kein Podcast über Hörspiele, sondern Pastewka macht die Einführung und die Hörspiele werden in Gänze gespielt. Hier hat man die Gelegenheit ein paar schöne alte, fast vergessene Hörspiele wieder zu entdecken.

Das erste Hörspiel habe ich gehört, ein 4-Teiler namens Zweite Instanz aus dem Jahr 1963 mit einem jungen Günter Strack in der Hauptrolle. Und ich bin positiv überrascht über die inhaltliche Qualität dieses Stücks. Eine Mischung aus Murder-Mystery und Gerichtsdrama. Macht auf jeden Fall Laune auf die nächsten Hörspiele.

 

Ein Filmheft aus Japan

Auf eBay gestöbert und Eva Renzi auf dem Cover eines alten japanischen Filmmagazins entdeckt. Da dachte ich mir, das könnte ich ja mal kaufen.

Es handelt sich um eine Ausgabe von Kinema Junpo (キネマ旬報), kurz: Kinejun (キネ旬), Nr. 477 vom September 1968. Kinejun hat eine interessante Geschichte. Es ist Japans ältestes Filmmagazin, gegründet 1919 (!) von vier Studenten, Anhänger der Pure-Film-Bewegung, die das japanische Kino dafür kritisierte, im Prinzip einfach nur Theater abzufilmen, anstatt die filmischen Möglichkeiten auszunutzen, und daher den ausländischen Film bevorzugte.

Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung während des 2. Weltkrieges, erscheint Kinejun bis heute. Eine Webseite gibt es natürlich auch. Die alljährlichen Top-Ten-Listen, die Kinejun veröffentlicht, scheinen eine ziemlich prestigeträchtige Angelegenheit zu sein. Die Fokussierung auf den ausländischen Film wurde schon in den 1930er Jahren aufgegeben und seitdem beschäftigt sich das Magazin generell mit Film und der Filmindustrie.

Wenn man kein Japanisch versteht, ist das Heft – zumindest meine alte Ausgabe – nicht so wahnsinnig spannend. Die ersten sieben Seiten bestehen aus ganzseitigen Foto-Collagen zu aktuellen Filmen. Dann folgt viel Text in Form von News, Reviews, Essays und Kinoprogrammen.

Interessanterweise ist auch das komplette 23-seitige Drehbuch einer Fernsehserien-Episode abgedruckt. Trotz Übersetzungs-App war es nicht ganz einfach, herauszufinden, worum es sich dabei handelt. Nach etwas hin- und hergeklicke habe ich die Episode in einer japanischen Fernsehserien-Datenbank identifiziert. Es ist die Episode 天下一の剣豪 (Tenkaichi no kengō, Der beste Schwertkämpfer der Welt) aus der Serie 剣 (Ken,  Schwert). Tetsuro Tanba spielt hier mit, den man zumindest aus dem James-Bond-Film You only live twice als Tiger Tanaka kennen sollte. Die Serie scheint aber selbst in Japan nicht übermäßig bekannt zu sein. Es gibt zwar eine DVD-Box, aber weder findet man einen Eintrag in der IMDb noch in der japanischen Wikipedia.

Werbung gibt es im Heft wenig. Die skandinavische Airline SAS hat eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Ansonsten sind da noch ein paar Seiten Filmwerbung. Die Anzeige zum Film Le Rapace mit Lino Ventura, der in Deutschland den schicken Titel Im Dreck verreckt hat, habe ich mal eingescannt, denn die habe ich online in dieser Form noch nicht gesehen.

Le_Rapace

Was Eva Renzi betrifft, die scheint ohne besonderen Anlass auf dem Titel zu sein. Auf Seite 2 findet sich zwar eine kleine Info-Box über sie, aber ansonsten habe ich im Heft nichts weiter über sie oder ihre Filme entdecken können.

Macht aber nichts. Trotz der Sprachbarriere, ist das Heft etwas Feines für die Sammlung. Und einiges gelernt habe ich bei der Recherche auch. Kinejun war mir bis dahin nämlich völlig unbekannt und die Fernsehserien-Datenbank könnte in der Zukunft auch noch mal hilfreich sein.

Ein Grabriegel aus Sagada

Bei der Renovierung meines Arbeitszimmers ist mir dieses Stück wieder in die Hände gefallen. Ich habe die Figur vor einigen Jahren auf eBay gekauft, wo sie als Grabriegel angeboten wurde. Mit dem deutschen Begriff kann man wenig anfangen. Bei den gängigen Suchmaschinen findet man jedenfalls nichts Hilfreiches.

Die Figur ist aus nicht näher definierbarem Holz, stark verwittert, ca. 72 cm hoch und 7 bis 8 cm im Durchmesser. Unten läuft sie konisch zu und der Dreck lässt vermuten, dass sie mal in der Erde gesteckt hat.

Nach eingehender Suchmaschinenbefragung und dem Experimentieren mit allen möglichen Begriffen, die mir so eingefallen sind, bin ich schließlich mit der englischen Umschreibung grave locker und tomb locker auf einer alten Auktionsseite gelandet, wo genau eine solche Figur verkauft wurde. Demnach handelt es sich offenbar um einen Grabriegel aus Sagada, Philippinen.

Leider ist die Beschreibung etwas knapp. Laut dem Kommentar der Expertin dort, stellt die Figur einen Ahnen dar, der den Verstorbenen auf seinem Weg begleitet und das Grab abriegelt (warum?). Ich hätte eher vermutet, dass die Figur den Verstorbenen selbst darstellt, aber ich vertraue an dieser Stelle der Expertin. Es bleibt auch sonst nicht viel zu tun, denn selbst mit den englischen Begriffen findet man außer dieser Seite und einer weiteren ähnlichen Auktionsseite nichts. Ich habe auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen bezüglich Sagada und der dortigen Ethnien gesucht. Die Gegend ist berühmt für ihre hängenden Särge, aber zu einer Art von Grabriegel habe ich nichts entdecken können. Was aber nichts bedeutet. Nicht alles ist wissenschaftlich dokumentiert. Gerade zu kleinen Volksgruppen, die extrem regional beschränkt sind, wie es hier der Fall ist, ist die Quellenlage häufig dünn.

Wie dem auch sei. Für den Grabriegel habe ich jedenfalls erst mal einen Ständer zurechtgesägt und einen prominenten Platz auf meinem Schreibtisch gefunden.

Bookbutler.com von Amazon aufgekauft

Meine erste Anlaufstelle vor dem Kauf eines Buches galt meistens der Buchpreissuchmaschine bookbutler.com. Dort konnte man sich bequem die günstigsten Angebote sowohl von neuen als auch gebrauchten Büchern anzeigen lassen, praktischerweise von Händlern im In- und Ausland.

Speziell bei englischsprachigen Büchern ist ein Preisvergleich äußerst lohnenswert. Aber selbst deutsche Bücher im höherpreisigen Bereich konnte ich schon mit nennenswerter Ersparnis im Ausland bestellen. Das ist bei Neuware zwar eine Umgehung der deutschen Buchpreisbindung, aber das interessiert den ausländischen Händler nicht.

Als ich kürzlich mal wieder nach einem Buch suchen wollte, wurde ich allerdings beim Aufruf von bookbutler.com direkt zu amazon.de umgeleitet. Hatte ich mich vertippt? Ein erneuter Versuch brachte das gleiche Ergebnis. Ein kurzer Moment des Zweifelns, war die Seite gehackt worden oder gab es ein Problem mit dem DNS-Eintrag? Nein, natürlich nicht. Die naheliegendste Erklärung dämmerte mir: Amazon hat den Laden aufgekauft und abgeschaltet. Heimlich, still und leise. Ohne Erklärung, ohne Ankündigung.

Ich habe zwar nie zu den Miesepetern gehört, die ständig auf Amazon und deren Geschäftsgebaren schimpfen und Amazon schon rein aus Prinzip boykottieren, aber diese Intransparenz ist nicht nett. Nun gut, bookbutler.com war kein Herzensprojekt eines Enthusiasten, sondern eine rein kommerzielle Seite, die sich über Affiliate-Links finanziert hat. Also Schwamm drüber. Das ist die harte Welt des Kommerz.

Bücher finden

Glücklicherweise gibt es noch Alternativen. Mein Favorit ist zurzeit justbooks.de. Tatsächlich gefällt mir die Seite sogar etwas besser als bookbutler.com. Die Seite ist noch minimalistischer und übersichtlicher gestaltet und bindet auch Ergebnisse von dem mir liebgewonnenen Gebrauchtbuchportal booklooker.de ein, was bei bookbutler.com seltsamerweise fehlte. Die Detailsuche lässt ausreichend spezifizierte Suchen zu und die Ergebnisdarstellung von Neu- und Gebrauchtbüchern parallel nebeneinander ist sehr praktisch.

Ähnlich gut ist eurobuch.com. Einige Anbieter, die bei justbooks fehlen sind hier eingebunden. Zum Beispiel Thalia. Ansonsten ist es in erster Linie eine Frage des eigenen Geschmacks, welche Suchmaschine man bevorzugt. Sowohl justbooks.de als auch eurobuch.com finden Angebote der großen internationalen Portale ZVAB und Abebooks, was vor allem dann hilfreich ist, wenn man antiquarische Bücher aus aller Herren Länden sucht. Auch eBay wird von beiden Suchmaschinen unterstützt.

Weitere Alternativen sind buchfreund.de, buchhai.de, findmybook.de und daistesja.de. Diese unterstützen aber generell weniger Anbieter und erfahrungsgemäß finden die nichts, was man nicht auch bei justbooks.de oder eurobuch.com findet.

Die Ironie des Ganzen: Die von mir favorisierte Seite justbooks.de, aber auch Abebooks und ZVAB, gehören bereits zum Amazon-Konzern.

Meine Kissen aus der Serie Sherlock

Vor  einiger Zeit habe ich mein erstes und bisher einziges Film-Prop bzw. Serien-Prop erworben.

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Es handelt sich um nichts Geringeres als die Original-Kissen, auf denen sich die nackte Irene Adler (Lara Pulver) bettete und versuchte, Sherlock (Benedict Cumberbatch ) um den Finger zu wickeln. Das war in der ersten Folge der zweiten Staffel, Ein Skandal in Belgravia.

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In einer darauffolgenden Szene öffnet Sherlock einen Tresor, der mit einer selbstauslösenden Pistole gesichert ist. Einer der Schergen wird getroffen, wobei das Blut heftig spritzt.

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Und siehe da, die Blutspritzer sind auf dem Kissen verewigt. Auch wenn die Kissen selbst schon etwas Besonderes darstellen, so gibt dieses Detail dem Ganzen doch einen besonderen Charakter. Und das Blut sagt: ja, ich war am Set.

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Mit der Serie hatte ich zwar ein paar Probleme. Ich fand sie nicht durchgänging gut und teilweise auch etwas zu euphorisch abgefeiert von Presse und Publikum. Diese Folge allerdings war für mich eine der besten – und das nicht nur wegen Lara Pulver. Als ich zufällig mitbekam, dass ein Set-Designer der BBC die Kissen loswerden wollte, konnte ich nicht widerstehen, zumal sein Angebot preislich vernünftig war.

Das mit dem Sammeln von Film-Props ist nämlich so eine Sache. Eigentlich würde ich mir gerne ein paar weitere Orignalstücke in die Bude stellen, aber der Markt leidet unter dem gleichen Problem wie der Kunstmarkt. Es tummeln sich dort Leute mit dicken Brieftaschen, die ohne Sinn und Verstand das Geld raushauen. Nun ist es zwar so, dass prinzipiell etwas immer so viel wert ist, wie jemand dafür bereit ist, zu zahlen. Aber das bedeutet ja nicht, dass man jegliche Vernunft über Bord werfen sollte. Ich werde zwar weiterhin die Augen nach netten Stücken offenhalten, aber ein großer Sammler werde ich vermutlich nicht werden. Ich freue mich allerdings, mit diesen Kissen schon mal ein interessantes Objekt aus einer populären Serie zu besitzen.

Filmanzeige für Kampf der Titanen

Diese zweiseitige Filmanzeige für Kampf der Titanen (Clash of the Titans) begegnete dem deutschen Leser 1981 in einigen Comicheften. Der britische Zeichner Patrick „Pat“ Wright ist für diese klaren Linien zuständig gewesen. Wright kennt man von Modesty Blaise und anderen britischen Kultcomics wie 2000 AD, Eagle, Commando und Tornado.

Diese Art der Filmwerbung fand man damals relativ selten vor; heute, glaube ich, wird sowas leider gar nicht mehr gemacht. Jedenfalls ist mir kein Beispiel aus jüngerer Zeit bekannt. Allerdings würde das in dieser Form wohl auch nicht gut ankommen, denn die Anzeige spoilert mal eben zwei Drittel des Films.

Ursprünglich gab es im englischsprachigen Raum einen sechsteiligen Comicstrip als Filmwerbung, den man im Blog Bear Alley findet. Ebenfalls dort zu sehen, ist die englische Version der Doppelseite, die ein anderes Panel am Ende verwendet. Der naheliegende Grund: man musste in der deutschen Version noch den Filmhinweis unterbringen, wofür sich das schmalere Panel aus dem Strip anbot.

Auch nett, dass noch darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen „Superfilm von MGM“ handelt. Ist aber auch ein Superfilm. Zumindest für Freunde von Ray Harryhausens Stop-Motion-Animationen.