Serien

Ein paar der Serien, die ich mir letztens angesehen habe und die zurzeit allesamt bei Netflix oder Amazon Prime zur Verfügung stehen.

Batman and Robin (IMDb, Amazon Prime)

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Ein 15-teiliges Columbia-Serial von 1949. Historisch nicht ganz unbedeutend. Es handelt sich hierbei um die Fortsetzung des Serials von 1943 (das komplett auf archive.org verfügbar ist) und somit den zweiten Filmauftritt von Batman überhaupt. Rein formal betrachtet überwiegt aus heutiger Sicht unfreiwillige Komik. Dass der Produktion kein großes Budget zur Verfügung stand, wird in jeder Szene deutlich. Es hat nicht mal für ein ordentliches Batmobil gereicht. Batman und Robin cruisen in einem zeitgenössischen Mercury vom Fließband durch die Gegend. Ein Cabriolet wohlgemerkt, dessen Dach geschlossen wird, wenn Bruce Wayne sich hinten auf der Rückbank sein Batman-Kostüm überzieht. Großartig.

Während im 1943er-Serial als Hauptfiguren Batman, Robin und Butler Alfred auftraten, erscheinen in der Fortsetzung außerdem als bekannte Figuren Commissioner Gordon und Reporterin Vicki Vale. Es gibt die Bat-Höhle und das Bat-Signal und Batman nutzt diverse Gadgets. Die Story ist vernachlässigbar. Batman und Robin wollen einem Bösewicht mit dem einfallsreichen Namen The Wizard das Handwerk legen. The Wizard befindet sich im Besitz einer Maschine, mit der er im Umkreis von 50 Meilen jegliches motorisiertes Gefährt fernsteuern kann. Blöderweise wird die Maschine durch Diamanten angetrieben, die er erst noch stehlen muss. Wie da der Kostennutzenfaktor der Maschine aussieht, wird nicht thematisiert.

Wer ein Herz für solche alten Klamotten hat und Batman-Fan ist, sollte sich dieses Serial nicht entgehen lassen. Ich fände es begrüßenswert, wenn Amazon noch weitere Serials ins Programm näme. Ich kenne bisher nur einen Bruchteil und da gibt es noch jede Menge Gold zu heben.

 

Nos4a2 (IMDb, Amazon Prime)

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Ich habe mich durch die ersten vier Folgen gequält. Die Serie basiert auf einem Roman von Stephen Kings Sohn Joe Hill, der eigentlich eine ganz ordentliche Karriere als Schriftsteller gemacht hat, ohne auf den Namen seines großen Vaters reduziert werden zu müssen. Aber hier komme ich nicht umhin, festzustellen, dass das Ganze wie eine mittelmäßige Stephen-King-Verfilmung der 90er Jahre wirkt. Kein Pep, kein Grusel, keine Originalität. Zachary Quinto, den ich sonst mag, überzeugt mich hier auch nicht wirklich in der Rolle eines Kinderfängers. Die meiste Zeit agiert er hinter einer merkwürdigen Maske eines alten Mannes. Diese Figur ist eher komisch als angsteinflössend.

Das gefällt mir alles leider ganz und gar nicht und ich weiß nicht, ob ich mir das weiter antue. Der Titel Nos4a2 soll übrigens für „Nosferatu“ stehen. Äh, ja. Die Erfahrung zeigt, dass solche Titelspielereien selten etwas Gutes bedeuten. Disclaimer: Ich weiß, dass der Roman ziemlich erfolgreich war und relativ gute Kritiken bekommen hat. Ich beziehe mich nur auf die Serie.

 

The Widow (IMDb, Amazon Prime)

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Gesehen und fast schon wieder vergessen. Die Serie hat durchaus ein paar starke Szenen und die Thrillerelemente erzeugen zumindest anfangs eine spannende Ausgangslage. Kate Beckinsale begibt sich hier auf die Suche nach ihrem im Kongo verschollenen Ehemann. Leider versucht die Serie ein bischen zu viel in die Handlung zu packen und bedient sich billiger Plotdevices. Eheprobleme, ein auf tragische Weise verlorenes Baby, Rebellen, Aufstände, Spionage, Kindersoldaten und vieles mehr. Die Unglaubwürdigkeit der Geschichte steigt proportional zur Episodennummer. Die Auflösung des ganzen Debakels kann dann letztlich nur noch als lachhaft bezeichnet werden. Hier wurde leider Potential verschenkt.

 

Black Summer (IMDb, Netflix)

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Obwohl ich von Zombies übersättigt bin, hat es Black Summer geschafft, mich wirklich positiv zu überraschen. Die Serie hat mich von der ersten Sekunde an durch den ungewöhnlichen Stil und die exzellente Kameraarbeit gefesselt. Black Summer erzählt die frühe Phase einer Zombievirus-Epidemie und wirkt dabei wie eine Kriegsdokumentation, in der den Charakteren kommentar- und schnörkellos gefolgt wird. Als Zuschauer ist man von Anfang an direkt mitten drin – und bleibt bis zum Ende mittendrin. Das scheint, als wäre das alles mal ebenso gonzo-mäßig aus der Hüfte geschossen, aber ich bin sicher, dass da tatsächlich Regietalent und eine ausführliche Absprache zwischen Schauspieler und Kameramann nötig ist.

Ohne Kritikpunkte geht es leider nicht. Wie bei jeder Zombiegeschichte gibt es auch hier Typen, die dumme Entscheidungen treffen. Es gibt eine Füller-Episode, die wenig zur Handlung oder Stimmung beiträgt. Und die finale Episode mit endlosem Geballer hat mich nicht begeistert. Diese Folge steht im krassen Gegensatz zu den vorherigen Folgen, in denen kaum Schusswaffen gebraucht werden. Das ist eigentlich eine interessante, weil originelle Herangehensweise an eine Zombiegeschichte. Ich kann auch die Intention erkennen, die dahinter steht. Man wollte die Serie dann mit einem Actionfeuerwerk auflösen. Leider gelingt das nur bedingt. Trotzalledem ist Black Summer eine Serie, die man empfehlen kann. Aufgrund des hohen Erzähltempos und einer Lauflänge von nur 8 mal 20 bis 40 Minuten, kann man Black Summer schön wegbingen.

 

Dead To Me (IMDb, Netflix)

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Jen und Judy lernen sich bei einer Trauerselbsthilfegruppe kennen. Jen, gespielt von Christina Applegate, hat ihren Ehemann bei einem Autounfall mit Fahrerflucht verloren, Judy ihren Mann durch einen Herzinfarkt. Die beiden werden nach anfänglicher Ablehnung schnell ziemlich gute Freundinnen, teilen ihre Gedanken und versuchen vorwärts zu blicken. Schon bald aber deutet sich an, dass Judy irgend etwas verheimlicht.

Man sollte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Dead to me kann fast in jeder Folge mit einem Twist oder Reveal aufwarten und hangelt sich von Cliffhanger zu Cliffhanger, ohne zu konstruiert zu wirken. Das hier ist eine originelle Geschichte, die als schwarze Komödie beworben wird. Das ist die Serie irgendwie. Aber sie ist auch Drama und Murder Mystery mit abgemilderten Thrillerelementen. Wir sehen außerdem eine beeindruckende Performance von Christina Applegate. Wer die Gute, wie ich, immer noch in erster Linie mit Kelly Bundy assoziiert, sollte sich das hier mal anschauen. Dead to me ist eine erfrischende Serie mit viel Esprit, liebenswerten Figuren und überraschenden Wendungen. Eine zweite Staffel ist erfreulicherweise schon angekündigt.

 

How to sell Drugs online (fast) (IMDb, Netflix)

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Der Titel ist auch schon die Inhaltsangabe. Zwei Schulfreunde bauen einen Drogenshop im Darknet auf. Der eine, weil er seine Ex-Freundin beeindrucken will, der andere, weil er Geld braucht.

Die dritte deutsche Netflix-Produktion ist ein Knaller, der mich in allen Belangen überzeugt. Drehbuch, realistische Dialoge, Besetzung, Schauspiel, Tempo, guter Humor, Inszenierung, Musik, visuelle Effekte, das ist alles perfekt auf den Punkt gebracht. Ich bin auch davon angetan, wie glaubhaft hier die Erfahrungswelt der heutigen Teenager mit dem ganzen Social-Media-Kram umgesetzt wird. Zudem werden die Erwachsenen als völlig Ahnungslose dargestellt, was vermutlich auch der Wahrnehmung der Jugend entspricht. Dennoch ist How to sell Drugs online (fast) nicht unbedingt eine Serie, die sich dem jungen Publikum anbiedert. Man kann hier auch als Erwachsener viel Spaß haben. Außerdem ganz groß: Bjarne Mädel als schmieriger Drogendealer. 6 mal 30 kurzweilige Minuten. Binge it, Baby!

 

Dark (IMDb, Netflix)

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Die deutsche Serie, die mit einem IMDb-Rating von 8,7 und einem Rotten-Tomatoes-Score von 94% (Tomatometer) bzw. 85% (Audience Score) aufwarten kann. Verrückt, aber auch einigermaßen verdient. Der ersten Staffel ist es gut gelungen, mich regelrecht in die Geschichte reinzuziehen. Zugegebenermaßen bin ich ohnehin ein Fan von Zeitreisegeschichten und Dark erzählt eine Geschichte, die es in dieser Form und Komplexität noch nicht gab. Gleichzeitig werden Paradoxe elegant umschifft. Die Serie sieht zudem optisch verdammt gut aus und hält sich nicht mit Firlefanz auf. Alles, was man sieht, ist relevant für die Geschichte. Und als Zuschauer tut man gut daran, sich Dark konzentriert und ablenkungsfrei anzuschauen. Wer nicht aufpasst, der ist in dieser Geschichte von vier Familien, deren Mitglieder über verschiedene Zeitebenen miteinder verbunden sind, hoffungslos verloren. Wir reden hier von etwa 30 Figuren, die in verschiedenen Lebensabschnitten von verschiedenen Schauspielern verkörpert werden. Was auf dem Papier nach einer Schnapsidee klingt, funktioniert in der Serie verblüffend gut. Aber ich gebe es zu. Es ist durchaus hilfreich, sich einen Familienstammbaum zu ergooglen und diesen während des Schauens als Referenz parat zu halten.

Die kürzlich veröffentlichte zweite Staffel führt den eingeschlagenen Weg konsequent fort, löst einige verzwickte Knoten der ersten Staffel und knüpft gleichzeitig neue. Die zweite Staffel ist erzählerisch nochmals besser als die erste. Man merkt, dass hier ein Epos aufgebaut wird, von dem die Macher genau wissen, wie es ausgehen wird. Auch das ist das Schöne an Dark: von Anfang an war klar; es gibt drei Staffeln und dann ist Schluss.

Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt. Alle Figuren, einschließlich der Kinder, reden in diesem unheilvollen bedeutungschwangeren Ton. Damit kommt man in einem Roman vielleicht noch ganz gut weg, aber in einer filmischen Darstellung wirkt es bemüht und künstlich. Dabei hätte die Serie es gar nicht nötig, auf diese Art Größe und Tragweite suggerien zu müssen. Die Geschichte selbst ist schon groß genug. Es fehlen mir hier einfach ein paar mehr echte, wahrhaftige Dialoge aus dem Leben. Diese Momente sind zu selten.

Aber da mich alles andere überzeugt, kann ich damit leben. Dark ist eine richtig gute und fordernde Serie. Und ich will gar nicht mit der Floskel kommen „für eine deutsche Serie“. Nein, das muss man sich langsam abgewöhnen.

Zwischenmahlzeit

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Da, wo andere das Gesicht verziehen, fange ich erst an. Burger vom Black-Angus-Rind mit Hirse und Spargel, der letzte des Jahres. Dazu gereicht: Ketchup und Mayonnaise. Ich muss sagen, das harmoniert alles überrschend gut miteinander. Wieso nicht mal Spargel in Mayo dippen? Eine gute Mayo ist besser als eine schlechte Hollandaise, sagt der Volksmund.

Commando Ninja

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Ich hatte bereits letztes Jahr in meinem Trash-Tumblr den über alle Maßen fantastischen und herrlich beknackten Fan-Film Commando Ninja verbloggt. Da kürzlich ein sehenswertes Making-Of veröffentlicht wurde, nutze ich die Gelegenheit und weise auch hier noch mal auf den Film hin. Der Franzose Benjamin Combes hat dank knapp 800 zahlungswilliger Unterstützer auf Kickstarter und dem Enthusiasmus der beteiligten Helfer und Schauspieler eine augenzwinkernde Hommage erschaffen, die den Filmen huldigt, mit denen er aufgewachsen ist. Das sind vorwiegend die 80er Jahre Actionheuler von Cannon Films und Carolco Pictures. Die Ninja-Filme und der Schwarzenegger-Klopper Phantom Commando spielen ganz offensichtlich eine herausragende Rolle. Wenn man beide kombiniert, erhält man: Commando Ninja!

Für Trashfans bietet Commando Ninja einen hohen Unterhaltungswert, insbesondere wenn man diese Filmära kennt und genauso abgefeiert hat wie Filmemacher Combes. Commando Ninja ist einer dieser raren Filme, die absichtlich trashig sind und dennoch funktionieren. Guter Trash lebt ja eigentlich davon, dass er sich seiner Trashigkeit nicht bewusst ist. Unfreiwilliger Trash eben. Bewusst auf trashig gedrehte Filme sind hingegen selten überzeugend (Sharknado, anyone?). Commando Ninja aber funktioniert, weil viel Leidenschaft, Herzblut und Detailgenauigkeit drinsteckt. Das Beste: der knapp 70-minütige Kracher kann auf Youtube kostenlos angeschaut werden. Sowohl im englischen Original als auch in einer deutschen Synchronisation.

Das erwähnte Making-Of sei nochmals besonders empfohlen (Untertitel anschalten). Man erhält hier einen guten Einblick in die 3 Jahre dauernde Produktionszeit des Films und lernt den Film und den betriebenen Aufwand noch mehr zu schätzen. Gleichzeitig demonstriert das Making-Of, wie man heute einen beachtlichen Fan-Film realisieren kann, nicht zuletzt auch mit der Hilfe des Internets. Da ist nicht nur die Finanzierung über Kickstarter. Desweiteren hat Combes fast alle Schauspieler und Beteiligte über Facebook kennengelernt, sofern er nicht auf Talente aus seinem Bekanntenkreis zurückgreifen konnte. Selbst bei den Synchronisationen hilft das Internet dank Sprecher-Plattformen wie voicebunny.com.

Das Making-Of geht auch auf die vielen Probleme ein, die während des Drehs auftauchen. Passende Locations finden, Geldmangel, Krankheit, fehlendes oder defektes Equipment und manchmal auch schlicht fehlende Expertise. Sehenswert dazu das Segment über die improvisierten Special Effects der Einschusswunden. Wie Combes das alles mit viel Erfindungsreichtum und Hartnäckigkeit meistert, ringt mir echt Respekt ab.

Ach ja, einen tollen Soundtrack gibt es auch.

 

Und in Kürze ein Prequel-Comic. Die Action-Figuren (!) sind hingegen schon ausverkauft. Aber worauf ich eigentlich hoffe, ist natürlich eine Fortsetzung des Films. Vielleicht in drei oder vier Jahren?

Love Death + Robots – Meine Top 5

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Bei der Netflix-Serie Love Death + Robots handelt es sich um eine Anthologie von 18 animierten Kurzfilmen kreiert und produziert von Tim Miller and David Fincher. Das Projekt geht auf eine über zehn Jahre alte Idee der beiden zurück, das Anthologie-Konzept des einflussreichen Comic-Magazins Heavy Metal (ursprünglich in Frankreich als Métal Hurlant und in Deutschland als Schwermetall erschienen) und speziell der Verfilmung von 1981 wieder aufleben zu lassen; nämlich sehr unterschiedliche Geschichten aus den verschiedensten Genres in mannigfaltiger stilistischer Vielfalt zu präsentieren. Aus der Heavy-Metal-Adaption ist nie etwas geworden, weil sich schlicht keine Geldgeber gefunden haben. Zwischenzeitlich wurden die Filmrechte von Robert Rodriguez erworben, der damit bis heute allerdings auch nichts Produktives realisiert hat. [*]

Unter neuem Titel und dank der gut gefüllten Geldspeicher von Netflix, haben Miller und Fincher nun mit Love Death + Robots ihre Vision eines modernen Heavy Metal verwirklichen können. Und nicht zuletzt auch die Vision der zahlreichen beteiligten kreativen Köpfe, die hinter der Serie stehen, von den Autoren bis zu den Beschäftigten in den Animationsstudios.

Nur zwei der 18 Geschichten wurden für die Serie geschrieben. Die anderen sind allesamt Adaptionen von schon existierenden Kurzgeschichten von namhaften Autoren wie Peter F. Hamilton, John Scalzi, Alastair Reynolds und Joe Landsdale. Love Death + Robots spannt den Bogen von Science Fiction über Horror und Fantasy bis zu Comedy.  Ähnlich divers präsentieren sich die Kurzfilme in stilistischer Hinsicht. Von handgezeichnet bis computeranimiert mit Motion- und Performance-Capturing, von cartoonartig bis hyperrealistisch. Das alles macht den großen Reiz der Serie aus.

 

Meine Top 5 (ohne Spoiler)

l_d_+_robots_helping_handPlatz 5. Helping Hand (Helfende Hand)

Eine Astronautin wird während Reparaturarbeiten in den Weltraum geschleudert, ihr Raumschiff in Sicht-, aber außer Reichweite. Dort driftet sie langsam umher, völlig auf sich allein gestellt und der Sauerstoffvorrat neigt sich dem Ende entgegen. Nur durch eine radikale und schmerzliche Entscheidung kann sie sich retten.

Der logischste und technischste Film der Serie und der einzige, der gänzlich ohne phantastisches Element auskommt. Das hier ist Hard-Science-Fiction mit einer Problemlösung, die auf echter Physik basiert. Gleichzeitig gelingt es dem Film auch emotional zu bewegen. Wie die Protagonistin die verschiedenen Phasen von Ärger über Verzweiflung bis hin zu Hoffung durchmacht, ist gut inszeniert. Deshalb funktioniert der Film auch beim zweiten Mal Anschauen, obwohl man das Ende schon kennt. In gerade mal 10 Minuten bringt der Film seine Story perfekt auf den Punkt.

 

l_d_+_robots_good_huntingPlatz 4. Good Hunting (Gute Jagdgründe)

Liang, der kleine Sohn eines Geisterjägers, freundet sich mit der jungen Yan an, eine Hulijing – eine Fuchsfee, die ihre Gestalt änden kann. Jahre später treffen sich die Beiden in Hongkong wieder, wo Liang als Mechaniker arbeitet und ein tiefgehendes Interesse am Bau von komplexen Maschinen und Geräten entwickelt hat. Mittlerweile ist die Magie aus der Welt verschwunden und Yan ist in ihrer menschlichen Gestalt gefangen. Als der Bürgermeister ihr körperlich zusetzt, bittet sie Liang um Hilfe.

Von der hübschen klassischen Zeichentrickoptik sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Geschichte ist bizarr, bisweilen gar verstörend, und macht dies durch grafische Details deutlich. Die erste Hälfte des 17-minütigen Films ist ein traditionelles chinesisches Geistermärchen, das in der zweiten Hälfte in eine Steampunk-Rachegeschichte übergeht. Verwandlung ist also ein großes Thema hier. Nicht nur machen beide Figuren eine Verwandlung auf unterschiedlichen Ebenen durch, auch wandelt sich der Film mit dem Wechsel der Genres. Diese Verquickung von Steampunk und asiatischen Motiven, habe ich gelernt, nennt sich Silkpunk. Gefällt mir.

 

l_d_+_robots_aquila_riftPlatz 3. Beyond the Aquila Rift (Jenseits des Aquila-Rifts)

Das Raumschiff Blue Goose kommt vom Kurs ab und dockt an einer unbekannten Raumstation an. Dort treffen Thom und seine Crew überraschenderweise auf dessen Ex-Freundin Greta, die ihnen offenbart, dass sie sich hunderttausende von Lichtjahren von der Erde entfernt befänden, was technisch und zeitlich eigentlich unmöglich ist. Nachdem Thom weitere Seltsamkeiten auffallen, beginnt er langsam daran zu zweifeln, dass Greta tatsächlich Greta ist.

Die gute alte Story vom Raumschiff, das vom Kurs abkommt. Hier allerdings mit schönem Twist. Aquila Rift gehört zu den visuell eindrucksvollsten Filmen von Love Death + Robots. Die Charaktere sind von echten Schauspielern fast nicht mehr zu unterscheiden. Weltraum-Mystery, Sex und ein Schocker-Ende. Diese Geschichte atmet pure Heavy-Metal-Atmosphäre, wie kaum ein anderer Film der Serie. Wenn ich manche Kritik hierzu lese, in der sich über zu viel unnötige Nacktheit echauffiert wird, platzt mir der Kragen. Das muss so sein. Wer das in Abrede stellt, hat das Konzept nicht verstanden. Zumal es ja genug andere Filme in der Serie gibt, die diese Klischees nicht bedienen.

 

l_d_+_robots_the_witnessPlatz 2. The Witness (Die Augenzeugin)

Eine Frau wird von ihrem Hotelzimmer aus Zeuge eines brutalen Mordes gegenüber in einem Apartment. Sie flüchtet panisch aus dem Hotel in ein Taxi, der Mörder ihr dicht auf den Fersen. Sie schafft es in den Stripclub, in dem sie arbeitet, glaubt, dort den Mörder abschütteln zu können. Der ist jedoch hartnäckig und nach einer weiteren Verfolgung treffen beide schließlich in dem Mord-Apartment aufeinander.

Obwohl The Witness mit einer schönen Auflösung endet, die die Erwartungen des Zuschauers völlig umdreht, hat es mir dieser Film vor allem wegen seines außergewöhnlichen Stils angetan. Hier schreit einem alles ins Gesicht. Die grellen Farben, die stroboskopischen Effekte, die entfesselte Kamera, die dreht, zoomt, verschwimmt, wackelt und den Fokus verliert, der hämmernde Soundtrack, die Geräusche. Der ganze Film ist ein irrwitziger audiovisueller Trip. Spektakulär!

 

l_d_+_robots_zima_bluePlatz 1. Zima Blue (Zima Blue)

Die Journalistin Claire erhält überraschend eine Einladung des mysteriösen und öffentlichkeitsscheuen Künstlers Zima Blue, der seine Geschichte erzählen möchte, bevor er sein finales Kunstwerk offenbart. Zima Blue ist durch seine bahnbrechenden Kunstinstallationen berühmt geworden, einzelne geometrische Formen in blau, in zimablau, deren Größe stetig wuchs. Leinwände, die die Pyramiden überragten, bis in die Stratosphäre reichten und schließlich färbte Zima Blue einen ganzen Asteroidengürtel blau. Mit welchem finalen Kunstwerk könnte er dies noch übertreffen?

Zima Blue ist mit Abstand der tiefgründigste Film der Serie. In betörender Weise bricht er die große existentielle Frage des Seins auf eine einfache Prämisse herunter. Da ist der Künstler, der mit seiner Kunst versucht, die wahre Natur der Dinge zu ergründen und seinen Platz im Kosmos sucht. Aber die jahrzehntelange Suche durch immer größere Leinwände und die technische und körperliche Vervollkommnung des eigenen Selbst mittels kybernetischer Modifikationen, bringen Zima Blue nicht die Erkenntnis. Letztlich findet er die Wahrheit nur, indem er dorthin zurückkehrt, wo er herkommen ist.

Zima Blue ist ein faszinierender kleiner Film, der durch seine philosophischen Aspekte, denen eigentlich zutiefst buddhistische Motive zugrunde liegen, inspirierend wirkt und der mit seinen satten Farben und den Charakteren, die mit dickem schwarzem Pinselstrich umrandet sind, auch optisch einiges hermacht. Fast ist Zima Blue zu schade dafür, ihn nur im Kontext von Love Death + Robots zu sehen.

 

Abschließend sei noch angemerkt, dass ich alle 18 Filme sehenswert finde. Wenn nicht immer inhaltlich, dann doch zumindest stets visuell und aufgrund der Vielfalt. Mein größter Kritikpunkt ist, dass manche Filme eher wie ein langer Trailer wirken oder schlicht nicht auserzählt sind. Ein Beispiel ist Fish Night (Nacht der Fische), der eine interessante Vater-und-Sohn-Geschichte erzählt und mit seinen schönen Bildern zunächst vielversprechend erscheint. Aber das Ende bleibt leider unbefriedigend. Ein weiteres Beispiel ist Ice Age (Eiszeit), die mit Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace die einzige Episode mit echten Schauspielern ist. Die Mini-Zivilisation im Eisschrank ist eine tolle Idee, aber es wird nichts daraus gemacht. Im Prinzip wird nicht mal eine Geschichte erzählt. Sehr schade, Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace sind hier leider verschwendetes Talent.

Filme, die ich außerdem noch recht gut finde, die es aber nicht in meine Top 5 geschafft haben: der traditionell animierte 80er Jahre Macho-Horror Sucker of Souls (Seelenfänger), der cartoonige Monsterspaß Suits (Schutzanzüge) und die moderne Twilight-Zone-Reminiszenz Lucky 13 (Raumschiff Nr. 13).

Ich warte gespannt auf die 2. Staffel…

Zwischenmahlzeit

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Wachtelrührei mit Steinpilzen, Bratkartoffeln und grünen Bohnen.

Leckerschmecker. Ich bin ziemlich begeistert von den Tiefkühlpilzen von Niklas. Die haben ein schönes intensives Aroma, das man bei den ganzen Zuchtpilzen aus dem Supermarkt meistens nicht findet. Suboptimal ist allerdings, dass weder auf der Webseite noch auf der Packung eine Herkunftsangabe zu finden ist. Auf dem Beutel steht lediglich der beliebte Spruch „in Deutschland verarbeitet“. Der 300-Gramm-Beutel kostet bei meinem Rewe um die €3,40.

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Die vernachlässigte Kunst der Titelsequenzen

Die Designer der Titelsequenzen von Filmen und Serien gehören zu den unbesungenen Helden. Selbst Filmkennern sind, vielleicht abgesehen von Ikonen wie Saul Bass oder Maurice Binder, nur wenige Namen geläufig. Diese Unwissenheit bekämpft bereits seit 2007 das Blog Art of the Title, das ganz den Titelsequenzen und deren Designern und Regisseuren gewidmet ist.

Als Leser kann man hier sehr fokussiert in den Sequenzen schwelgen und bei Bedarf auch tiefer in die Materie eintauchen. In teils sehr ausführlichen Interviews wird der Entstehungsprozess des Vorspanns eines Films oder einer Serie beleuchtet und mit allerlei Material wie Storyboards, unverwendete Sequenzen und Inspirationsquellen angereichert. Das ist alles ganz schön spektakulär.

Der neuste Artikel gilt Saskia Marka, die neben den coolen mit Major Tom unterlegten Sequenzen zu Deutschland 83 und Deutschland 86, auch den Vorspann zu Babylon Berlin kreiert hat, der den Zuschauer auf die unheilvolle Atmosphäre der Serie passend einstimmt.

Im Interview gelingt es Saskia Marka noch den guten alten Tatort-Vorspann als deutsches Highlight unterzubringen. Ja, ich glaube, es gibt wenige Filmreihen, die überhaupt 50 Jahre lang laufen und dabei dann auch noch durchgehend den selben Vorspann verwenden.

Playtaste wieder online + neues Special

playtaste

Das formidable und kostenfreie Hörspielmagazin Playtaste hatte ich hier vor einigen Jahren erwähnt. Zwischenzeitlich war die Webseite leider über einen längeren Zeitraum offline. Nun ist nicht nur die Seite mit allen Ausgaben wieder da, auch ist ein neues Special zur Gruselserie von Europa verfügbar. Die Ausgabe ist sowohl der alten Originalserie von 1981/82 als auch der neuen Serie gewidmet, die ein Reboot des Franchises mit neuen Geschichten darstellt. Beide Serien können übrigens auch auf Spotify abgerufen werden.