Archiv des Autors: Sebastian

Serien 2018

Weils so schön ist, gleich noch eine Liste. Die Serienneustarts 2018, die mich besonders begeistert haben, sind diese fünf:

Killing Eve

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Eine durchgeknallte Auftragsmörderin namens Villanelle mordet sich durch Europa. Die MI5-Ermittlerin Eve Polastri erkennt die Zusammenhänge, wird aber wegen eines Dienstvergehens gefeuert. Daraufhin erhält sie von der Auslandssektion des MI6 die Chance eine inoffizielle Sondereinheit zu gründen, um die Killerin aufzuspüren. Villanelle bekommt unterdessen Wind von der Sache und entwickelt eine stalker-artige Leidenschaft für Eve. Obwohl zuerst in Todesangst, fühlt sich auch Eve bald zu der unberechenbaren Psychopathin hingezogen. Von da an beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Rollen von Jägerin und Gejagter ständig wechseln.

Dem positiven Medien- und Zuschauerecho kann ich mich nur anschließen. Killing Eve ist sowohl Thriller als auch schwarze Komödie mit wohldosiertem Humor und trotz Blut und Brutalität voller überraschender Leichtigkeit und mit Verve inszeniert – und gespielt. Sandra Oh als zielstrebige Ermittlerin und Jodie Comer als völlig Wahnsinnige, die in sexuelle Erregung gerät, wenn sie ihren Opfern beim Sterben zusieht, bieten hier eine große Show. Warum die Serie noch keinen deutschen Starttermin hat, ist mir ein Rätsel. Staffel 1 ist aber immerhin als britische DVD erhältlich. Eine zweite Staffel ist für 2019 angekündigt.

 

The Haunting of Hill House

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Die famose Netflix-Horrorserie habe ich bereits hier vorgestellt.

 

The Terror

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Ein echter Downer. Wer was für die gute Laune sucht, muss woanders schauen. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons, der die gescheiterte Arktis-Expedition von John Franklin thematisiert und mit Elementen des fantastischen und realen Horrors kombiniert. Ironischerweise hätte es das Monster gar nicht gebraucht, denn das wahre Monster ist in dieser Geschichte mal wieder der Mensch selbst.

Die Serie strahlt zu jeder Sekunde die pure Hoffnungslosigkeit aus und der Zuschauer weiß, dass dieses düstere Abenteuer kein gutes Ende nehmen wird. Der Kontrast zwischen der gedrängten Enge in den Schiffen und der weiten arktischen Unwirtlichkeit außerhalb ist gut in Szene gesetzt. Dazu eine feine Schauspielerriege und ein die Atmosphäre unterstreichender minimalistischer Soundtrack. Die erste Staffel steht auf Amazon Prime Video zum Abruf. Eine zweite Staffel ist für 2019 angekündigt, was mich überrascht, denn die Geschichte ist eigentlich auserzählt. Ich hoffe auf eine sehenswerte Weiterführung.

 

Strange Angel

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Strange Angel erzählt die Geschichte des Raketenwissenschaftlers Jack Parsons, der in den 1930er Jahren die erste Rakete mit heterogenem Festtreibstoff erfand und so maßgeblich die Raumfahrt beeinflusste. Einen kuriosen Twist erhält Parsons Biografie dadurch, dass er ein Anhänger von Aleister Crowleys okkulter Thelema-Bewegung war. Das prädestiniert die Figur Parsons geradezu für eine spannende Serienumsetzung. Auf der einen Seite Wissenschaftler, auf der anderen Seite Mitglied eines verschrobenen Kults mit sexualmagischen Ritualen. Die erste Staffel von Strange Angel spielt mit diesem Gegensatz auf anschauliche Weise und zeigt, wie und warum Parsons in den Bann der örtlichen Loge gerät, während er gleichzeitig versucht, die Wissenschaft zu revolutionieren.

Die Serie überzeugt visuell und hat eine tolle Besetzung. Zugegebenermaßen könnte die Serie etwas mehr Tempo gebrauchen. Man könnte auch sagen, die Erzählweise korrespondiert mit der Karriere von Parsons, die anfangs mehr als einmal ins Stocken gerät und das nicht nur, weil seine Raketen nicht zünden. Vielleicht befasst sich die Serie tatsächlich etwas zu ausführlich mit den Eheproblemen von Parsons und seinem Nachbarn. Da mich die Geschichte aber so begeistert, kann ich über diese Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Die Serie ist bisher leider nur über den Streaming-Dienst CBS All Access zu sehen.

 

The End of the f***ing World

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Der 17-jährige Außenseiter James hält sich selbst für einen Psychopathen und fantasiert von einem Mord, als die neu an die Schule gekommene Alyssa ihn überzeugt sie bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater zu begleiten. James willigt ein, weil er sie für sein perfektes erstes Mordopfer hält. Mit einem geklauten Auto begeben sich die Beiden auf einen Roadtrip, der nicht nur die Suche nach Alyssas Vater ist, sondern sich auch als Suche nach Sinn und Bedeutung in einer düsteren Welt entpuppt.

Trotz nihilistischer Weltsicht und rabenschwarzem Humor handelt es sich hierbei um eine romantische Komödie mit Feinsinn. Die Serie hat nicht nur einen originellen Plot, sondern ist außerdem außergewöhnlich gut inszeniert und in 8 mal 25 Minuten schön kompakt erzählt. Staffel 1 steht auf Netflix, eine zweite Staffel ist angekündigt.

 

Honorable Mention

Folgende Serien haben es letztlich nicht ganz in meine Top 5 geschafft, bedürfen aber durchaus besonderer Erwähnung.

Altered Carbon

Viel eye candy, viel Action, solide Story mit etlichen tollen Ideen. Läuft nicht ganz rund, macht aber tierisch Spaß. Freue mich auf die zweite Staffel, auch wenn Joel Kinnaman nicht mehr dabei sein wird.

Lost in Space

Wie Altered Carbon, aber für die ganze Familie. Ein richtig schönes Remake der Serie aus den 1960ern. Irgendwie ist es der Serie gelungen, dass ich über die ganzen Klischees und Logiklöcher und nervenden Figuren hinwegsehen konnte. Erweckte eine kindliche Freude in mir.

Maniac

Äußerst bizarre Mini-Serie, die in einer retro-futuristischen Welt im 1980er-Jahre-Look spielt. Wenig ergibt Sinn, bis zur finalen Folge. Und bis dahin ist es eine irre Reise durch die Gedanken zweier Menschen, die auf seltsame Weise miteinander verbunden sind.

Future Man

Rasante Zeitreisekomödie mit vielen popkulturellen Anspielungen und mit wenig Tabus. Es geht mal wieder um nichts Geringeres als die Welt zu retten, aber die Drehbuchautoren schöpfen aus dem Vollen und schrecken vor nichts zurück. Verdammt lustig.

Impulse

Aus dem mittelmäßigen Science-Fiction-Action-Film Jumper von 2008 hat Youtube eine überraschend gute Coming-of-Age- und Traumabewältigungs-Geschichte gemacht, die weniger auf hektische Rumspringerei und mehr auf Teenage-Angst und Familientragödie setzt. Das ist alles recht schlüssig geschrieben und die Autoren wissen, wann es Zeit ist, die Nebenschauplätze zu verlassen und die Jumper-Haupthandlung weiterzuspinnen.

Star Trek: Discovery

Das ist schon lustig, wie sich die Fanboys über diese Serie empören. Mir haben schon die Kinofilme von J.J. Abrams gefallen und da die Serie eine ähnliche Richtung einschlägt, habe ich auch hier meinen Spaß. Wer Old-School-Star-Trek haben möchte, kann ja The Orville schauen und für die, die ernsthafte Science-Fiction suchen, für die gibt es The Expanse.

Deutschland 86

Nicht so temporeich wie Deutschland 83, dennoch eine sehenswerte Fortsetzung. Behandelt ein sonst eher vernachlässigtes Thema, nämlich die dubiosen Waffengeschäfte der DDR mit dem Apartheid-Regime in Südafrika. Allerdings verliert sich die Serie auch ein wenig in etlichen Nebenplots.

 

Podcast: NostalGeeks!

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Oh je, ein weiterer Podcast, den ich zukünftig hören muss. Dia Westerteicher von Evil Ed und der Wortvogel Torsten Dewi haben einen neuen Podcast names NostalGeeks! ins Leben gerufen. Die zwei, laut Eigenwerbung, alten Männer reden im vierzehntäglichen Rhythmus über Filme und Serien und anderen Nerdkram (oder muss man sagen Geekkram?) und sparen nicht mit eigenen Anekdoten.

Wer den schon seit einiger Zeit pausierenden Evil-Ed-Podcast vermisst, findet hier gleichwertigen Ersatz. Und diejenigen, die Evil Ed nicht kennen, sollten hier natürlich trotzdem mal reinhören. Obwohl erst eine Folge raus ist, kann ich NostalGeeks schon jetzt getrost empfehlen. Der Podcast ist informativ wie unterhaltsam.

Insektengericht

Vor ungefähr 15 Jahren hatte ich schon mal aus Neugierde einige Speiseinsekten aus Thailand geordert, darunter Mehlwürmer, Heuschrecken und Skorpione. Die waren nahezu ungenießbar. Extrem überwürzt mit einer starken Dominanz von Salz. Sonst war da nichts. Kein Appeal.

Mittlerweile werden Insekten für den Verzehr auch in Deutschland verkauft. Zögerlich zwar, aber immerhin. Da dachte ich mir, ich könnte mal wieder einen Test wagen und habe mir von Snack-Insects eine Mix-Packung mit Grillen, Heuschrecken, Mehlwürmern und Buffalowürmern gekauft. Buffalowürmer sind eigentlich die Larven des Getreideschimmelkäfers, aber aus Marketinggründen macht sich der Fantasiename wohl besser.

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Die Tierchen sind gänzlich ungewürzt, was mir entgegen kommt, um den puren Geschmack zu bewerten. Ich habe sie mit etwas Öl in der Pfanne gebraten oder besser gesagt: angeröstet; und nur leicht gesalzen mit Hirse, Blattspinat und Waldpilzen serviert.

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Geschmacklich ist das schon deutlich besser als mein erster Versuch mit den Salzdingern aus Thailand. Aber ein echter Knaller ist es nicht. Man sollte je nach Vorliebe mit ein paar Gewürzen nachhelfen, z.B. Knoblauch und Ingwer. Die vier Insektenarten schmecken alle ähnlich, haben eine leicht nussige Note, wobei die großen Heuschrecken durch ein intensiveres Aroma hervorstechen. Die Insekten besitzen ein angenehmes Mundgefühl, das ja bekanntlich auch eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Genuss spielt. Die Tiere sind so leicht und dünn, dass sie nach dem ersten Biss fast schon auf der Zunge zergehen. Das hat etwas von einlagigem Blätterteig. Nur die Heuschrecken sind knackiger.

Als Snack-Beilage zum Salat oder Reis, wie es eigentlich auch in den asiatischen Ländern üblich ist, sehe ich die Insekten daher durchaus geeignet. Als Fleischersatz, wie es in manchen Medien fabuliert wird, dagegen kaum. Zwar haben die Insekten einen deutlich höheren Energiegehalt als beispielsweise Rindfleisch, aber wegen des Gewicht/Volumen-Verhältnisses müsste man schon eine ziemlich große Schüssel Insekten essen, um ein Steak zu ersetzen. Da ist dann auch noch der Preis, der pro Kilogramm zwischen 150€ (Mehlwürmer) und 600€ (Heuschrecken) liegt.

Mein Fazit fällt daher auch eher mittelmäßig aus. Noch besitzen Insekten zum Essen eine gewisse Originalität, aber das zusammen mit einem nur okayen Geschmackserlebnis reicht mir nicht aus, um den hohen Preis zu rechtfertigen. Von einer Packung guter Tiefkühl-Shrimps hat man mehr. Sowohl geschmacklich als auch preislich. Den Umwelt-Aspekt wage ich nicht zu bewerten. Da gehen scheinbar auch in Fachkreisen die Meinungen auseinander, inwieweit es realistisch oder überhaupt sinnvoll ist, größere Teile der westlichen Welt mit essbaren Insekten zu versorgen.

La femme la plus assassinée du monde

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Die Angst ist für den Geist, was der Schmerz für den Körper ist. Einige Menschen mögen es zu leiden, andere haben gerne Angst. Ich mag beides.

-Paula Maxa (im Film)

The Most Assassinated Woman in the World (auf Netflix) ist ein ambivalenter Film. Als Horrorfilm bietet der Film wenig Neues. Auf der anderen Seiten beglückt uns der Film mit der akkuratesten Darstellung des französischen Théâtre du Grand Guignol, die bisher zu sehen war. In dieser Hinsicht überzeugt er mit Atmosphäre und Detailverliebtheit.

Das Grand Guignol hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Horrorfilm, insbesondere das Slasher-Genre. Aus diesem Grund hatte ich mich vor geraumer Zeit auch mal intensiv mit dem Theater beschäftigt, sämtliche Bücher und Schriften besorgt, etliche der Original-Stücke gelesen. Das Thema hat mich auf besondere Weise fasziniert, obwohl ich mit Theater ansonsten wenig zu tun habe. Die Filmemacher scheinen die gleiche Leidenschaft gefühlt und die gleichen Quellen verwendet zu haben. Das wirkt alles sehr authentisch, zumindest gemessen an dem, was die Fachliteratur sagt. Der Film zeigt eingebunden in die Handlung wie Effekte, Licht und Klänge backstage produziert und für den Schockeffekt auf der Theaterbühne genutzt werden und vergisst auch Details nicht wie die Kotztüten für das Publikum, die VIP-Logen, in denen gutbetuchte Herren sich während den Vorstellungen mit Prostituierten vergnügen und den Türsteher, der draußen den Wartenden, die keinen Platz im Theater mehr ergattert haben, in marktschreierischer Weise schildert, was drinnen auf der Bühne vor sich geht. Darüber hinaus wird in einer Szene ziemlich überzeugend das Stück Un Crime dans une Maison de Fous (Ein Verbrechen im Irrenhaus) angespielt.

Ja, so könnte das tatsächlich alles gewesen sein, damals im Grand Guignol.

Der Filmtitel, La femme la plus assassinée du monde, bezieht sich auf die Bezeichnung, die die Presse damals der Schauspielerin Paula Maxa gab. Maxa war der große Star, sozusagen die Sarah Bernhardt des Grand Guignol, wie sie auch oft beschrieben wird. Auf der Bühne starb sie tausende Tode und wurde so zur “meistumgebrachten Frau der Welt”.

Der Film setzt sie als geheimnisvolle und tiefgründige Femme Fatale in Szene, womit die Authentizität des Films auch endet. Neben Maxa erscheinen im Film noch andere historische Figuren wie die Grand-Guignol-Autoren André de Lorde und Alfred Binet und der Mann für die Spezieleffekte, Paul Ratineau; aber all diese Figuren haben wenig bis nichts mit den realen Personen gemein. Die Bezeichnung “Bio-Pic”, wie sie in manchen Medien für den Film verwendet wird, ist daher etwas irreführend.

Paula Maxa wird von Anna Mouglalis gespielt, die in ihrer Karriere schon einige berühmte Persönlichkeiten darstellte, von Coco Chanel über Juliette Gréco bis Simone de Beauvoir. Mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz passt sie außerordentlich gut in die Rolle einer Schauspielerin in einem Horrortheater der 30er Jahre. Zudem hat sie eine sensationelle Stimme, die sich auch gesanglich sehr gut macht, wie im tollen Soundtrack zu hören ist. Daher mein Rat: im französischen Original mit Untertiteln schauen.

Der Film verquickt eine weitgehend genaue Darstellung des Theateralltags und eine dramatische in surrealen Rückblenden erzählte fiktive Hintergrundgeschichte über Paula Maxa mit einem Serienkiller, der Paris heimsucht und es auf Paula abgesehen hat. Hierbei bewegt sich der Film zwischen klassischem Horror (Erinnerungen an Das Phantom der Oper und Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts werden wach), Spät-Giallo und Arthouse. Das Ganze läuft mitunter etwas holprig und die Genre-Mischung überzeugt nicht immer. Aber die einzigartige Atmosphäre, die Sets und Locations, die trotz doch offensichtlich kleinem Budget einfach fantastisch aussehen, Kamera und Ton, Anna Mouglalis in der Hauptrolle, die historische Relevanz und letztlich die Leidenschaft der Filmemacher, die sich zu jeder Sekunde offenbart, machen den Film zu einem tollen Gesamtpaket. Für mich ist der Film eine der positiven Überraschungen des Jahres. Zuschauer mit geringem Interesse am Grand Guignol werden womöglich weniger begeistert sein.

Die echte Paula Maxa, die eigentlich Marie-Thérèse Beau hieß, starb übrigens 1970 ohne Familie oder Freunde zu hinterlassen und wurde in einem öffentlichen Sammelgrab in Paris beigesetzt.

Die Filme meiner Kindheit

Einer der Podcasts, die ich regelmäßig höre, ist Nerdtalk. Der beschäftigt sich in erster Linie mit Filmen, manchmal mit Serien und hin und wieder auch mit ganz anderen Dingen. Jedenfalls ist der stets erfrischend und sehr kompetent. Ein neues Format dort, ist die allseits beliebte Top-5-Liste. Der erste Top-5-Podcast dreht sich um die fünf kindheitsprägenden Filme, was impliziert, dass es sich nicht zwangsläufig um Filme für Kinder handeln muss. Und tatsächlich sind die meisten dort erwähnten Filme keine echten Kinderfilme. Inspiriert vom Nerdtalk habe ich daher mal scharf nachgedacht, welche Filme mich in der Kindheit nachträglich beeinflusst haben.

Top-Listen auf nur fünf Einträge zu beschränken, fällt mir unheimlich schwer. Ich habe mir daher die Freiheit genommen, die Liste durch ein paar Zusätze zu ergänzen. Das läuft zwar dem Listenformat entgegen, denn eigentlich will man mit solchen Listen ja einen Sachverhalt auf das Wesentliche reduzieren, aber ich bringe es nicht übers Herz, so viele Filme unerwähnt zu lassen.

Mein erster Kinofilm war der Disney-Klassiker Cap und Capper (The Fox and the Hound). Da war ich fünfeinhalb Jahre alt und zumindest hat mich die Kinoerfahrung als solche beeindruckt. Den Film selbst fand ich wohl so spannend, wie ein Fünfjähriger den nun mal finden kann, aber nachhaltig geprägt hat er mich nicht. Jedenfalls bin ich nie ein großer Disney-Fan geworden, was ja auch Einiges aussagt.

Die Top 5

Nach reiflicher Überlegung komme ich auf diese Filme, die meine Kindheit auf besondere Weise geprägt haben. Gelistet in chronologischer Reihenfolge meiner Entdeckung.

Die unendliche Geschichte (The Neverending  Story)

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Atreyu (Noah Hathaway) und Glücksdrache Fuchur. © Constantin Film

Ich meine mich zu erinnern, dass wir diesen Film mit der Schulklasse im Kino gesehen haben, aber vielleicht spielt mir meine Erinnerung auch einen Streich. Ich habe den Film auf jeden Fall später als VHS-Kassette geschenkt bekommen und so unzählige Male gesehen. Ein Fantasy-Epos mit einem Jungen als Helden. Der Glücksdrache Fuchur, die gigantische Schildkröte Morla, die kindliche Kaiserin, es war ein fantastisches Abenteuer, dem man als Kind einfach nicht widerstehen konnte. Selbst die Erwachsenen waren begeistert. Das war für mich der erste Film, der eine realistische Fantasy-Welt darstellte und mir damit tatsächlich ein Stück weit die Augen öffnete. Ein Film zum Staunen und Wundern.

 

Herrscher der Zeit (Les maîtres du temps)

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Piel im Angesicht einer der zahlreichen Gefahren des Planeten. © TF1, WDR, SWF, SRR, BBC

Dieses Meisterwerk der Animationskunst lief am 31.12.1984 im Nachmittagsprogramm der ARD. Sowas hatte ich noch nicht gesehen. Ein Trickfilm, der aufgrund seiner Thematik und Darstellungsweise auf mich so wirkte, als wäre er nicht für Kinder gemacht. Gleichzeitig war es mein erster Kontakt mit dem Surrealismus, ohne dass ich dieses Wort damals gekannt hätte. Aber mir war klar, dass hier etwas Einzigartiges, Abstraktes gezeigt wird, dass hier eine Welt gezeigt wird, die noch viel seltsamer ist, als die Welt in Die unendliche Geschichte. Gleichzeitig besaß der Film auch etwas Unfassbares und eine verstörende Atmosphäre. Der Film hatte mich tatsächlich tief bewegt – und ratlos zurückgelassen.

 

Leben und sterben lassen (Live and let die)

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Bond auf dem Friedhof inmitten einer Voodoo-Zeremonie. © MGM

James Bond war eine besondere Sache für mich. Nicht nur liefen in den 80er Jahren die Bond-Filme regelmäßig im Fernsehen, auch war mein Vater ein Fan und hatte stets alle neuen Filme auf VHS. Das war eine Zeit, als Videothekare im Hinterzimmer der Videothek für einen kleinen Obolus Kopien der Filme anfertigten und sich niemand daran störte. Ich weiß leider nicht mehr, welcher Film mein erster Bond war, besonders beeindruckt hat mich allerdings Leben und sterben lassen. Der Film war wie eine Achterbahnfahrt und bot alles: Spannung, Action mit atemberaubenden Stunts, morbide Voodoo-Szenen, Humor und mysteriöse Dinge, die ich damals nicht verstand, wie der Fakt, dass die Kartenleserin Solitaire – gespielt von Jane Seymour – ihre seherischen Fähigkeiten verliert, nachdem sie mit Bond im Bett war. Der augenzwinkernde Roger Moore, der hier erstmals James Bond verkörperte, war mir besonders sympathisch. Und dann die Bösewichte: Mr. Big, den eine Explosion jäh in Stücke reißt und sein Handlanger Tee Hee mit dem mechanischen Arm, der ihm am Ende abgerissen wird. Rückblickend war Leben und sterben lassen nicht gerade der beste Bond-Film, aber er hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was ich mittlerweile vom James-Bond-Franchise halte, habe ich hier ausführlich beschrieben.

 

Der Fluch von Siniestro (The Curse of the Werewolf)

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Oliver Reed als Werwolf. © Hammer Films

Mein erster Horrorfilm, den ich im Alter von 7 oder 8 bei meiner Oma gesehen habe. Meine Eltern hätten das natürlich nie erlaubt, was mir bewusst war und dem Ganzen noch einen zusätzlichen Reiz gab. Der Film hat mich fasziniert und gleichzeitig enorm verstört. Oliver Reed als Werwolf! Obwohl ich danach wochenlang schlecht bis gar nicht geschlafen habe, hat der Film ein frühes Interesse am Horror in mir geweckt. Aufgrund von elterlichem Verbot und mangels Zugang zu Filmen – die Kindheit in den 80er Jahren war dürftig, wir hatten ja nichts – habe ich mich über Jahre mit Gespenster-Comics über Wasser gehalten. In meiner Jugend habe ich den Film dann wieder entdeckt und mich daraufhin intensiv mit den Produktionen der Hammer Film-Studios beschäftigt und ein reges Interesse an klassischem Horror und Horror allgemein entwickelt.

 

Die Zeitmaschine (The Time Machine)

Mein erster richtiger Science-Fiction-Film und mein erster Zeitreisefilm, sieht man mal von Herrscher der Zeit ab. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Zeitreiseaspekt in Herrscher der Zeit damals nicht verstanden hatte. Dem Film Die Zeitmaschine konnte ich dagegen weitaus einfacher folgen. Hier wurde mir nicht nur das Konzept von Zeit so richtig bewusst, auch spürte ich erstmals so etwas wie die engen Grenzen der menschlichen Existenz. Zur Erinnerung, Rod Taylor sitzt in seiner Zeitmaschine und wird im Zeitraffer Zeuge von Aufstieg und Verfall der Zivilisation. Im Jahr 1900 gestartet, folgt 1966 der Knall, die atomare Apokalypse. Dann das große Nichts: „Dunkelheit… Dunkelheit… für Jahrhunderte“. Erst im Jahr 802701 landet er in einer neuen Welt, die nur auf den ersten Blick wie das Paradies erscheint. Mit den menschenfressenden Morlocks kommt der nächste Schock. Die Zeitmaschine ist sicher der Film, der dafür verantwortlich ist, dass ich bis heute ein großer Fan von Zeitreisegeschichten bin.

 

Bonus: Der Film, der mir die Unschuld raubte

Die Tiefe (The Deep)

Der Film basiert auf einem Roman von Peter Benchley und das Buch steht bis heute in meinem Regal. Ich hatte schon früh ein Faible für Geschichten entwickelt, die unterwasser oder in Höhlen spielten. Wahrscheinlich nicht zuletzt dank James Bond, denn diese Komponenten waren in dessen Filmen oft verwendete Tropes. Da kam der Familienfernsehabend mit dem Tauchabenteuer Die Tiefe gerade recht. Ich muss 8 oder 9 gewesen sein und im Nachhinein kann ich mir nicht mehr erklären, warum mir meine Eltern erlaubten, diesen Film zu sehen. Zwei Dinge aus diesem Film haben sich mir damals insbesondere eingebrannt. Die Brüste von Jacqueline Bisset, die sich unter ihrem nassen weißen T-Shirt abzeichneten, ganz so als wäre das absichtlich so inszeniert worden, und die für mich damals unerträgliche Szene, in der die halbnackte Jacqueline Bisset von einem Eingeborenen mit Kriegsbemalung mit einem blutigen Hühnerfuß gefoltert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Gewalt in Filmen für mich immer etwas Unbeschwertes oder Fantastisches. Selbst der explodierte Mr.Big in Leben und sterben lassen wirkte irreal, denn man sah kein Tröpfchen Blut. Diese Folterszene jedoch wirkte erschreckend realistisch und bescherte mir Albträume. Zumal dies mein erster Kontakt mit sexualisierter Gewalt war, was ich als Kind nicht wirklich verstand. Der Film hat mir quasi die Unschuld genommen und „verdient“ daher besondere Erwähnung.

 

Der Rest

An dieser Stelle folgen einige Figuren, Schauspieler, Filme und Themen, die ebenfalls sehr wichtig für meine filmische Entwicklung waren, die es aber aus praktischen Gründen nicht in die Liste geschafft haben.

 

Pippi Langstrumpf

Keine Liste ohne Pippi. Pippi Langstrumpf war meine allererste Superheldin. Lange noch bevor ich Batman und das Phantom entdeckte. Keine Diskussion: Pippi ist eine Superheldin. Sie ist die Stärkste und die Schlauste mit der Fuck-You-Attitüde. Sie war Punk, bevor der Punk entstand. Für mich war es faszinierend, dass ein Kind scheinbar abseits jeder Konvention und sozialer Regeln lebte, allen Erwachsenen ein Schnippchen schlug und die wildesten Abenteuer erlebte. Der Fakt, dass Pippi ein Mädchen war, hatte ich übrigens nie hinterfragt. Wahrscheinlich war ich dafür zu jung. Es lässt sich nicht leugnen: Pippi war eine der wichtigsten Figuren meiner Kindheit.

 

Bud Spencer und Terence Hill

Das im doppelten Wortsinn schlagfertige Duo war ähnlich wie James Bond omnipräsent im Fernsehen. Zumindest hatte man das Gefühl, dass ständig irgendwo ein Spencer- und Hill-Film lief, an Feiertagen auch gerne mal nachmittags. Im Gegensatz zu James Bond kann ich aber keinen einzelnen Film rauspicken; ich fand alles gut, was die Beiden fabrizierten. Neben den doch oft nach dem gleichen Schema ablaufenden Massenschlägereien, war ich vor allem von den Fress- und Saufgelagen fasziniert, die ebenso fast zu jedem Film dazugehörten und die nirgendwo sonst so zelebriert wurden.

 

Die Franzosen und der andere Italiener

Neben Bud Spencer und Terence Hill bestand das italienische Kino in meiner Kindheit außerdem aus Adriano Celentano und Western. Von den unzähligen Italo-Western könnte ich keinen bestimmten nennen, der mich in besonderer Weise geprägt hätte. Allerdings ist mir eine bestimmte Szene lange im Gedächtnis geblieben und zwar die, wie motherfucking Django seinen Sarg durch eine apokalyptisch anmutende Ödnis zieht. Das war so anders, als alle anderen Western, die ich zuvor gesehen hatte. Unvergesslich.

Adriano Celentano ist der Brummelbär, der vor allem für seine Komödien bekannt ist. In meiner Erinnerung war ich besonders von den zahlreichen Filmen angetan, die er mit Ornella Muti drehte. Schaut man in die IMDb, zeigt sich, dass die Beiden gerade mal in zwei Filmen zusammen auftraten. Vielleicht habe ich Ornella Muti auch nur mit den anderen schönen Frauen verwechselt, denn an denen herrschte bei Celentano nie ein Mangel. Das ist mir selbst als kleiner Junge aufgefallen. Celentano war für mich immer der Mann mit den schönen Frauen.

Gleiches könnte man auch über Jean-Paul Belmondo und Alain Delon sagen. Zusammen mit Lino Ventura, Louis de Funès und Pierre Richard bilden diese fünf Schauspieler das französische Quintett meiner Kindheit. Zugegebenermaßen war Delon für mich als Kind oft zu anspruchsvoll. Lino Ventura war hart und düster, während de Funès und Richard für die leichtfüßige Komödie zuständig waren. Und Jean-Paul Belmondo hatte irgendwie alles im Programm und gab mal den Killer und mal den Clown.

Das italienische und französische Kino war in meiner Kindheit tatsächlich enorm wichtig. Pierre Richards Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh hat nur knapp meine Top-5-Liste verpasst. Genauso wie de Funès‘ Hasch mich, ich bin der Mörder.

 

Die albernen Deutschen

Ich komme nicht umhin, auch ein paar deutsche Einflüsse zu nennen. Neben Schimanski und Edgar Wallace, die eine große Rolle spielten, ist das aus heutiger Sicht vor allem alles elender Klamauk. Dazu zählen die Filme mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger (Supernasen!), die Dudu-Filme, Hurra die Schule brennt, Popcorn und Himbereis und alle anderen Kömodien mit Tommy Ohrner, Olivia Pascal, Zachi Noy, Dolly Dollar, Karl Dall, Herbert Fux und irgendwelchen Stars der Neuen Deutschen Welle. Aus heutiger Sicht kaum nachzuvollziehen, aber das waren Kinohits und Straßenfeger. Nur leicht anspruchsvoller waren die Filme mit Didi Hallervorden und Otto, deren Überdrehtheit und Slapstick ich liebte.

 

Jules Verne und Edgar Rice Burroughs

Mein oben erwähntes Faible für Unterwasser- und Höhlengeschichten kommt auch hier zum Tragen. Ich glaube, die Romane von Jules Verne, oder zumindest einige der Romane, habe ich erst in früher Jugend gelesen. Als Kind waren die Hörspiele, Comics und Filme ausschlaggebend. Speziell sind zu nennen 20000 Meilen unter dem Meer, Reise zum Mittelpunkt der Erde und In 80 Tagen um die Welt.

Während mir Jules Verne so schon früh zum Begriff wurde, kannte ich den Namen Edgar Rice Burroughs nicht, aber ich liebte etliche der Filme, die auf seinen Geschichten beruhten. Ganz vorn dabei waren die alten Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller, die ich schon in früher Kindheit sah. Etwas später folgten Caprona, Caprona II und Der sechste Kontinent, die dafür sorgten, dass mein Interesse an Geschichten stieg, die sich um die Entdeckung von vergessenen Welten drehten, das klassische Lost-World-Genre.

 

Und (k)ein Ende in Sicht

Je länger das Posting wird, desto schwerer finde ich ein Ende. Es wären noch Katastrophenfilme oder japanische Monsterfilme zu erwähnen. Oder Kampfstern Galactica und andere Science Fiction. Da diese Filme aber eher in eine spätere Entwicklungsphase von mir fallen, die nicht mehr so richtig die Kindheit betrifft, spare ich mir diese Filme für ein zukünftiges Posting auf. Serien und das Fernsehprogramm hatten wahrscheinlich sogar einen höheren Stellenwert als Filme, daher sollte ich mir auch das als zukünftiges Thema auf den Zettel schreiben.

Auffällig ist, dass ich kaum bekannte Kinderfilme erwähne. Weder E.T. noch die Goonies. Viele Leute meiner Generation schwärmen von Star Wars und Star Trek. Das sind jedoch alles Filme, die erst später in mein Leben traten. Und für einige Filme wie beispielsweise E.T. war ich da schon wieder zu alt. Genauso wenig wie ich jemals ein Disney-Fan war, bin ich auch nie ein Fan von E.T. geworden. Die meisten Filme wachsen einem nur dann ans Herz, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt erstmals erlebt.

Melanie De Biasio in Concert

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Bis 31.03.2019 kann man sich in der Arte-Mediathek das Konzert der fantastischen Melanie de Biasio im Pariser Théâtre de l’Odéon anschauen. Das ist blusiger Jazz in seiner reduziertesten Form. Und hier der Bandcamp-Player des aktuellen Albums:

Great Pacific (Garbage Patch)

Kürzlich machte das Meeressäuberungsprojekt Ocean Cleanup des Niederländers Boyan Slat Schlagzeilen und die Medien feierten den Jungunternehmer bereits als neuen Visionär. Das erinnerte mich an eine ziemlich originelle Comicserie, die zwischen 2012 und 2014 bei Image Comics erschien: Great Pacific.

In 18 Ausgaben, deren drei Story-Arcs später in drei Trade-Paperbacks erschienen, erzählt Autor Joe Harris die Geschichte des Ölfirmen-Erben Chas Worthington, der eine Maschine konstruieren will, die den gesamten Plastikmüll im Meer auflösen kann. Die Zeichnungen stammen vom Argentinier Martín Morazzo, der mit Great Pacific seinen US-Einstand als Zeichner gab.

Die Vorstandsetage von Chas Worthingtons Firma möchte die Entwicklungskosten für die Maschine sparen und viel lieber eine neue Ölplattform bauen. Chas entschließt sich daraufhin zu einem drastischen Schritt, er unterschlägt ein paar Milliarden Dollar seiner Firma, inszeniert seinen Tod und setzt sich mit dem Schiff in Richtung des Great Pacific Garbage Patch ab.

Diese gigantische Ansammlung von Müll im Pazifik, die in der Realität eine Art suppiger Strudel ist, wird im Comic zu einer landähnlichen Masse mit den Ausmaßen von Texas. Dort ruft Chas seinen eigenen Staat aus und der Comic wird zur Gründungsgeschichte einer Nation. Das Land muss erforscht und gesichert werden. Da es sich um keine echte Insel handelt, ist das Land in Bewegung und einer ständigen Veränderung durch die Naturgewalten unterzogen. Das Müllland ist von mutierten Tieren bevölkert und Piraten nutzen es als Unterschlupf. Im Verlauf der Geschichte erscheint die US Navy, um Chas festzunehmen, Glücksritter kommen und gründen Kolonien und als immer weitere Fraktionen etwas vom großen Kuchen abhaben wollen, stellt Chas fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen Staat zu führen und er sich immer mehr zum Diktator entwickelt.

Wer diese Art von Entdecker-Geschichten mag, und hier habe ich ja bereits schon mal eine wundervolle Comicserie vorgestellt, dem kann ich Great Pacific nachträglich sehr empfehlen. Leider ist der Comic in Deutschland bisher noch nicht erschienen.