Chinesische Briefmarken mit Teekannen

Als Kind sammelte ich Briefmarken. Ich hatte sogar eine Zeit lang ein Abo für Ersttagsbriefe von der deutschen Post, um das mich einige beneideten. Irgendwann kam ich allerdings in ein Alter, in dem Briefmarken langsam uncool wurden und ich mich lieber interessanteren Dingen zuwendete.

Ich habe zwar nicht vor, mit dem Sammeln wieder anzufangen, aber kürzlich habe ich auf eBay ein paar schöne Briefmarken-Sets entdeckt, die meinem Interesse an Tee und Teekannen entgegenkommen. Da der chinesische Händler nur ein paar Euro haben wollte, konnte ich nicht nein sagen.

Als erstes haben wir hier zwei unterschiedliche Ersttagsbriefe vom 5. Mai 1994 mit den gleichen Briefmarken, die Zisha-Teekannen aus Yixing zeigen. Der erste Brief ist mit einem Teekannen-Motiv abgestempelt, der zweite mit einem Gaiwan-Motiv. Bei den Teekannen handelt es sich um eine dreibeinige runde Kanne aus der Ming-Dynastie (1368 bis 1644), eine vierbeinige eckige und eine bambusartige aus der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) sowie eine moderne Variante, wie sie seit einigen Jahrzehnten existiert.

Mit diesen Briefmarken hat das chinesische Postministerium die Teekannen aus Zisha-Ton als wesentlichen Teil der Kunst und Teekultur Chinas geehrt.

Schließlich noch ein Briefmarkenblock, bei dem ich etwas recherchieren musste, um herauszufinden, was er zeigt. Es handelt sich um Teekannen, die von verschiedenen Töpfern in Zusammenarbeit mit dem berühmten Künstler Han Meilin (der Herr im Bild) in den 1980er Jahren entstanden sind. Solche Teekannen erzielen heute irrsinnige Preise.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Namen der Töpfer zwecks Suchbarkeit transkribiert.

Linke Spalte von oben nach unten
1: 汪寅仙 (Wang Yinxian)
2: 陈国良 (Chen Guoliang)
3: 吴亚亦 (Wu Yayi)
4: 施小马 (Shi Xiaoma)
5: 江建祥 (Jiang Jianxiang)

Rechte Spalte von oben nach unten
1: 方小龙 (Fang Xiaolong)
2: 鲍玉梅 (Bao Yumai)
3: 鲍曙岩 (Bao Shuyan)
4: 王志刚 (Wang Zhigang)
5: 张志强 (Zhang Zhiqiang)

Wann genau dieser Briefmarkenblock erschien, konnte ich bisher leider nicht herausfinden.

Kickstarter für Commando Ninja II

Letztes Jahr habe ich auf die spaßige 80er Jahre Actionfilm-Hommage Commando Ninja hingewiesen, die von einer Gruppe von Enthusiasten in mühevoller Arbeit gestemmt wurde. Nun hat Regisseur Benjamin Combes einen Kickstarter für das Sequel angestoßen. Für bereits 10€ kann man seinen Namen in die Endcredits bringen und das Projekt unterstützen. Weitere Perks für Film- und Soundtrack-Downloads, Blu-rays, VHS, Poster und T-Shirts werden angeboten. Für ein größeres Sümmchen kann man sogar „Executive Producer“ werden.

Laut Kickstarter-Info will man nach dem Erfolg des ersten Films für das Sequel nochmals ein paar Brocken drauflegen. Alles soll eine Nummer größer werden. So sind Drehs in den USA und Thailand angedacht, während der erste Film noch komplett im französischen Hinterland entstand. Zudem soll es neben der bewährten augenzwinkernden Action auch eine größere Abenteuer-Komponente im Stile von Indiana Jones und Jurassic Park geben. Regisseur Combes plant mit mindestes 90.000€ Budget, das Dreifache von dem, was der erste Film kostete.

Ob die aktuelle Situation inmitten der Corona-Pandemie ein passender Zeitpunkt für solch ein ambitioniertes Independent-Projekt ist, bleibt abzuwarten. Ich bin jedenfalls dabei und hoffe, dass das Ding realisiert wird.

Einigen Serien Adieu sagen

Einige Serien, die in der letzten Zeit ihr Ende gefunden haben, möchte ich doch zumindest noch mit einem kurzen Kommentar verabschieden. Schön wars, aber nun ist es vorbei.

Homeland (2011 – 2020, 8 Staffeln)

Zwischen 2011 und 2020 hat es Homeland auf respektable 8 Staffeln gebracht. Die Serie sollte zwar nie wieder die nervenzerreißende Spannung der ersten drei Staffeln erreichen, aber Homeland ist es gelungen, bis zum Ende ein hohes erzählerisches Niveau zu halten. Nebem dem soliden Fundament aus spannungs- und wendungsreicher Erzählkunst, glänzte Homeland vor allem beim Schauspiel und den Figuren. CIA-Officer Carrie Mathison, gespielt von Claire Danes, hat es zur memegekrönten Berühmtheit in der Popkultur gebracht und gehört für mich ganz klar zu einer der interessantesten und komplexesten Fernsehfiguren.

Das Ende der Serie kommt nicht zu früh. Man hätte noch hundert weitere Terrorismus-Stories erzählen können, aber die Autoren haben das Wesen von Carrie bis ins Kleinste ausgelotet. So sehr Homeland eine Serie über Terrorismus, Geheimdienste und das üble Geschäft dazwischen war, so war Homeland auch immer eine Geschichte über Carrie. Deren Geschichte ist zu Ende erzählt. Alles, was jetzt noch käme, wäre Wiederholung. Wie die Serie endet, gefällt mir. Es ist ein bischen fordernd, vielleicht sogar provokant, in der allerletzen Einstellung aber auch versöhnlich. Das passt und lässt mich zufrieden zurück.

Ray Donovan (2013 – 2020, 7 Staffeln)

Staffel 1, Folge 1, Szene 1
Mickey, gespielt von John Voigt, wird aus dem Knast entlassen. Das „It’s a different world out there, Mickey. Good Luck.“ des Gefängniswärters deutet an, dass er eine kleine Ewigkeit einsaß. Mickey wird von einem Typen ohne Namen abgeholt. Schweigend fahren sie im Auto. Mickey starrt aus dem Fenster. Die Stadt zieht vorbei. An einer Kirche steigt Mickey aus, erklimmt die Stufen, bewegt sich gemächlich, aber zielstrebig durch die verwinkelten Gänge, betritt das Zimmer des überraschten Pfarrers, zieht einen Revolver aus der Jacke und steckt dem Pfarrer den langen Lauf in den Mund. „How does it feel, you cocksucker? You like it?“. Der Pfarrer wimmert, Gegenschnitt auf das verzerrte Gesicht von Mickey. Blam!

Was für ein Opener. Es gibt diese seltenen Momente, wenn man nach zehn Minuten weiß, dass man hier genau richtig ist und dass das Folgende einen unmöglich enttäuschen wird. Das war ein solcher seltener Moment für mich; und Ray Donovan hat mich tatsächlich bis zum bitteren Ende nicht im Stich gelassen. Ray Donovan, gespielt von Liev Schreiber, ist ein Problemlöser in Hollywood, jemand, den die Anwälte engagieren, wenn ein Filmstar erpresst wird, ein Model gestalkt wird oder ein Football-Profi eine tote Frau im Bett findet. Ray hat für alles und jeden eine Lösung. Nur gelingt es ihm nicht, seine eigenen Probleme in den Begriff zu bekommen. Sein Vater, der oben erwähnte Mickey, ist nur eines von vielen.

Die Serie, in der sich deprimierende Schwermut mit cooler Leichtfüßigkeit vereint, ist vordergründig eine wundersame Reise in die dreckigen Hinterhöfe Hollywoods und eine Geschichte über die schäbigen Deals in den Büros von Filmstudios, Anwälten und Politkern. Es gibt einige dezent satirische Anklänge. Aber Ray Donovan ist nicht so sehr Dekonstruktion des Hollywood-Mythos, wie man zunächst meinen mag. In erster Linie ist die Serie ein thrillergetränktes Familiendrama, das von seinen Figuren lebt.

Umso schändlicher ist es, wie mit diesen Figuren am Ende umgegangen wird. Die Serie wurde nämlich unerwartet nach 7 Staffeln abgesetzt. Mit etwas Wohlwollen könnte man die letzte Folge als teilweise offenes Ende schönreden. Immerhin wird der Haupthandlungsstrang, der quasi mit der allerersten oben geschilderten Szene seinen Anfang nimmt, recht ordentlich abgeschlossen. Als Zuschauer könnte man nun annehmen, dass zumindest Ray seinen Frieden finden kann. Leider bleiben alle anderen Figuren in der Luft hängen.

Insbesondere in Anbetracht der offiziellen Mitteilung des Fernsehsenders Showtime komme ich nicht umhin, in einen gewissen Zynismus zu verfallen:

After seven incredible seasons, Ray Donovan has concluded its run on Showtime. We are proud that the series ended amid such strong viewership and on such a powerful note.

Wenn die Serie eine so starke Zuschauerschaft hatte, wieso wurde sie dann abgesetzt? „Ended on a powerful note“? Es ist ein verdammter Cliffhanger! Aber gemach. Es gibt Hoffnung. Liev Schreiber selbst kündigte unlägst via Instagram an, dass das Team an einem finalen Film arbeitet! Wann und ob überhaupt der in Produktion geht, steht momentan in den Sternen. Aber ich bin vorsichtig optimistisch, dass diese großartige Serie doch noch ihren verdienten runden Abschluss bekommen wird.

Mr. Robot (2015 – 2019, 4 Staffeln)

Diese Serie ist von Anfang bis Ende ein absolut einzigartiger Trip. Ein Trip in die Gedanken- und Lebenswelt des brillanten, aber unter Angst- und Persönlichkeitsstörungen leidenden Programmierers Elliot, der eines Tages von einer ominösen Gruppe von Hacktivisten rekrutiert wird, um das größte Unternehmen der Welt, die E Corp, zu Fall zu bringen und die gesamte Verschuldung aller Bürger auszuradieren.

Der Serienschöpfer Sam Esmail macht gar keinen Hehl aus der Tatsache, dass ihm Fight Club als die maßgebliche Inspiration für Mr. Robot diente. Inhaltlich und auch filmtechnisch gibt es einige unübersehbare Parallelen zum Fincher-Klassiker. Allerdings sollte man sich als Zuschauer von dieser Nähe schnell wieder freimachen. Esmail hat aus der Essenz von Fight Club ein ganz eigenes gewaltiges Monster sublimiert. Mr. Robot ist sperrig, in Teilen unangenehm, und spielt in einer Welt, die mit schlechten Menschen bevölkert ist. Eine Welt, in der eigentlich niemand leben will. Als Zuschauer stellt man allerdings irgendwann fest, dass diese Welt nur ein verzerrtes Spiegelbild ist und unserer Welt gar nicht so unähnlich ist. Zudem sind die Konsumkritik, das Hinterfragen des Establishments und die Herrschaft der Megakonzerne, Datenschutz und Netzsicherheit, Themen, die aktueller nicht sein könnten.

Esmail hat es geschafft, dies alles verdammt plausibel in eine packende Geschichte zu weben, die einen nicht nur durch außergewöhnlich gutes Storytelling in den Bann zieht, sondern auch mit einem intensiven audiovisuellen Konzept die Synapsen stimuliert. Das ist alles keine einfache Kost. Mitunter ist es vielleicht sogar eine Qual, ganz im Sinne, dass es erst mal wehtun muss, bevor es besser wird. Aber wenn man durchhält und dranbleibt, wird man mit feinster Filmkunst belohnt. Das Finale der Serie ist eine Erlösung, nicht nur für Hauptcharakter Elliot, sondern auch für den Zuschauer. Ein fantastisches Finale. Und am Ende insinuiere ich ganz frevelhaft, dass Mr. Robot vielleicht sogar der bessere Fight Club sein könnte. Vielleicht. Oder ganz bestimmt.

Auf Amazon Prime kann man Sam Esmails Serie Homecoming abrufen, die ich ebenso empfehle, auch wenn sie nicht ganz die überragende Wirkung von Mr. Robot entfaltet. Als nächstes stehen für Esmail Serien über die seltsame Los-Angeles-Ikone Angelyne, den Watergate-Skandal, eine Adaption von Fritz Langs Klassiker Metropolis und eine Battlestar-Galactica-Fortsetzung auf dem Plan. Gutes Zeug, das ich nicht verpassen werde.

Dark (2017 – 2020, 3 Staffeln)

Das Phänomen Dark hatte ich letztes Jahr bereits kommentiert. An meiner Meinung hat sich auch mit der dritten Staffel und dem Ende der Serie nichts geändert. Dark ist eine der sorgsamst erzählten und logischsten Zeitreisegeschichten überhaupt – wenn man der verschachtelten Handlung folgen kann. Die dritte Staffel vollendet die Geschichte auf fantastische Weise. Hier zeigt sich der Vorteil überdeutlich, wenn eine Serie von vorne herein auf eine bestimmte Länge konzipiert ist und die Macher wissen, wie sie ihre Geschichte zu Ende erzählen wollen.

Meine Kritikpunkte bleiben nach wie vor die gekünstelten Dialoge und die Figurenzeichnung. Die Figuren wirken seltsam entrückt. Was eigentlich Sinn ergibt, da die ganze Geschichte entrückt von der Wirklichkeit ist, führt bei mir dazu, dass ich mit den Figuren nicht mitfiebern kann. Die Faszination von Dark speist sich bei mir nahezu ausschließlich durch die Geschichte und wird nur ganz selten durch die Figuren getragen. Im Vergleich zur oben genannten Serie Ray Donovan, in der die Figuren alle larger than life, aber immer greifbar sind, bleiben die Figuren in Dark vage Gestalten. Letztlich kann ich mich damit arrangieren, wenn ich es als Teil des Konzepts sehe.

Dark hat auf jeden Fall die Messlatte für Science Fiction, speziell für Science Fiction aus Deutschland, ein Stück höher gelegt. Die Serienmacher, das Ehepaar Baran bo Odar und Jantje Friese, arbeiten bereits an der nächsten Serie für Netflix. Es war vermutlich keine schlechte Idee von Netflix, die Beiden gleich langfristig an sich zu binden.

The Dark Crystal: Age of Resistance (2019, 1 Staffel)

Nun ist es Gewissheit. Netflix hat die Serie nach einer Staffel eingestellt. Ich glaube, es hat kaum jemand mit einer anderen Entscheidung gerechnet. Die Serie war schweineteuer, so munkelt man, öffentliche Zahlen gibt es nicht, und vor allem unfassbar aufwendig. Zumindest das sieht man in jeder einzelnen Einstellung. Die Detailverliebtheit, mit der die sagenhafte Märchenwelt des Planeten Thra zum Leben erweckt wurde, ist berauschend. Gleichzeitig ist die Serie das beste Beispiel dafür, wie man handgearbeitete Puppen und Modelle mit moderner CGI kombiniert. Ich würde ja am liebsten sagen, das ist die Zukunft. Aber aus Kostengründen werden solche verschwenderischen und zeitaufwändigen Produktionen wohl weiterhin leider die Ausnahme bleiben.

Für mich die schönste Serie des letzten Jahres. In der Tat bin ich gar nicht so verstimmt darüber, dass sie nicht fortgesetzt wird. Vielmehr freue ich mich, dass es überhaupt die erste Staffel gegeben hat. Das ist bei diesem Megaprojekt keine Selbstverständlichkeit gewesen. Und wer weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht ist das nicht das Letzte, was wir vom dunklen Kristall gesehen haben.

Loch in einem Schädel ausbessern

Ich habe hier einen Schädel, der offenbar von einem artikulierten Skelett stammt, da er oben das charakteristische Loch hat, wo das Skelett normalerweise aufgehängt ist. Wenn man sich erkundigt, wie man solche Löcher am besten verschließt, wird Epoxidharz, Holzleim oder Sekundenkleber mit Knochenmehl empfohlen.

Das sind mir allerdings zu endgültige Methoden und Epoxy oder Holzleim scheinen mir auch nicht ideal dafür, das Loch optisch verschwinden zu lassen. Ich habe mich daher entschieden, etwas auszuprobieren, was sich wieder rückgängig machen lässt, sollte der Versuch misslingen. Ich habe Modellgips verwendet und beim Anrühren etwas beige Kreidefarbe hinzugefügt. Kreidefarbe ist das Zeug, was man benutzt, um Möbel auf shabby chic zu trimmen.

Dass das Loch direkt in der Schädelnaht platziert ist, verkompliziert die Ausbesserungsarbeit, bringt aber gleichzeitig den Vorteil, dass man die Ausbesserungsstelle „verstecken“ kann. Während der Gips sich verfestigte, habe ich mit einer Nadel die Schädelnaht nachgezogen bzw. immitiert. Das wäre bei Epoxy oder Sekundenkleber nicht möglich gewesen. Nach der Durchtrocknung habe ich zum Abschluss etwas Graphitstaub aus dem Bleistiftspitzer darüber verwischt um einen optischen Übergang zu erzielen.

Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber überraschend gut. So gut, dass man schon genau hinschauen muss, um die Ausbesserung zu erkennen. Mir scheint diese Gipsmethode daher ziemlich empfehlenswert.

Der Vollständigkeit halber der Schädel auch noch mal von vorne. Sieht nach einer westlichen Frau mittleren Alters aus.

Filmklassiker der 20er Jahre in der ARD-Mediathek

Die Büchse der Pandora (1929)

Erst letzten Monat hatte die ARD diese umfangreiche Wim-Wenders-Werkschau in der Mediathek. Ich glaube, es waren fast 20 Filme des Meisters, die man ansehen konnte. Diesen Monat bringt die Mediathek eine weitere schöne Filmsammlung online. Zur Einstimmung auf die 3. Staffel von Babylon Berlin stehen nun 12 Filmklassiker der 20er Jahre zum Abruf bereit. Von Berlin Alexanderplatz bis zum Überfilm Metropolis, von der Lotte-Reiniger-Scherenschnittanimation bis zum unvermeidlichen Blauen Engel.

Man muss sich allerdings ranhalten, denn am 19.10. verschwinden die Filme wieder. Eine gute Alternative ist es, die Filme über MediathekViewWeb zur Nachschau zu sichern. Denn so richtig bingeable sind diese zum Teil überlangen Stummfilme eher nicht.

Bezüglich Babylon Berlin sei auch nochmals auf die Hörspielserie hingewiesen, die man in der Audiothek hören und runterladen kann. Der nasse Fisch entspricht den ersten beiden Serien-Staffeln, Der stumme Tod der dritten Staffel. Mit Moabit gibt es auch noch ein Prequel zur Geschichte.

Schimanski in grieselfreiem HD

Hätte ich nicht erwartet, war aber nötig. Zum 50. Geburtstag der Tatort-Reihe, der allererste Tatort war Taxi nach Leipzig (29. November 1970), hat der WDR alle Schimanski-Tatorte rausgekramt und digital restauriert. Passenderweise feiert der erste Schimanski-Tatort, Duisburg-Ruhrort (28. Juni 1981), nächstes Jahr den 40sten, was wohl ein weiterer Anlass für dieses Projekt gewesen sein dürfte.

Bis ins nächste Jahr hinein strahlt der WDR dienstags die restaurierten Filme in chronologischer Reihenfolge aus. Danach stehen die Filme jeweils 90 Tage lang in der Mediathek zur Verfügung. Man sollte also nicht verpassen, sich über MediathekView die Folgen fürs eigene digitale Archiv runterzuladen. Eine Übersicht über die Ausstrahlungstermine bis zum Jahresende findet man in der Ankündigung der ARD.

Hier einige Screenshot-Vergleiche aus dem ersten Schimanski-Tatort. Links die alte Version von einer RBB-Austrahlung letztes Jahr, rechts die neue übearbeitete Version.

Hier noch mal eine Szene im Bewegtbild. Das Gegriesel, die Kratzer und der Dreck ist verschwunden, aber die Schärfe hat ein wenig gelitten. Hier gut erkennbar an den Wellen. Der Grauschleier stört etwas. Allerdings sehen die überarbeiteten Versionen der folgenden Schimanski-Tatorte noch mal deutlich besser aus.

So lobenswert das Projekt auch ist, einen Kritikpunkt habe ich doch. Der erste Tatort liegt in der Mediathek in Full-HD (1080p) vor, was mich sehr gefreut hat, denn damit ist die Auflösung deutlich höher als bei der TV-Austrahlung in Standard-HD (720i). Aus unbekannten Gründen sind die folgenden Tatorte jedoch nur in der 720er Auflösung verfügbar. Schade.

Fackeln im Sturm (1985, 1986, 1994)

Auf Amazon Prime habe ich Fackeln im Sturm entdeckt, einen Straßenfeger meiner Kindheit, und ich verspürte irgendwie den Drang, mir dieses Epos mit über 30 Jahren Abstand nochmals anzusehen. Eigentlich bin ich damals zu jung gewesen, aber die Serie war ein solcher Hit, dass man es sich selbst als Grundschüler nicht erlauben konnte, sie zu verpassen. Ich kann natürlich nicht behaupten, dass ich damals alles verstanden hätte. Bürgerkrieg, große Politik, Intrigen, Rassismusdebatte, Familienfehden.

Bei Fackeln im Sturm handelt es sich um drei Mini-Serien des amerikanischen Fernsehsenders ABC. Entsprechend der Romantrilogie von John Jakes, auf der die Produktion beruht, heißen die Serien im englischen Original North and South Book I, Book II und Book III. Man kann das Ganze allerdings einfachheitshalber als eine Serie mit drei Staffeln betrachten.

Fackeln im Sturm erzählt von den Vorgängen unmittelbar vor, während und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, deckt damit die Zeitspanne zwischen den Jahren 1842 und 1866 ab, und stellt dabei zwei Familien in den Mittelpunkt der Handlung. Orry Main (Patrick Swayze) und seine Familie besitzen eine Baumwollplantage mit entsprechender Sklaveninfrastruktur in South Carolina, während George Hazard (James Read) und seine Familie eine Eisenhütte in Pennsylvania betreiben, natürlich sklavenfrei. Zwischen den Familien und speziell zwischen Orry und George entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, bevor diese aufgrund der Spaltung des Landes auf eine schwere Probe gestellt wird. Die Serie macht dazu eine große Anzahl von Nebenhandlungen auf und erzählt vom äußeren Konflikt, dem Krieg, genauso wie vom inneren Konflikt der Figuren. Die Spaltung des Landes verläuft durch Familien und zwischen Freunden hindurch. Die Serie lässt außerdem die Perspektive der Sklaven nicht außen vor, was Fackeln im Sturm inhaltlich deutlich interessanter macht, als den heute kontrovers diskutierten Bürgerkriegsklassiker Vom Winde verweht.

Der Ruf der Serie – und das, was mir noch vage in Erinnerung war – haben dazu geführt, dass ich mich geistig auf ein echtes Kitsch-Fest vorbereitet habe. Doch erfreulicherweise wäre das gar nicht nötig gewesen. Fackeln im Sturm ist eine große Seifenoper, da gibt es kein Vertun. Aber eine Seifenoper auf hohem Niveau. Mit einer abwechslungsreichen Handlung, nahezu tadelloser Inszenierung und mit einer guten Besetzung gelingt es der Serie spannend zu unterhalten und zumindest ansatzweise auch ein bischen Geschichte zu vermitteln. Historisch werden die wichtigsten Stationen abgearbeitet und man bekommt einen soliden Eindruck, wie und warum der Krieg geführt wurde. Einen  wissenschaftlich-kritischen Geschichtsunterricht dürfte man hier ohnehin nicht erwarten.

Zwei Dinge haben mich besonders überrascht. Für eine Fernsehserie aus den 1980er Jahren hat sich Fackeln im Sturm erstaunlich gut gehalten. Das liegt an der filmischen Inszenierung mit Kamerafahrten am Kram und Massenszenen mit hunderten von Statisten auf dem Schlachtfeld, und an den auch heute noch beeindruckenden Sets und Kostümen. Das passt alles gut zusammen und wirkt nur selten kulissenhaft.

Eine weitere Überraschung für mich, weil es mir damals als Kind natürlich nicht bewusst war, sind die ganzen Cameos berühmter Schauspieler: Robert Mitchum, James Stewart, Hal Holbrook, Elizabeth Taylor, Olivia de Havilland (bekannt aus Vom Winde verweht), Lloyd Bridges… und Michael Dudikoff, der zwar damals kein berühmter Schauspieler war, sich nach Fackeln im Sturm aber zu einem der bekanntesten B-Action-Stars der 80er und 90er Jahre entwickeln sollte. Nicht zu vergessen, dass auch der spätere Star-Trek-Commander Jonathan Frakes hier ebenso eine größere Rolle hat.

Damit steht recht viel auf der Habenseite. Ganz kritiklos will ich die Serie aber nicht abfeiern. Stellenweise kommen mir zu sehr die traditionellen Seifenoperelemente durch. Das fängt bei den Figuren an, die alle erdenklichen Archetypen abdecken, vom guten Sklavenbesitzer, der von den Sklaven profitiert und sich seiner Familie verpflichtet fühlt, aber dennoch irgendwie spürt, dass Menschen wie Dinge zu besitzen, nicht richtig ist, bis zur intriganten Schwester, die über Leichen geht. Es werden einfach etwas zu viele melodramatische Momente aufgetischt. Hier noch eine Affäre, dort noch schnell ein Duell wegen einer Lappalie. Immerhin gilt es, eine Gesamtspielzeit von über 22 Stunden zu füllen.

Das größte Manko der Serie ist allerdings zweifellos die dritte Staffel. Staffel 1 und 2 erschienen 1985 und 1986, zwei bzw. drei Jahre nach den Romanen von John Jakes, und bilden eine schöne runde Geschichte mit einem versöhnlichen Ende. 1987 erschien Jakes abschließender dritter Roman der Reihe, der ursprünglich eigentlich gar nicht verfilmt werden sollte. Einige Jahre später überlegte man es sich bei ABC offensichtlich doch anders und schob 1994 noch die dritte Staffel hinterher. Vermutlich war der große Erfolg der Serie zu verführerisch, als dass man darauf hätte verzichten können, die Kuh noch weiterzumelken.

Positiv ist zu vermerken, dass auch die dritte Staffel visuell ansprechend ist und dass etliche Schauspieler der ersten und zweiten Staffel wieder mit an Bord sind. Im Falle von Patrick Swayze stand man allerdings vor einem Problem. Kurz nach der zweiten Staffel feierte Swayze mit dem Film Dirty Dancing seinen Kino-Durchbruch. Anfang der 90er Jahre folgten weitere Hits wie Ghost und Point Break. Völlig ausgeschlossen, dass Swayze für eine dritte Staffel zur Verfügung stehen würde. Das war eine Zeit, in der man als Schauspieler nicht mehr ins Fernsehen zurückkehrte, wenn man einmal den Sprung ins Kino geschafft hatte (oben genannte Cameos ausgenommen). Vielleicht war Swayze auch mittlerweile auch einfach zu teuer. ABC musste daher eine Lösung für die Figur Orry Main finden. Neu besetzen oder aus der Geschichte rausschreiben. Man entschied sich für Letzteres und leider tat man dies auf denkbar schlechteste Weise.

Man könnte darüber hinwegsehen, wenn denn der Rest der Staffel wenigstens spektakulär wäre. Aber inhaltlich beschränkt sich die Staffel auf eine simple Rachegeschichte. Es gibt durchaus einige gute Ansätze. So versuchen die Protagonisten ihr Leben zu ordnen und ihre Geschäfte wieder aufzubauen. Die ehemaligen Sklaven müssen feststellen, dass das Ende der Sklaverei nicht das Ende des Rassismus bedeutet. Der Ku Klux Klan taucht auf. Es wird ein Massaker an Cheyenne verübt. Letztlich werden all diese Themen aber nur angerissen und es ergibt sich wenig daraus. Mit einer Länge von 3 x 90 Minuten ist die dritte Staffel auch nur halb so lang wie die vorherigen. Sind die Ideen ausgegangen oder das Geld? So bleibt der Eindruck, dass die dritte Staffel ein eigentlich überflüssiger Nachtrag zu einer längst fertigerzählten Geschichte ist.

Es schmälert die Qualität der Serie aber nur geringfügig, egal ob man nun die dritte Staffel als Teil der Serie betrachtet oder sie gedanklich streicht. Fackeln im Sturm ist ein amerikanisches Serienepos, das mich in seiner Gesamtheit nach all den Jahren doch tatsächlich ziemlich gut unterhalten und ein Stück weit auch immer noch beeidruckt hat. Wider erwarten.

Krimi-Podcast: Kein Mucks!

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Kürzlich hat Bremen Zwei einen 10-teiligen Podcast gestartet, in dem Bastian Pastewka alte Krimi-Hörspiele aus dem Bremen-Zwei-Archiv präsentiert. Das Ganze nennt sich passenderweise Kein Mucks! und ist definitiv eine hörenswerte Angelegenheit. Zur  Klarstellung: das ist kein Podcast über Hörspiele, sondern Pastewka macht die Einführung und die Hörspiele werden in Gänze gespielt. Hier hat man die Gelegenheit ein paar schöne alte, fast vergessene Hörspiele wieder zu entdecken.

Das erste Hörspiel habe ich gehört, ein 4-Teiler namens Zweite Instanz aus dem Jahr 1963 mit einem jungen Günter Strack in der Hauptrolle. Und ich bin positiv überrascht über die inhaltliche Qualität dieses Stücks. Eine Mischung aus Murder-Mystery und Gerichtsdrama. Macht auf jeden Fall Laune auf die nächsten Hörspiele.

 

Ein Filmheft aus Japan

Auf eBay gestöbert und Eva Renzi auf dem Cover eines alten japanischen Filmmagazins entdeckt. Da dachte ich mir, das könnte ich ja mal kaufen.

Es handelt sich um eine Ausgabe von Kinema Junpo (キネマ旬報), kurz: Kinejun (キネ旬), Nr. 477 vom September 1968. Kinejun hat eine interessante Geschichte. Es ist Japans ältestes Filmmagazin, gegründet 1919 (!) von vier Studenten, Anhänger der Pure-Film-Bewegung, die das japanische Kino dafür kritisierte, im Prinzip einfach nur Theater abzufilmen, anstatt die filmischen Möglichkeiten auszunutzen, und daher den ausländischen Film bevorzugte.

Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung während des 2. Weltkrieges, erscheint Kinejun bis heute. Eine Webseite gibt es natürlich auch. Die alljährlichen Top-Ten-Listen, die Kinejun veröffentlicht, scheinen eine ziemlich prestigeträchtige Angelegenheit zu sein. Die Fokussierung auf den ausländischen Film wurde schon in den 1930er Jahren aufgegeben und seitdem beschäftigt sich das Magazin generell mit Film und der Filmindustrie.

Wenn man kein Japanisch versteht, ist das Heft – zumindest meine alte Ausgabe – nicht so wahnsinnig spannend. Die ersten sieben Seiten bestehen aus ganzseitigen Foto-Collagen zu aktuellen Filmen. Dann folgt viel Text in Form von News, Reviews, Essays und Kinoprogrammen.

Interessanterweise ist auch das komplette 23-seitige Drehbuch einer Fernsehserien-Episode abgedruckt. Trotz Übersetzungs-App war es nicht ganz einfach, herauszufinden, worum es sich dabei handelt. Nach etwas hin- und hergeklicke habe ich die Episode in einer japanischen Fernsehserien-Datenbank identifiziert. Es ist die Episode 天下一の剣豪 (Tenkaichi no kengō, Der beste Schwertkämpfer der Welt) aus der Serie 剣 (Ken,  Schwert). Tetsuro Tanba spielt hier mit, den man zumindest aus dem James-Bond-Film You only live twice als Tiger Tanaka kennen sollte. Die Serie scheint aber selbst in Japan nicht übermäßig bekannt zu sein. Es gibt zwar eine DVD-Box, aber weder findet man einen Eintrag in der IMDb noch in der japanischen Wikipedia.

Werbung gibt es im Heft wenig. Die skandinavische Airline SAS hat eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Ansonsten sind da noch ein paar Seiten Filmwerbung. Die Anzeige zum Film Le Rapace mit Lino Ventura, der in Deutschland den schicken Titel Im Dreck verreckt hat, habe ich mal eingescannt, denn die habe ich online in dieser Form noch nicht gesehen.

Le_Rapace

Was Eva Renzi betrifft, die scheint ohne besonderen Anlass auf dem Titel zu sein. Auf Seite 2 findet sich zwar eine kleine Info-Box über sie, aber ansonsten habe ich im Heft nichts weiter über sie oder ihre Filme entdecken können.

Macht aber nichts. Trotz der Sprachbarriere, ist das Heft etwas Feines für die Sammlung. Und einiges gelernt habe ich bei der Recherche auch. Kinejun war mir bis dahin nämlich völlig unbekannt und die Fernsehserien-Datenbank könnte in der Zukunft auch noch mal hilfreich sein.